Robert Nehring hat nicht viel von Mar­cel Proust gele­sen, stellt aber eben­falls gern vie­le Fra­gen. Inter­es­san­ten Per­sön­lich­kei­ten aus dem Büro­um­feld schickt er auch schon mal einen Fra­ge­bo­gen.

David Wiechmann, Marketing Manager und Head of Interior Design bei der  Kinnarps GmbH, beantwortete 50 Fragen zu Arbeit und Leben. Abbildung: Marco Leibetseder/www.editorial247.com

David Wiech­mann, Mar­ke­ting Mana­ger und Head of Inte­rior Design bei der Kin­narps GmbH, beant­wor­te­te 50 Fra­gen zu Arbeit und Leben. Abbil­dung: Mar­co Leibetseder/www.editorial247.com

Wiechmanns Lieblingsstück ist der Hocker Mr T von Kinnarps-Tochter Materia.

Wiech­manns Lieb­lings­stück ist der Hocker Mr T von Kin­narps-Toch­ter Mate­ria.

David Wiechmann sitzt ergonomisch auf dem Bürodrehstuhl Capella von Kinnarps.

David Wiech­mann sitzt ergo­no­misch auf dem Büro­dreh­stuhl Capel­la von Kin­narps.

ARBEITEN

  1. Bitte beschreiben Sie Ihren Arbeitsplatz.

    Mein Arbeits­platz vari­iert sehr. Oft ist es der ICE oder ein Hotel­zim­mer. Wesent­lich sel­te­ner mein Ess­tisch zu Hau­se. Ab und zu ein Cowor­king-Space. Häu­fig bin ich in einem der Kin­narps-Show­rooms in Deutsch­land an einem der tem­po­rä­ren Arbeits­plät­ze anzu­tref­fen, meis­tens aber in unse­rem Head­quar­ter. Dort sit­ze ich regel­mä­ßig an einem elek­trisch höhen­ver­stell­ba­ren Sitz-Steh-Tisch und als Büro­stuhl sehr gern auf einem Capel­la. Docking­sta­ti­on fürs Lap­top, zwei Moni­to­re und ergo­no­misch kor­rekt im rech­ten Win­kel zur Fens­ter­front. Durchs Fens­ter kann ich über ein klei­nes Stück Wie­se mit hop­peln­den Kanin­chen und ein paar Büschen auf die B9 und das gegen­über­lie­gen­de Indus­trie­ge­län­de schau­en. Gleich dahin­ter liegt dann der Rhein, aber den sehe ich lei­der nicht.

  2. Wie kommen Sie zur Arbeit?

    Ins Head­quar­ter mit dem Auto in einer hal­ben Stun­de, nach Frank­furt oder Köln eben­falls mit dem Auto. Nach Mün­chen, Ham­burg und Ber­lin lie­ber mit der Bahn.

  3. Wo arbeiten Sie am liebsten?

    Das ist stim­mungs­ab­hän­gig. Hin und wie­der auch in mei­ner Dat­sche in Tsche­chi­en mit Blick auf die Wäl­der und den Bach, wenn mal etwas Krea­ti­ves dabei her­aus­kom­men soll.

  4. Wo würden Sie am liebsten arbeiten?

    Da, wo ich mei­ne jewei­li­ge Auf­ga­be am bes­ten erle­di­gen und gleich­zei­tig mit ande­ren Tätig­kei­ten kom­bi­nie­ren kann – activi­ty based working eben.

  5. Wann beginnt ein normaler Arbeitstag bei Ihnen, wann ist Schluss?

    Ein nor­ma­ler Arbeits­tag beginnt etwa um 9 Uhr, wenn ich die Kin­der in die Kita gebracht habe und wie­der allein in mein Auto stei­ge. Spä­tes­tens zum Vor­le­sen gegen 19 Uhr ver­su­che ich, an nor­ma­len Arbeits­ta­gen wie­der zu Hau­se zu sein.

  6. Wie viele E-Mails erhalten Sie im Schnitt pro Tag?

    Etwa 60 bis 80, den­ke ich.

  7. Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?

    Das ist schwer abzu­gren­zen. Im Prin­zip sind sowohl mein pri­va­tes als auch mein beruf­li­ches Leben per­ma­nent live­ge­schal­tet. Aber wenn man nach klas­si­schen Maß­stä­ben der Zeit­er­fas­sung rech­ne­te, wären es wohl etwa 50 Stun­den pro Woche.

  8. Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche konzentriert allein?

    Das ist unter­schied­lich. Viel­leicht 15 bis 20.

  9. Wie viele Stunden verbringen Sie im Schnitt pro Woche in Meetings?

    Etwa fünf bis zehn Stun­den, infor­mel­le inter­ne und exter­ne Mee­tings ein­ge­rech­net.

  10. Wie kommunizieren Sie am meisten: Face-to-Face, per Telefon, E-Mail oder Chat?

    Wahr­schein­lich per E-Mail. Aber eigent­lich gefällt mir die­se Ant­wort nicht.

  11. Wie stellen Sie sich Büros 2025 in Deutschland vor?

    Nicht viel anders als heu­te – mit einem etwas höhe­ren Anteil offe­ner Büro­land­schaf­ten gegen­über den klas­si­schen Zel­len- oder Groß­raum­lö­sun­gen.

  12. Die drei größten Herausforderungen für die Bürowelt?

    Ers­tens: Wir müs­sen dafür sor­gen, dass Büros 2025 in Deutsch­land mehr­heit­lich anders aus­se­hen als ich befürch­te – denn das wür­de bedeu­ten, dass wir von der glo­ba­len Ent­wick­lung abge­hängt wur­den. Zwei­tens: Wir müs­sen den vier von fünf Men­schen, die laut einer Stu­die des Job­por­tals Inde­ed von März 2017 über­haupt nicht aus ihren Zel­len­bü­ros her­aus möch­ten, anre­gen­de und erstre­bens­wer­te Alter­na­ti­ven prä­sen­tie­ren, die in allen Belan­gen funk­tio­nie­ren. Drit­tens: Her­stel­ler und Han­del müs­sen sich ernst­haf­te Gedan­ken dar­über machen, wie ihr zukünf­ti­ges Geschäfts­mo­dell aus­sieht. Die Pro­duk­ti­on und der Ver­kauf von Büro­mö­beln wird es in die­ser Form nicht mehr sein.

  13. Smart Office: Die digitale Vernetzung in der Bürowelt …

    … ist inzwi­schen ganz nor­mal.

  14. New Work bedeutet für mich …

    … eine neue Betrach­tung von Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on, Arbeits­in­halt und Arbeits­ort ange­sichts der sich ver­än­dern­den glo­bal­wirt­schaft­li­chen Anfor­de­run­gen, der Digi­ta­li­sie­rung und der demo­gra­fi­schen Ent­wick­lung.

  15. Coworking halte ich für …

    … hin und wie­der sehr ange­nehm und sinn­voll. Die­ses The­ma hat sei­nen Zenit noch lan­ge nicht erreicht.

  16. Ergonomie angesichts des Wandels der Bürowelt …

    … erfährt eine Ver­än­de­rung der Betrach­tungs­wei­se. Wäh­rend bei­spiels­wei­se ein Büro­stuhl frü­her jah­re­lang einem ein­zi­gen Nut­zer vor­be­hal­ten war, wird er heu­te in offe­nen Büro­land­schaf­ten geteilt. Damit haben die ein­stel­lungs­in­ten­si­ven Sitz­ma­schi­nen aus­ge­dient. Die Kom­ple­xi­tät muss redu­ziert, die Nut­zung intui­ti­ver wer­den. Dar­über hin­aus erfor­dert der Wan­del eine höhe­re Ergo­no­mie­kom­pe­tenz und mehr Eigen­ver­ant­wor­tung der Mit­ar­bei­te­rIn­nen. Ergo­no­mie ins­ge­samt wird letzt­lich noch wei­ter gefasst: The­men wie akti­ve Gesund­heits­för­de­rung durch Bewe­gung und phy­si­ka­li­sche Fak­to­ren wie Akus­tik, Licht und Kli­ma spie­len mit hin­ein. Die­se Ent­wick­lung beob­ach­ten wir schon seit eini­gen Jah­ren.

  17. Der Generation Y rate ich …

    … das gan­ze Genera­ti­ons­ge­la­ber aus­zu­sit­zen. Dem­nächst ist sie so alt, dass sie sich selbst über die nach­fol­gen­den Genera­tio­nen auf­re­gen darf.

  18. Drei Lieblingsprodukte der eigenen Firma?

    Der Hocker Mr T von Mate­ria – ein­fach cool. Der Stuhl Deli von Skan­di­form – ein­fach schön. Der Büro­stuhl Capel­la von Kin­narps – einer der bes­ten auf dem Markt in Ergo­no­mie und Design.

  19. Diese drei Konkurrenzprodukte sind auch nicht zu verachten:

    Es gibt vie­le her­vor­ra­gen­de Büro- und Objekt­mö­bel auf dem Markt. Etwa den Stuhl Graph, den Mar­kus Jehs und Jür­gen Laub für Wilk­hahn ent­wor­fen haben. Oder der inno­va­ti­ve LessT­han­Fi­ve Car­bon Fiber Chair von Micha­el Young für Coales­se. Auch die Stau­raum­kom­pe­tenz eines Unter­neh­mens wie Wer­ner Works beein­druckt mich sehr.

  20. Die größten Fehler Ihrer Branche sind:

    Ers­tens: Die Möbel und Kom­pe­ten­zen weit unter Wert zu ver­kau­fen.
    Zwei­tens: Zu oft Möbel und kei­ne Lösun­gen ver­kau­fen zu wol­len.
    Drit­tens: Kei­ne aka­de­mi­sche Aus­bil­dung geför­dert und eta­bliert zu haben.

  21. Woran arbeiten Sie gerade?

    An ziem­lich viel gleich­zei­tig: an den Mes­se­vor­be­rei­tun­gen für Stock­holm Anfang Febru­ar, wo wir knapp 40 bdia-Innen­ar­chi­tek­tIn­nen, Fach­händ­ler und End­kun­den über meh­re­re Tage begrü­ßen dür­fen. An der Stra­te­gie­um­set­zung in Deutsch­land, an diver­sen gemein­sa­men Ver­an­stal­tun­gen mit Fach­händ­lern und End­kun­den, an einem Kon­zept für unse­re Stand­or­te in Deutsch­land und an eini­gen Din­gen mehr. Dazu kom­men noch die Füh­rungs­auf­ga­ben sowie das Tages­ge­schäft im Mar­ke­ting und in der Pla­nungs­ab­tei­lung.

  22. Was inspiriert Sie?

    Ein Wort, ein Satz, ein Anblick, ein Aus­blick, ein Gespräch, ein Geruch, ein Ton. Musik. Manch­mal auch ein Fra­ge­bo­gen.

  23. Ihre beruflichen Ziele bis 2020?

    Mit mei­nem und in mei­nem Unter­neh­men erfolg­reich sein und den Weg des Unter­neh­mens mit­ge­stal­ten kön­nen.

  24. Ihre persönlichen Büromöbelklassiker?

    Ehr­lich gesagt: Ich habe kei­ne. Ist mir ziem­lich egal.

  25. Worauf kommt es bei einem guten Büromöbel an?

    Funk­ti­on, Ergo­no­mie, Design.

  26. Ihr größter beruflicher Erfolg?

    Dass mein Chef und mei­ne Kol­le­gIn­nen es damals bedau­er­ten, als ich mei­nen Job in der Ver­lags­bran­che vor zwei­ein­halb Jah­ren kün­dig­te.

  27. Der größte Misserfolg.

    Kann ich nicht genau sagen. Manch­mal ver­liert man auch, aber da war nichts dabei, was mich nach­hal­tig trau­ma­ti­siert hät­te.

  28. Xing oder LinkedIn?

    Bei­des. Aber zuneh­mend Lin­kedIn.

  29. Apple oder Windows?

    Pri­vat Apple, beruf­lich Win­dows.

  30. Home-Office oder Coworking-Space?

    Cowor­king-Space. Zu Hau­se wer­de ich zu oft von unwich­ti­gen Din­gen wie Win­deln wech­seln, Spül­ma­schi­ne aus­räu­men oder gar kochen abge­lenkt …

 

 LEBEN

 

  1. Was würden Sie als „König von Deutschland“ zuerst ändern?

    Das weiß ich noch nicht, ich müss­te mir alles genau­er anschau­en. Ich mag kei­ne Stamm­tisch­aus­sa­gen und Popu­lis­mus-Akti­on.

  2. Was würden Sie gern können?

    Sin­gen und eines oder meh­re­re Musik­in­stru­men­te spie­len.

  3. Wo würden Sie am liebsten leben?

    Ich bin ein in Ham­burg gebo­re­ner und auf­ge­wach­se­ner, in Stutt­gart sozia­li­sier­ter und jetzt in der Pfalz leben­der Deut­scher mit tsche­chi­schem Migra­ti­ons­hin­ter­grund, der auf­grund geschick­ter Hei­rat noch ein klei­nes Häus­chen in Süd­frank­reich nut­zen darf. Nächs­te Fra­ge.

  4. Wobei können Sie gut entspannen?

    Jog­ging, Fuß­ball­spie­len, gut essen und trin­ken mit lie­ben Leu­ten.

  5. Ihr ursprünglicher Berufswunsch?

    Leh­rer.

  6. Ihre Hauptcharaktereigenschaften?

    Selbst­be­wusst, unge­dul­dig, empa­thisch (hof­fe ich).

  7. Ihre Hobbys oder Leidenschaften?

    Momen­tan dreht sich das meis­te um die Kin­der, spä­ter wür­de ich gern wie­der mehr Thea­ter oder moder­nen Tanz genie­ßen. Ich bin sehr glück­lich, wenn ich ein paar­mal im Jahr an mei­ner Dat­sche in Tsche­chi­en rum­wer­keln kann.

  8. Ihre drei Dinge für die einsame Insel?

    iPho­ne, Ama­ro­ne, Kip­pen.

  9. Ihre Lieblingskünstler?

    Da gibt es vie­le – in der Lite­ra­tur viel­leicht Eco, Kaf­ka, Kun­de­ra, Sart­re, Rans­mayr. In der Musik die tsche­chi­schen Chan­son­wri­ter Hapka/Horácek und auch Bruce Springste­en oder Coun­ting Crows. Dar­über hin­aus der Pra­ger Foto­graf Jan Sau­dek, die Bil­der von Kirch­ner …

  10. Ihr Lieblingsbuch, Ihr Lieblingsfilm?

    Mein Lieb­lings­film ist Le Grand Bleu von Luc Bes­son, aber in letz­ter Zeit ver­lie­be ich mich oft neu in Shrek, Rata­touille oder Mulan. Buch: Die Öko­no­mie von Gut und Böse von Tomáš Sed­láček.

  11. Ihr Lieblingsgericht?

    Das ist stim­mungs­ab­hän­gig. Von krea­ti­ver Pas­ta und grie­chi­scher Meze über spa­ni­sche Tapas und fei­ne Fleisch­ge­rich­te bis hin zu Schnit­zel mit Pom­mes oder Bur­ger kann man mich mit vie­lem begeis­tern – wenn es gut zube­rei­tet ist.

  12. Ihre Lieblingsweisheit?

    Das Leben ist zu kurz, um schlech­ten Wein zu trin­ken. Angeb­lich von Goe­the.

  13. Ihr Lebensmotto?

    Las­sen, was ande­re tun.

  14. Der Sinn des Lebens …

    … beinhal­tet mehr als Repro­duk­ti­on und stellt sich für jeden etwas anders dar.

  15. Merkel oder Schulz?

    Kret­sch­mann

  16. Bayern oder Dortmund?

    FC St. Pau­li

  17. Beatles oder Stones?

    Beat­les, vor allem ab 1966.

  18. Bier oder Wein?

    Wein

  19. Strand oder Berge?

    Bei­des zusam­men

  20. Und Ihre Uhr: analog oder digital?

    Ich tra­ge kei­ne. Ich schau auf mein iPho­ne.

 

David Wiechmann

Abbil­dung: Mar­co Leibetseder/www.editorial247.com

David Wiechmann

  • Jahr­gang: 1971
  • Geburts­ort: Ham­burg
  • Abschluss: Dipl.-Finanzwirt (FH)
  • Aktu­el­le Funk­tio­nen: Mar­ke­ting Mana­ger und Head of Inte­rior Design Team Kin­narps GmbH, Stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der Deut­sches Netz­werk Büro e.V.
  • Beruf­li­che Sta­tio­nen: Eugen Heinz Ver­lag, Fach­schrif­ten-Ver­lag, Kon­ra­d­in Medi­en­grup­pe, Kin­narps GmbH