Ein­zel­kämp­fer­tum und Macht­spie­le sor­gen dafür, dass alle ver­lie­ren. Die Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit kön­nen nur durch Koope­ra­ti­on und Kol­la­bo­ra­ti­on gelöst wer­den.  Die Bera­te­rin Ulri­ke Stahl gibt zehn Tipps, wie es mit der Koope­ra­ti­on im Büro bes­ser klappt.

Kollaboration heißt auch Zuhören, Wertschätzen und Feedback geben. Abbildung: Pixabay

Kol­la­bo­ra­ti­on heißt auch Zuhö­ren, Wert­schät­zen und Feed­back geben. Abbil­dung: Pixabay

Die Rednerin, Motivations- und Kooperationsberaterin Ulrike Stahl. Abbildung: Petra Fischer

Die Red­ne­rin, Moti­va­tions- und Koope­ra­ti­ons­be­ra­te­rin Ulri­ke Stahl. Abbil­dung: Petra Fischer

So wie wir neue Orga­ni­sa­ti­ons­for­men und Metho­den ein­set­zen, müs­sen wir auch eine trag­fä­hi­ge WIR-Kul­tur ent­wi­ckeln. Das neue WIR braucht genau die star­ken ICHs, die unse­re Leis­tungs­ge­sell­schaft geför­dert hat, aller­dings mit einem neu­en Mind­set. Kol­la­bo­ra­ti­on bedeu­tet, gemein­sam eng an Lösun­gen zu arbei­ten, die nicht mehr durch arbeits­tei­li­ges Her­an­ge­hen und Hier­ar­chi­en her­bei­ge­führt wer­den kön­nen. Kei­ner sagt, was wann und wie zu tun ist. Das Team orga­ni­siert sich selbst, wie es inner­halb des Teams auch jeder Ein­zel­ne tut. Aber wie machen wir uns fit für die­ses neue WIR im Busi­ness? Indem wir gewohn­te Impul­se hin­ter­fra­gen und neue Ver­hal­tens­wei­sen bewusst trai­nie­ren. Zehn  Kol­la­bo­ra­ti­on-Hacks hel­fen dabei.

#1: Wir sind alle verbunden

Unser eige­nes Han­deln wird sich immer auf ande­re aus­wir­ken. Auf­grund der Komplexität der Zusammenhänge, können wir möglicherweise nicht immer überblicken und kon­trol­lie­ren, auf wie vie­le ande­re und wie genau. Das ändert jedoch nichts an der Tat­sa­che, dass es pas­siert. Wir sind immer Teil eines größeren WIR – das ist kei­ne Ent­schei­dung, son­dern eine Tat­sa­che. Damit sind wir weder macht­los noch unabhängig. Jeder Ein­zel­ne von uns gestal­tet die­ses WIR und damit die jewei­li­ge Lebens- und Arbeits­um­welt. Rich­ten wir unser Ver­hal­ten danach aus.

#2: Ko-zentriert statt konzentriert

Sich auf die eige­nen Inter­es­sen kon­zen­trie­ren oder machen was der ande­re will oder zur Not noch feil­schen. So sieht unser Weg zur Lösungs­fin­dung meist aus. Schwarz-weiß ist für unser Gehirn viel leich­ter. Ko-zen­triert zu den­ken, heißt nach sowohl-als-auch-Lösun­gen zu suchen. So kön­nen wir in Kon­takt mit unse­ren Kol­la­bo­ra­ti­ons­part­nern blei­ben – auch wenn es ein­mal schwie­rig wird.

#3: Interessen statt Positionen

Win-win-Lösun­gen las­sen sich nur fin­den, wenn wir uns über die eige­nen Inter­es­sen und die Inter­es­sen der ande­ren Betei­lig­ten klar wer­den. Wie gut, dass wir die natür­li­che Fähig­keit haben, zu kom­mu­ni­zie­ren und ande­re Per­spek­ti­ven ein­zu­neh­men. Wen­den wir sie an, um bes­ser zu ver­ste­hen, statt unse­re Posi­tio­nen zu zemen­tie­ren.

#4: Gemeinsamkeiten suchen

Gemein­sam­kei­ten machen sym­pa­thisch. Unter­schie­de tren­nen. Unser Gehirn ist stän­dig am ver­glei­chen. Wir haben die Wahl, wor­auf wir uns fokus­sie­ren. Wenn wir es uns zum Grund­satz machen, zum Ein­stieg in ein Gespräch, eine Sache her­aus­zu­fin­den oder zu unter­strei­chen, die wir gemein­sam haben, wird aus dem Small Talk plötz­lich ein Strong Impact Talk (star­ke Wir­kung).

#5: Wertschätzung für Andersartigkeit

Wir ver­glei­chen nicht nur, wir bewer­ten auch sofort. Dabei betrach­ten wir uns selbst mit unse­ren Wer­ten und Vor­lie­ben ger­ne als das Nor­mal­maß. Wer anders ist, ist dann nicht nor­mal. Wird es schwie­rig, wird die­se inne­re Hal­tung zum Kon­flikt­ver­schär­fer. Der Tipp eines bud­dhis­ti­schen Mön­ches: „Wenn ich mich dabei erwi­sche, dass ich bewer­te, ergän­ze ich ein­fach: genau wie ich“. Das erin­nert mich dar­an, dass ich nicht so anders bin und erlaubt es mir, in einer wert­schät­zen­den Hal­tung zu blei­ben. Das ist die Basis für ech­te Kol­la­bo­ra­ti­on. Denn die funk­tio­niert nur auf Augen­hö­he, indem ver­schie­de­ne Per­sön­lich­kei­ten zusam­men­wir­ken, um gemein­sam etwas zu errei­chen, was allei­ne nie gelin­gen wür­de.

#6: Geber-Mentalität

Das Gesetz der Gegen­sei­tig­keit – Geben und Neh­men – ist ein mensch­li­ches Grund­prin­zip. Auch Kol­la­bo­ra­ti­on erfor­dert die Bereit­schaft zu geben. Allen Beden­ken „Was, wenn der ande­re es nicht zu schät­zen weiß?“ und Ängs­ten „Was, wenn ich aus­ge­nutzt wer­de?“ zum Trotz – Geber-Men­ta­li­tät lohnt sich in jedem Fall. Weil Geben erfül­lend ist, und außer­dem erfolg­reich und glück­lich macht.

#7: Das WIR im Blick

Erken­nen wir das WIR als Orga­nis­mus, hat das WIR auch das Recht auf eine Stim­me. Das funk­tio­niert am bes­ten mit einem WIR-Stuhl. Wäh­rend eines Mee­tings kann sich jeder Teil­neh­mer zu jedem Zeit­punkt auf die­sen Stuhl set­zen und dem WIR eine Stim­me geben. Durch das Ver­las­sen des Ich-/Du-Fokus, neh­men wir statt einer pola­ri­sie­ren­den Sicht­wei­se eine über­ge­ord­ne­te Per­spek­ti­ve ein, die uns hilft, neue, gemein­sa­me Lösun­gen zu fin­den.

#8: Feedback als Entwicklungsturbo

Zusam­men­ar­beit bie­tet uns die Mög­lich­keit, uns schnel­ler zu ent­wi­ckeln als allei­ne – sofern wir kon­ti­nu­ier­lich Rück­mel­dung erhal­ten. Feed­back ist eine wun­der­ba­re Mög­lich­keit, jeman­dem etwas Wert­vol­les zu geben und damit in ein kol­la­bo­ra­ti­ves Mit­ein­an­der zu inves­tie­ren. Natür­lich kann man auch ande­re aktiv dar­um bit­ten. Je spe­zi­fi­scher wir beschrei­ben wofür, des­to kon­struk­ti­ver wird die Ant­wort sein.

#9: Aktiv zuhören

Kol­la­bo­ra­ti­ve Gesprächs­part­ner zeich­nen sich dadurch aus, dass sie ande­re aktiv zu deren Mei­nung und Ide­en befra­gen und gut zuhö­ren – auch wenn unter Stress erfah­rungs­ge­mäß unser Inter­es­se an ande­ren Sicht­wei­sen sinkt. Dabei lebt gera­de Kol­la­bo­ra­ti­on von ver­schie­de­nen Sicht­wei­sen.

#10: Psychologische Sicherheit

So lau­tet der Schlüs­sel­fak­tor für erfolg­rei­che Zusam­men­ar­beit in Teams. Das ist das Ergeb­nis einer zweijährigen Stu­die namens Aris­to­te­les, die Goog­le mit über 180 ihrer eige­nen Teams durch­ge­führt hat. Dabei geht es um den Glau­ben, dass man nicht bestraft oder bloß­ge­stellt wird, wenn man Ide­en, Fra­gen, Beden­ken oder Feh­ler anspricht. Sobald wir ein Umfeld schaf­fen, in dem ande­re sich sicher füh­len, ihre Mei­nung zu tei­len, stei­gern wir auto­ma­tisch die Wahr­schein­lich­keit, dass die Men­schen um uns her­um koope­ra­ti­ver den­ken und han­deln.