Teil 1: Raus auf dem Teu­fels­kreis!

Der Best­sel­ler­au­tor und Kar­rie­re­coach Mar­tin Wehr­le gibt auf OFFICE ROXX wert­vol­le Tipps für einen gelin­gen­den Büro­all­tag. Im ers­ten Teil der Serie geht es um Kon­flik­te am Arbeits­platz.

Mar­tin Wehr­le ist Kar­rie­re­coach, Best­sel­ler­au­tor und er gehört zu den gefrag­tes­ten Red­nern im deutsch­spra­chi­gen Raum. Foto: A. Hee­ger

Das aktu­el­le Buch von Mar­tin Wehr­le trägt den Titel „Herr Mül­ler, Sie sind doch nicht schwan­ger?" (Mosa­ik 2014, 320 S., 14,99 €).

Zwei Jungs rau­fen sich auf dem Schul­hof. Der Leh­rer geht dazwi­schen: „Wer hat ange­fan­gen?“ Bei­de sagen: „Er war’s!“ Zwei lupen­rei­ne Opfer – kein Täter weit und breit!

Die Fra­ge, wer ange­fan­gen hat, stellt sich auch bei Kon­flik­ten am Arbeits­platz. Glei­ches Bild: vie­le Opfer, kei­ne Täter. Lügen die Streit­häh­ne, um ihre wah­re Rol­le zu ver­tu­schen? Nicht unbe­dingt, denn mit Men­schen ist es wie mit Che­mi­ka­li­en: Tref­fen zwei auf­ein­an­der, kommt es zu einer Reak­ti­on. Und die­ser Ablauf hat immer mit den Eigen­schaf­ten und mit dem Ver­hal­ten bei­der Betei­lig­ter zu tun.

Vie­le Kon­flik­te spei­sen sich aus „sys­te­mi­schen Teu­fels­krei­sen“: Weil A dies tut (was B nicht gefällt), tut B jenes (was A nicht gefällt). Und weil B jenes tut, tut A die­ses. Und so wei­ter und so wei­ter. Am Ende weiß nie­mand mehr, was zuerst da war: Huhn oder Ei?

Sol­che Teu­fels­krei­se set­zen oft mit win­zi­gen Ereig­nis­sen ein. Stel­len Sie sich vor, Sie grü­ßen einen Kol­le­gen, aber er grüßt nicht zurück. Ihr Gesicht ver­fins­tert sich: War­um schaut er durch Sie hin­durch? Hält er sich für etwas Bes­se­res? Führt er etwas gegen Sie im Schil­de?

Je län­ger Sie über die­se Fra­ge nach­den­ken, des­to mehr Indi­zi­en fin­den Sie: Hat er nicht neu­lich eine Rund­mail ver­schickt, ohne Sie im Ver­tei­ler? War er ges­tern, beim Mee­ting, nicht gegen Ihren Ver­bes­se­rungs­vor­schlag?

Die­se Waf­fen beherr­schen Sie auch! Also schal­ten Sie Ihre Tem­pe­ra­tur im Umgang mit ihm auf Kühl­schrank-Niveau zurück. Wech­seln nur noch die nötigs­ten Wor­te. Ver­zich­ten auf enge Koope­ra­ti­on. Und wenn er Ihnen mor­gens über den Weg läuft, machen Sie sich nicht mehr mit einem uner­wi­der­ten Gruß lächer­lich.

Und er? Fühlt sich vor den Kopf gesto­ßen. Was fällt Ihnen eigent­lich ein! Hal­ten Sie sich für was Bes­se­res? Füh­ren Sie etwas im Schil­de? Die­se Waf­fen beherrscht er auch! Und schon über­trifft er Sie in Unter­kühlt­heit, indem er Ihnen die Infor­ma­tio­nen nicht mehr zuruft, son­dern per Haus­mit­tei­lung zustellt – mit einer Kopie zu sei­ner Sicher­heit.

Und Sie? Füh­len sich bestä­tigt in Ihrer ers­ten Beob­ach­tung. Der ver­wei­ger­te Gruß war kein Zufall, nein, nein – das war der Auf­takt einer Kam­pa­gne. Die­se Waf­fen beherr­schen Sie auch! Und schon …

Mer­ken Sie es? Die Abläu­fe auto­ma­ti­sie­ren sich wie che­mi­sche Reak­tio­nen. Und wenn eine bestimm­te Tem­pe­ra­tur erreicht ist, kommt es zum ganz gro­ßen Knall. Hüten Sie sich vor sol­chen Teu­fels­krei­sen! Machen Sie sich immer bewusst, dass nicht nur Sie auf Ihren Kol­le­gen reagie­ren, son­dern Ihr Kol­le­ge auch auf Sie. Jeder Teu­fels­kreis lässt sich früh­zei­tig unter­bre­chen! Wenn Sie zum Bei­spiel das Gefühl haben, Ihnen wur­de ein Gruß ver­wei­gert, dann grü­ßen Sie bei den nächs­ten Malen umso freund­li­cher. So kann ein Engels­kreis dar­aus wer­den.