Office-History: Die Geschichte des Büropapiers

Am 25. Okto­ber 1983 hat Micro­soft das Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gramm MS Word für den PC ver­öf­fent­licht. Das erleich­ter­te die Kor­re­spon­denz im Büro. Denn sie war dann aus­druck­bar. Doch wie kam es über­haupt zum heu­ti­gen Büropapier?

Papier ist nicht gleich Papier: Die Papiersorten werden heute für verschiedene Anwendungen optimiert. Abbildung: Pixabay

Papier ist nicht gleich Papier: Die Papier­sor­ten wer­den heu­te für ver­schie­de­ne Anwen­dun­gen opti­miert. Abbil­dung: Pixabay

Papier gibt es schon seit 2.000 Jah­ren. Bis Ende des 18. Jahr­hun­derts wur­de es von Hand her­ge­stellt. Als Erfin­der des Pro­to­typs einer Maschi­ne für die Pro­duk­ti­on einer zusam­men­hän­gen­den Papier­bahn im Jahr 1799 gilt der Fran­zo­se Nicho­las-Lou­is Robert.

Mechanisierung der Papierproduktion

Durch die Erfin­dung der Papier­ma­schi­ne ging die hand­werk­li­che Papier­pro­duk­ti­on zur indus­tri­el­len Fer­ti­gung über. Die Papier­er­zeu­gung wur­de quan­ti­ta­tiv und qua­li­ta­tiv gestei­gert. Weil die Anfor­de­run­gen an das End­pro­dukt Papier immer höher wur­den, haben Papier­her­stel­ler soge­nann­te Mul­ti­funk­ti­ons­pa­pie­re ent­wi­ckelt, die im Farb-Tin­ten­strahl­dru­cker und in der Off­set-Druck­ma­schi­ne eben­so gut funk­tio­nie­ren wie im Kopie­rer und Laser­dru­cker. Öko­lo­gi­scher Druck führ­te 1989 schließ­lich zur Ein­füh­rung der 100 Pro­zent chlor­frei­en Blei­che von Zellstoff.

Steigende Nachfrage nach Recycling-Papier

1998 ent­deck­te das Unter­neh­men Data Copy mit gefäll­tem Kal­zi­um­kar­bo­nat einen neu­en Füll­stoff und ver­wen­de­te die­sen erst­mals zur Papier­her­stel­lung. Das neue Papier war noch wei­ßer und brach­te bes­se­re Opa­zi­tät und Mas­se für ver­bes­ser­te Druck­ergeb­nis­se. Weil der Nach­hal­tig­keits­an­spruch immer grö­ßer wur­de, ist auch der Anspruch an Recy­cling-Papier für den Büro­ge­brauch gestie­gen. Inzwi­schen sind Recy­cling-Papie­re in ihren Eigen­schaf­ten der­art opti­miert, dass sie pro­blem­los als Uni­ver­sal­pa­pie­re in Büros ein­ge­setzt wer­den können.

Vereinheitlichung durch den Standard DIN A4

Nach dem Ers­ten Welt­krieg kamen im Zuge der Papier­knapp­heit Bestre­bun­gen zur Ver­ein­heit­li­chung des For­mats auf, um Beschnitt zu ver­mei­den. Der bedeu­tends­te Bei­trag kam vom Ber­li­ner Inge­nieur Wal­ter Por­st­mann. Die­ser setz­te einen der wich­tigs­ten welt­wei­ten Stan­dards: das DIN-A4-Blatt, das aus der täg­li­chen Schreib­tisch­ar­beit nicht mehr weg­zu­den­ken ist. Das Norm­blatt DIN EN ISO 216 legt die Papier­for­ma­te für Schreib- und Druck­pa­pie­re fest: Grund­for­mat ist ein Recht­eck mit den Sei­ten­ma­ßen 841 x 1.189 mm (DIN A0). Durch Tei­lung der jeweils lan­gen Stre­cke des Recht­ecks ent­ste­hen klei­ne­re For­ma­te, deren Sei­ten­ver­hält­nis immer gleich bleibt.

Die DIN EN 12281 ist die zen­tra­le Norm für Kopier­pa­pier. Sie besitzt Gül­tig­keit in ganz Euro­pa. In die­ser Norm sind die wesent­li­chen Papier­ei­gen­schaf­ten fest­ge­legt, damit sich die­ses für den Druck nach dem elek­tro­fo­to­gra­fi­schen Prin­zip eig­net, wie 80g/m2, DIN A4 oder DIN A3 und ein Feuch­tig­keits­ge­halt von 4,5 Pro­zent. Die Ver­wen­dung von Papier im Büro wur­de so enorm vereinfacht.

Das papierlose Büro

Die Visi­on vom papier­lo­sen Büro soll 1973 im Palo Alto Rese­arch Cen­ter vom eins­ti­gen Kopier­rie­sen Xerox for­mu­liert wor­den sein, mit­ten im Sili­con Val­ley. Noch 2016 hat man pro­gnos­ti­ziert, dass schon zwei Jah­re spä­ter gute 90 Pro­zent aller Büros papier­frei sein wür­den. Wie sich gezeigt hat, klaf­fen Vor­her­sa­ge und Rea­li­tät bei die­sem The­ma jedoch immer noch weit aus­ein­an­der. Laut einer 2019 ver­öf­fent­lich­ten Stu­die von Sta­tis­ta im Auf­trag des Dru­cker­her­stel­lers Kyo­ce­ra arbei­ten gera­de ein­mal vier Pro­zent der Büro­an­ge­stell­ten in Deutsch­land und Öster­reich papier­los. Den­noch gibt es eine kla­re Ten­denz hin zu einem papier­ar­men Büro. Her­stel­ler ver­schie­de­ner Büro­bran­chen haben die­se Ent­wick­lung bereits vor Jah­ren erkannt: Aus rei­nen Dru­cker­her­stel­lern sind Docu­ment-Solu­ti­ons-Exper­ten gewor­den, die auch digi­ta­les Doku­men­ten­ma­nage­ment anbie­ten. Und tra­di­tio­nel­le Büro­be­darfs­an­bie­ter ver­su­chen zuneh­mend, mit Leuch­ten, Luft­rei­ni­gern und Möbeln in ande­re Markt­seg­men­te vorzudringen.