Office-History: Die Geschichte des Schreibtisches

Seit wann der Mensch an Tischen arbei­tet, lässt sich nicht genau sagen. Die ers­ten Schreib­ti­sche aber wur­den wohl von Mön­chen genutzt. Bis zur Ent­wick­lung von elek­trisch höhen­ver­stell­ba­ren Model­len war es in jedem Fal­le ein lan­ger Weg.

Die Darstellung „Escribano“ zeigt einen mittelalterlichen Schreiber in einem Skriptorium. Abbildung: Jean Le Tavernier, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Dar­stel­lung „Escri­ba­no“ zeigt einen mit­tel­al­ter­li­chen Schrei­ber in einem Skrip­to­ri­um. Abbil­dung: Jean Le Taver­nier, Public domain, via Wiki­me­dia Commons

Der Begriff Tisch stammt vom grie­chi­schen Wort „dis­kos“, das so viel heißt wie Plat­te, Schei­be. Da die Aus­füh­run­gen von Tischen äußerst viel­fäl­tig sind – auch ein waa­ge­recht an der Wand befes­tig­tes Brett kann als Tisch die­nen –, ist eine Defi­ni­ti­on schwie­rig. Ver­bind­lich lässt sich ledig­lich sagen, dass Tische als Brü­cken­mö­bel Raum über­span­nen, statt ihn zu umschlie­ßen, wie es bei Kas­ten­mö­beln der Fall ist.

Die Erfin­dung des Schreib­ti­sches mar­kiert zugleich den Ursprung der Büro­ar­beit. Im christ­li­chen Klos­ter des (Hoch-)Mittelalters schrei­ben Mön­che anti­ke Papy­rus­rol­len ab und machen ihre Abschrif­ten zu Büchern, per Hand, noch nicht per Maschi­ne. Alles was sie dazu benö­ti­gen, legen sie auf ein Brett, das sie auf zwei unbe­haue­ne Holz­bö­cke legen. So ent­stand etwa im 12. Jahr­hun­dert der ers­te Tisch zum Schrei­ben.

Um die wert­vol­len Papie­re vor den ris­si­gen Bret­tern zu schüt­zen, wur­de übri­gens eine Mönchs­kut­te aus robus­tem Filz­stoff dazwi­schen gelegt. Die­se Kut­te hieß Bur­ra. Und von die­sem Wort lei­tet sich das Büro her. Im 18. Jahr­hun­dert wird der Tisch mit dem Stoff­be­zug Bureau genannt. Seit dem 19. Jahr­hun­dert wer­den die Räu­me, in denen ursprüng­lich tran­skri­biert wur­de – die Schreib­stu­ben oder Skrip­to­ri­en – Büros genannt.

Die frü­hes­ten bekann­ten Möbel, die aus­schließ­lich zum Zweck der Büro­ar­beit gebaut wur­den, waren Schreib- und Steh­pul­te für Kon­tor­bü­ros. Eben­falls als Vor­läu­fer des moder­nen Schreib­ti­sches gilt der Sekre­tär oder Schreib­schrank im pri­va­ten Bereich. Zu den ältes­ten Exem­pla­ren gehö­ren hier die Pult­schreib­ti­sche, denen eine Kom­mo­de als Unter­bau diente.

Ein Zylinderbüro-Schreibtisch aus der Biedermeierzeit. Abbildung: Michael Hofmann/www.meublesse.com

Ein Zylin­der­bü­ro-Schreib­tisch aus der Bie­der­mei­er­zeit. Abbil­dung: Micha­el Hofmann/www.meublesse.com

Innovationen aus Frankreich

Gegen Ende des 17. Jahr­hun­derts kam in Frank­reich dann das „Bureau plat“ auf, ein rela­tiv lan­ger, ele­gan­ter Schreib­tisch mit fla­chen Schub­la­den, die direkt unter der Tisch­plat­te ange­bracht waren. Als nächs­ter Inno­va­ti­ons­schritt folg­te in der zwei­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts das „Zylin­der­bu­reau“, das auch Roll­schreib­tisch genannt wird, weil die Fächer und Schü­be hin­ter einem ver­schließ­ba­ren Roll­la­den lie­gen – eine sehr prak­ti­sche Ein­rich­tung für alle, die sich schwer­tun mit dem Prin­zip des Clean Desks. Par­al­lel dazu gab es damals auch schon die heu­ti­ge Form des Schreib­ti­sches, also den drei­tei­li­gen Unter­bau mit fla­chem Schub­la­den­teil in der Mit­te und den wei­ter nach unten rei­chen­den seit­li­chen Fächern oder Schüben.

Der moderne Schreibtisch

Der Schreib­tisch in sei­ner heu­ti­gen Form geht auf die sich ab Ende des 19. Jahr­hun­derts for­mie­ren­de Indus­trie- und Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft zurück. Sie brach­te ein funk­tio­na­les Möbel als Arbeits­platz her­vor, das mitt­ler­wei­le zu einem Kul­tur­ob­jekt avan­ciert ist. Aber erst in den 1970er-Jah­ren wur­den in Deutsch­land ver­bind­li­che Nor­men ein­ge­führt, die bei der Ent­wick­lung von Büro­mö­beln berück­sich­tigt wer­den müssen.

Der S 285 von Marcel Breuer für Thonet feierte im letzten Jahr sein 85-jähriges Jubiläum. Abbildung: Thonet

Der S 285 von Mar­cel Breu­er für Tho­net fei­er­te im letz­ten Jahr sein 85-jäh­ri­ges Jubi­lä­um. Abbil­dung: Thonet

Der Sitz-Steh-Schreibtisch

Lan­ge davor, bereits im Jahr 1910, ist im bran­den­bur­gi­schen Bad Lie­ben­wer­da der ers­te Sitz-Steh-Schreib­tisch von der Fir­ma Reiss ent­wi­ckelt wor­den. Infol­ge neue­rer Erkennt­nis­se der Ergo­no­mie, die die Gefähr­lich­keit des Dau­er­sit­zens bele­gen, kom­men heu­te in vie­len Unter­neh­men immer mehr Sitz-Steh-Schreib­ti­sche zum Ein­satz. Denn die­se ermög­li­chen die zur Prä­ven­ti­on von Nacken- und Kopf­schmer­zen sowie Kreuz- und Rücken­schmer­zen not­wen­di­gen Bewe­gungs- und Hal­tungs­wech­sel wäh­rend der Büroarbeit.

Werbeplakat der Firma Reiss um 1910 für den ersten höhenverstellbaren Sitz-Steh-Tisch. Abbildung: Reiss

Wer­be­pla­kat der Fir­ma Reiss um 1910 für den ers­ten höhen­ver­stell­ba­ren Sitz-Steh-Tisch. Abbil­dung: Reiss

Der elektrische höhenverstellbare Schreibtisch

Heu­te ste­hen in vie­len Büros auf der gan­zen Welt elek­trisch höhen­ver­stell­ba­re Schreib­ti­sche. Feder­füh­rend bei ihrer Ent­wick­lung war die däni­sche Fima Linak. Sie hat­te zuvor mit ihren elek­tri­schen Ver­stell­sys­te­men gro­ße Erfol­ge im Bereich des Gesund­heits­we­sens erzielt. Nach­dem alle kon­struk­ti­ven Her­aus­for­de­run­gen gemeis­tert waren, wur­den in den 1990er-Jah­ren die ers­ten elek­trisch höhen­ver­stell­ba­ren Arbeits­ti­sche mit Linak-Tech­nik auf den Markt gebracht. Der Erfolg blieb nicht aus. Vor allem CAD-Tische wur­den mit der elek­tri­schen Höhen­ver­stel­lung aus­ge­stat­tet. In den fol­gen­den Jah­ren führ­te Linak wei­te­re Ver­bes­se­run­gen ein, wie zum Bei­spiel die Ver­wen­dung des lei­se­ren, sta­bi­le­ren LA31-Antriebs sowie ein­fa­che­re Steuerungen.

Mit der Hubsäule DL1 war 1998 das erste komplette Antriebssystem für Schreibtische erhältlich. Abbildung: Linak

Mit der Hub­säu­le DL1 war 1998 das ers­te kom­plet­te Antriebs­sys­tem für Schreib­ti­sche erhält­lich. Abbil­dung: Linak

Im Jahr 1998 wur­de mit dem DL1 das ers­te elek­tri­sche höhen­ver­stell­ba­re Tisch­sys­tem mit Hub­säu­le von Linak ent­wi­ckelt. Mit der Ein­füh­rung begann eine Rei­he von euro­päi­schen Möbel­her­stel­lern damit, höhen­ver­stell­ba­re Schreib­ti­sche mit DL1-Sys­tem auf den Markt zu brin­gen. Linak hat den elek­trisch höhen­ver­stell­ba­ren Schreib­tisch im Lau­fe der Jah­re immer wei­ter­ent­wi­ckelt. Im Jahr 2013 haben die Dänen als ers­tes Unter­neh­men einen Kol­li­si­ons­schutz prä­sen­tiert, der auf einer Pie­zo-Tech­no­lo­gie basiert und durch sei­ne Prä­zi­si­on über­zeugt. Zwei Jah­re spä­ter folg­te dann mit Kick & Click ein revo­lu­tio­nä­res Rah­men­mon­ta­ge­sys­tem, das den Zusam­men­bau von elek­trisch höhen­ver­stell­ba­ren Schreib­ti­schen zum Kin­der­spiel macht. Neu­es­te Inno­va­ti­on des Unter­neh­mens ist Linak ZERO – eine Tech­nik, die den Strom­ver­brauch im Stand-by-Modus von 1 bis 2 Watt auf 0,1 Watt senkt.

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