Vom Luxus, selbst­be­stimmt zu han­deln

Das hand­schrift­li­che Ver­fas­sen von Ein­la­dun­gen oder Kor­re­spon­den­zen stellt eine Gegen­be­we­gung zur Digi­ta­li­sie­rung dar. Wel­che Rol­le dabei Luxus­schreib­ge­rä­te spie­len, erklärt Dr. Alex­an­dra Hil­de­brandt.

Mas­ters for Meis­ter­stück Firen­ze Foun­tain Pen von Mont­blanc.

Die Serie impo­ri­um von Lamy besteht aus Füll­hal­ter, Tin­ten­rol­ler, Kugel­schrei­ber und Dreh­blei­stift.

Füll­hal­ter Van Gogh Star­ry Night von Vis­con­ti aus der Van Gogh Collec­tion.

Sag mir, wie du schreibst – und ich sage dir, wer du bist. In der Schrift eines Men­schen ist sein Wesen erkenn­bar: sein Wil­le, sei­ne Kraft, aber auch sei­ne Unsi­cher­hei­ten. Jemand macht sich groß, wenn er die Buch­sta­ben raum­fül­lend gestal­tet und sei­nen Namen unter­streicht. Er zeigt sich als Grenz­über­schrei­ter, wenn er nicht auf der Zei­le bleibt. Oder er hält die Buch­sta­ben klein wie sich selbst.

Die Hand­schrift bleibt

Die Hand­schrift sagt viel über das Wesen eines Men­schen aus, das wir in einer Zeit, in der das meis­te nur noch über E-Mail und Soci­al Media kom­mu­ni­ziert wird, immer weni­ger auf dem Papier erken­nen kön­nen. Unter­schrif­ten sind oft der ein­zi­ge Ein­druck vom Men­schen hin­ter den Zei­len, denn auch per­sön­lich geschrie­be­ne Brie­fe wer­den immer sel­te­ner. Es gibt aller­dings kei­nen Zwei­fel dar­an, dass die Kul­tur­tech­nik Schrei­ben über­le­ben wird.

Wider die Digi­ta­li­sie­rung

Bereits seit eini­gen Jah­ren ist eine Gegen­be­we­gung zu den digi­ta­len und mecha­ni­sier­ten Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten spür­bar. Das Schrei­ben gewinnt vor die­sem Hin­ter­grund immer mehr den Nim­bus eines Luxus, den auch zuneh­mend Unter­neh­men für sich ent­de­cken, die Ein­la­dun­gen, Schil­der und Kar­ten von Hand beschrif­ten las­sen. „Hand­let­te­ring“, das ursprüng­lich in der Schil­der­ma­le­rei behei­ma­tet war, ist der­zeit bei allen gefragt, die Schön­schrift mögen und ihren Kun­den eine beson­de­re Form der Wert­schät­zung ent­ge­gen­brin­gen möch­ten.

Wah­rer Luxus ist nach­hal­tig

Der Begriff Luxus kommt aus dem Latei­ni­schen und bedeu­tet „Ver­schwen­dung“ – aller­dings ist Luxus wirt­schaft­lich gese­hen alles ande­re als über­flüs­sig. Für Cle­mens Pflanz, Grün­der und geschäfts­füh­ren­der Vor­stand des deut­schen Luxus­ver­ban­des Meis­ter­kreis, hat bil­li­ger Flit­ter mit Luxus nichts zu tun. Wah­rer Luxus ist für ihn sogar nach­hal­tig, weil hoch­prei­si­ge Pro­duk­te von den Kon­su­men­ten wert­schät­zen­der behan­delt wer­den und wegen ihrer hoch­wer­ti­gen hand­werk­li­chen Ver­ar­bei­tung län­ger hal­ten. Von ech­ter Ver­schwen­dung kann bei einem über­mä­ßi­gen Gebrauch von Bil­ligschreib­ge­rä­ten gespro­chen wer­den, die nach kur­zer Zeit kaputt­ge­hen oder von Anfang an schlecht schrei­ben, sodass der Stift schnell in die Müll­ton­ne wan­dert.

Edle Edi­tio­nen

Dass Füll­fe­der­hal­ter in Zei­ten von Smart­pho­nes und Lap­tops noch eine Zukunft haben und nicht aus der Zeit gefal­len sind, zeigt sich vor allem am Bei­spiel von Mont­blanc, wo Fül­ler-Son­der­edi­tio­nen für Samm­ler auf jeweils 4.810 Stück limi­tiert sind (die Zahl ent­spricht den Höhen­me­tern des Mont­blanc). Die Edi­tio­nen sind unter ande­rem Char­lie Chap­lin, Tho­mas Mann, Gre­ta Gar­bo oder Lucia­no Pava­rot­ti gewid­met und erzäh­len Geschich­ten. Die Luxus­bran­che lebt von ihnen, weil sie ihre Kern­bot­schaft ver­mit­teln, aber auch Begehr­lich­keit und Lei­den­schaft wecken.

Ein­fach echt

Etwas Bes­se­res als die Digi­ta­li­sie­rung hät­te der Tra­di­ti­ons­mar­ke Mont­blanc nicht pas­sie­ren kön­nen. „Vor zwan­zig Jah­ren war das Digi­ta­le noch sel­ten und etwas Coo­les, der All­tag lief ana­log ab“, sagt Jérô­me Lam­bert, CEO bei Mont­blanc. Heu­te ist es umge­kehrt: Ana­lo­ge Din­ge sind nicht mehr not­wen­dig und wer­den nur noch aus Ver­gnü­gen benutzt. Für Lam­bert zäh­len Füll­fe­der­hal­ter zu den weni­gen Luxus­gü­tern, mit denen ihre Besit­zer tat­säch­lich etwas tun kön­nen. „Schrei­ben ist etwas Akti­ves und Per­sön­li­ches.“ Und etwas Prä­gen­des im bes­ten Wort­sinn, das man spü­ren und hören kann, wenn die Feder über das Papier glei­tet.

_Hildebrandt

Dr. Alex­an­dra Hil­de­brandt, Sach­buch­au­torin, Hoch­schul­do­zen­tin sowie Mit­in­itia­to­rin der Initia­ti­ve „Gesich­ter der Nach­hal­tig­keit“.