Am 3. August 1984 wur­de die ers­te E-Mail in Deutsch­land ver­schickt. Die elek­tro­ni­sche Post hat unser Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten grund­le­gend ver­än­dert. Doch wel­che Tech­nik ermög­lich­te den Ver­sand?

 

„Michael, this is your official welcome to CSNET. We are glad to have you aboard”, stand in der ersten in Deutschland empfangenen E-Mail.

„Micha­el, this is your offi­ci­al wel­co­me to CSNET. We are glad to have you aboard”, stand in der ers­ten in Deutsch­land emp­fan­ge­nen E-Mail.

Fast vier von fünf Bundesbürgern senden oder empfangen E-Mails. Damit liegt Deutschland auf Rang 7 im EU-Vergleich. Fast jeder zweite E-Mail-Nutzer ist seiner ersten Mail-Adresse treu geblieben. Grafik: Bitkom

Fast vier von fünf Bun­des­bür­gern sen­den oder emp­fan­gen E-Mails. Damit liegt Deutsch­land auf Rang 7 im EU-Ver­gleich. Fast jeder zwei­te E-Mail-Nut­zer ist sei­ner ers­ten Mail-Adres­se treu geblie­ben. Gra­fik: Bit­kom

Die ers­te E-Mail nach Deutsch­land wur­de aus den USA an den deut­schen Wis­sen­schaft­ler Prof. Micha­el Rotert gesen­det. Dies geschah im Rah­men des For­schungs­pro­jekts „Anschluss an inter­na­tio­na­le Rech­ner­net­ze“ der Uni­ver­si­tät Karls­ru­he, das in enger Abstim­mung mit Kol­le­gen in den USA arbei­te­te. Ziel des Pro­jekts war die Anbin­dung an das Com­pu­ter Sci­en­ce Net­work (CSNET) in den USA, einem Vor­läu­fer des Inter­nets.

Zwei Wege

Im Prin­zip gab es damals zwei Mög­lich­kei­ten für die Über­tra­gung von E-Mails. Die eine war, dass die Daten als akus­ti­sche Signa­le über die Tele­fon­lei­tung lie­fen und auf Emp­fäng­er­sei­te jemand einen Tele­fon­hö­rer abneh­men und in einen Akus­tik­kopp­ler legen mus­s­te. Die­ser ver­wan­del­te die Signa­le dann in digi­ta­le Daten zurück und über­trug die­se an einen Rech­ner. Das Pro­blem die­ser Tech­nik war jedoch, dass bei einer Stö­rung auf der Stre­cke die gesam­ten Daten unbrauch­bar wur­den. Die ande­re Über­tra­gungs­mög­lich­keit boten die soge­nann­ten Datel­diens­te der Deut­schen Bun­des­post. Zu ihnen gehör­te auch das Über­tra­gungs­ver­fah­ren Datex-P, bei dem Daten im Inter­net bereits wie heu­te paket­wei­se über­tra­gen wur­den – und zwar von einem Rech­ner zum nächs­ten. Es han­del­te sich also schon um eine digi­ta­le Über­tra­gung. Der Rech­ner konn­te Datex-P-Adres­sen direkt anwäh­len. Die Über­tra­gung der ers­ten E-Mail nach Deutsch­land lief über die­ses Datex-P-Ver­fah­ren.

Fehlende Standleitungen

In den 80er Jah­ren gab es zunächst noch kei­ne PCs. Com­pu­ter waren Mehr­be­nut­zer­sys­te­me. Das heißt, es wur­den hun­dert Ter­mi­nals über Lei­tun­gen an den Mail­ser­ver ange­schlos­sen. Auch Stand­lei­tun­gen, also dau­ern­de Ver­bin­dun­gen, gab es bis Ende der 80er Jah­re noch nicht. E-Mails wur­den somit nicht unmit­tel­bar nach ihrer Erstel­lung ver­schickt, son­dern zunächst im Mail­ser­ver gesam­melt. Sowohl das Ver­schi­cken als auch das Emp­fan­gen von E-Mails kos­te­te damals Geld – auf unse­re heu­ti­ge Wäh­rung umge­rech­net etwa zwan­zig Euro­cent pro DIN-A4-Sei­te.

Was kommt nach der E-Mail?

Eini­ge Per­so­nen wähl­ten sich zwar auch über Modem am Karls­ru­her Mail­ser­ver ein und lasen dort ihre E-Mails, für ande­re Nut­zer­grup­pen blieb das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel aber noch tabu. Erst zu Beginn der 1990er Jah­re wur­den die Netz­wer­ke, also das Inter­net und damit auch die E-Mail, für die kom­mer­zi­el­le und pri­va­te Nut­zung geöff­net. Ab die­sem Zeit­punkt begann das Medi­um sei­nen rasan­ten Sie­ges­zug. Es revo­lu­tio­nier­te die Arbeits­welt und die pri­va­te Kom­mu­ni­ka­ti­on. Bis heu­te wächst die Anzahl geschäft­li­cher E-Mails pro Jahr um rund zehn Pro­zent, wäh­rend sie im pri­va­ten Bereich inzwi­schen um rund vier bis fünf Pro­zent abnimmt. Denn hier neh­men neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men wie Soci­al Media und Instant-Mes­sa­ging-Sys­te­me wie Whats­App und Three­ma der E-Mail Antei­le ab.