Er gehört in jede Schreib­tisch­schub­la­de, fris­tet aber ein eher unschein­ba­res Dasein: der Radier­gum­mi. Über die Geschich­te des „Rat­zefum­mels“.

Ein Klassiker im Büro: Radiergummi von Läufer.

Ein Klas­si­ker im Büro: Radier­gum­mi von Läu­fer.

Radierschablone mit verschiedenen Aussparungen. Foto: Wikipedia

Radier­scha­blo­ne mit ver­schie­de­nen Aus­spa­run­gen. Foto: Wiki­pe­dia

Die Zeichnung zu einer Radierschablone von 1888. Die ovale Aussparung für ganze Wörter und die vieleckigen für Komma, Punkt oder einzelne Buchstaben.  Foto: Historische Bürowelt

Die Zeich­nung zu einer Radier­scha­blo­ne von 1888. Die ova­le Aus­spa­rung für gan­ze Wör­ter und die viel­ecki­gen für Kom­ma, Punkt oder ein­zel­ne Buch­sta­ben. Foto: His­to­ri­sche Büro­welt

Radierer heute: der MONO zero von Tombow für punktgenaues Radieren.

Radie­rer heu­te: der MONO zero von Tom­bow für punkt­ge­nau­es Radie­ren.

Die Geschich­te des Radier­gum­mis führt bis ins 16. Jahr­hun­dert. Um 1550 soll ein ita­lie­ni­scher Maler sei­nen Schü­lern emp­foh­len haben, Blei­stift­stri­che mit Brot aus­zu­wi­schen. Wahr­schein­lich wur­de das Brot dafür zu einer fes­ten Radier­mas­se gekne­tet.

1770 – das entscheidende Jahr

Für die Erfin­dung des Radier­gum­mis sind zwei Bri­ten ver­ant­wort­lich: Im Jahr 1770 ent­deck­te der Instru­men­ten­bau­er Edward Nair­ne, dass sich getrock­ne­ter Roh- bzw. Natur­kau­tschuk zum Ent­fer­nen von Blei­stift­stri­chen eig­net. Im sel­ben Jahr mach­te der Theo­lo­ge und Natur­for­scher Joseph Priest­ley nach einer ähn­li­chen Beob­ach­tung die­se Ent­de­ckung publik. Des­halb galt er lan­ge Zeit als der Erfin­der des Radier­gum­mis. In sei­ner Ver­öf­fent­li­chung nann­te er die radier­ba­ren Kau­tschuk­wür­fel „Indian Rub­ber“. Der ursprüng­li­che Kau­tschukra­die­rer bestand aus dem Milch­saft (Latex) des Kau­tschuk­bau­mes und aus Fak­tis (auch Ölkau­tschuk genannt), einer aus Pflan­zen­ölen her­ge­stell­ten weiß­gel­ben Mas­se.

Der Weg zu mehr Elastizität

Der ame­ri­ka­ni­sche Che­mi­ker Charles Nel­son Goo­dye­ar ver­än­der­te den Roh­kau­tschuk durch Zuga­be von Schwe­fel sowie unter Ein­wir­kung von Druck und erhöh­ten Tem­pe­ra­tu­ren. Die­ses Ver­fah­ren, das er 1839 ent­wi­ckel­te und das spä­ter als Vul­ka­ni­sa­ti­on bekannt wur­de, ver­bes­ser­te die Mate­ri­al­ei­gen­schaf­ten des Kau­tschuks. Die knet­ba­re Kau­tschuk­mas­se wur­de dadurch zu einem elas­ti­schen Stoff. Um des­sen Abrieb zu ver­stär­ken, wur­den der Gum­mi­mas­se Quarz­mehl und ande­re Füll­stof­fe wie Krei­de sowie Farb­stof­fe bei­gege­ben. Im 20. Jahr­hun­dert wur­de durch tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen der Kunst­stoff­ra­die­rer erfun­den, mit dem sich wesent­lich bes­ser radie­ren lässt. Kunst­stoff­ra­die­rer bestehen meist aus Poly­vi­nyl­chlo­rid plasti­ci­zed (PVC-P), das durch Zusatz von Weich­ma­chern (in der Regel Phtha­lat) elas­tisch wird.

Exkurs Radierschablone

Für tech­ni­sche Zeich­nun­gen oder für mit Schreib­ma­schi­nen Getipp­tes gibt es die soge­nann­te Radier­scha­blo­ne. Die­se besteht aus einem sehr dün­nen, rost­frei­en Stahl­blech, in dem bei­spiel­wei­se Krei­se, Vier­ecke und Bögen aus­ge­spart wor­den sind. Über die zu ändern­de Stel­le wird eine pas­sen­de Aus­spa­rung gelegt. So kann man radie­ren, ohne das dar­um her­um Geschrie­be­ne zu ent­fer­nen oder zu ver­wi­schen.

Wie funktioniert Radieren?

Die vom Blei­stift an das Papier abge­ge­be­nen Gra­phit­teil­chen haf­ten dort durch die Adhä­si­ons­kraft. Da Kau­tschuk eine höhe­re Adhä­si­ons­kraft als Papier hat, zieht er wäh­rend des mecha­ni­schen Abriebs (lat. rade­re: krat­zen, scha­ben) den Gra­phit vom Papier weg. Auch für Tin­ten­ge­schrie­be­nes gibt es mecha­ni­sche Radie­rer. Die­se sind mit gemah­le­nen, har­ten Stof­fen wie Glas, Bims­stein oder Quarz ver­setzt, um das beschrie­be­ne Papier in fei­nen Schich­ten abzu­schlei­fen. Heut­zu­ta­ge wird Tin­te aller­dings in der Regel mit che­mi­schen Mit­teln ent­fernt.