In die­ser Rei­he stel­len wir Ihnen ver­schie­de­ne Werk­stof­fe vor, aus denen Büro­mö­bel bestehen. Im sieb­ten Teil wird es haa­rig: Es geht um Filz.

Dass man ein komplettes Büro mit Filz gestalten kann, haben die Innenarchitekten i29 in der Marketingagentur Tribal DDB in Amsterdam gezeigt.

Dass man ein kom­plet­tes Büro mit Filz gestal­ten kann, haben die Innen­ar­chi­tek­ten i29 in der Mar­ke­ting­agen­tur Tri­bal DDB in Ams­ter­dam gezeigt.

Form- und färbbar: Filz im Programm Kivo von Herman Miller.

Form- und färb­bar: Filz im Pro­gramm Kivo von Her­man Mil­ler.

Pod von Benjamin Hubert – mit Filz aus recycelten PET-Flaschen.

Pod von Ben­ja­min Hubert – mit Filz aus recy­cel­ten PET-Fla­schen.

Filz erlebt im Büro gera­de eine Renais­sance. Er wirkt wohn­lich, warm und weich – was ihn für die ange­sag­ten Wohl­fühl­bü­ros prä­de­sti­niert. Und er absor­biert Schall – wes­halb Akus­tik­wän­de, Rück­zugs­mö­bel und Soft-Sea­ting-Land­schaf­ten in Open Spaces mit ihm über­zo­gen wer­den. Nicht zuletzt haf­tet ihm der Ruf des öko­lo­gisch Kor­rek­ten an.

Schuppe an Schuppe

Öko­lo­gisch kor­rekt kann das Mate­ri­al tat­säch­lich sein, näm­lich dann, wenn es im Nass­filz­ver­fah­ren aus Wol­le her­ge­stellt wird. Mit Wasser(dampf) und Sei­fe ange­feuch­tet, stel­len sich die Schup­pen der obers­ten Schicht der Haa­re auf. Wird die Wol­le dann gewalkt, ver­kei­len sich die auf­ge­stell­ten Schup­pen so fest inein­an­der, dass sie nicht mehr zu lösen sind. Wenn das Mate­ri­al anschlie­ßend trock­net, schrumpft es stark, sodass ein fes­tes tex­ti­les Gewe­be ent­steht.

Filz, Stoff für Fakire?

Nicht nur mit Wol­le, son­dern mit prak­tisch allen Fasern – ein­schließ­lich Kunst­fa­sern wie Poly­amid oder Poly­es­ter – funk­tio­niert das Tro­cken­fil­zen. Sie wer­den dabei auf einen Nadel­bal­ken gelegt, des­sen vie­le tau­send Nadeln mit ihren Wider­ha­ken bis zu 1.800 Mal pro Minu­te in die Fasern ste­chen und sie ver­schlin­gen. Anschlie­ßend wird das Mate­ri­al meist che­misch oder mit Was­ser­dampf behan­delt. Statt des Nadel­bal­kens kann ein gepuls­ter Was­ser­strahl ver­wen­det wer­den, um die Fasern zu ver­ha­ken.

Bekannt aus Steppe und Büro

Wenn Filz feucht ist, lässt er sich leicht for­men, tro­cken ist er hin­ge­gen form­be­stän­dig. Er kann ein­fach zer­schnit­ten wer­den, ohne ihn – wie ande­re Stof­fe – an den Schnitt­kan­ten umnä­hen zu müs­sen. Er ist schwer ent­flamm­bar und lässt sich pro­blem­los fär­ben. Da er iso­liert, Feuch­tig­keit auf­neh­men und anschlie­ßend wie­der lang­sam abge­ben kann, ist er gut fürs Raum­kli­ma. Und des­halb nicht nur bes­tens für mon­go­li­sche Jur­ten, son­dern auch als Über­zug für diver­se Ober­flä­chen im Büro geeig­net.