Zu den Gewin­nern der schwie­ri­gen letz­ten Mona­te zäh­len zwei­fel­los die ver­schie­de­nen Anbie­ter von Video­kon­fe­renz-Soft­ware. Wir haben sechs Lösun­gen für vir­tu­el­le Mee­tings in ihrer Gra­tis­ver­si­on unter die Lupe genom­men. Ger­rit Krä­mer stellt die Ergeb­nis­se vor.

Virtuelle Meetings halten während der Corona-Krise die unternehmensinterne Kommunikation am Laufen.  Abbildung: Pixabay

Vir­tu­el­le Mee­tings hal­ten wäh­rend der Coro­na-Kri­se die unter­neh­mens­in­ter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on am Lau­fen. Abbil­dung: Pixabay

Marktübersicht Videokonferenz

Markt­über­sicht Video­kon­fe­renz

Wie viel häu­fi­ger vir­tu­el­le Mee­tings in den letz­ten Mona­ten durch­ge­führt wor­den sind, zeigt unter ande­rem der Bericht „The 2020 Video Trends Report“ des ame­ri­ka­ni­schen Cloud-Dienst­leis­ters Vona­ge. Das Unter­neh­men hat dort ver­öf­fent­licht, wie vie­le Minu­ten des­sen Kun­den allein im März per Video­kon­fe­renz kom­mu­ni­ziert hat­ten. Der Wert lag um 232 Pro­zent höher als im Febru­ar. Beim Anbie­ter Zoom hat­te es im April ins­ge­samt knapp 300 Mil­lio­nen Teil­nah­men an Video­kon­fe­ren­zen pro Tag gege­ben. Im Dezem­ber 2019 waren es täg­lich gera­de ein­mal zehn Mil­lio­nen gewe­sen. So viel zur Theo­rie. Wir woll­ten aber auch wis­sen, was ein­zel­ne Lösun­gen in der Pra­xis leis­ten.

Zoom – Tool der Stunde

In der kos­ten­lo­sen Ver­si­on von Zoom sind Mee­tings ab drei Per­so­nen auf ein Zeit­li­mit von 40 Minu­ten beschränkt (maxi­ma­le Teil­neh­mer­zahl: 100). Eins-zu-Eins-Gesprä­che kön­nen unbe­grenzt lan­ge geführt wer­den. Der Host des Mee­tings muss ein Zoom-Kon­to anle­gen, alle ande­ren Teil­neh­mer kön­nen anschlie­ßend per Link ein­ge­la­den wer­den. Der Anbie­ter emp­fiehlt, das Pro­gramm auf dem Rech­ner zu instal­lie­ren. Wir sind dem gefolgt, denn so lie­ßen sich Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung der Video­kon­fe­renz mit weni­gen Klicks erle­di­gen.

Die Menü­füh­rung ist redu­ziert und intui­tiv, alle wich­ti­gen Fea­tures sind sofort sicht­bar: Kon­fe­ren­zen per Kalen­der pla­nen oder direkt star­ten, Mee­tings bei­tre­ten sowie Kon­tak­te hin­zu­fü­gen und ein­la­den. Wäh­rend der Kon­fe­renz Datei­en per Chat ver­schi­cken, den eige­nen Bild­schirm tei­len und ein vir­tu­el­les White­board ein­bin­den, hat pro­blem­los funk­tio­niert. Die Aus­wahl an vir­tu­el­len Hin­ter­grün­den hat in der Redak­ti­on für Lacher gesorgt, wenn der Kol­le­ge plötz­lich aus dem All grüßt.

Jitsi – so einfach

Die Open-Source-Lösung Jit­si hat uns durch ihre Ein­fach­heit voll über­zeugt. Der Nut­zer ist mit drei Schrit­ten am Ziel. Ers­ter Schritt: Auf die Jit­si-Web­sei­te sur­fen. Zwei­ter Schritt: Einen Mee­ting­raum per Ein­ga­be eines Kon­fe­renz­na­mens erstel­len und auf Go kli­cken. Im drit­ten Schritt wird per Klick ein Ein­la­dungs-Link gene­riert, den man dann an die Gesprächs­part­ner sen­det. Bei der Namens­ge­bung des Rau­mes emp­feh­len wir Krea­ti­vi­tät. Wenn Sie Ihr Mee­ting zum Bei­spiel nur „Test“ nen­nen, kön­nen Ihnen schnell unbe­ab­sich­tigt Frem­de begeg­nen, die ihre Bespre­chung auch Test genannt haben.

Jit­si ist nicht nur ein­fach zu bedie­nen, die Lösung kann auch vie­les: den Bild­schirm tei­len, par­al­lel einen Chat öff­nen und den Hin­ter­grund unscharf machen. Zudem las­sen sich Gesprä­che auf­zeich­nen und direkt in der Drop­box spei­chern. Der Anbie­ter gibt Mee­ting-Kapa­zi­tä­ten für bis zu 75 Per­so­nen an. Da die Ser­ver­ka­pa­zi­tä­ten der Open-Source-Lösung begrenzt sind, soll­ten aber nicht mehr als 25 bis 30 Teil­neh­mer ein­ge­la­den wer­den.

Google Meet – mit Konto

Vor­aus­set­zung für das seit Mai kos­ten­los nutz­ba­re Goog­le Meet ist ein Goog­le-Kon­to. Die Gra­tis­ver­si­on ermög­licht Mee­tings mit bis zu 100 Per­so­nen bei einer maxi­ma­len Dau­er von 60 Minu­ten. Laut Goog­le soll die zeit­li­che Beschrän­kung aber erst Ende Sep­tem­ber in Kraft tre­ten. Der Host mel­det sich über die Goog­le-Meet-Web­sei­te an und initi­iert dort das Mee­ting. Über einen But­ton wird der Ein­la­dungs­link gene­riert. Nach­dem ihm die Teil­neh­mer gefolgt sind, muss der Host den Zutritt zum Mee­ting gestat­ten. Das lief in unse­rem Test alles pro­blem­los.

Die Fea­tures sind in der Gra­tis­ver­si­on stark redu­ziert: Bild­schir­me tei­len und gemein­sam an in Goog­le-Docs hoch­ge­la­de­nen Doku­men­ten arbei­ten – mehr ist nicht mög­lich. Goog­le Meet bie­tet Enter­pri­se-Lösun­gen in ver­schie­de­nen Preis­stu­fen an, mit denen sich Teil­neh­mer­zahl und Funk­ti­ons­um­fang suk­zes­si­ve erhö­hen las­sen.

Microsoft Teams – sehr komplex

Wäh­rend der Coro­na-Kri­se hat Micro­soft für die kos­ten­lo­se Ver­si­on von Teams die Teil­neh­mer­be­gren­zung auf­ge­ho­ben: Bis zu 250 Per­so­nen kön­nen an einem Mee­ting teil­neh­men. Was wir hier als etwas ein­schrän­kend emp­fun­den haben, ist die Tat­sa­che, dass immer nur vier Per­so­nen gleich­zei­tig auf einem Bild­schirm gezeigt wer­den. Zum Hos­ten eines vir­tu­el­len Mee­tings ist ein Micro­soft-Kon­to nötig, die Teil­nah­me ist auch ohne ent­spre­chen­des Kon­to mög­lich. Die Menü­füh­rung in Teams hat sich aus unse­rer Sicht etwas unüber­sicht­lich und weni­ger intui­tiv gestal­tet als bei ande­ren Gra­tis­ver­sio­nen. Die­se Kom­ple­xi­tät ver­kom­pli­ziert den Pro­zess der Erstel­lung, Ein­la­dung und Durch­füh­rung von Kon­fe­ren­zen unnö­tig.

Zu den Gra­tis-Fea­tures zäh­len das Tei­len des Bild­schirms, das Benut­zen von Ein­zel- und Grup­pen­chats und der Aus­tausch von Daten über Kol­la­bo­ra­ti­ons­lö­sun­gen wie Drop­box. Wei­te­re Funk­tio­nen las­sen sich in ver­schie­de­nen Tarif­stu­fen frei­schal­ten.

Cisco Webex – sehr umfangreich

Web­ex von Cis­co bie­tet in der kos­ten­lo­sen Ver­si­on die Mög­lich­keit, vir­tu­el­le Mee­tings für bis zu 100 Per­so­nen ein­zu­be­ru­fen. Nur der Host benö­tigt ein ent­spre­chen­des Kon­to, alle wei­te­ren Teil­neh­mer kön­nen ein­ge­la­den wer­den und mit einem Klick bei­tre­ten. Sehr gut gefal­len hat uns die in die Gra­tis­ver­si­on inte­grier­te Kalen­der­funk­ti­on, die das Pla­nen von Mee­tings sehr kom­for­ta­bel macht. Die Soft­ware läuft als rei­ne Brow­ser­va­ri­an­te, eine Instal­la­ti­on auf dem Rech­ner ist optio­nal.

Die kos­ten­lo­sen Extras sind zahl­reich: teil­ba­rer Bild­schirm, gemein­sam nutz­ba­res White­board und Text­chats inklu­si­ve Ver­sand von Datei­en mit bis zu einem Giga­byte. Das Auf­zeich­nen von Video­kon­fe­ren­zen, ein grö­ße­res Cloud-Spei­cher­vo­lu­men und eine Teil­neh­mer­zahl von 200 Per­so­nen sind per Bezahl-Abo mög­lich.

LogMeIn – nur für vier

Goto Mee­ting von Log­MeIn bie­tet in der Gra­tis­ver­si­on Kon­fe­ren­zen mit einer maxi­ma­len Dau­er von 40 Minu­ten. Anders als bei den rest­li­chen von uns getes­te­ten, kos­ten­lo­sen Lösun­gen kön­nen sich hier maxi­mal vier Per­so­nen gleich­zei­tig bespre­chen. So eig­net sich Goto Mee­ting nur für wirk­lich klei­ne Teams oder Ein­zel­ge­sprä­che.

Die Gra­tis­ver­si­on ermög­licht ledig­lich das Tei­len von Bild­schir­men und einen Text­chat. Nach der Anmel­dung kann die Gra­tis­ver­si­on 14 Tage lang benutzt wer­den, danach wird ein kos­ten­pflich­ti­ges Upgrade fäl­lig, wel­ches die zeit­li­che Begren­zung auf­hebt, die Teil­neh­mer­zahl auf 250 erhöht und das Auf­zeich­nen von Mee­tings erlaubt.

Unsere Favoriten

Die Bild- und Ton­qua­li­tät war bei allen getes­te­ten Anwen­dun­gen über­zeu­gend, mit leich­ten Vor­tei­len bei den Lösun­gen von Micro­soft und Goog­le. Ins­ge­samt wuss­te uns aber vor allem Jit­si zu begeis­tern. Der Nut­zer muss sich nir­gend­wo regis­trie­ren, es ist kei­ne Soft­ware-Instal­la­ti­on nötig und das Mee­ting lässt sich fix star­ten. Cis­co Web­ex, Zoom und Goog­le Meet wis­sen mit klu­gen Fea­tures und intui­ti­ver Bedie­nung zu über­zeu­gen und bele­gen bei uns gemein­sam den zwei­ten Rang. Die Kom­ple­xi­tät von Micro­soft Teams könn­te vie­le spon­ta­ne Benut­zer abschre­cken.