Die Begrif­fe Arbeit 4.0 und New Work hört man der­zeit immer wie­der. Bei­de ste­hen für eine Ver­än­de­rung der (Büro-)Arbeitswelt. Wel­che Chan­cen und Risi­ken damit ver­bun­den sind – dar­über spra­chen wir mit Dr. Jose­phi­ne Hof­mann vom Fraun­ho­fer IAO.

Für die einen eine Befreiung, für die anderen ein Drohszenario: flexible Arbeit an neuen Orten und zu neuen Zeiten. Abbildung: Pixabay

Für die einen eine Befrei­ung, für die ande­ren ein Droh­sze­na­rio: fle­xi­ble Arbeit an neu­en Orten und zu neu­en Zei­ten. Abbil­dung: Pixabay

Frau Dr. Hofmann, was verbirgt sich hinter den Begriffen Arbeit 4.0 und New Work?

Dr. Jose­phi­ne Hof­mann: Hin­ter bei­den inzwi­schen so ziem­lich das glei­che. New Work hat his­to­risch eigent­lich eine ande­re Bedeu­tung. Der Begriff geht zurück auf Frith­jof Berg­mann und hat viel mit Sinn­stif­tung durch Arbeit zu tun, mit Selbst­ver­wirk­li­chung durch Arbeit. Mitt­ler­wei­le wer­den die Begrif­fe Arbeit 4.0 und New Work fast gleich­be­deu­tend ver­wen­det. Je nach Unter­neh­men schla­gen sie sich unter­schied­lich stark nie­der und haben unter­schied­li­che Facet­ten, bei­spiels­wei­se neue Füh­rungs­mo­del­le, neue Arbeits­zeit­mo­del­le oder auch den Ein­satz von Robo­tik.

Ist die New Work wirklich so neu?

Die Fle­xi­bi­li­tät von Arbeits­zeit und -ort hat in den letz­ten Jah­ren zuge­nom­men, begüns­tigt durch tech­ni­sche Ent­wick­lun­gen. Hin­zu kommt, dass mehr Unter­neh­men von hier­ar­chi­schen Struk­tu­ren weg­kom­men möch­ten. Mit­un­ter wird sogar gefragt, ob man heu­te noch star­re Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren benö­tigt. Das sind alles Aspek­te, die mit einer Wett­be­werbsum­welt zu tun haben, die immer schnel­ler wird. Frü­her konn­te man noch lang­fris­ti­ger pla­nen und Stan­dard­pro­duk­te her­stel­len. Heu­te wer­den immer indi­vi­dua­li­sier­te­re Pro­duk­te nötig, immer kür­ze­re Pro­dukt­zy­klen. Daher wer­den auch ande­re Orga­ni­sa­ti­onstruk­tu­ren not­wen­dig, agi­le­re Arbeits­me­tho­den. Und: Wir haben einen Arbeits­markt, der sehr für die Arbeit­neh­mer arbei­tet. Das heißt, der Druck auf Arbeit­ge­ber, attrak­ti­ve Arbeits­mo­del­le anzu­bie­ten, ist groß. Sicher­lich sind all die­se neu­en Arbeits­mo­del­le und -for­men nicht erst ges­tern erfun­den wor­den, Gleit­zeit zum Bei­spiel gibt es ja schon lan­ge. Aber die Geschwin­dig­keit der Ver­än­de­run­gen nimmt zu.

Hat das neue Arbeiten auch Schattenseiten?

Ein Pro­blem ist eine mög­li­che Ent­gren­zung der Arbeit, sodass gar nicht mehr abge­schal­tet wer­den kann. Ob das zum Pro­blem wird, hängt stark von per­sön­li­chen Fak­to­ren und von der Umset­zung ab. Der eine fin­det eine Durch­mi­schung von Arbeit und Frei­zeit, eine Fle­xi­bi­li­sie­rung gut, weil sie in sei­nen Lebens­kon­text passt. Ein ande­rer sagt: Mein Pri­vat­le­ben ist mein Pri­vat­le­ben. Auf Unter­neh­mens­sei­te kommt es dar­auf an, wie das neue Arbei­ten aus­ge­stal­tet wird.

Vie­len Dank für das Gespräch.

Die Fra­gen stell­te Sebas­ti­an Klöß.

Josephine Hofmann

 

Dr. Jose­phi­ne Hof­mann vom Fraun­ho­fer-Insti­tut für Arbeits­wirt­schaft und Orga­ni­sa­ti­on (IAO) lei­tet das Com­pe­tence Cen­ter Busi­ness Per­for­mance Manage­ment.