Unge­fähr jeder zwei­te Erwerbs­tä­ti­ge in Deutsch­land arbei­tet heu­te im Büro. Wie aber kam es über­haupt zur Büro­ar­beit? Der His­to­ri­ker und Buch­au­tor Hajo Eick­hoff blickt dazu weit zurück in die Geschich­te.

Ein Rechen­tisch, auf­ge­stellt im Frei­en. Bild: Wiki­me­dia Com­mons

Bureau plat mit Auf­la­ge, aus dem 18. Jahr­hun­dert. Foto: Wiki­me­dia Com­mons

Die Stadt ent­steht in der Mit­te Euro­pas erst im 12. Jahr­hun­dert, gegrün­det von Hand­wer­kern und Händ­lern – den Bür­gern. Die Text- und Buch­pro­duk­ti­on nimmt durch den Auf­schwung des regio­na­len und fer­nen Han­dels seit dem 13. Jahr­hun­dert enorm zu. Der Fern­han­del birgt Risi­ken und lässt Ver­si­che­run­gen ent­ste­hen und die Han­dels­pro­jek­te wer­den grö­ßer und for­dern die Finan­zie­rung durch Ban­ken, was neben der Fremd­fi­nan­zie­rung Pla­nung, Kal­ku­la­ti­on und Absi­che­rung erhöht. Das wie­der­um zieht neue Beru­fe und ein Anwach­sen von Geset­zen, Ver­trä­gen und Kor­re­spon­denz nach sich, die gewal­ti­ge Men­gen an Papier ver­schlingt, das aus Chi­na kommt und das Per­ga­ment ersetzt.

Zwei Jahr­hun­der­te spä­ter macht der gewach­se­ne Schrift­ver­kehr in der Renais­sance den Beruf des Schrei­bers erfor­der­lich, für den Papier und Tisch als Werk­zeu­ge des beruf­li­chen Schrei­bens zum Paar wer­den.

Kon­tor und Kanz­lei

Bis zum 18. Jahr­hun­dert sind Büros unspe­zi­fi­sche Orte – Markt­platz, Thea­ter oder Kir­che, Pri­vat­raum oder Waren­la­ger. Wenn auch Juris­ten und Beam­te ihr Büro Kanz­lei nen­nen und Kauf­leu­te Kon­tor. Denn wo zwei sich zusam­men­tun und gemein­sam ein Pro­jekt bespre­chen, ent­steht ein Büro, in dem das Gedächt­nis der Betei­lig­ten den ideel­len Tisch bil­det.

Die Besei­ti­gung der Zünf­te und ihre Pro­duk­ti­ons­be­schrän­kung lässt Han­del, Hand­werk und Wis­sen­schaft zu einer pro­duk­ti­ven Ein­heit zusam­men­wach­sen. Wer­den im mit­tel­al­ter­li­chen Skrip­to­ri­um Tex­te, Kalen­der und Bücher pro­du­ziert, wird im Renais­sance-Büro zusätz­lich bilan­ziert, gerech­net, kal­ku­liert und archi­viert. Neben die alten Arbeits­mit­tel wie Tin­te, Radier­gum­mi, Feder, Per­ga­ment, Nagel und Ham­mer tre­ten Bilanz­buch, Rechen­brett und Mobi­li­ar.

Tisch und Stuhl

Fes­ter Tisch und Stuhl sind Erfin­dun­gen der Renais­sance. Die Tische aus zwei Böcken mit auf­ge­leg­tem Brett wer­den in der Renais­sance zu fest­ge­füg­ten Tischen – Bock-, Wan­gen-, Zar­gen- und Säu­len­tisch ent­ste­hen. Der fes­te Tisch bin­det den Men­schen an einen Ort und dis­zi­pli­niert ihn.

Die Arbeits­hal­tung bleibt bis ins 20. Jahr­hun­dert hin­ein das Ste­hen. Doch mit der Renais­sance über­nimmt das poli­tisch ein­fluss­reich gewor­de­ne Bür­ger­tum die Herr­scher­ges­te des könig­li­chen Thro­nens. Erst thron­ten Köni­ge, spä­ter Päps­te und Bischö­fe, dann Mön­che, von denen die bür­ger­li­che Ober­schicht die Hal­tung über­nimmt und den geweih­ten Thron zum Stuhl macht – zum bana­len Mobi­li­ar der Berufs­welt.

Tisch und Stuhl arbei­ten am Men­schen. Der Stuhl stützt, sediert und macht klü­ger, und der Tisch ist der moder­ne Acker, auf dem der Mensch sei­ne Werk­zeu­ge und Medi­en ord­net, wäh­rend das Ensem­ble Tisch, Stuhl und Sit­zen­der zur größ­ten Pro­duk­tiv­kraft avan­ciert, die der Mensch erfand.

Manu­fak­tur und Büro

Räum­lich betrach­tet sind Skrip­to­ri­en, Kon­to­re und Kanz­lei­en Zufalls­räu­me. Ers­te Ideen zu einem bewusst gestal­te­ten Büro-Raum ent­ste­hen im 18. Jahr­hun­dert, der Epo­che von Auf­klä­rung und Manu­fak­tur, die erst in der Zeit der Indus­tria­li­sie­rung rea­li­siert wer­den, denn Wis­sen­schaft, Bil­dung, Pro­duk­ti­on und Bank­we­sen wer­den nun inten­siv von der Büro­tä­tig­keit beglei­tet. Büro­ar­beit ist nicht län­ger dem Han­del vor­be­hal­ten, son­dern Han­dels­häu­ser, Behör­den, Manu­fak­tu­ren, Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten rich­ten sich Büros ein.

Indem Büro­ar­beit Ord­nen, Kor­re­spon­die­ren, Kal­ku­lie­ren, Archi­vie­ren und Pla­nen bedeu­tet, wei­tet sie sich zur Ver­wal­tung. Die Büros hei­ßen immer noch Kon­tor und Kanz­lei, dif­fe­ren­zie­ren sich aber all­mäh­lich zu Amts­stu­be, Geschäfts­zim­mer und Sekre­ta­ri­at.

In die­ser Zeit wan­delt sich der Name des Tisches mit dem Stoff (Bur­ra) zu Bureau – eine Wand­lung vom Stoff zum Tisch. Ein Jahr­hun­dert spä­ter wird der Raum, in dem der Tisch (Bureau) steht, als Büro bezeich­net – eine Wand­lung vom Tisch zum Raum.