Die Job­platt­form Inde­ed woll­te es genau­er wis­sen: Wie erle­ben Men­schen in Deutsch­land ihre Arbeits­welt? Was wün­schen sie sich für ihre beruf­li­che Gegen­wart und Zukunft? Die Ant­wor­ten zu die­sen und zahl­rei­chen wei­te­ren Fra­gen wur­den in einer eige­nen Stu­die zusam­men­ge­fasst.

Selbstverwirklichung durch Spaß bei der Arbeit ist vor allem jungen Arbeitnehmern wichtig. Abbildung: Brooke Cagle/unsplash

Selbst­ver­wirk­li­chung durch Spaß bei der Arbeit ist vor allem jun­gen Arbeit­neh­mern wich­tig. Abbil­dung: Broo­ke Cagle/unsplash

Die klas­si­sche Kar­rie­re­lei­ter scheint für Beschäf­tig­te in Deutsch­land heu­te nicht mehr der wich­tigs­te Anreiz im Job zu sein. Statt­des­sen geht es ihnen ver­mehrt um Selbst­ver­wirk­li­chung durch Spaß bei der Arbeit und um Mög­lich­kei­ten zur per­sön­li­chen Wei­ter­bil­dung. So lau­ten zen­tra­le Ergeb­nis­se des „Mea­ning of Work Deutsch­land Reports 2020“ der Job­platt­form Inde­ed, wel­cher in Zusam­men­ar­beit mit dem Markt­for­schungs­in­sti­tut You­Gov erstellt wur­de. Befragt wur­den 2.042 Arbeit­neh­mer.

Neue Definition von Karriere

Laut der Stu­di­en­ergeb­nis­se steht aktu­ell ganz oben auf der Lis­te der Kar­rie­re­zie­le ein Job, der erfüllt. Das wün­schen sich neun von zehn Per­so­nen. Dabei ist der Spaß an der Arbeit den Beschäf­ti­gen in Deutsch­land sogar noch etwas wich­ti­ger als mehr Gehalt (83 Pro­zent). Zwei Drit­tel (64 Pro­zent) seh­nen sich nach einem Arbeits­platz, der Raum für eige­ne Zie­le und Selbst­ver­wirk­li­chung bie­tet. Über­ra­schend fan­den die Initia­to­ren der Stu­die die Ant­wort auf die Fra­ge, was den Beschäf­tig­ten an ihrem Job am wich­tigs­ten ist: net­te Kol­le­gen. Dr. Anni­na Hering, Eco­no­mist bei Inde­ed Hiring Lab, erklärt: „Die Inde­ed-Stu­die zeigt, dass sich das Selbst­ver­ständ­nis von Arbeit ver­än­dert. Arbei­ten nur um der Arbeit wil­len war ges­tern, heu­te wol­len Beschäf­tig­te Spaß an ihrer Arbeit haben.“

Unzufrieden im Job?

Ein wei­te­res zen­tra­les Ergeb­nis der Stu­die ist, dass vie­le Beschäf­tig­te im Job unzu­frie­den sind. Nur rund jede zwei­te Per­son (55 Pro­zent) wür­de den eige­nen Arbeit­ge­ber wei­ter­emp­feh­len. Doch anstatt sich für einen Job­wech­sel zu ent­schei­den, ver­bleibt die Mehr­heit in ihrer aktu­el­len Anstel­lung – nur 17 Pro­zent suchen einen neu­en Arbeit­ge­ber. Mehr als 55 Pro­zent der Befrag­ten, die den eige­nen Arbeit­ge­ber nicht emp­feh­lens­wert fin­den, sind mit den Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten in ihrem der­zei­ti­gen Unter­neh­men unzu­frie­den. 37 Pro­zent der Unzu­frie­de­nen benen­nen man­gel­haf­tes Manage­ment als Grund für schlech­te Auf­stiegs­chan­cen.

Was denken Frauen, was Männer

Die Stu­die hat auch nach unter­schied­li­chen Mei­nun­gen von Män­nern und Frau­en gesucht. Dabei fiel auf, dass bei­de eine ähn­li­che Ein­stel­lung zu vie­len Fak­to­ren der Arbeits­welt haben. Zum Bei­spiel beim The­ma Gehalts­trans­pa­renz. 60 Pro­zent der männ­li­chen Befrag­ten befür­wor­ten eine inter­ne Ver­öf­fent­li­chung der aktu­el­len Durch­schnitts­ge­häl­ter pro Fach­ab­tei­lung und Posi­ti­on, bei den weib­li­chen Arbeit­neh­mern sind es sogar 65 Pro­zent. Ein­deu­tig posi­tiv fän­den sowohl Män­ner (66 Pro­zent) als auch Frau­en (70 Pro­zent), wenn bereits in Stel­len­an­zei­gen eine Anga­be zum Gehalt gemacht wür­de. Einig waren sich die Geschlech­ter auch bei einer ande­ren Fra­ge: Ob Beschäf­tig­te sich eine Vier-Tage-Woche vor­stel­len könn­ten (bei unver­än­der­ter Wochen­ar­beits­zeit und ohne Gehalts­ein­bu­ßen)? 57 Pro­zent der Män­ner und 53 Pro­zent der Frau­en fän­den eine sol­che Vier-Tage-Woche gut. Auf­fäl­lig ist hier, dass Berufs­an­fän­ger und die Genera­ti­on 55+ die­sem Kon­zept skep­ti­scher gegen­über ste­hen als die übri­gen Alters­grup­pen.