Teil 2: Die Frau und der Gehalts­ku­chen

Der Best­sel­ler­au­tor und Kar­rie­re­coach Mar­tin Wehr­le gibt auf OFFICE ROXX wert­vol­le Tipps für einen gelin­gen­den Büro­all­tag. Im zwei­ten Teil der Serie geht es ums lie­be Geld. Genau­er: um das Gehalt von weib­li­chen Ange­stell­ten.

Mar­tin Wehr­le ist Kar­rie­re­coach, Best­sel­ler­au­tor und er gehört zu den gefrag­tes­ten Red­nern im deutsch­spra­chi­gen Raum. Foto: A. Hee­ger

Das aktu­el­le Buch von Mar­tin Wehr­le trägt den Titel „Herr Mül­ler, Sie sind doch nicht schwan­ger?" (Mosa­ik 2014, 320 S., 14,99 €).

Stel­len Sie sich den Gehalts­etat eines Unter­neh­mens wie einen Kuchen vor, der nicht zuletzt nach fol­gen­dem Prin­zip ver­teilt wird: Wer zuerst „Hun­ger!“ schreit, kriegt ein Stück – solan­ge der Vor­rat reicht! Aber bis eine Frau es wagt, mehr Gehalt zu for­dern, haben gewöhn­lich drei bis vier Män­ner zuge­schla­gen. Und der Etat ist abge­räumt. So zie­hen die Gehäl­ter der männ­li­chen Kol­le­gen davon. In eini­gen Bran­chen gehen Mit­ar­bei­te­rin­nen mit einem Drit­tel weni­ger nach Hau­se.

Dabei hät­ten Frau­en allen Grund, sich teu­er zu ver­kau­fen! Ihre Schul- und Stu­di­en­ab­schlüs­se neh­men es locker mit denen der männ­li­chen Kol­le­gen auf. Oft arbei­ten sie ziel­ge­rich­tet und zuver­läs­sig, gehen kon­struk­tiv mit Kun­den und Kol­le­gen um, glän­zen durch emo­tio­na­le Intel­li­genz und machen sogar auf hal­ben Stel­len einen gan­zen Job. Und vie­le Chefs wären ohne die Unter­stüt­zung ihrer Assis­ten­tin­nen so ver­lo­ren wie ein Eis­kunst­läu­fer ohne Eis unter den Kufen.

Aber vie­le Frau­en scheu­en Eigen­lob und über­tün­chen ihre Spit­zen­leis­tung mit der Tarn­far­be der Beschei­den­heit. Das Feil­schen um Geld scheint ihnen unan­ge­nehm. Manch­mal habe ich das Gefühl, sie wol­len ihrem Chef die schein­bar pein­li­che Situa­ti­on erspa­ren. Das mag ein cha­rak­ter­li­cher Vor­zug sein, aber wohin führt er? Wenn Sie nicht for­dern, müs­sen Sie neh­men, was der Chef frei­wil­lig gibt. Also herz­lich wenig.

Wenn eine Fir­ma Sie als Frau enga­giert, dann sicher des­halb, weil Sie für den offe­nen Pos­ten bes­ser als die männ­li­chen Mit­be­wer­ber geeig­net sind. Aus wel­chem Grund soll­ten Sie sich als ers­te Wahl mit einem Gehalt zwei­ter Klas­se begnü­gen?

Ver­ges­sen Sie nicht, dass Chefs kei­ne Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten sind, son­dern küh­le Rech­ner. Es ist Ihre Sache, für Gerech­tig­keit zu sor­gen. Ver­lan­gen Sie das, was Sie wirk­lich wert sind – unter Ver­weis auf Ihre Leis­tung und die Vor­tei­le, die Sie Ihrer Fir­ma brin­gen. So stei­gern Sie Ihr Gehalt und gewin­nen den Respekt Ihres Chefs: Bestimmt kön­nen Sie sich eben­so gegen­über (männ­li­chen) Kun­den und Geschäfts­part­nern durch­set­zen. Davon pro­fi­tiert Ihre Fir­ma!

Ihre Chan­cen auf eine Gehalts­er­hö­hung ste­hen gut, gera­de wenn Ihr Aus­gangs­ge­halt noch Luft nach oben lässt. In Gedan­ken wird Ihr Chef Sie mit den männ­li­chen Kol­le­gen ver­glei­chen, und das kann sehr zu Ihrem Vor­teil sein. Auch kommt es nicht all­zu häu­fig vor, dass eine Frau mit gro­ßer Bestimmt­heit eine Gehalts­er­hö­hung for­dert – wenn doch, haben Chefs die Erfah­rung gemacht, dass sie meist gute Grün­de hat.

Je deut­li­cher Sie „Hun­ger!“ rufen, des­to grö­ßer die Chan­ce, dass Sie mit Ihrer nächs­ten Abrech­nung ein schö­nes Stück des Etat­ku­chens ser­viert bekom­men.