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Coworking konkret: Tobias Kremkau zu urbanem Coworking (#4)

Städ­ti­sches Cowor­king ist pan­de­mie­be­dingt in die Kri­se gera­ten. „Cowor­king-Papst“ Tobi­as Krem­kau dia­gnos­ti­ziert auch eine selbst gemach­te Fehl­ent­wick­lung und plä­diert für ein Fokus­sie­ren der Ursprünge.

Tobias Kremkau denkt, schreibt, spricht und berät zu den Themen Coworking und Neue Arbeit. Coworking ist für ihn mehr Berufung als nur Beruf. Die Zeit zählte den „Coworking-Papst“, wie er schon bezeichnet wurde, 2019 zu den 100 wichtigsten jungen Ostdeutschen. blog.kremkau.io. Abbildung: Larissa Hägele

Tobi­as Krem­kau denkt, schreibt, spricht und berät zu den The­men Cowor­king und Neue Arbeit. Cowor­king ist für ihn mehr Beru­fung als nur Beruf. Die Zeit zähl­te den „Cowor­king-Papst“, wie er schon bezeich­net wur­de, 2019 zu den 100 wich­tigs­ten jun­gen Ost­deut­schen. blog.kremkau.io. Abbil­dung: Laris­sa Hägele

Zu den sehr schlecht geal­ter­ten Wahr­hei­ten der Ber­li­ner Cowor­king-Bran­che gehö­ren die Aus­sa­gen, dass es sich unter 2.000 Qua­drat­me­tern gar nicht lohnt, einen Cowor­king Space in Ber­lin zu betrei­ben, und dass ein Cowor­king Space in der Haupt­stadt inner­halb von sechs Wochen voll ist. Bei­des stimm­te ein­mal, aber die­se Zei­ten sind vor­bei. Dass Cowor­king Spaces immer grö­ße­re Flä­chen für immer grö­ße­re Teams aus Unter­neh­men ange­mie­tet haben, war in mei­nen Augen eine Fehl­ent­wick­lung, die von der Coro­na-Pan­de­mie bestraft wurde.

In den Anfangs­ta­gen der deut­schen Cowor­king-Sze­ne ging es dar­um, neue Orte der Zusam­men­ar­beit für ähn­lich arbei­ten­de Men­schen zu schaf­fen. Zu den ers­ten Nut­zern des St. Ober­holz, einem Café am Rosentha­ler Platz, gehör­ten Selbst­stän­di­ge, Free­lan­cer und Frei­schaf­fen­de aus der Nach­bar­schaft. Das beta­haus ent­wi­ckel­te den Cowor­king-Gedan­ken wei­ter und schuf Räu­me für Start-ups. Die­se Ziel­grup­pen waren sehr homo­gen und ähnel­ten ein­an­der in ihren Bedürf­nis­sen, auf die die Cowor­king Spaces aus­ge­rich­tet waren.

Dies änder­te sich, als die Unter­neh­men die Cowor­king Spaces für sich ent­deck­ten. Die dort­hin ent­sen­de­ten Ange­stell­ten hat­ten sich die­se Orte nicht mehr selbst aus­ge­sucht, son­dern die Vor­ge­setz­ten ent­schie­den, dass ein Team ab jetzt in die­sem oder jenen Cowor­king Space arbei­ten wür­de. Die Inter­es­sen der Unter­neh­men waren vie­len Cowor­king Spaces nun wich­ti­ger, denn es ließ sich auf ein­mal gutes Geld mit sehr klei­nen Team-Räu­men ver­die­nen. In der Fol­ge wuch­sen die­se Cowor­king Spaces, um die wach­sen­de Nach­fra­ge zu stillen.


Sehr alte Akteu­re in nahe­zu jeder Nach­bar­schaft sind die Kir­chen. Für sie stellt Cowor­king immer öfter ein wich­ti­ges Betä­ti­gungs­feld dar, um den Men­schen ein zeit­ge­mä­ßes Ange­bot für das Mit­ein­an­der zu machen. Das Evan­ge­li­sche Werk für Dia­ko­nie und Ent­wick­lung, kurz midi, hat einen sehr lesens­wer­ten Leit­fa­den für Cowor­king in der Kir­che ver­öf­fent­licht. Er gibt wert­vol­le Tipps für die Grün­dung eines Cowor­king Spaces in der Stadt und auf dem Land.”

Tipp von Tobi­as Kremkau


Coro­na been­de­te die­se Ent­wick­lung, in der man­che Betrei­ber immer grö­ße­re Flä­chen zu immer teu­re­ren Qua­drat­me­ter­prei­sen anmie­te­ten. Als man auf der Flä­che kein Geld mehr ver­die­nen konn­te, zer­platz­te der Traum vom schnel­len Pro­fit. Geblie­ben sind hohe Miet­schul­den. Eini­ge Anbie­ter ver­such­ten, die­se zu ver­mei­den. Der Uni­corn Works­pace in Pots­dam wur­de in ein anschei­nend lukra­ti­ves Coro­na-Test­zen­trum umge­wan­delt. Anders in Ber­lin-Neu­kölln: Dort zog die IWG die Reiß­lei­ne und schloss das Spaces in der Alten Post.

Ich bin davon über­zeugt, dass wir bis­her erst die Spit­ze des Eis­ber­ges gese­hen haben. In den nächs­ten Mona­ten wer­den Cowor­king Spaces in den Groß­städ­ten schlie­ßen, da nun wie­der die Insol­venz­mel­de­pflicht gilt, oder sich zumin­dest ver­klei­nern, also Stand­or­te auf­ge­ben. Ein Aus­weg könn­te auch der Exit sein, also der Auf­kauf durch Betrei­ber mit Inves­to­ren­gel­dern. Blei­ben wer­den haupt­säch­lich die klei­ne­ren Cowor­king Spaces, die weni­ger Flä­che ange­mie­tet haben und oft da sind, wo die Men­schen leben, also in den Nachbarschaften.

Der Sozio­lo­ge Bernd Hamm defi­nier­te Nach­bar­schaft als eine „sozia­le Grup­pe, deren Mit­glie­der pri­mär wegen der Gemein­sam­keit des Wohn­or­tes mit­ein­an­der inter­agie­ren“. Cowor­king Spaces in den Quar­tie­ren kön­nen davon pro­fi­tie­ren, was auch immer mehr Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten ver­stan­den haben. Wenn kaum noch jemand in die Büros in der Innen­stadt pen­delt, die Woh­nun­gen fürs Home­of­fice aber zu klein sind, braucht es Alter­na­ti­ven wie nach­bar­schaft­li­che Cowor­king Spaces, die das Sozia­le in den Fokus stellen.

Ähn­lich wie im länd­li­chen Raum und in Klein­städ­ten kön­nen Cowor­king Spaces inner­halb einer Nach­bar­schaft posi­ti­ve Sekun­där­ef­fek­te für die Men­schen erzie­len. Denn auch inner­halb einer Stadt wie Ber­lin pen­deln die­se bis zu einer Stun­de pro Fahrt­rich­tung und feh­len in ihren Quar­tie­ren als Kon­su­men­ten und nach Fei­er­abend als enga­gier­te Akteu­re. Wir müs­sen dafür Cowor­king Spaces weni­ger als fle­xi­ble Büro­flä­che für Unter­neh­men im Zen­trum und wie­der mehr als Orte des Mit­ein­an­ders, dort wo die Men­schen leben, betrach­ten lernen.

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