Das Büro ist das Mas­ter­tool des Wirt­schaf­tens. Lei­der wird es in zu vie­len Fäl­len sträf­lich ver­nach­läs­sigt. Pro­fes­sor Jan Teu­nen über die Gestal­tung von Büro­ar­beits­plät­zen.

Büros mit Schönheit fluten

Man­che Büro­wel­ten schaf­fen ein Arbeits­um­feld, in dem Krea­ti­vi­tät gedei­hen kann. Foto: designfunktion/Brand Trust

Büros mit Schönheit fluten

Infor­mel­le Rück­zugs­räu­me erzeu­gen Wohl­fühl­at­mo­sphä­re. Für Ein­zel- oder Team­ar­beit. Foto: designfunktion/Brand Trust

Büros mit Schönheit fluten

Jan Teunen/Christoph Quarch/Andreas Kulick: „Offi­ci­na Huma­na“, AVE­di­ti­on, 550 S., 79 €.

Funk­tio­na­li­tät und nicht Poe­sie, Effi­zi­enz und nicht Effek­ti­vi­tät ste­hen im Vor­der­grund. Man kal­ku­liert, wie vie­le Qua­drat­me­ter ein Mensch benö­tigt, um gut zu funk­tio­nie­ren. Man fragt hin­ge­gen nicht, wel­cher Qua­li­tä­ten ein Raum bedarf, damit die Men­schen in ihm nicht bloß funk­tio­nie­ren, son­dern leben­dig sind und effek­tiv arbei­ten kön­nen.

Lauernde Gefahren in tristen Büroräumen

Das Resul­tat liegt auf der Hand: Die meis­ten Büros glei­chen Wüs­ten, die Men­schen schwä­chen. In durch­schnitt­li­chen Büro­räu­men unse­rer moder­nen Arbeits­welt sind Schöp­fer­geist und Krea­ti­vi­tät unmög­lich. Und das tut uns nicht gut. Es scha­det lang­fris­tig nicht nur den Men­schen, die sich in den toten Räu­men täg­lich pla­gen und neu­ro­tisch wer­den, weil die kul­tu­rel­le Umge­bung nicht ant­wor­tet. Es scha­det auch den Unter­neh­men und der Gesell­schaft.

Weil das so ist, müs­sen wir uns von Arbeits­räu­men mit Kanal­cha­rak­ter ver­ab­schie­den. Durch sol­che Arbeits­räu­me wer­den Pro­zes­se gepresst. Nega­ti­ver Stress ent­steht. Krea­ti­vi­tät ver­trock­net, weil bei nega­ti­vem Stress die lin­ke Gehirn­he­mi­sphä­re zunächst über die rech­te stol­pert, so lan­ge, bis es nichts mehr zu stol­pern gibt. Die rech­te Gehirn­hälf­te trock­net dann aus. Auf die­se Wei­se geht ver­lo­ren, was mensch­li­che Arbeit heu­te am drin­gends­ten braucht: Krea­ti­vi­tät.

Das Büro der Zukunft sollte mit Schönheit geflutet werden

Digi­ta­li­sie­rung stellt die­je­ni­gen vor neue Her­aus­for­de­run­gen, die Arbeits­räu­me gestal­ten und ein­rich­ten. Ihre Kern­auf­ga­be wird dar­in bestehen, Räu­me zu schaf­fen, in denen Men­schen ihr geis­ti­ges und emo­tio­na­les Poten­zi­al ent­fal­ten kön­nen. Rou­ti­ne­ar­bei­ten wer­den in Zukunft von intel­li­gen­ten Maschi­nen erle­digt. Was für den Men­schen in den Büros an Arbeit bleibt, ist die gewoll­te Co-Krea­ti­on, die ohne ein poe­ti­sches Umfeld nur schwer gelin­gen wird.

Das Büro der Zukunft soll­te als ein Lebens­raum für Poten­zi­a­l­ent­fal­tung ent­wor­fen wer­den. Es soll­te mit Schön­heit geflu­tet wer­den, weil Schön­heit der Dün­ger für Krea­ti­vi­tät ist.

Das Büro wird sicher nicht ver­schwin­den, es muss sich aber in ein Gewächs­haus für Krea­ti­vi­tät ver­wan­deln. Eine tota­le Indi­vi­dua­li­sie­rung steht nicht zu erwar­ten, denn Moti­va­ti­on und Enga­ge­ment erwach­sen wesent­lich aus der Begeg­nung mit den Mit­ar­bei­tern und der Ver­bun­den­heit in einem Team.

Von daher ist damit zu rech­nen, dass es auch in Zukunft gemein­sa­me Büro­räu­me in Unter­neh­men geben wird – sie wer­den aber je nach Erfor­der­nis sehr unter­schied­lich aus­se­hen. Nur eines wird ihnen gemein sein: In ihrem Zen­trum steht der Mensch. Offi­ci­na Huma­na.

Prof. Jan Teu­nen,
Geschäft­füh­rer,
Teu­nen Kon­zep­te GmbH.www.teunen-konzepte.de