Dienst­mails nach Fei­er­abend, der Chef ruft am Wochen­en­de an: Von rund einem Vier­tel der Berufs­tä­ti­gen wird erwar­tet, dass sie außer­halb ihrer eigent­li­chen Arbeits­zei­ten erreich­bar sind. Dass das zu Defi­zi­ten bei Schlaf und Erho­lung führt, zeigt eine Stu­die der Initia­ti­ve Gesund­heit und Arbeit (iga).

Wer permanent beruflich erreichbar ist, den lässt die Arbeit gedanklich nicht los. Foto: Pixabay

Wer per­ma­nent beruf­lich erreich­bar ist, den lässt die Arbeit gedank­lich nicht los. Foto: Pixabay

Eine erwei­ter­te Erreich­bar­keit am Abend, wäh­rend des Wochen­en­des oder im Urlaub kann sich nega­tiv auf die Leis­tungs­fä­hig­keit und auf die Gesund­heit aus­wir­ken – selbst wenn sie von den Beschäf­tig­ten frei­wil­lig gewählt ist, posi­tiv emp­fun­den oder als not­wen­dig ange­se­hen wird. Das zeigt die wis­sen­schaft­li­che Stu­die der iga, für die 125 Berufs­tä­ti­ge unter Ver­wen­dung sowohl objek­ti­ver als auch sub­jek­ti­ver Mess­me­tho­den unter­sucht sowie deren Lebens­ge­fähr­ten befragt wur­den.

Fehlende Erholung durch Erreichbarkeit

Der Anteil der Beschäf­tig­ten, die wegen der per­ma­nen­ten Erreich­bar­keit nicht zur Ruhe kom­men, sich schlecht erho­len oder nur schwer gedank­lich von der Arbeit lösen kön­nen, ist signi­fi­kant grö­ßer als bei Berufs­tä­ti­gen mit klar abge­grenz­ter Frei­zeit. Ein Grund für die­se Nega­tiv­fol­gen ist, dass Erho­lungs­pha­sen durch Pha­sen der Arbeit unter­bro­chen oder ver­kürzt wer­den. Zudem fällt es den Betrof­fe­nen schwe­rer, sich in der Frei­zeit aus­rei­chend von ihrem Job zu distan­zie­ren und abzu­schal­ten.

Familienleben leidet unter Erreichbarkeit

Die Ver­mi­schung von Arbeit und Pri­vat­le­ben belas­tet auch die Part­ner: 68 Pro­zent gaben an, durch die Erreich­bar­keit ihres Lebens­ge­fähr­ten beein­träch­tigt zu sein. Betrof­fen davon sind unter ande­rem fami­liä­re Ver­pflich­tun­gen, die gemein­sa­me Urlaubs­ge­stal­tung, aber auch die eige­nen Schlaf- und Erho­lungs­zei­ten. Bei den Ergeb­nis­sen spielt es kei­ne Rol­le, ob die Befrag­ten die Erreich­bar­keit ihres Part­ners außer­halb der regu­lä­ren Arbeits­zei­ten begrü­ßen oder ableh­nen.

Wunsch nach klarer Grenze

Was die Tren­nung von Arbeit und Frei­zeit betrifft, äußer­ten vie­le Befrag­te das Bedürf­nis nach kla­re­ren Gren­zen: Ein Groß­teil der befrag­ten Erreich­ba­ren (60 Pro­zent) wünscht sich gesetz­li­che oder betrieb­li­che Rege­lun­gen für die Erreich­bar­keit. Bei ihren Part­nern liegt die Quo­te sogar bei 83 Pro­zent. Fast 70 Pro­zent der Lebens­ge­fähr­ten gaben an, Erreich­bar­keit nach der Arbeit soll­te kom­plett ent­fal­len.

Die komplette Studie

Die­se Ergeb­nis­se sind im iga.Report 23 Teil 2 erschie­nen. Er ent­hält zudem Vor­schlä­ge zur Gestal­tung der Erreich­bar­keit und prä­ven­ti­ver Maß­nah­men sowie eine Check­lis­te, mit der Unter­neh­men über­prü­fen kön­nen, wie gut sie im Umgang mit stän­di­ger Erreich­bar­keit auf­ge­stellt sind.