Robert Nehring hat nicht viel von Mar­cel Proust gele­sen, stellt aber eben­falls gern vie­le Fra­gen. Inter­es­san­ten Per­sön­lich­kei­ten aus dem Büro­um­feld schickt er gern mal einen Fra­ge­bo­gen. Dies­mal ant­wor­te­te: Bru­no Zwing­mann.

Bruno Zwingmann, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (Basi) e. V. Abbildung: Basi

Bru­no Zwing­mann, Geschäfts­füh­rer der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft für Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit e. V. (Basi). Abbil­dung: Basi

ARBEITEN 

1.    Bitte beschreibe deinen Arbeitsplatz.

Büro im Gebäu­de der DGUV in St. Augus­tin, Raum­grö­ße cir­ca 30 m2. Blick ins Grü­ne und auf einen meis­tens ruhi­gen Innen­hof mit reprä­sen­ta­ti­ver Vor­fahrt. Sitz-Steh-Tisch von Haworth kom­bi­niert mit einem nor­ma­len Schreib- und Eck­tisch. Büro­stuhl Dri­ve von Brun­ner, Lap­top von Dell, ein gro­ßer Bild­schirm.

2.    Wie kommst du zur Arbeit?

Zu Fuß – es sind beque­me zehn Minu­ten. Bei Dienst­rei­sen neh­me ich natür­lich auch Taxi, Bahn bzw. Flug­zeug.

3.    Wo arbeitest du am liebsten?

Im Büro oder zu Hau­se im Home-Office. Zug ging vor eini­gen Jahr­zehn­ten auch noch ganz gut, heu­te nicht mehr. Flug­zeu­ge sind im Zeit­al­ter der Bil­lig­flie­ger zum Arbei­ten nur noch beschei­den geeig­net.

4.    Wo würdest du am liebsten arbeiten?

Im Büro oder zu Hau­se.

5.    Wann beginnt ein normaler Arbeitstag bei dir, wann ist Schluss?

Ich begin­ne nor­ma­ler­wei­se um 9 Uhr, Ende ist in etwa um 17 bis 18 Uhr. Ich neh­me mir dann gern noch etwas mit nach Hau­se.

6.    Wie vie­le Stun­den arbei­test du im Schnitt pro Woche?
Ich schät­ze, dass ich im Durch­schnitt auf etwa 50 Stun­den kom­me.

7.    Wie viele Stunden arbeitest du im Schnitt pro Woche konzentriert allein?

Alles in allem (mit Wochen­en­de) unge­fähr zehn Stun­den.

8.    Wie viele Stunden verbringst du im Schnitt pro Woche in Meetings?

In den Haupt­kampf­zei­ten bestimmt zehn Stun­den. Ich ver­su­che, so viel wie mög­lich zu ver­mei­den.

9.    Wie viele E-Mails erhältst du im Schnitt pro Tag?

Zu bestimm­ten Zei­ten kön­nen es 50 und mehr wer­den. Es gibt aber auch ruhi­ge­re Zei­ten, wie gera­de jetzt, mit nur cir­ca einem Dut­zend.

10.   Wie kommunizierst du vorwiegend: Face-to-Face, per Telefon, E-Mail oder Chat?

Haupt­kom­mu­ni­ka­ti­ons­weg ist lei­der auch bei mir mitt­ler­wei­le die E-Mail. Ich tele­fo­nie­re aber immer noch rela­tiv viel (Ein Tele­fo­nat ersetzt fünf oder ggf. sehr viel mehr E-Mails!) und kom­mu­ni­zie­re auch Face-to-Face, vor allem natür­lich mit mei­nen Mitarbeiter/innen.

11.   Wie stellst du dir Büros 2025 in Deutschland vor?

Das ist nicht mehr weit hin! Von daher wer­den die meis­ten kaum grund­le­gend anders sein. Die der­zei­ti­ge Ent­wick­lung zu offe­nen Büro­land­schaf­ten wird wei­ter­ge­hen. Der indi­vi­du­el­le Arbeits­platz wird bis 2025 aber noch nicht ver­schwin­den.

12.   Die drei größten Herausforderungen für die Bürowelt?

Gemeis­tert wer­den muss ers­tens, Bewe­gung in die Büro­ar­beit zu brin­gen, zwei­tens die Nut­zung der IuK-Tech­nik sowie drit­tens die Kom­mu­ni­ka­ti­on, Koope­ra­ti­on und Team­ar­beit.

13.   Was du schon immer einmal zur Entwicklung der Büroarbeit sagen wolltest …

Ein­zel­bü­ros oder Pro­jekt­bü­ros aus Ein­zel­bü­ros mit offe­nen Türen wird es wei­ter­hin geben. Wenn die dahin­ter­ste­hen­den Bedürf­nis­se auch in offe­nen Büro­land­schaf­ten berück­sich­tigt wer­den, klappt es im Gegen­satz zum Groß­raum mit hoher Sitz­dich­te auch dort mit der Kom­mu­ni­ka­ti­on.

14.   New Work bedeutet für mich …

… in etwas boden­stän­di­ge­rer Form in Abgren­zung von dem gan­zen abson­der­li­chen Hype (in bestimm­ten Fir­men wird nur noch gespielt!) eine neue Qua­li­tät der Arbeit (als Begriff viel­leicht auch noch bekannt!!) mit indi­vi­du­el­len Frei­räu­men, indi­vi­du­ell ange­pass­ten Arbeits­be­din­gun­gen, offe­ner und trans­pa­ren­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on sowie Teil­ha­be im Team. New Work passt vor allem für den wach­sen­den Bereich der Wis­sens­ar­beit, jedoch über­haupt nicht zu den recht kon­stan­ten cir­ca 20 Pro­zent an Ein­fach­ar­bei­ten oder Basic Work, wie man die­se Tätig­kei­ten neu­er­dings bes­ser und wert­schät­zen­der bezeich­net.

15.   Coworking halte ich für …

… für eine gute, wirk­lich wich­ti­ge und stark zuneh­men­de Ent­wick­lung. Irgend­wie kehrt mit den Cowor­king-Spaces das Büro frü­he­rer Zei­ten in ver­än­der­ter Form wie­der.

16.   Feelgood-Management ist für mich …

… natür­lich erst mal der neu­es­te Hype im Rah­men von New Work. Es kann aber sein, dass die Mischung aus auf­räu­men­der Mama, Gesund­heits­för­de­rung (das war auch mal ein gei­ler neu­er Begriff, lan­ge her, heu­te eta­bliert), Pfle­ge­diens­ten und viel­leicht auch Arbeits­ge­stal­tung für bestimm­te Berei­che und Per­so­nen­grup­pen der digi­ta­len Arbeits­welt (Nerds?) passt und die­se Ange­bo­te in Kon­zep­te einer neu­en Qua­li­tät der Arbeit inte­griert wer­den müs­sen.

17.   Der Generation Y rate ich …

Ich müss­te erst mal jeman­den tref­fen von die­sen sagen­haf­ten Wesen, für die unter ande­rem die mate­ri­el­len Aspek­te der Arbeit nicht gel­ten sol­len. Aber längst ist ja schon die in die­ser Hin­sicht boden­stän­di­ge­re Genera­ti­on Z am Zuge.

18.   Drei deiner Lieblingsprojekte der Basi?

Ers­tens „Pra­xis Inter­ak­tiv“: Instru­men­te, Metho­den, Pra­xis­an­sät­ze zur Beur­tei­lung der Arbeits­be­din­gun­gen bei den ver­schie­de­nen Pro­fes­sio­nen, Funk­ti­ons­trä­gern und Insti­tu­tio­nen. Zwei­tens das Kon­zept (und die Ver­an­stal­tung) „Gute Arbeit welt­weit“. Drit­tens „Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tun­gen (SBV) und Prä­ven­ti­on“.

19.   Diese drei Projekte von anderen Institutionen sind auch nicht zu verachten:

Das Projekt/Konzept „Basic Work“ des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­ums, die „High­light Rou­te Zukunft der Arbeit“ für die A+A-Fachmesse und FuE über „inno­va­ti­ve Assis­tenz­sys­te­me für die Inklu­si­on“ durch ver­schie­de­ne Reha-Insti­tu­tio­nen wie die Inte­gra­ti­ons­äm­ter und die BFWs.

20.   Worauf kommt es bei guter, sicherer, gesunder Büroarbeit vor allem an?

Auf das bei Fra­ge 14 zur neu­en Qua­li­tät der Arbeit Gesag­te und natür­lich eine gut gestal­te­te, opti­ma­le Arbeits­um­ge­bung.

21.   Die größten Fehler deiner Branche sind …

Das Igno­rie­ren der Ziel­set­zung und eine feh­len­de Stra­te­gie zur Beur­tei­lung und Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen und einer men­schen­ge­rech­ten Gestal­tung der Arbeit gemäß Arbeits­schutz­ge­setz. Trotz wirk­lich hoff­nungs­vol­ler Ansät­ze wie der neu­en Aus­bil­dungs­kon­zep­ti­on für die Fach­kräf­te für Arbeits­si­cher­heit blei­ben das wohl über wei­te Stre­cken „Erin­ne­run­gen an die Zukunft“.

22.   Welche Lösungen für gesunde Büroarbeit findest du besonders gelungen?

Die in letz­ter Zeit ent­stan­de­nen Kon­zep­te für beweg­te Büro­ar­beit, die Bewe­gung wirk­sam in die Büro­ar­beit selbst inte­grie­ren.

23.   Woran arbeitest du gerade?

An der Vor­be­rei­tung des A+A-Kongresses mit cir­ca 50 Ver­an­stal­tun­gen und 350 Referent/innen und an der Vor­be­rei­tung der nicht-kom­mer­zi­el­len Tei­le der inter­na­tio­na­len Fach­mes­se der A+A 2019: Besu­cher­wer­bung, Arti­kel, News­let­ter usw.

24.   Was inspiriert dich?

Gute Lite­ra­tur, Roma­ne oder Sach­bü­cher, Fil­me wie „Ziem­lich bes­te Freun­de“, aber auch neue gesell­schafts­ana­ly­ti­sche Ansätze/Konzeptionen, zum Bei­spiel aktu­ell zur Spal­tung der Gesell­schaft.

25.   Deine beruflichen Ziele bis 2022?

„New Work“, hät­te ich fast gesagt, nach­dem ich mei­ne Arbeit als Geschäfts­füh­rer der Basi aus Alters­grün­den end­gül­tig been­det habe (seit Früh­jahr 2019 bin ich Rent­ner). Schwer­punkt bleibt sicher die kon­zep­tio­nel­le Wei­ter­ent­wick­lung von Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit, dann viel­leicht in ande­ren Berei­chen, wenn­gleich ich der Basi und der A+A auch noch wei­ter arbeits­mä­ßig ver­bun­den blei­ben möch­te.

26.   Dein größter beruflicher Erfolg?

Mein Anteil an der gro­ßen Arbeits­schutz­re­form in den 1990er Jah­ren, vor allem das Arbeits­schutz­ge­setz, das SGB VII mit der umfas­sen­den prä­ven­ti­ven Neu­aus­rich­tung der Unfall­ver­si­che­rung, kurz davor das SGB V mit der betrieb­li­chen Gesund­heits­för­de­rung und etwas spä­ter das SGB IX mit der Prä­ven­ti­on in der Reha­bi­li­ta­ti­on.

27.   Der größte Misserfolg?

Oh je! Ein BMAS-geför­der­tes Umset­zungs­pro­jekt Ende der 1980er Jah­re nimmt da einen beson­de­ren Platz ein. In die­sem soll­ten alle gewerk­schaft­li­chen Fach­stel­len zur Huma­ni­sie­rung der Arbeit in einem Kom­mu­ni­ka­ti­ons­netz­werk zusam­men­ge­bun­den wer­den. Damit wäre man deut­lich vor spä­ter fol­gen­den ver­gleich­ba­ren Ent­wick­lun­gen im und mit dem Inter­net gewe­sen. Wur­de von einem Teil der Kund­schaft als Bedro­hung der eige­nen Rol­le emp­fun­den (unse­re Orga­ni­sa­ti­on ist schon ein Netz­werk) und vom För­de­rer als For­schungs- statt Umset­zungs­pro­jekt miss­ver­stan­den. Tja: Von zehn Inno­va­tio­nen klap­pen nur zwei oder drei. Kann ich lei­der auch für Ver­su­che im Bereich sozia­ler Inno­va­tio­nen bestä­ti­gen.

28.   Xing oder LinkedIn oder …?

Fan­ge ich gera­de erst mit an, habe ich bis­her nicht gebraucht. Dann wohl Xing.

29.   Apple oder Microsoft?

Bei­des ohne irgend­wel­che Lie­bes­be­zie­hun­gen.

30.   Gedruckte Zeitung oder Online-News?

Genie­ße noch immer eine gute Zei­tung (Die Zeit, F.A.Z., …). Nut­ze aber natür­lich auch sehr vie­le Online­me­di­en. 

LEBEN

31.   Was würdest du als „König von Deutschland“ zuerst ändern?

Min­dest­lohn auf wenigs­tens 14 Euro pro Stun­de her­auf­set­zen. Kli­ma­neu­tra­li­tät for­cie­ren mit dem Ziel 2030. Rechts­ra­di­ka­le Orga­ni­sa­tio­nen ver­bie­ten und ihre Akti­vi­tä­ten gna­den­los ver­fol­gen.

32.   Was würdest du gern können?

Meh­re­re Spra­chen.

33.   Wo würdest du am liebsten leben?

Ich fin­de es hier im Rhein­land ganz gut. Aber auf Kre­ta zum Bei­spiel könn­te ich es auch gut aus­hal­ten.

34.   Wobei kannst du gut entspannen?

Bei der Gar­ten­ar­beit, beim Wan­dern, beim Musik hören, Essen gehen, …

35.   Dein ursprünglicher Berufswunsch?

Wür­de mei­ne Jugend­sün­de, Soziologie/Arbeitswissenschaft, Phi­lo­so­phie und Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten zu stu­die­ren, durch­aus wie­der bege­hen. Ich woll­te damals auf jeden Fall an der Ver­än­de­rung der Welt mit­wir­ken, was als Beruf schlecht defi­nier­bar ist.

36.   Deine Hauptcharaktereigenschaften?

Eine gewis­se Ver­läss­lich­keit, Offen­heit und Empa­thie, aber lei­der auch eine gewis­se Ego­zen­trik.

37.   Deine Hobbys oder Leidenschaften?

Gar­ten, Wan­dern und immer noch das Eine!

38.   Deine drei Dinge für die einsame Insel?

Gar­ten- und Hand­werk­zeu­ge, Bücher, ein paar Fla­schen guter Rot­wein.

39.   Dein Lieblingsdenker?

Niklas Luh­mann sowie im All­ge­mei­nen moder­ne natur­wis­sen­schaft­li­che Lite­ra­tur und auch reli­giö­se Grund­la­gen­wer­ke.

40.   Das letzte Buch und der letzte Film, das bzw. der dir gefallen hat?

Heinz Bude: „Gesell­schaft der Angst“. Film: „Das Leben der Ande­ren“.

41.   Dein Lieblingsgericht?

Eine gute ita­lie­ni­sche Pas­ta, zum Bei­spiel eine schö­ne Car­bo­na­ra.

42.   Deine Lieblingsweisheit/en?

Das gro­ße Gegen­satz­paar: Es gibt nichts Neu­es unter der Son­ne … Alles hat sei­ne Zeit … (Buch Pre­di­ger, Altes Tes­ta­ment, cir­ca 400 v. u. Z.) und „Man steigt nie in den­sel­ben Fluss“ (Hera­klit, auch unge­fähr in die­sem Zeit­raum).

43.   Dein Lebensmotto?

Opti­mis­mus: Das Glas ist halb voll, nicht halb leer.

44.   Der Sinn des Lebens …

Ist zu lie­ben und die Erleuch­tung zu erlan­gen.

45.   AKK, Scholz oder Habeck?

Scholz (oje!).

46.   Bayern oder Dortmund?

Dort­mund!!

47.   Beatles oder Stones?

Eher Stones.

48.   Bier oder Wein?

Bei­des.

49.   Strand oder Berge?

Bei­des.

50.   Und deine Uhr: analog oder digital?

Digi­tal bzw. gar kei­ne (Smart­pho­ne).

 

Bruno Zwingmann, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (Basi) e. V. Abbildung: Basi

Bru­no Zwing­mann

  • Jahr­gang: 1953
  • Geburts­ort: Werl in West­fa­len
  • Höchs­ter Abschluss: Diplom Sozio­lo­gie
  • Aktu­el­le Funk­tio­nen: Geschäfts­füh­rer der Basi
  • Beruf­li­che Sta­tio­nen davor: Wis­sen­schaft­li­cher Refe­rent beim Wirt­schafts- und Sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Insti­tut (WSI) des DGB, Refe­rats­lei­ter Arbeits­schutz bei DGB Bun­des­vor­stand