Office-History: Die Geschichte des Aktenordners

Der Akten­ord­ner, wie wir ihn heu­te ken­nen, hat eigent­lich zwei Väter, die zur sel­ben Zeit leb­ten und wirk­ten. Einer ist mitt­ler­wei­le fast ver­ges­sen. Der ande­re dage­gen hat sich als Syn­onym für Akten­ord­ner in die Spra­che eingeprägt.

Die Urform des Aktenordners von Friedrich Soennecken. Abbildung: Soennecken

Die Urform des Akten­ord­ners von Fried­rich Soen­ne­cken. Abbil­dung: Soennecken

Ein Akten­ord­ner ist per Defi­ni­ti­on „ein Hebel­ord­ner mit Exzen­ter­ver­schluss“, also einem mit­tig ange­brach­ten Ver­schluss, „der als Mit­tel zur Ord­nung der Schrift­gut­ver­wal­tung dient.“ Erfun­den wur­de er 1885 vom Kauf­mann, Gra­fi­ker und Erfin­der Fried­rich Soen­ne­cken und unter dem Namen „Brie­ford­ner“ ein Jahr spä­ter her­aus­ge­bracht. Pas­sen­der­wei­se erfand Soen­ne­cken im sel­ben Jahr auch gleich den Locher. Die­ses sich per­fekt ergän­zen­de Paar ist bis in die spä­ten 2010er-Jah­re fes­ter Bestand­teil der aller­meis­ten Büros gewe­sen. Aller­dings sag­te auch damals nie­mand: „Reich mir mal den Soennecken-Ordner.“

Die zweite Geburtsstunde

1893 stell­te der Mecha­ni­ker und Fak­tu­ra-Büch­er­fa­bri­kant Lou­is Leitz den Vor­läu­fer der heu­ti­gen Leitz-Ord­ner – mit einem Umle­ge­he­bel – vor. Die nach links schwin­gen­den Bügel, die durch einen Hebel geöff­net und geschlos­sen wer­den, stell­ten eine deut­li­che Ver­bes­se­rung dar. 1896 ver­leg­te Leitz dann den klei­nen, zwi­schen den Bügeln ste­hen­den Hebel nach außen und kre­ierte damit die bis heu­te gebräuch­li­che Form der Ord­ner­me­cha­nik. Dies war die Geburts­stun­de des Leitz-Ordners.

Eines der ersten Leitzplakate um 1900. Abbildung: Leitz

Eines der ers­ten Leit­zpla­ka­te um 1900. Abbil­dung: Leitz

Ein Markenname wird Synonym

Um die Jahr­hun­dert­wen­de tritt mit dem „Leitz Regis­tra­tor auf Holz­brett“ dann auch zum ers­ten Mal die Mar­ke Leitz in Erschei­nung. 1911 wer­den neue Rücken­schil­der und, als Inno­va­ti­on des Jah­res, das Griff­loch ein­ge­führt. 1925 fol­gen die ers­ten Leitz-Ord­ner im DIN-For­mat. Außer­dem wird durch eine neue Bügel­form und die Erhö­hung der bei­den Auf­reih­stif­te das Fas­sungs­ver­mö­gen ver­grö­ßert. 1930 wird der soge­nann­te Tipp­klem­mer zum Fest­hal­ten des Schrift­gu­tes im Ord­ner prä­sen­tiert. Wei­te­re Modi­fi­ka­tio­nen fol­gen erst wie­der ab 1963, zum Bei­spiel ein neu­er Tippklemmer.

Weitere Entwicklung

1996 erhält der Leitz-Ord­ner zu sei­nem 100. Geburts­tag eine neue Ord­ner­me­cha­nik. 2005 prä­sen­tiert Leitz mit dem 180°-Ordner den bis­lang letz­ten gro­ßen Inno­va­ti­ons­schritt – mit einem Hebel, der sich statt der bis­he­ri­gen 65° nun um 180° umle­gen lässt, wodurch sich die Mecha­nik ins­ge­samt wei­ter öffnet.

Im Jahr 2007 brach­te der Her­stel­ler Elba mit Clic den ers­ten Ord­ner mit Klick­me­cha­nik auf den Markt gebracht. Die Hef­tung wird hier per Druck auf eine Kunst­stoff­wip­pe geöff­net und geschlos­sen. 2008 prä­sen­tier­te Her­litz den – heu­te nicht mehr erhält­li­chen – Ord­ner One­Tip, bei dem sich die Hef­tung durch das Drü­cken eines Hebel­knop­fes öff­ne­te. 2010 muss­te die Aus­lie­fe­rung auf­grund von Patent­rechts­strei­tig­kei­ten mit Essel­te Leitz aller­dings wie­der gestoppt werden.

Und nun?

Zwar befin­det sich der Akten­ord­ner infol­ge der Digi­ta­li­sie­rung in vie­len Büros auf dem Rück­zug. Ver­schwin­den wird er auf abseh­ba­re Zeit jedoch nicht. Denn trotz der kla­ren Ten­denz hin zu einem papier­ar­men Büro hat er zwei gro­ße Vor­tei­le gegen­über digi­ta­len Alter­na­ti­ven. Zum einen kön­nen Doku­men­te jeder­zeit ohne Strom- und Netz­an­schluss gele­sen wer­den. Zum ande­ren müs­sen sich Office-Worker kei­ne Sor­gen machen, Jahr­zehn­te spä­ter bei der Suche nach wich­ti­gen Doku­men­ten leer aus­zu­ge­hen. Der Akten­ord­ner wird sich immer öff­nen las­sen, die Gefahr einer Inkom­pa­ti­bi­li­tät mit dem zukünf­ti­gen Stand der Tech­nik besteht bei ihm nicht.

Falls Sie bereits kom­plett digi­tal arbei­ten und Ihre alten Akten­ord­ner nicht ein­fach weg­schmei­ßen möch­ten, gibt es noch ande­re Mög­lich­kei­ten, um den Lebens­zy­klus des Pro­dukts zu ver­län­gern: zum Bei­spiel als Gar­de­ro­be.

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