Das 19. Jahrhun­dert war das Jahrhun­dert der Dampf­mas­chine und der Beschle­u­ni­gung. Kein Wun­der also, dass die Geschichte des Munter­ma­ch­ers Espres­so in den 1880er Jahren begin­nt.

Um einen per­fek­ten Espres­so zu erhal­ten, wird Wass­er mit cir­ca 9 Bar durch das Kaf­feemehl gepresst. Foto: Maik Bolbeth/pixelio.de

Für Espres­so wer­den die gle­ichen Kaf­fee­bohnen ver­wen­det wie für nor­malen Kaf­fee – aber dun­kler geröstet. Foto: Tilo Schüßler/pixelio.de

Kaf­fee müsste sich doch auch fix­er zubere­it­en lassen, als ihn zeitraubend aufzubrühen, dachte sich damals der Turiner Unternehmer Ange­lo Morion­do. Ihm ging es vor allem darum, die Wartezeit der Gäste in seinen Hotels und Bars zu verkürzen. Um das Getränk schneller her­stellen zu kön­nen, griff er – typ­isch 19. Jahrhun­dert – auf die Kraft des Dampfes zurück. Er kon­stru­ierte einen Kessel, der erhitztes Wass­er mit einem Druck von etwa 1,5 Bar durch Kaf­feemehl pressen kon­nte. Auf diese „neue Dampf­mas­chine für die ökonomis­che und augen­blick­liche Zubere­itung von Kaf­feegetränken“ erhielt er 1884 ein Patent.

Einen Kaf­fee ziehen

Ein weit­er­er wichtiger Schritt in der Geschichte des Espres­so gelang 1903 dem Ital­iener Lui­gi Bezzera, als er den Sieb­träger erfand. Gemein­sam mit seinem Lands­mann Deside­rio Pavoni ver­fein­erte er das Prinzip weit­er, sodass Pavoni 1906 auf der Mailän­der Messe eine schon recht aus­gereifte Mas­chine präsen­tieren kon­nte, die „caf­fè espres­so“ zubere­it­ete.

Gut 30 Jahre später, 1938, entwick­elte Achille Gag­gia, eben­falls Ital­iener, diese Mas­chine entschei­dend weit­er. Während der Kaf­fee bis­lang mit Dampf­druck extrahiert wurde, ließ Gag­gia das Wass­er mit ein­er Pumpe durch das Kaf­feemehl pressen. Um einen Espres­so aufzubrühen, musste bei sein­er Mas­chine an einem Hebel gezo­gen wer­den, der einen Fed­erkol­ben bewegte. Die noch heute geläu­fige For­mulierung „einen Kaf­fee ziehen“ leit­et sich davon ab. Mit dem Fed­erkol­ben erre­ichte Gag­gias Appa­rat einen Druck von acht bis zehn Bar – also in etwa so viel wie auch heutige Maschi­nen. Erst­mals ent­stand so auf dem Getränk die bei Kaf­feetrinkern begehrte Cre­ma.

Einzug der Elek­trik

Der Nachteil an Gag­gias Kon­struk­tion war, dass der Druck nicht bei jed­er Zubere­itung kon­stant gle­ich blieb und vor allem stark von der Kraft dessen abhing, der die Mas­chine bedi­ente. Dieses Manko kon­nten erst motorische Pumpen beseit­i­gen. Als Urty­pus ein­er pumpen­be­triebe­nen Espres­so­mas­chine gilt die von Ernesto Valente erfun­dene Fae­ma E61, die 1961 auf den Markt kam. Neben der elek­trischen Pumpe ver­fügte sie – anders als frühere Mod­elle – über einen Wärmetausch­er, der das Wass­er auf der ide­alen Brühtem­per­atur hielt.

Schnell, aber kein Express

Obwohl es Ange­lo Morion­do Ende des 19. Jahrhun­derts darum ging, die Kaf­fee­herstel­lung zu beschle­u­ni­gen, hat das im Deutschen ver­wen­dete ital­ienis­che Lehn­wort Espres­so übri­gens nichts mit Schnel­ligkeit zu tun. Daran ändert auch die in Deutsch­land häu­fig zu hörende falsche Aussprache „Expres­so“ nichts. Auch die Her­leitung von „pressen“ gilt als falsch. Vielmehr leit­et sich die Kaf­fee­beze­ich­nung von „espres­so“ ab, dem Par­tizip Per­fekt Pas­siv des ital­ienis­chen Verbs esprimere (aus­drück­en). Damit wurde ein „aus­drück­lich“ im Sinne von „extra“ für einen Gast zubere­it­etes Gericht beze­ich­net. „Caf­fè espres­so“ war und ist also ein indi­vidu­ell gebrühter Kaf­fee.

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