Teil 5: Füh­rer­schein für Füh­rungs­kräf­te

Der Best­sel­ler­au­tor und Kar­rie­re­coach Mar­tin Wehr­le gibt auf OFFICE ROXX Tipps für einen gelin­gen­den Büro­all­tag. Dies­mal schlägt er einen Füh­rer­schein für Chefs vor, damit die Men­schen­füh­rung ans Ziel führt, nicht in die Sack­gas­se.

Mar­tin Wehr­le ist Kar­rie­re­coach, Best­sel­ler­au­tor und er gehört zu den gefrag­tes­ten Red­nern im deutsch­spra­chi­gen Raum. Foto: A. Hee­ger

Das aktu­el­le Buch von Mar­tin Wehr­le trägt den Titel „Herr Mül­ler, Sie sind doch nicht schwan­ger?" (Mosa­ik 2014, 320 S., 14,99 €).

Wie mensch­lich oder unmensch­lich es in einer Fir­ma zugeht, hängt von den Füh­rungs­kräf­ten ab – ob die Beschäf­tig­ten mit ihnen arbei­ten oder nur „unter ihnen“. Gute Füh­rung setzt gute Aus­bil­dung vor­aus. Doch die ein­zi­ge Qua­li­fi­ka­ti­on, die ein Vor­ge­setz­ter in Deutsch­land braucht, ist sei­ne Beför­de­rung.

Das muss sich ändern! Wer ein Auto füh­ren will, braucht eine fun­dier­te Qua­li­fi­ka­ti­on in Theo­rie und Pra­xis. Wer Men­schen füh­ren will, erst recht! Es darf nicht sein, dass unqua­li­fi­zier­te Vor­ge­setz­te die Gesund­heit ihrer Mit­ar­bei­ter an die Wand fah­ren. Ich for­de­re einen Füh­rer­schein für Füh­rungs­kräf­te.

Füh­rung ist eine Human­wis­sen­schaft. Ein kom­pe­ten­ter Chef unter­stützt Mit­ar­bei­ter dabei, ihre Mög­lich­kei­ten zu ent­fal­ten, ihre Zie­le zu errei­chen und eben­so, die Gren­zen ihrer Kraft zu erken­nen. Wir müs­sen eine Füh­rungs­kul­tur ent­wi­ckeln, die nicht mani­pu­liert und aus­quetscht, son­dern das For­dern mit der Für­sor­ge ver­bin­det.

Ein Vor­ge­setz­ter muss ler­nen, wie Stress bei Mit­ar­bei­tern ent­steht und wie er ihn ver­mei­det, etwa durch sein gutes Vor­bild, durch mach­ba­re Ter­min­vor­ga­ben und durch kla­re Rege­lun­gen, wann Mails abge­ru­fen wer­den (am bes­ten nur ein- oder zwei­mal am Tag), wann der Dienst endet und zu wel­chen Zei­ten ein Mit­ar­bei­ter nicht erreich­bar sein darf.

Er muss ler­nen, wie der mensch­li­che Bio­rhyth­mus funk­tio­niert, und dass Erho­lungs­pha­sen die Vor­aus­set­zung sind für Höchst­leis­tun­gen (weil der Akku dazu voll sein muss und sich nur durch Ent­span­nung lädt) und für krea­tiv-ganz­heit­li­ches Den­ken (weil es dem Gehirn vor allem im ent­spann­ten Alpha­zu­stand gelingt). Men­schen sind kei­ne Maschi­nen, die bei dop­pel­ter Arbeits­zeit dop­pel­te Leis­tung brin­gen. Über­stun­den beschwö­ren Feh­ler her­auf und min­dern die Qua­li­tät der Arbeit. Wer nach acht Stun­den geht, statt der Fir­ma in der zehn­ten Stun­de einen schwe­ren Feh­ler ein­zu­bro­cken, hat mehr geleis­tet!

Ein kom­pe­ten­ter Vor­ge­setz­ter muss wis­sen, wel­ches die frühs­ten Sym­pto­me einer Über­for­de­rung sind – oft über­mä­ßi­ger Ein­satz! – und was in die­sem Fall zu tun ist; ein Prak­ti­kum in einer Bur­nout-Kli­nik soll­te zur Füh­rungs­kräf­te-Aus­bil­dung gehö­ren. Chefs müs­sen ler­nen, die Arbeits­kraft ihrer Mit­ar­bei­ter nicht nur zu nut­zen oder gar aus­zu­nut­zen, son­dern sie zu erhal­ten und zu för­dern.

Der Füh­rer­schein beinhal­tet eine Kon­troll­in­stanz: ein Flens­burg für Füh­rungs­kräf­te, wo Vor­ge­setz­te ange­zählt wer­den, die ihrer Ver­ant­wor­tung nicht gerecht wer­den, Bur­nouts ver­ur­sa­chen, Mob­bings dul­den und Men­schen rui­nie­ren.

Wer beim Füh­ren über rote Ampeln fährt, muss sei­nen Füh­rer­schein ver­lie­ren – zum Schutz der All­ge­mein­heit!