Unge­fähr jeder zwei­te Erwerbs­tä­ti­ge in Deutsch­land arbei­tet heu­te im Büro. Wie aber kam es über­haupt zur Büro­ar­beit? Der His­to­ri­ker und Buch­au­tor Hajo Eick­hoff blickt dazu weit zurück in die Geschich­te.

Das Gemäl­de von Lucas Cra­nach d. Ä. aus dem Jahr 1526 zeigt Kar­di­nal Albrecht von Bran­den­burg als Hei­li­gen Hie­ro­ny­mus (347–420) in einer Stu­dier­stu­be der Renais­sance. Bild: Wiki­me­dia Com­mons

Die Dar­stel­lung „Escri­ba­no“ von Jean Le Taver­nier (nach 1456) zeigt einen mit­tel­al­ter­li­chen Schrei­ber in einem Skrip­to­ri­um. Bild: Wiki­me­dia Com­mons

Von Büros aus wer­den Unter­neh­men geführt, wis­sen­schaft­li­che Neue­run­gen ent­wi­ckelt und poli­ti­sche Gebil­de gelenkt. Moder­ne Büro­ar­beit heißt Steue­rung der Pro­duk­ti­on, des Ein­kaufs und des Ver­triebs sowie die Bilan­zie­rung des Han­dels. Aber auch Ver­wal­tung und Ent­wick­lung geis­ti­ger Erzeug­nis­se wie Logis­tik, Arbeits­struk­tu­ren und Design.

 Das Skrip­to­ri­um

Das mit­tel­al­ter­li­che christ­li­che Klos­ter ist der Ursprungs­ort der Büro­ar­beit und die Pro­duk­ti­ons­stät­te von Schrif­ten und Büchern. Das Motiv für die Ent­ste­hung der Büro­ar­beit ist das Bewah­ren der anti­ken Kul­tur und das Ver­brei­ten christ­li­cher Ideen. Dazu bege­ben sich mit­tel­al­ter­li­che Mön­che ins Skrip­to­ri­um – die Schreib­stu­be. Dort schrei­ben sie alte Papy­rus- und spä­ter Per­ga­ment­rol­len ab und machen sie zu Büchern, die Uni­ka­te sind. Die­se Art der Büro­ar­beit fin­det noch nicht in spe­zi­fi­schen Büro-Räu­men statt, son­dern bedient sich unge­nutz­ter Klos­ter­räu­me, die im Nach­hin­ein zum Skrip­to­ri­um erklärt wer­den.

Die Bur­ra

Das Wort Büro lei­tet sich von einem Stück Tuch – der Bur­ra – her, das auf einem pro­vi­so­ri­schen Tisch aus zwei Böcken mit auf­ge­leg­tem Holz­brett liegt. Bur­ra ist ein Stück Filz­stoff der Mönchs­kut­te, die als Unter­la­ge die Bücher vor ris­si­gen Bret­tern schüt­zen soll. Werk­zeu­ge der Büro­ar­beit sind Papier, Tin­te und Radier­gum­mi, Leder, Far­be und Feder­kiel. Die Bezeich­nung für den Stoff – Bur­ra – auf dem Tisch wird im 18. Jahr­hun­dert der Name für den Tisch selbst – Bureau –, und erst im 19. Jahr­hun­dert wird der Raum, in dem der filz­be­deck­te Tisch steht, zum Büro.

Buch und Wis­sen

Nach den Per­ga­ment­rol­len folgt der römi­sche Codex, der sich im drit­ten nach­christ­li­chen Jahr­hun­dert durch­setzt. Das sind gefal­te­te, über­ein­an­der geleg­te, lose zusam­men­ge­hef­te­te Per­ga­ment­blät­ter. Die Mön­che schrei­ben die Tex­te mit dem Feder­kiel und ver­zie­ren den ers­ten Buch­sta­ben einer Sei­te. Sie fas­sen den Codex mit Hil­fe von Buch­de­ckeln fes­ter zusam­men, die aus Holz bestehen, mit Leder oder Per­ga­ment bespannt und kunst­voll ver­ziert sind. Zum Schutz kost­ba­rer Buch­um­schlä­ge ken­nen die Mön­che zwei Wege: Sie legen zwi­schen Tisch und Buch die Bur­ra oder schla­gen, um Per­ga­ment oder Leder vor splitt­ri­gen Tisch­bret­tern zu schüt­zen, in die Deckel Nägel, die Teil der Ästhe­tik gewor­den sind.

Buch­pro­duk­ti­on und Bil­dung

Die Text- und Buch­pro­duk­ti­on nimmt zu, als sich im 13. Jahr­hun­dert Hand­werk und Han­del aus­wei­ten, die Ver­trags­ab­schlüs­se, Kor­re­spon­denz und das Orga­ni­sie­ren von Han­dels­ab­läu­fen stei­gern. Zur Ver­mitt­lung des ent­spre­chen­den Wis­sens ent­ste­hen in den Städ­ten Uni­ver­si­tä­ten sowie Dom- und Klos­ter­schu­len, in denen Wis­sen­schaft und christ­li­cher Glau­be immer häu­fi­ger als gleich­be­rech­tigt ange­se­hen wer­den. Wis­sen­schaft­ler, die bis dahin die Glau­bens­in­hal­te der hei­li­gen Schrif­ten begrün­den, ent­de­cken nun die sinn­lich erfahr­ba­re Welt und wen­den sich dem Stu­di­um der Natur, der Moral oder der Bio­lo­gie zu. Die neue Auf­fas­sung lei­tet einen enor­men Zuwachs an For­schung, Wis­sen und neu­en Metho­den ein, der der Tech­nik und der moder­nen Welt ein Jahr­hun­dert spä­ter – der Epo­che der Renais­sance – zum Durch­bruch ver­hilft.

Daher wach­sen neben den Kom­men­ta­ren zu den hei­li­gen Tex­ten und dem Abschrei­ben anti­ker Schrif­ten Buch­pro­duk­ti­on und Schrift­ver­kehr so stark an, dass sie den Beruf des Schrei­bers erfor­der­lich machen, für den Buch und Tisch als Werk­zeu­ge des beruf­li­chen Schrei­bens ein fes­tes Paar bil­den. Mit dem Berufs­schrei­ber ent­steht das Bedürf­nis nach einem spe­zi­fisch gestal­te­ten Raum­typ – dem Büro.