Robert Nehring hat nicht viel von Mar­cel Proust gele­sen, stellt aber eben­falls gern vie­le Fra­gen. Inter­es­san­ten Per­sön­lich­kei­ten aus dem Büro­um­feld schickt er auch mal einen Fra­ge­bo­gen. Dies­mal ant­wor­te­te Petra Bal­zer ali­as Katha­ri­na Münk. Sie ist Best­sel­ler-Autorin, Per­so­nal Coach und Exper­tin für Office-Manage­ment.

Petra Balzer. Als Katharina Münk hat die Expertin für Office-Management bereits viele Bestseller veröffentlicht. kmesc.de Abbildung: Geiger Images

Petra Bal­zer. Als Katha­ri­na Münk hat die Exper­tin für Office-Manage­ment bereits vie­le Best­sel­ler ver­öf­fent­licht. kmesc.de. Abbil­dung: Gei­ger Images

ARBEITEN

1. Bitte beschreiben Sie Ihren Arbeitsplatz.

Zur Not kom­me ich mit einem Stift und einem Block Papier aus. Im Lau­fe der Zeit haben sich ein Mac und ein Note­book dazu­ge­sellt sowie unter ande­rem die schwarz-weiß gestreif­te Pols­ter­va­ri­an­te des Kevi Chairs von Jør­gen Ras­mus­sen aus 1958. Die­ser Stuhl ist für mich die opti­ma­le Mischung aus schö­ner Optik und Ergo­no­mie. Er ver­schluckt mich nicht, und mei­ne Kalk­schul­ter gehört der Ver­gan­gen­heit an, seit­dem ich auf ihm sit­ze. Ansons­ten mag ich eher klei­ne Ein­zel­zel­len ohne all­zu viel Ablen­kung, um auf gute Gedan­ken zu kom­men.

2. Wie kommen Sie zur Arbeit?

Ich bin Home­of­fice-Worker, seit­dem ich mich selbst­stän­dig gemacht habe. Zu Ter­mi­nen rei­se ich gern mit der Bahn, um unter­wegs arbei­ten zu kön­nen.

3. Wo arbeiten Sie am liebsten?

Ich brau­che ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis zwi­schen Außen- und Innen­welt. Impul­se außer­halb mei­ner per­sön­li­chen „Echo­kam­mer“ also ande­re Umge­bun­gen, sind mir genau­so wich­tig wie das kon­zen­trier­te Arbei­ten in mei­ner klei­nen hei­mi­schen Klau­se. Gute Ideen bekom­me ich oft in Tran­sit-Situa­tio­nen, wäh­rend Zug­rei­sen oder in Gesprä­chen mit Leu­ten, die völ­lig anders ticken als ich. Doch die Umset­zung läuft dann ganz dis­zi­pli­niert am PC zu Hau­se.

4. Wann beginnt ein normaler Arbeitstag bei Ihnen, wann ist Schluss?

Ich bin zwar eine Nacht­eu­le, bemü­he mich aber, ab 09:30 Uhr am Schreib­tisch zu sit­zen. Schluss ist, wenn der Kopf zu voll wird oder sich die Unter­zu­cke­rung mel­det. Ich bin eher der Mara­thon-Typ, der sich fest­beißt, die Zeit ver­gisst und auch bis in die Nacht arbei­ten kann. Dass Bücher­schrei­ben mit­un­ter kör­per­lich unge­sund und unso­zi­al ist, kann ich durch­aus bestä­ti­gen.

5. Wie viele E-Mails erhalten Sie im Schnitt pro Tag?

Ich habe mein Umfeld gut erzo­gen, sodass ich nur sel­ten auf mehr als zwan­zig neue Mails kom­me. Das ist ein Luxus, ich weiß. Aber nur so funk­tio­niert für mich die Kon­zen­tra­ti­on in Zei­ten, in denen Bücher ent­ste­hen oder Coa­chings vor- und nach­be­rei­tet wer­den.

6. Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?

Ich tra­ge stän­dig arbeits­re­le­van­te The­men mit mir im Kopf her­um. Kaum ein Gang ohne Smart­pho­ne sowie Stift und Papier am Kör­per. Frei­be­ruf­ler hören irgend­wann auf, die Stun­den zu zäh­len – Work-Live-Blen­ding in Rein­form.

7. Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche konzentriert allein?

Wenn nicht gera­de Coa­chings, Key­notes, Lesun­gen oder Bespre­chun­gen anste­hen, arbei­te ich die meis­te Zeit kon­zen­triert allein, ohne Gefahr zu lau­fen, all­zu sehr zu ver­ein­sa­men. Einen gewis­sen Pro­zent­satz an Team­work brau­che ich aber ab und zu, damit ich dazu­ler­ne und fle­xi­bel blei­be. Das genie­ße ich dann.

8. Wie viele Stunden verbringen Sie im Schnitt pro Woche in (Video-)Meetings?

Inter­views oder Coa­ching-Abspra­chen lau­fen manch­mal per Video­mee­ting. Das kommt jedoch sel­ten vor, viel­leicht drei Mal im Monat. Agen­tur und Ver­la­ge arbei­ten noch sehr tra­di­tio­nell über Tele­fo­na­te, und im Coa­ching brau­chen ich und mein Gegen­über den gan­zen ana­lo­gen Kör­per, damit die Wahr­neh­mungs-Anten­nen sich opti­mal aus­rich­ten kön­nen. Da bin ich wirk­lich noch kom­pro­miss­los alt­mo­disch.

9. Wie kommunizieren Sie vorwiegend: Face-to-Face, per Telefon, E-Mail oder Chat?

Coro­na macht lei­der nicht mehr so vie­le per­sön­li­che Begeg­nun­gen mög­lich, wie ich gern hät­te. Also kom­mu­ni­zie­re ich meist via Tele­fon und E-Mail. Ich bin wahr­schein­lich nicht die Ein­zi­ge, die zu Coro­na-Zei­ten über­rascht ist, wel­che kom­mu­ni­ka­ti­ven Qua­li­tä­ten gera­de Tele­fo­na­te haben kön­nen. Der Aus­tausch über sozia­le Medi­en dage­gen ist mir oft zu schnell­schüs­sig und geschwät­zig. Ich habe zum Ent­set­zen mei­nes Freun­des­krei­ses noch nicht ein­mal ein Whats­app-Account.

10. Wie stellen Sie sich Büros 2030 in Deutschland vor?

Wie sich der Drei­klang aus Mensch, Tech­nik und Raum gestal­ten wird, ist tat­säch­lich span­nend. Bereits jetzt wird ja schon aller­orts Büro­flä­che ein­ge­spart. Ich hof­fe sehr stark, dass wir eines Tages zu Cowor­king Spaces ohne Ein­zel­zel­len und ohne Spuck­wän­de zurück­keh­ren kön­nen. Kom­mu­ni­ka­ti­on, Inter­ak­ti­on, vor allem Krea­ti­vi­tät und Inno­va­ti­on funk­tio­nie­ren vir­tu­ell nur bedingt. Für das soge­nann­te Brain­stor­ming genügt Kon­zen­tra­ti­on allein nicht. Inno­va­ti­on lebt vom Aus­tausch, vom Moment, vom Cha­os im posi­tivs­ten Sin­ne. Dafür wer­den wir immer ana­lo­ge Begeg­nungs­räu­me benö­ti­gen. Und nicht jeder fin­det zu Hau­se die opti­ma­len Arbeits­be­din­gun­gen vor. Ich kann mir gut vor­stel­len, dass sich das hybri­de Arbei­ten über Coro­na hin­aus durch­set­zen wird und dass die Büros viel mehr rei­ne Begeg­nungs­flä­che statt pure Arbeits­flä­che wer­den.

11. Was zählt für Sie zu den größten Herausforderungen für die Bürowelt?

Ganz klar die Medi­en­kom­pe­tenz. Wir hören zu viel von den Unter­neh­men, in den bereits alles gut funk­tio­niert, und zu wenig von den klei­nen mit­tel­stän­di­schen Fir­men oder den öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen, die immer noch mit aller­hand Fall­stri­cken kämp­fen müs­sen. Zwei­tens brau­chen wir Füh­rungs­kräf­te, die sowohl über Nähe als auch über Distanz füh­ren kön­nen. Eine Balan­ce hin­zu­be­kom­men zwi­schen Ver­trau­en, Befä­hi­gung und Frei­raum einer­seits und Ver­bind­lich­keit, Ergeb­nis­kon­trol­le und Stra­te­gie ande­rer­seits ist Königs­dis­zi­plin. Die Men­schen haben sehr indi­vi­du­el­le Nähe- und Distanz­be­dürf­nis­se. Sie brau­chen unter­schied­lich viel Anspra­che und Beglei­tung. Das wird sich nie ändern. Der eine blüht im Team­work auf, der ande­re, wenn er sich end­lich kon­zen­trie­ren kann. Das gilt es auch in der indi­vi­du­el­len Mit­ar­bei­ter­ent­wick­lung zu berück­sich­ti­gen.

12. Wie hat sich das Berufsbild der Sekretärin in den letzten Jahrzehnten verändert?

„Die Sekre­tä­rin“ gibt es nicht mehr. Wir reden heu­te „neu-eng­lisch“ von Office-Manage­ment, von Team-, Pro­jekt- und Schnitt­stel­len­ma­nage­ment. Heu­te managt die Assis­ten­tin das Team, den Fuhr­park, das Hygie­nekon­zept und die Bilanz­pres­se­kon­fe­renz oder macht die Buch­hal­tung. Sie arbei­tet also eher pro­zess­ori­en­tiert, wäh­rend der eman­zi­pier­te Chef ins Smart­pho­ne hackt und selbst zur „Schreib­kraft“ mutiert. Ich schät­ze, dass nur noch höchs­tens drei­ßig Pro­zent aller Sekre­tä­rin­nen als klas­si­sche „PA“ direkt für eine ein­zi­ge Per­son arbei­ten, vor­wie­gend auf Vor­stands- und Geschäfts­füh­rungs­ebe­ne. Auf der ande­ren Sei­te ken­ne ich Team­as­sis­ten­tin­nen, die mit Teil­zeit­ver­trag für zwölf Per­so­nen zustän­dig sind, weil klas­si­sche Sekre­tä­rin­nen kom­plett ein­ge­spart wur­den. Da reden wir nicht mehr von „Ein­fluss­nah­me“ oder gar „stil­ler Macht“. Ange­sichts der inzwi­schen undurch­schau­ba­ren Viel­zahl an Wer­de­gän­gen, Qua­li­fi­ka­tio­nen und Tätig­keits­pro­fi­len in die­ser Bran­che ist es nach wie vor nicht ganz ein­fach, Trenn­schär­fe in den Auf­ga­ben und Lauf­bahn­pla­nung zu eta­blie­ren.

13. Über welche Kompetenzen sollten Office-Assistants und -Professionals heute vor allem verfügen?

Wir wer­den heut­zu­ta­ge voll­ge­la­den mit Daten, Tas­ta­tu­ren wer­den mehr denn je trak­tiert. Kom­mu­ni­ka­ti­on fin­det in 140 Zei­chen oder als hin­ge­husch­te Whats­app-Nach­richt rund um die Uhr statt. Jeder betei­ligt sich, aber nie­mand ent­schei­det, und wir nen­nen das Fort­schritt. Da braucht es mehr denn je eine ver­trau­ens­wür­di­ge und mode­rie­ren­de Per­son als Anlauf- und Fil­ter­zen­tra­le für Füh­rungs­kräf­te, Teams und Daten. Wis­sens­ba­sier­te, stich­hal­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on, Trans­pa­renz und Trenn­schär­fe sind wich­tig. Das muss man ein­for­dern und selbst prak­ti­zie­ren. Die Kom­pe­ten­zen las­sen sich auf vier Schlüs­sel­be­rei­che brin­gen: Data, Peop­le & Com­mu­ni­ca­ti­on, Pro­ces­ses & Qua­li­ty, Trust & Relia­bi­li­ty.

14. Es heißt, viele Sekretariatsjobs übernehme künftig KI. Was wird künstliche Intelligenz in diesem Zusammenhang nicht so schnell oder nie hinbekommen?

„Der Com­pu­ter kann alles. Aber sonst nichts.“ So hieß es bereits in den 80er-Jah­ren. Und dar­an hat auch KI nicht viel geän­dert. In Zei­ten, in denen wir auf­pas­sen müs­sen, dass Füh­rungs­kraft und Assis­tenz sich nicht all­zu sehr (vir­tu­ell) von­ein­an­der weg-eman­zi­pie­ren, ret­ten uns Empa­thie und Ver­trau­ens­wür­dig­keit. Assis­ten­tin­nen haben kei­ne Schnitt­stel­le und müs­sen nicht pass­wort­ge­schützt wer­den. Qua­li­tä­ten wie Empa­thie, Intui­ti­on, Abschir­mung, Ver­trau­lich­keit und Geheim­hal­tung wer­den irgend­wann die letz­te har­te Wäh­rung in der Arbeits­welt wer­den. Da könn­te die klas­si­sche PA im Sin­ne der mit­den­ken­den und mit­han­deln­den Zuar­beit zur letz­ten Ret­tung wer­den für infor­ma­ti­ons­über­las­te­te Füh­rungs­kräf­te mit 101 Pro­jek­ten – nicht nur im obe­ren, son­dern auch im mitt­le­ren Manage­ment.

15. Rolodex, Tipp-Ex und Fax verschwinden langsam aus den Büros – welche Utensilien aus der guten alten Analogwelt sollten im Office erhalten bleiben?

Papier­ka­len­der und Notiz­zet­tel. Die dürf­ten für den Spon­tan­ge­dan­ken und wenn es schnell gehen muss, nach wie vor uner­setz­lich sein. Der gute alte Datums­s­tem­pel ist immer noch erstaun­lich oft im Ein­satz. Ich sehe ihn eher als wun­der­ba­res Frust-Ven­til in schwe­ren Zei­ten, weil man ihn so schön aufs Papier knal­len kann. Auch Wän­de und Türen sind nicht zu unter­schät­zen.

16. Wird die Handschrift im Büro aussterben?

So man­che hie­ro­gly­phen-geplag­te Assis­tenz wird jetzt „hof­fent­lich“ den­ken … Aber man sieht Hand­schrift­li­ches immer sel­te­ner, kei­ne Fra­ge. Hand­ge­schrie­be­ne Weih­nachts- und Glück­wunsch­kar­ten oder Brie­fe bei per­sön­li­chen Anläs­sen sind jedoch nach wie vor mein Tipp für alle, die sich vom digi­ta­len Main­stream abset­zen möch­ten. Die dar­auf ver­wen­de­te Zeit und die indi­vi­du­el­le Note sind uner­setz­lich und haben Stil. Hand­ge­schrie­be­nes geht län­ger durch den Kopf und bleibt län­ger im Kopf.

17. Was sind die größten Missverständnisse in der Zusammenarbeit von Chef und Sekretär?

Nicht zu wis­sen, was man nicht anein­an­der ändern kann und fal­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on. Man kennt sich schlicht nicht gut genug, und in der Beur­tei­lung der Lage geht jeder von sich selbst aus, statt einen Per­spek­tiv­wech­sel zu machen. „Es nützt nichts, dem Was­ser­büf­fel Gei­ge vor­zu­spie­len“, sagt man in Thai­land. Und die Wor­te „aber“ und „nicht“ wer­den viel zu oft bemüht. Auch „Sie müs­sen“ ist pure Zurecht­wei­sung und ver­baut vie­le Chan­cen, noch bevor der Rest aus­ge­spro­chen ist. Das gilt für bei­de Sei­ten.

18. Gibt es für Sie so etwas wie eine Lieblingsbegebenheit im Bürokosmos, oder haben Sie einen Lieblingsbürowitz?

„Mein Chef und ich ler­nen uns von Tag zu Tag bes­ser ken­nen. Aber wir las­sen uns nichts anmer­ken“, sag­te mir mal eine Assis­ten­tin. Auch schön: Als ich einen mei­ner Chefs ein­mal nach einer Ziel­ver­ein­ba­rung frag­te, mein­te die­ser gene­rös, dass ich kei­ne Zie­le bräuch­te.

19. Was Sie schon immer einmal zum Thema Sekretariat sagen wollten …

Ein für alle­mal bit­te Fol­gen­des zur Kennt­nis neh­men: Wir den­ken nicht mit. Wir den­ken. Aber auch das soll­te bit­te nicht unter „Leis­tungs­merk­ma­le“ in der Stel­len­an­zei­ge ste­hen.

20. New Work bedeutet für mich …

New Work ist für mich eher eine Wort­hül­se, mit der zu viel gespielt wird. Jeder hat dazu ande­re Bil­der im Kopf und vor allem vie­le Fra­ge­zei­chen, was die Prak­ti­ka­bi­li­tät im eige­nen Unter­neh­men angeht. Wenn New Work für Fle­xi­bi­li­tät, Hand­lungs­frei­heit und Teil­ha­be steht, dann muss man die­sen Begriff sehr scho­nend mit Leben fül­len und mit Eck­pfei­lern ver­se­hen – und vor allem nicht an den Men­schen vor­bei.

Das Sachbuch „Mal eben kurz den Chef retten. Die heimlichen Führungskräfte im Vorzimmer“ von Petra Balzer alias Katharina Münk ist eine Geschichte über das Führen und Geführtwerden aus dem Maschinenraum des Managements.

Das Sach­buch „Mal eben kurz den Chef ret­ten. Die heim­li­chen Füh­rungs­kräf­te im Vor­zim­mer“ von Petra Bal­zer ali­as Katha­ri­na Münk ist eine Geschich­te über das Füh­ren und Geführt­wer­den aus dem Maschi­nen­raum des Manage­ments.

21. Der Generation Y rate ich …

Treibt die Digi­ta­li­sie­rung vor­an, aber belasst sie in guten Hän­den! Scheut Euch nicht, auch ein­mal uns alte Baby­boo­mer zu fra­gen oder gar die Ein­stel­lung einer Assis­tenz aus die­ser Gat­tung zu erwä­gen. Und drit­tens: Ent­schei­den und auf den Tisch hau­en als Alter­na­ti­ve zu unend­li­chen Abspra­chen ist auch mal okay.

22. Wie stehen Sie zum Gendern?

Ich kom­me aus einem Beruf, in dem die Kom­bi­na­ti­on „Frau ist Assis­ten­tin – Mann ist Füh­rungs­kraft“ immer noch am häu­figs­ten anzu­tref­fen ist. Wenn man sich da nicht auch mal eine etwas hemds­är­me­li­ge Hal­tung zu die­sem The­ma zulegt, hat man als Frau unter Män­nern einen schwe­ren Stand. Und die Frau­en­re­prä­sen­tanz (zum Bei­spiel im Wort „Chef*innen“) durch ein Stern­chen und pho­ne­tisch mit einem Stol­pe­rer im Wort­fluss zu beto­nen, fin­de ich nicht hilf­reich. Wenn ich Che­fin wäre und mei­ne männ­li­che Sekre­tä­rin wür­de mich „Chef“ nen­nen, wür­de mir das durch­aus gefal­len.

23. Woran arbeiten Sie gerade?

An einem neu­en Roman mit sati­ri­schen Ele­men­ten zu einem The­ma, das ich hier natür­lich nicht ver­ra­te.

24. Was inspiriert Sie?

Rei­sen, Gesich­ter und gute Gesprä­che.

25. Wird die Corona-Krise die Bürowelt wohl nachhaltig verändern und wenn ja, voraussichtlich wie?

Sie­he mei­ne Ant­wor­ten auf die Fra­gen 10 und 11.

26. Ihr größter beruflicher Erfolg?

Ein tougher Vor­stands­vor­sit­zen­der, an dem ich mich jah­re­lang abge­ar­bei­tet habe, war augen­zwin­kernd stolz dar­auf, in mei­nem Buch „Und mor­gen brin­ge ich ihn um“ vor­zu­kom­men. Er sag­te mir, er habe immer schon gewusst, was in mir ste­cke. Das war so skur­ril wie ver­söhn­lich und irgend­wie mehr wert als die Ver­fil­mun­gen mei­ner ande­ren Bücher.

27. Der größte Misserfolg?

Was wäre das Leben ohne Miss­erfol­ge! Ich bin durch die Füh­rer­schein­prü­fung und durch die Aus­bil­d­er­eig­nungs­prü­fung geras­selt und habe mich so eini­ge Male im Job ver­grif­fen.

28. Xing oder LinkedIn oder …?

Bei­de. Aber sonst nichts.

29. Apple oder Microsoft?

Apple fin­de ich logi­scher auf­ge­baut, irgend­wie hap­ti­scher und schö­ner.

30. Gedruckte Zeitung oder Online-News?

Bei­des, mit einem kla­ren Fai­ble fürs Gedruck­te. Dort fin­de ich Sachen, die mir online ent­gan­gen wären.

LEBEN

31. Was würden Sie als „Königin von Deutschland“ zuerst ändern?

Auto­bahn­stre­cken ohne jeg­li­ches Geschwin­dig­keits­li­mit mit sel­bi­gem ver­se­hen.

32. Was würden Sie gern können?

Sin­gen, ohne mei­ne Umge­bung in Ver­le­gen­heit zu brin­gen.

33. Wo würden Sie am liebsten leben?

Das „mit wem“ ist mir wich­ti­ger als das „wo“.

34. Wobei können Sie gut entspannen?

Beim Betrach­ten von Wol­ken und Wel­len.

35. Ihr ursprünglicher Berufswunsch?

Archäo­lo­gin. Da kom­men mei­ne Neu­gier­de und mei­ne Aus­dau­er hoch …

36. Ihre Hauptcharaktereigenschaften?

Neu­gier­de, Humor, Prä­zi­si­on, Aus­dau­er, Aus­ge­wo­gen­heit, bis­wei­len west­fä­li­sche Stur­heit, und ich kann ganz schön böse gucken.

37. Ihre Hobbys oder Leidenschaften?

Stei­ne sam­meln, Din­ge repa­rie­ren, Foto­gra­fie, Tauch­sport, Scho­ko­la­de, guter Wein, lan­ge Spa­zier­gän­ge, selbst gepflück­te Äpfel und ein­mal im Monat eine Cur­ry­wurst an der Möncke­berg­stra­ße.

38. Ihre drei Dinge für die einsame Insel?

Men­schen zäh­len nicht unter Din­ge, oder? Dann also Stift und Papier, ein Sech­ser­pack Feu­er­zeu­ge und eine Axt.

39. Ihr/e Lieblingskünstler oder -denker?

Han­nah Arendt, Franz Kaf­ka und Lars Eidin­ger.

40. Ihr Lieblingsbuch und/oder -film?

Buch: „This is water“ von David Fos­ter Wal­lace und „Tschick“ von Wolf­gang Herrn­dorf. Film: „Cloud Atlas“, fast alles von den Coen-Brü­dern und zuletzt „Mas­ter Cheng in Poh­jan­jo­ki“.

41. Ihr Lieblingsgericht?

Spa­ghet­ti aglio e olio mit viel Kräu­tern und Peter­si­lie, am liebs­ten gekocht von mei­nem Mann.

42. Ihre Lieblingsweisheit?

Sei freund­lich zu unfreund­li­chen Men­schen. Sie brau­chen es am meis­ten.

43. Ihr Lebensmotto?

Es wird nichts so heiß geges­sen, wie es gekocht wird.

44. Der Sinn des Lebens

Ich ver­mu­te, dass der Sinn des Lebens sein könn­te zu leben, hier und jetzt, statt stän­dig einen Sinn zu suchen, den wir in unse­rem schä­del­gro­ßen Mini­kos­mos sowie­so nicht fas­sen kön­nen.

45. Laschet, Scholz, Baerbock oder?

Ich wün­sche mir mehr Kan­tig­keit, mehr Mut und Aus­ein­an­der­set­zung in einer Koali­ti­ons­re­gie­rung und bin grund­sätz­lich ein Fan von Schwarz-Grün, aber eben nicht von Herrn Laschet oder den ande­ren Kan­di­da­ten. So etwas nennt man dann wohl ein Dilem­ma.

46. Bayern oder Dortmund oder …?

SC Pader­born und FC St. Pau­li.

47. Beatles oder Stones oder …?

Ganz klar Sym­pa­thy for the Devil …

48. Bier oder Wein?

Wein.

49. Strand oder Berge?

Strand. Ich bin ein Nord­licht und die abso­lu­te Nie­te bei Klet­ter­tou­ren in den Ber­gen.

50. Und Ihre Uhr: analog oder digital?

Ana­log. Ich mag die guten alten Zei­ger. Zah­len haben wir schon genug.

Petra Balzer. Als Katharina Münk hat die Expertin für Office-Management bereits viele Bestseller veröffentlicht. kmesc.de Abbildung: Geiger Images

Abbil­dung: Gei­ger Images

PETRA BALZER

  • Jahr­gang: 1963
  • Geburts­ort: Rhe­da-Wie­den­brück
  • Höchs­ter Abschluss (Ausbildung/Studium): nach dem Abitur Inter­na­tio­nal Manage­ment Assi­s­tance an der Aka­de­mie für Wirt­schaft und Ver­wal­tung, Lipp­stadt
  • Aktu­el­le Funk­tio­nen: Per­so­nal Coach für Fach-und Füh­rungs­kräf­te, Autorin (Pseud­onym Katha­ri­na Münk)
  • Beruf­li­che Sta­tio­nen: Unter­neh­men in Han­del und Kon­sum, Indus­trie, Medi­en, Wer­bung, Ban­ken im In- und Aus­land
  • Auszeichnungen/Veröffentlichungen: Best­sel­ler bei Eich­born, cam­pus und dtv, dar­un­ter zwei Ver­fil­mun­gen („Die Insas­sen“, „Die Eis­läu­fe­rin“), Kolum­nen­schrei­be­rin für working@office