Coworking konkret: Tobias Kremkau zu Corona als Chance (#2)

Im zwei­ten Teil die­ser Serie beleuch­tet „Cowor­king-Papst“ Tobi­as Krem­kau, wel­chen Ein­fluss die Coro­na-Kri­se auf die Cowor­king-Welt hat. Wan­del ist zwar so etwas wie der zwei­te Vor­na­me die­ser Sze­ne, die Her­aus­for­de­run­gen sind der­zeit aber beson­ders groß.

Tobias Kremkau denkt, schreibt, spricht und berät zu den Themen Coworking und Neue Arbeit. Coworking ist für ihn mehr Berufung als nur Beruf. Die Zeit zählte den „Coworking-Papst“, wie er schon bezeichnet wurde, 2019 zu den 100 wichtigsten jungen Ostdeutschen. kremkau.io. Abbildung: Larissa Hägele

Tobi­as Krem­kau denkt, schreibt, spricht und berät zu den The­men Cowor­king und Neue Arbeit. Cowor­king ist für ihn mehr Beru­fung als nur Beruf. Die Zeit zähl­te den „Cowor­king-Papst“, wie er schon bezeich­net wur­de, 2019 zu den 100 wich­tigs­ten jun­gen Ost­deut­schen. kremkau.io. Abbil­dung: Laris­sa Hägele

Momen­tan geis­tert das poli­ti­sche Schlag­wort der „neu­en Nor­ma­li­tät“ durch die Debat­ten über den Umgang mit der Coro­na-Pan­de­mie. Die­ser 2018 durch den öster­rei­chi­schen Sprach­phi­lo­so­phen Paul Sai­ler-Wla­sits ein­ge­führ­te Begriff ist jedoch unpas­send für die aktu­el­le Kri­sen­si­tua­ti­on. Zum einen, da wir es mit einer Kri­se zu tun haben, die stets einen Aus­nah­me­zu­stand beschreibt. Zum ande­ren, weil Kri­sen Reform­be­darf sicht­bar machen, der ver­än­dern­de Anstren­gun­gen nach sich zieht. Nor­ma­li­tät ist immer post-existent.

Der ope­ra­ti­ve All­tag in einem Cowor­king Space war bereits vor der Kri­se von einem ste­ten Wan­del gekenn­zeich­net. Was nach­ge­fragt wur­de, konn­te sich zwei­mal im Jahr kom­plett ändern. Mit Ver­än­de­run­gen ken­nen sich Cowor­king-Betrei­ber also aus, denn sie erle­ben sie stän­dig. Wir alle leben in einer VUKA-Welt. Sie ist geprägt von Vola­ti­li­tät, Unsi­cher­heit, Kom­ple­xi­tät und Ambivalenz/Ambiguität. Das tun wir schon eine gan­ze Wei­le, doch die Cowor­king-Bran­che war sich des­sen frü­her bewusst als andere.

Bis­her gab es drei Säu­len im Geschäfts­mo­dell eines Cowor­king Spaces: Mit­glied­schaf­ten, Ver­mie­tung von Büro­räu­men und buch­ba­re Ver­an­stal­tungs­flä­chen für Events und Mee­tings. Mit­glied­schaf­ten funk­tio­nie­ren auf­grund der all­ge­mei­nen Home­of­fice-Frus­tra­ti­on auch in der Kri­se gut. Ähn­lich sieht es bei Büro­räu­men aus, da nun auch hier mehr Fle­xi­bi­li­tät gefragt ist. Aller­dings brach die drit­te Säu­le durch Coro­na kom­plett weg. Und das womög­lich für immer.

Dies traf die Cowor­king Spaces sehr unter­schied­lich, da der Anteil von buch­ba­ren Ver­an­stal­tungs­flä­chen am Gesamt­um­satz zwi­schen zehn und 80 Pro­zent lie­gen kann. Das hängt zum einen von der Gebäu­de­struk­tur ab und zum ande­ren von der Lage des Cowor­king Spaces. Die Nach­fra­ge nach sol­chen Flä­chen war in den Metro­po­len groß, wo es vie­le Unter­neh­men gibt. Gro­ße urba­ne Cowor­king Spaces lei­den des­halb unter dem Weg­bre­chen der Event-Ein­nah­men viel stär­ker als Cowor­king Spaces in der Peri­phe­rie oder auf dem Land.


Seit Anfang Dezem­ber 2020 gibt es mit der „Cowor­king­Map“ die Mög­lich­keit, Orte der Zusam­men­ar­beit in der per­sön­li­chen Umge­bung zu suchen und zu fin­den. Dies ist nicht die ers­te Kar­te die­ser Art, aber zum ers­ten Mal wur­de eine Daten­bank sol­cher Orte – damit sind neben Cowor­king Spaces auch Büro­ge­mein­schaf­ten, Maker Spaces, Worka­ti­on-Retre­ats und auch Grün­dungs­zen­tren gemeint – gründ­lich recher­chiert, kate­go­ri­siert und wird von nun an auch gepflegt.

Tipp von Tobi­as Kremkau


Vie­le bekann­te Cowor­king-Mar­ken in den Metro­po­len, die bis­her hohe Mie­ten akzep­tie­ren konn­ten, sind dadurch ins Strau­cheln gera­ten. Die gro­ßen und teu­ren Event-Flä­chen rech­nen sich nun nicht mehr für sie. Sie suchen des­halb nach neu­en Geschäfts­fel­dern und schei­nen eines bereits gefun­den zu haben: die Ver­wal­tung von nicht genutz­ten Arbeits­plät­zen in Unter­neh­men. Das St. Ober­holz, das künf­tig kein Cowor­king mehr betrei­ben will, ver­sucht dies bei­spiels­wei­se – bis­lang aber offen­bar noch mit gerin­gem Erfolg.

Das Ber­li­ner Beta­haus ver­sucht etwas Ähn­li­ches und hat eine sehr inter­es­san­te HQ-Stra­te­gie für Unter­neh­men ent­wi­ckelt. Die­se kön­nen ihre Zen­tra­le ins Beta­haus ver­la­gern und dann zusam­men Satel­li­ten­stand­or­te für das Unter­neh­men ent­wi­ckeln, die vom Beta­haus betrie­ben wer­den. Klei­ne­re Cowor­king Spaces, in der Peri­phe­rie und im länd­li­chen Umland von Metro­po­len, hof­fen, statt eige­ner Satel­li­ten von Unter­neh­men selbst ein Stand­ort in der Remo­te-Stra­te­gie eines dezen­tra­len Unter­neh­mens zu werden.

Auf­grund der aus­ge­setz­ten Insol­venz­an­trags­pflicht ist unklar, wie es den Cowor­king Spaces wirk­lich geht. Vie­le berich­ten von ange­sam­mel­ten Miet­schul­den. Bis­her haben erst etwas mehr als ein Dut­zend Cowor­king Spaces auf­grund von Coro­na auf­ge­ge­ben. Drei­mal so vie­le sind in den letz­ten zwölf Mona­ten neu gegrün­det wor­den. Noch gibt es also Hoff­nung. Auf­fäl­lig ist, dass gera­de rura­le Cowor­king Spaces von den Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Pan­de­mie zu pro­fi­tie­ren schei­nen. Doch dar­über schrei­be ich in mei­ner nächs­ten Kolumne.

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