Den Kof­fer auf Rädern gibt es noch gar nicht so lan­ge, doch inzwi­schen ist er aus unse­rem mobi­len All­tag nicht mehr weg­zu­den­ken. Eine Rei­se durch die Geschich­te des Roll­kof­fers.

Robert Plath und sein „Rol­la­board“.

Ein Rimo­wa mit der für ihn typi­schen Ril­len­struk­tur. Foto: RainerSturm/pixelio.de

Ange­sichts der Tat­sa­che, dass in der zwei­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­dert das Rei­sen per Auto, Bahn oder Flug­zeug fest eta­bliert war, ver­wun­dert es doch, dass sich so ein prak­ti­sches Uten­sil wie der Roll­kof­fer erst vor rund 25 Jah­ren durch­setz­te. Zwar fin­det man bereits um 1850 im „Hand­buch für Fuß­rei­sen­de” eine Art Ent­wurf für den moder­nen Roll­kof­fer. Die­ser zeig­te, wie ein paar klei­ne Räder mit einer leich­ten Ach­se befes­tigt wer­den und wie das Kof­fer­ele­ment mit einem spe­zi­el­len Rei­sestock mit abschraub­ba­rer Zwin­ge ver­se­hen wird. Aller­dings konn­ten sich die­se Pro­to­ty­pen bei den dama­li­gen Stra­ßen- und Boden­ver­hält­nis­sen nicht durch­set­zen. Erst 1970 begann die wirk­li­che Geschich­te des Roll­kof­fers und damit auch die Fra­ge nach der Urhe­ber­schaft sei­ner Erfin­dung.

Vom Rol­ling Lug­ga­ge zum Trol­ley

1970 rekla­miert Ber­nard Sadow, Mana­ger eines US-Kof­fer­fa­bri­kan­ten, den Ent­wurf eines Roll­kof­fers für sich, als er bei einer Rei­se die gepäck­be­la­de­nen Pas­sa­gie­re beob­ach­tet. Er befes­tig­te vier Rol­len unter der Längs­sei­te des Kof­fers, brach­te noch ein fle­xi­bles Band zum Zie­hen an und mel­de­te die Kon­struk­ti­on unter dem Namen „Rol­ling Lug­ga­ge” zum Patent an.

Schon kurz dar­auf, 1972, rühmt sich der fran­zö­si­sche Kof­fer­her­stel­ler Delsey damit, den ers­ten rol­len­den Hart­scha­len­kof­fer auf den Markt gebracht zu haben. Er hieß „Trol­ley“. Die­ser Begriff wur­de im eng­li­schen Sprach­raum zum Syn­onym für Kof­fer auf Rädern. Zu die­ser Zeit war der Trol­ley aber noch nicht so erfolg­reich wie heu­te. Denn es war kei­nes­wegs gesell­schaft­lich akzep­tiert, sein Gepäck wie einen Hund hin­ter sich her­zu­zie­hen. Wer Geld hat­te, leis­te­te sich Trä­ger, und wer es nicht hat­te, woll­te dies nicht gleich jeder­mann zei­gen.

Vom Pilo­ten zum Kof­fer­mil­lio­när

Der rich­ti­ge Durch­bruch des Roll­kof­fers kam erst fast 20 Jah­re spä­ter. Flü­ge waren bil­li­ger gewor­den und die Leu­te reis­ten mehr und wei­ter. Außer­dem nahm die Zahl der viel­rei­sen­den Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen erheb­lich zu. Die­se ver­zich­te­ten aber nicht auf Gepäck, nur weil es so schwer zu trans­por­tie­ren war. Hier kam Robert Plath ins Spiel. Der US-Pilot ärger­te sich über schwe­res Gepäck und erfand einen Kof­fer mit zwei klei­nen Kunst­stof­fräd­chen, den er „Rol­la­board“ nann­te.

Erst pro­du­zier­te Plath nur für Freun­de und Kol­le­gen, qua­si als Hob­by. Dann grün­de­te er sei­ne Fir­ma Tra­vel­Pro und war ab 1991 nur noch Unter­neh­mer. 129 US-Dol­lar kos­te­ten die ers­ten Roll­kof­fer. Schon im ers­ten Jahr mach­te die neue Fir­ma 1,5 Mil­lio­nen US-Dol­lar Umsatz. Der unge­heu­re Erfolg war jedoch nicht allein auf die ver­än­der­ten Rei­se­ge­wohn­hei­ten der Men­schen zurück­zu­füh­ren. Denn Plath hat­te den Roll­kof­fer tat­säch­lich ent­schei­dend ver­bes­sert: Anders als Sadow setz­te er statt auf ein Band auf einen höhen­ver­stell­ba­ren Tele­skop­griff und anstel­le von vier Rädern bau­te er nur zwei an.

Der Roll­kof­fer heu­te

Der moder­ne Roll­kof­fer, umgangs­sprach­lich auch gern Hacken­por­sche genannt, ist wider­stands­fä­hi­ger gewor­den, ele­gan­ter im Design, kom­pak­ter und ergo­no­misch in der Form. Mehr­stu­fi­ge belast­ba­re Tele­skop­grif­fe sind längst Stan­dard, die Stof­fe stra­pa­zier­fä­hig, die Hart­scha­len welt­raum­taug­lich und das Innen­le­ben mit aller­lei prak­ti­schen Fea­tures ver­se­hen. Der stan­dar­di­sier­te Trol­ley – 115 Zen­ti­me­ter soll­te die Sum­me von Län­ge, Brei­te und Höhe nicht über­schrei­ten – passt als Hand­ge­päck in jedes Flug­zeug. Heu­te haben 90 Pro­zent aller pro­du­zier­ten Kof­fer und Rei­se­ta­schen Räder. Der bekann­tes­te deut­sche Her­stel­ler ist Rimo­wa.