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Coworking konkret #8: Tobias Kremkau über die Stadtflucht und danach

„Cowor­king-Papst“ Tobi­as Krem­kau ist von Ber­lin in eine Klein­stadt ohne Cowor­king Space gezo­gen. Als Arbeits­or­te gewin­nen dort für ihn not­ge­drun­ge­ner­wei­se das Home­of­fice und die Biblio­thek an Bedeutung.

Tobias Kremkau denkt, schreibt, spricht und berät zu den Themen Coworking und Neue Arbeit. Coworking ist für ihn mehr Berufung als nur Beruf. Die Zeit zählte den „Coworking-Papst“, wie er schon bezeichnet wurde, 2019 zu den 100 wichtigsten jungen Ostdeutschen. blog.kremkau.io. Abbildung: Larissa Hägele

Tobi­as Krem­kau denkt, schreibt, spricht und berät zu den The­men Cowor­king und Neue Arbeit. Cowor­king ist für ihn mehr Beru­fung als nur Beruf. Die Zeit zähl­te den „Cowor­king-Papst“, wie er schon bezeich­net wur­de, 2019 zu den 100 wich­tigs­ten jun­gen Ost­deut­schen. Er ist Mit­glied im Digi­tal­rat des Lan­des Sach­sen-Anhalt. blog.kremkau.io. Abbil­dung: Laris­sa Hägele

Ein The­ma für die­se Kolum­ne zu fin­den, fiel mir dies­mal unge­wöhn­lich schwer. Die aktu­el­len Ereig­nis­se in der Ukrai­ne beschäf­ti­gen mich sehr, wie ver­mut­lich uns alle. Vor Kur­zem erleb­te ich eine zer­streut wir­ken­de Bäcke­rin, die den gan­zen Mor­gen Berich­te über den rus­si­schen Angriffs­krieg im Radio gehört hat­te und kaum noch einen kla­ren Gedan­ken fas­sen konn­te. Ich fühl­te mit ihr und auch ich habe mich noch nicht an das Gesche­he­ne gewöhnt. Zu fremd ist uns allen hier­zu­lan­de der Krieg gewor­den, auch wenn er nie ver­schwun­den war.

Auf Twit­ter frag­te ich, wor­über ich schrei­ben soll­te. Ich woll­te wis­sen, was die Men­schen momen­tan beim The­ma Cowor­king beschäf­tigt. Der ers­te Vor­schlag, Cowor­king nach der Stadt­flucht und wie es um mobi­les Arbei­ten auf dem Land bestellt ist, pass­te her­vor­ra­gend zu mei­ner momen­ta­nen Situa­ti­on (und trotz­dem bin ich nicht selbst dar­auf gekom­men, dar­über zu schrei­ben), denn ich bin vor Kur­zem aus Ber­lin-Fried­richs­hain fort­ge­zo­gen und woh­ne nun in der sach­sen-anhal­ti­ni­schen Klein­stadt Sten­dal, dem Zen­trum der Altmark.

In Sten­dal gibt es noch kein Cowor­king Space. Eine pri­va­te Musik­schu­le in der Stadt bie­tet die Mög­lich­keit an, tage­wei­se mit im Büro zu sit­zen und von dort aus zu arbei­ten. Noch gibt es kei­ne Mit­glied­schaf­ten oder Bespre­chungs­räu­me, die gebucht wer­den kön­nen. Das ist ein Anfang, aber für eine Stadt, von der es mit der Bahn nach Ber­lin und Han­no­ver weni­ger als eine Stun­de Fahr­zeit sind, zu wenig. Und für mich bedeu­tet das, wie­der im Home­of­fice zu arbei­ten. Nun aber in einem Zuhau­se mit Arbeits­zim­mer und nicht nur am Esstisch.

So geht es vie­len Men­schen im länd­li­chen Raum. Die Anzahl von Cowor­king Spaces auf dem Land und in Klein­städ­ten nimmt zwar seit drei bis vier Jah­ren zu, aber noch stellt das Eigen­heim mit sei­nem im Ver­gleich zu einer städ­ti­schen Woh­nung groß­zü­gi­gen Platz­an­ge­bot oft die ein­zi­ge Lösung für mobi­les Arbei­ten dar. Doch wie muss ein hei­mi­sches Arbeits­zim­mer sein, damit es auch für einen selbst funk­tio­niert? Denn anders als das Büro oder ein Cowor­king Space ist das Zuhau­se ein Ort des Pri­va­ten und nicht der Arbeit.


Die Cowor­king­Map hat­te ich zwar schon ein­mal als Link­tipp emp­foh­len, aber vor dem Hin­ter­grund der aktu­el­len Ereig­nis­se lohnt es sich, noch ein­mal auf die Kar­te mit ver­schie­de­nen Orten für mobi­les und dezen­tra­les Arbei­ten hin­zu­wei­sen. Denn sie zeigt jetzt auch die Cowor­king Spaces an, die geflüch­te­ten Men­schen aus der Ukrai­ne oder den Hel­fern, die sie bei sich zu Hau­se auf­ge­nom­men haben, kos­ten­lo­se Arbeits­plät­ze anbie­ten. Mög­lich gemacht hat das eine Koope­ra­ti­on zwi­schen der Cowor­king­Map, der Ger­man Cowor­king Fede­ra­ti­on (GCF) und CoWorkLand.“

Tipp von Tobi­as Kremkau


Für mein Arbeits­zim­mer habe ich einen Raum mit Fens­ter zur Stra­ße gewählt. So sehe ich nicht, was noch im Gar­ten zu tun ist oder wie mei­ne Kin­der dort spie­len. Alle Wän­de habe ich weiß gehal­ten, damit ich kei­ne Ablen­kun­gen habe und fokus­siert arbei­ten kann. Krea­tiv kann ich auch mit Lap­top vom Café aus sein, aber im Home­of­fice muss ich Auf­ga­ben effi­zi­ent abar­bei­ten kön­nen. Denn ohne Betreu­ungs­plät­ze für mei­ne bei­den Kin­der habe ich dafür momen­tan immer nur kur­ze über den Tag ver­teil­te Zeit­blö­cke zur Verfügung.

Als einen Ersatz­ar­beits­ort, falls fokus­sier­tes Arbei­ten im Home­of­fice nicht mög­lich sein soll­te, kommt die Sten­da­ler Stadt­bi­blio­thek infra­ge. Sie ist nur weni­ge Fuß­mi­nu­ten ent­fernt. Dort gibt es Arbeits­plät­ze und eine gute Inter­net­ver­bin­dung. Selbst­ver­ständ­lich bin ich auch Mit­glied, aber in fast allen Biblio­the­ken darf man sich heut­zu­ta­ge auch ohne eine Mit­glied­schaft auf­hal­ten und das offe­ne WLAN nut­zen. Ich hal­te Biblio­the­ken als Orte der Zivil­ge­sell­schaft und des Gemein­wohls für die bes­se­ren Cowor­king Spaces.

Was für wen funk­tio­niert, hängt von einem selbst ab. Man­che arbei­ten bes­tens im Home­of­fice, ande­re füh­len sich dort iso­liert. Eini­gen nützt die Ruhe der Biblio­thek, ande­re brau­chen das Trei­ben eines Cafés um sich her­um. Ich brau­che das alles. Des­halb mag ich es auch, regel­mä­ßig den Arbeits­ort zu wech­seln und nach der für mich in dem Moment benö­tig­ten Atmo­sphä­re aus­zu­su­chen. Und sol­che Orte gibt es auch im länd­li­chen Raum. Ein Cowor­king Space stellt hier nur die pro­fes­sio­nells­te Opti­on dar, aber sel­ten die einzige.

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