Der Brief hat eine lan­ge Geschich­te. Sie reicht cir­ca 3.500 Jah­re zurück – bis zu den Baby­lo­ni­ern. Seit die­ser Zeit hat sich sein Zweck kaum geän­dert. Was sich gewan­delt hat, ist die Form die­ses Medi­ums. Auch als E-Mail ist er noch lan­ge nicht weg­zu­den­ken.

Ursprünglich wurden Briefe nicht separat verpackt, sondern durch Umfalten oder Aufrollen und Versiegelung vor unberechtigtem Zugriff geschützt, weil Papier ein kostbarer Rohstoff war. Abbildung: Frank C. Müller

Ursprüng­lich wur­den Brie­fe nicht sepa­rat ver­packt, son­dern durch Umfal­ten oder Auf­rol­len und Ver­sie­ge­lung vor unbe­rech­tig­tem Zugriff geschützt, weil Papier ein kost­ba­rer Roh­stoff war. Abbil­dung: Frank C. Mül­ler

Im 18. Jahrhundert weitete sich der Briefverkehr auf große Kreise der Oberschicht aus. (Willem van Mieris: Lesender Greis, 1729.) Abbildung: Wikimedia Commons/Andreagrossmann

Im 18. Jahr­hun­dert wei­te­te sich der Brief­ver­kehr auf gro­ße Krei­se der Ober­schicht aus. (Wil­lem van Mie­ris: Lesen­der Greis, 1729.) Abbil­dung: Wiki­me­dia Commons/Andreagrossmann

Seit den 1990er Jahren ergänzt die E-Mail den klassischen Briefverkehr. Abbildung: Bubi/Pixelio.de

Seit den 1990er Jah­ren ergänzt die E-Mail den klas­si­schen Brief­ver­kehr. Abbil­dung: Bubi/Pixelio.de

Das deut­sche Wort Brief kommt vom latei­ni­schen ‚bre­vis’ und bedeu­tet so viel wie ‚kurz’, ‚klein’ oder auch ‚flach’. Ursprüng­lich ist der Brief sei­ner Defi­ni­ti­on nach eine auf Papier notier­te Nach­richt, die von einem Boten an einen Emp­fän­ger über­mit­telt wird. Die ers­ten Brie­fe bei den Baby­lo­ni­ern wur­den noch in Ton­ta­feln geritzt – das Papier war noch nicht erfun­den. Die Ägyp­ter nutz­ten dann als Ers­te Papy­ri als Schrift­trä­ger. Im Grie­chen­land der Anti­ke und im alten Rom dien­ten zwi­schen­zeit­lich auch mit Wachs beschich­te­te Holz­ta­feln als Papie­rer­satz.

Der Brief war lebensnotwendig

Das Ver­schi­cken von Brie­fen war lan­ge sehr teu­er und den Herr­schen­den vor­be­hal­ten. Köni­ge, Pha­rao­nen und Hohe­pries­ter kom­mu­ni­zier­ten so über­wie­gend poli­ti­sche, reli­giö­se oder auch wirt­schaft­li­che Belan­ge an ihre direk­ten Unter­ge­be­nen und übers Land ver­streu­ten Statt­hal­ter. Um die grö­ßer wer­den­den Gesell­schaf­ten zu orga­ni­sie­ren und zusam­men­zu­hal­ten, wur­de die­se ver­trau­li­che Art der Ein­zel­kom­mu­ni­ka­ti­on über wei­te Distan­zen hin­weg immer wich­ti­ger. Das Medi­um Brief ent­wi­ckel­te sich zur lebens­not­wen­di­gen Vor­aus­set­zung kom­ple­xer Gesell­schaf­ten.

Die Digitalisierung der Briefe

Als am 3. August 1984 die ers­te E-Mail in Deutsch­land ein­traf, war noch nicht abzu­se­hen, welch rasan­te Ent­wick­lung das neue Medi­um neh­men wür­de. Seit den 1990er Jah­ren hat sich die E-Mail erst zu einer ernst zu neh­men­den Ergän­zung des klas­si­schen Brief­ver­kehrs ent­wi­ckelt, bevor sie ihn als pri­mä­res Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel im geschäft­li­chen und zuneh­mend auch im pri­va­ten Bereich ver­dräng­te. Vor allem im geschäft­li­chen Post­ver­kehr spielt sie ihre Vor­tei­le Schnel­lig­keit und Preis aus.

Heu­te wer­den in Deutsch­land pro Tag cir­ca 2,5 Mil­li­ar­den E-Mails ver­sen­det. Die­ses Jahr wer­den es ins­ge­samt fast 917 Mil­li­ar­den E-Mails sein. Im geschäft­li­chen Bereich beträgt der Spam-Anteil dabei etwas mehr als 55 Pro­zent. Dem­ge­gen­über ste­hen in Deutsch­land immer­hin noch fast 22 Mil­li­ar­den Brie­fe jähr­lich (60 Mil­lio­nen pro Tag). Der Brief ist vor allem im geschäft­li­chen Bereich noch ver­brei­tet, bei­spiels­wei­se für Rech­nun­gen oder Mah­nun­gen. Auch im pri­va­ten Sek­tor wehrt er sich tap­fer gegen sei­ne Abschaf­fung.

Die zuneh­men­de Digi­ta­li­sie­rung der Kom­mu­ni­ka­ti­on setzt dem Medi­um Brief durch anhal­ten­de Neue­run­gen wei­ter zu, doch Tot­ge­sag­te leben bekannt­lich län­ger. So soll­ten die Ein­füh­rung des elek­tro­ni­schen Ein­schrei­bens (De-Mail) und des hybri­den Online-Briefs (digi­ta­les Ver­sen­den, ana­lo­ges Aus­lie­fern) von Anbie­tern wie Binect, Deut­scher Post etc. das letz­te Stünd­lein des Briefs ein­läu­ten. Geschafft haben sie es bei­de (noch) nicht.