Zu Jah­res­be­ginn fas­sen vie­le Men­schen gute Vor­sät­ze. Doch kur­ze Zeit spä­ter sind sie ver­ges­sen. Denn die Vor­sät­ze sind nicht in einer Lebens­vi­si­on ver­an­kert. Die Wirt­schafts­psy­cho­lo­gin Sabi­ne Pro­has­ka zeigt, wie sich Vor­sät­ze erfolg­reich umset­zen las­sen.

Vorsätze fürs Jahr 2018 fassen und umsetzen

Das neue Jahr steht vor der Tür. Viel Erfolg beim Umset­zen der guten Vor­sät­ze! Foto: Pixabay

Vorsätze fürs Jahr 2018 fassen und umsetzen

Das Modell zeigt die ver­schie­de­nen Lebens­be­rei­che, die maß­geb­li­chen Ein­fluss auf Ihre Lebens­ba­lan­ce haben. Gra­fik: semi­n­ar con­sult pro­has­ka

Zie­he ich nach Wien um, weil ich Kar­rie­re machen möch­te, oder sind mir mei­ne Freun­de wich­ti­ger? Spa­re ich 200 Euro pro Monat fürs Alter oder flie­ge ich auf die Baha­mas? Möch­te ich mit mei­nem Part­ner Kin­der krie­gen oder ist mir mei­ne Unab­hän­gig­keit wich­ti­ger? Vor sol­chen Fra­gen, bei denen wir uns ent­schei­den müs­sen, ste­hen wir in unse­rem Leben immer öfter. Denn es ist eine Illu­si­on anzu­neh­men: Alles sei zugleich mög­li­ch.

Sich zu ent­schei­den, fällt vie­len Men­schen schwer. Denn: Wenn wir uns für etwas ent­schei­den, müs­sen wir ande­re Mög­lich­kei­ten ver­wer­fen. Das kön­nen wir nur, wenn wir wis­sen, was uns wich­tig ist. Son­st fas­sen wir zwar vie­le Vor­sät­ze, doch ein, zwei Tage spä­ter sind sie ver­ges­sen. Denn unse­re Vor­sät­ze sind nicht in einer Lebens­vi­si­on ver­an­kert.

Die wirklich wichtigen Dinge passieren nicht

Hin­zu kommt: Was in unse­rem Leben wirk­li­ch wich­tig ist, ist nie drin­gend. Es ist zum Bei­spiel nie drin­gend, jog­gen zu gehen. Es wäre aber gut für unse­re Gesund­heit. Und es ist nie drin­gend, sich Zeit für ein Gespräch mit dem Part­ner zu neh­men. Es wäre aber wich­tig für die Bezie­hung.

Weil die wirk­li­ch wich­ti­gen Din­ge nie drin­gend sind, schie­ben wir sie oft vor uns her. Oder wir hegen die Illu­si­on: Wenn ich alles schnel­ler erle­di­ge, habe ich auch dafür Zeit. Die ein­zi­ge Kon­se­quenz: Wir füh­ren ein Leben im High-Speed-Tem­po. Und irgend­wann stel­len wir resi­gniert fest: Nun füh­re ich zwar ein (noch) ge-füll­te­res Leben, aber kein er-füll­tes Leben.

Herausforderung: die Balance im Leben wahren

Eine sol­che Schief­la­ge ist kein Ein­zel­schick­sal. Immer mehr Men­schen plagt das Gefühl: Mein Leben ist nicht im Lot. Eine Ursa­che hier­für ist: Bezo­gen auf ihre beruf­li­che Lauf­bahn haben die meis­ten Men­schen eine kla­re Per­spek­ti­ve – zum Bei­spiel: „Ich will Ver­triebs­lei­ter wer­den.“ Anders sieht es in den Lebens­be­rei­chen Sinn/Kultur, Körper/Gesundheit und Sozia­les Leben aus. Hier feh­len uns häu­fig kla­re Zie­le.

In der All­tags­hek­tik über­se­hen wir zudem oft, dass die vier Lebens­be­rei­che in einer Wech­sel­be­zie­hung ste­hen. Des­halb ver­liert, wer zum Bei­spiel den Bereich Arbeit/Beruf län­ger­fris­tig über­be­tont, auf Dau­er neben sei­ner Lebens­freu­de, auch sei­ne Leis­tungs­kraft. Denn:

  • Wer krank ist, kann weder sein Leben in vol­len Zügen genie­ßen, noch ist er vol­ler Leis­tungs­kraft.
  • Wer ein­sam ist, ist weder quiet­sch-ver­gnügt, noch kann er sei­ne vol­le Ener­gie auf sei­nen Job ver­wen­den.
  • Wer in einer Sinn­kri­se steckt, ist weder lebens­froh, noch sehr leis­tungs­fä­hig. Denn hin­ter allem Tun steht die Fra­ge: Was soll das Gan­ze?

Wenn wir ein erfüll­tes Leben füh­ren möch­ten, müs­sen wir also für die rech­te Balan­ce zwi­schen den vier Lebens­be­rei­chen sor­gen. Das gelingt uns nur, wenn wir eine Visi­on von unse­rem künf­ti­gen Leben haben. Die­se benö­ti­gen wir auch, weil heu­te vie­le Anfor­de­run­gen an uns gestellt wer­den, die nur bedingt mit­ein­an­der ver­ein­bar sind.

In den meis­ten höher qua­li­fi­zier­ten Jobs sind unre­gel­mä­ßi­ge Arbeits­zei­ten nor­mal. Für berufs­tä­ti­ge Müt­ter bedeu­tet dies: Sie kön­nen nicht mehr täg­li­ch um Punkt 16 Uhr das Büro ver­las­sen. Was sol­len sie aber tun, wenn der Kin­der­gar­ten um 16 Uhr schließt? Noch ein Bei­spiel: Vie­len Ver­triebs­mit­ar­bei­tern fällt es zuneh­mend schwer, pri­va­te Ter­mi­ne wahr­zu­neh­men. Denn immer wie­der dau­ert ein Kun­den­ter­min län­ger als geplant. Inter­es­sen­kon­flik­te sind vor­pro­gram­miert.

Herausforderung: das eigene Leben managen

Für sol­che Kon­flik­te bie­tet uns das klas­si­sche Zeit- und Selbst­ma­nage­ment kei­ne Lösung – denn es berück­sich­tigt nicht, dass unse­re größ­ten Kon­flik­te meist dar­aus resul­tie­ren, dass wir in ein sozia­les Bezie­hungs­netz ein­ge­bun­den sind. Hier­für zwei Bei­spie­le: Ein Ange­stell­ter kann sich zwar vor­neh­men: „Heu­te Abend, Punkt 18 Uhr, ver­las­se ich das Büro.“ Wenn sein Chef aber kurz vor 18 Uhr sagt: „Die­ses Ange­bot muss heu­te noch raus“, dann hat er ein Pro­blem. Eben­so ver­hält es sich, wenn er sich vor­nimmt: „Ich gehe abends regel­mä­ßig jog­gen“, sein Lebens­part­ner aber sagt: „Wenn du schon so spät von der Arbeit kommst, dann könn­test du wenigs­tens bei mir und den Kin­dern blei­ben“. Auch hier hat er ein Pro­blem.

Das klas­si­sche Zeit­ma­nage­ment tut so, als wür­den wir als lonely heroes durchs Leben gehen. Das kön­nen wir zwar, aber ein erfüll­tes Leben füh­ren wir so nicht, denn: Mensch­li­ches Leben ist Leben in Gemein­schaft. Hin­zu kommt: Vie­le Anfor­de­run­gen, die das Leben an uns stellt, kön­nen wir nur mit Hil­fe ande­rer Men­schen meis­tern. Zum Bei­spiel, indem wir mit Bekann­ten ver­ein­ba­ren: „Mon­tags hol­st du mei­ne Kin­der ab, damit ich län­ger arbei­ten kann. Dafür neh­me ich dei­ne Kin­der am Diens­tag mit.“ Hier­aus resul­tiert eine wei­te­re Her­aus­for­de­rung: Wir müs­sen Mana­ger unse­res eige­nen Lebens wer­den – also Per­so­nen, die durch ihr heu­ti­ges Han­deln dafür sor­gen, dass sie auch künf­tig ein glück­li­ches und erfüll­tes Leben füh­ren.

Die Lebensbalance aufrecht erhalten

Eine Grund­vor­aus­set­zung hier­für ist: Wir müs­sen heu­te dafür sor­gen, dass wir auch künf­tig nicht unse­re Lebens­ba­lan­ce ver­lie­ren. Zum Bei­spiel, weil

  • wir unse­ren Arbeits­platz ver­lie­ren (Bereich Arbeit/Leben),
  • uns unser Lebens­part­ner ver­lässt (Bereich Familie/Beziehung),
  • wir einen Herz­in­farkt erlei­den (Bereich Körper/Gesundheit) oder
  • uns das Burn-out-Syn­drom und damit die Sinn­kri­se packt (Bereich Sinn/Kultur).

Der ers­te Schritt hier­zu besteht dar­in, dass wir eine Visi­on von unse­rem künf­ti­gen Leben ent­wi­ckeln. Set­zen Sie sich des­halb bei­spiels­wei­se in der Zeit zwi­schen den Jah­ren hin und fra­gen Sie sich (bezo­gen auf die vier Lebens­be­rei­che):

  • Was ist mir wirk­li­ch wich­tig?
  • Wor­in zeigt sich für mich ein erfüll­tes Leben? Und:
  • Was muss ich heu­te tun, damit ich auch mor­gen ein glück­li­ches Leben füh­re?

Pro-aktiv handeln statt re-agieren

Fra­gen Sie sich zudem regel­mä­ßig: Gibt es in mei­nem Lebens­um­feld Anzei­chen dafür, dass künf­tig die Balan­ce in mei­nem Leben bedroht sein könn­te? Sol­che Warn­si­gna­le kön­nen sein:

  • Zwi­schen Ihnen und Ihrem Lebens­part­ner herrscht zuneh­mend Schwei­gen. Auch wich­ti­ge Freun­de mel­den sich nicht mehr (Bereich Familie/Beziehung).
  • In Ihrem Betrieb lau­tet die ober­s­te Maxi­me plötz­li­ch: Spa­ren (Bereich Arbeit/Beruf).
  • Sie fra­gen sich immer häu­fi­ger: Was soll das Gan­ze? (Bereich Sinn/Kultur).
  • Sie spü­ren ab und zu ein Ste­chen in Ihrer Herz­ge­gend (Bereich Körper/Gesundheit).

Haben Sie die­se Fra­gen für sich beant­wor­tet, dann kön­nen Sie kon­kre­te Vor­sät­ze fas­sen und einen Maß­nah­men­plan ent­wer­fen, wie Sie die­se rea­li­sie­ren. Und zwar, ohne dass die Gefahr besteht, dass Sie Ihre Vor­sät­ze schon wie­der ver­ges­sen haben, sobald die Sil­ves­ter­ra­ke­ten ver­glüht sind. Denn Ihre Vor­sät­ze sind nun in einer Visi­on von Ihrem künf­ti­gen Leben ver­an­kert.