Tip­pen und Wischen lau­fen hän­di­schem Schrei­ben immer mehr den Rang ab. Doch Men­schen wie Luca Ben­d­an­di sor­gen dafür, dass die­se alte Kunst nicht in Ver­ges­sen­heit gerät. Ger­rit Krä­mer hat ihn in sei­nem Laden für his­to­ri­sche Schreib­wa­ren besucht und mit ihm über sei­ne Pas­si­on gespro­chen.

Lässt das Herz jedes Fans von his­to­ri­schen Schreib­wa­ren höher schla­gen: die Aus­stel­lungs­stü­cke im Laden.

Luca Ben­d­an­di (links) und Ger­rit Krä­mer vor dem Inkwell in Ber­lin-Neu­kölln.

Luca Bendandi/John Z. Komur­ki: „Schreib­wa­ren. Die Rück­kehr von Stift und Papier“, Pres­tel, 208 S., 29,95 €.

Abseits der tech­ni­sier­ten Start-up-Hoch­burg Ber­lin-Mit­te fin­det sich ein klei­nes, aber fei­nes Geschäft. Es hat sich auf die Fah­ne geschrie­ben, dem hän­di­schen Schrei­ben und den dazu­ge­hö­ri­gen Pro­duk­ten ein Denk­mal zu set­zen. Luca Ben­d­an­dis Laden­ge­schäft Inkwell liegt im Bezirk Neu­kölln. Es fun­giert auch als Aus­stel­lungs­raum für his­to­ri­sche Büro­ma­te­ria­li­en sowie als Ver­lag mit ange­schlos­se­nem Ate­lier. Danach gefragt, wie die­se Pro­duk­te zu sei­ner Lei­den­schaft wur­den, ant­wor­tet er: „Ich habe mei­nen beruf­li­chen Wer­de­gang als Gra­fik­de­si­gner gestar­tet und war schon immer von der Gestal­tung von Pro­duk­ten fas­zi­niert. Das und ein aus­ge­präg­tes per­sön­li­ches Inter­es­se an his­to­ri­schen Schreib­wa­ren sowie allem, was dazu­ge­hört, haben schließ­lich zu die­ser Lei­den­schaft geführt.“

Alles andere als Standard

Büro­be­darfs­ar­ti­kel wer­den meist in gro­ßer Stück­zahl aus stan­dar­di­sier­ten Online­sor­ti­men­ten bestellt. Bei Inkwell sehen die Arti­kel ganz anders aus: ein­zig­ar­tig und abwechs­lungs­reich. Aber wo kom­men sie her? „Ich kau­fe haupt­säch­lich bei Samm­lern ein. Dafür rei­se ich um die gan­ze Welt. Kürz­lich habe ich erst eini­ge Arti­kel in Mexi­co erstan­den“, erläu­tert Ben­d­an­di. Ob er auch auf Floh­märk­ten in Ber­lin und Deutsch­land fün­dig wird? „Eher nicht. Zu teu­er.“ Hin und wie­der sei aber Ebay einen Blick wert. 

Analog lebe hoch

Com­pu­ter bestim­men nahe­zu über­all den Büro­all­tag und das Pri­vat­le­ben. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on ist digi­ta­li­siert, Akten­ord­ner und Notiz­bü­cher ver­schwin­den zuneh­mend. Schrei­ben wird durch Tip­pen ersetzt. Das alles soll die Arbeit erleich­tern, aber vie­le Men­schen füh­len sich dadurch einer höhe­ren Belas­tung aus­ge­setzt. „Stif­te scha­den, im Gegen­satz zu Bild­schir­men, nicht der Augen­ge­sund­heit. Sie ver­brau­chen kei­ne Elek­tri­zi­tät, sind bequem trag­bar und leicht zu trans­por­tie­ren“, sagt Ben­d­an­di. „Schrei­ben för­dert eine inne­re Ein­sicht, im Gegen­teil zu einer Aus­sicht auf eine Schei­be, wie beim elek­tro­ni­schen Tip­pen oder Wischen.“

Lieblingsstücke

Ben­d­an­dis Ver­kaufs­schla­ger sind Notiz­bü­cher, Blei­stif­te und Locher. Alte Locher. Das zei­ge, dass vie­le Men­schen immer noch ger­ne Papier ver­wen­den. Ein per­sön­li­ches Lieb­lings­stück hat Ben­d­an­di nicht: „Ich mag die Geschich­te der Ent­wick­lung hin­ter jedem ein­zel­nen Schreib­uten­sil, das wir hier bei uns im Laden haben. Mei­ne favo­ri­sier­ten Pro­duk­te sind Blei­stif­te. Wegen ihrer Ein­fach­heit und ihrer prak­ti­schen Viel­falt. Es sind die klei­nen Details, die mich an den ein­zel­nen Stif­ten fas­zi­nie­ren, wie zum Bei­spiel leich­te Unter­schie­de bei den Minen.“