Was vor eini­gen Jahr­hun­der­ten als Zei­chen der Eti­ket­te an adli­gen Höfen begann, ist heu­te trotz elek­tro­ni­scher Alter­na­ti­ven wie E-Mail-Signa­tur noch immer fes­ter Bestand­teil der Geschäfts­kul­tur.

Die Besuchskarte des Barons von Castell. Foto: Edeldesign Frese

Die­se Besuchs­kar­te des Barons von Cas­tell, gesto­chen von Johann Micha­el Met­ten­lei­ter (1765–1853), zeigt, wel­che Kunst­wer­ke die per­sön­li­chen Visi­ten­kar­ten damals waren. Foto: Edel­de­sign Fre­se

Die klassische Visitenkarte. Foto: Pixabay

Die klas­si­sche Visi­ten­kar­te. Foto: Pixabay.

Die Bezeich­nung Visi­ten­kar­te kommt von ihrer ursprüng­li­chen Funk­ti­on: Sie wur­de beim Besuch (frz. visi­te) in hohem Hau­se dem Emp­fangs­per­so­nal über­ge­ben, das sie dann an den Haus­herrn oder die Dame wei­ter­reich­te. Häu­fig knick­te der Gast sei­ne Kar­te nach einer bestimm­ten Anlass­re­gel (z. B. Antritts- oder Bei­leids­be­such). Der Knick gestat­te­te es auch, die Kar­te, die auf einem Sil­ber­ta­blett abge­legt wur­de, leich­ter auf­zu­neh­men. Die ers­te Visi­ten­kar­te war der Legen­de nach eine Spiel­kar­te, die ein adli­ger Besu­cher am Burg­tor mit sei­nem Namen hin­ter­ließ, als er den Haus­herrn nicht antraf. Damals ging es dar­um, mit­zu­tei­len, dass man ange­kom­men sei oder bald wie­der abrei­sen wür­de. Dies geschah meist auf kunst­voll gestal­te­ten Kar­ten (sie­he z. B. „Zeit­rei­se der Besuchs­kar­te“).

Das Spiel mit den Karten

Was im 17./18. Jahr­hun­dert als Besu­cher­kar­te begann, wur­de in den 1990er Jah­ren zum Sta­tus­sym­bol von Mana­gern. Anhand von Berufs­be­zeich­nung und Papier­qua­li­tät soll­te mög­lichst impo­niert wer­den. Unver­ges­sen ist in die­sem Zusam­men­hang die Film­sze­ne aus „Ame­ri­can Psy­cho“, in  der plötz­lich alle Mana­ger mit ihrer „Vice President“-Karte auf­war­ten. Obwohl die Papp­kar­te heu­te in Zei­ten der E-Mail-Signa­tur an Bedeu­tung ver­lo­ren hat, ist sie für die Unter­neh­mens­kul­tur nicht zu unter­schät­zen. Eine Visi­ten­kar­te kann das Wir-Gefühl in einem Unter­neh­men stär­ken und die Iden­ti­tät des Unter­neh­mens nach außen tra­gen. Wich­tig ist, dass sie das Image eines Unter­neh­mens wider­spie­gelt. Ihr Design muss zur Mar­ke pas­sen.

In den USA ist es üblich, dass zuerst der Rang­hö­he­re sei­ne Kar­te über­reicht, in Asi­en  dage­gen der Rang­nie­de­re. Wer sich in asia­ti­schen Län­dern sei­ne Visi­ten­kar­te über­gibt, soll­te dies beid­hän­dig mit Dau­men und Zei­ge­fin­ger tun. Dabei soll er die Kar­te so dre­hen, dass sie der Emp­fän­ger sofort lesen kann. Wer eine Kar­te erhält, soll­te die­se sorg­fäl­tig stu­die­ren und aner­ken­nend kom­men­tie­ren. Anschlie­ßend ist sie respekt­voll zu ver­stau­en – kei­nes­falls aber in Brief- oder gar Gesäß­ta­sche!

Formen und Formate

In der Ent­ste­hungs­zeit druck­ten Kup­fer­ste­cher die Visi­ten­kar­ten. Heu­te wer­den sie ent­we­der im Off­set­druck­ver­fah­ren aus Feinst­kar­ton, aus Natur­pa­pier­kar­ton oder Bil­der­druck­pa­pier bei Online-Dru­cke­rei­en her­ge­stellt. Visi­ten­kar­ten in klei­nen Stück­zah­len (z. B. für den pri­va­ten Bereich) kön­nen auch auf dem hei­mi­schen Dru­cker pro­du­ziert wer­den. Im Gegen­satz zu Brie­fen gibt es für die Grö­ße von Visi­ten­kar­ten kei­ne Norm. In Deutsch­land ist das For­mat 85 x 55 mm (Scheck­kar­ten-Grö­ße) üblich. Die meis­ten Auf­be­wah­rungs­hil­fen ori­en­tie­ren sich an die­sem For­mat. In den USA sind die Kar­ten dage­gen 88,9 x 50,8 mm groß und in Japan sogar 91 x 55 mm. Am wei­tes­ten ver­brei­tet sind Visi­ten­kar­ten mit einer Kar­ton­stär­ke ab 150 g/m2. Da Visi­ten­kar­ten neben der Infor­ma­ti­ons­ver­mitt­lung auch als Wer­be­trä­ger die­nen, wer­den sie bis­wei­len auch aus ande­ren Mate­ria­li­en (etwa Kunst­stoff, Alu­mi­ni­um oder Holz) her­ge­stellt oder sind auf­klapp­bar, um beson­ders auf­zu­fal­len.

Auf­be­wahrt und gesam­melt wer­den Visi­ten­kar­ten in spe­zi­el­len Map­pen, Etuis oder Rota­ti­ons­kar­tei­en. Im heu­ti­gen Büro­all­tag ist bereits üblich, die Kar­ten ein­zu­scan­nen und ihre Inhal­te in Daten­ban­ken zu impor­tie­ren.