Umwelt­be­wusst­sein ist kein Life­style, son­dern eine gesell­schaft­li­che Bewe­gung, die alle Berei­che des Lebens berührt – auch das Büro. Was „öko“ im Büro wirk­lich bedeu­tet, erläu­tert die Kul­tur­anthro­po­lo­gin Lena Papas­ab­bas vom Zukunfts­in­sti­tut in Frank­furt am Main.

Nachhaltigkeit ist mehr als Oberfläche. Abbildung: Annie Spratt/Unsplash

Nach­hal­tig­keit ist mehr als Ober­flä­che. Abbil­dung: Annie Spratt/Unsplash

Heu­te wird öko zum Stan­dard für die Mas­se. Dage­gen gel­ten nicht-bio-zer­ti­fi­zier­te, unfai­re oder ein­deu­tig umwelt­schäd­li­che Pro­duk­te als ver­pönt. Inzwi­schen fin­den sich selbst bei Dis­coun­tern nicht mehr nur Bio-Pro­duk­te, son­dern vie­le Waren, die über die­se Stan­dards hin­aus­ge­hen. Weni­ger und dafür bes­ser, lau­tet das Cre­do einer neu­en pro­gres­si­ven Kon­sum­kul­tur. Genuss ent­kop­pelt sich von Ver­schwen­dung. Vie­le Din­ge kau­fen wir, um sie im Kel­ler zu ver­ges­sen oder direkt auf die Müll­hal­de zu kip­pen. Der Trend zu Mini­ma­lis­mus und Acht­sam­keit ergibt sich aus einem Über­druss am Über­fluss. Die­ser Trend endet nicht beim Wochen­ein­kauf. Er erreicht jetzt die Büros.

Der Arbeitsplatz wird öko

Immer mehr Men­schen wol­len ihren nach­hal­ti­gen Lebens­stil nicht auf die eige­nen vier Wän­de beschrän­ken. Jobs, die einen Mehr­wert für die Gesell­schaft erzeu­gen, ste­hen hoch im Kurs, beson­ders bei den Genera­tio­nen Y und Z. Das Büro selbst gerät in den Fokus. Unter­neh­men, die sich nach außen grün und fair geben, aber in der Unter­neh­mens­kul­tur kei­nen Gedan­ken an Umwelt oder Diver­si­ty ver­schwen­den, ris­kie­ren ihre Glaub­wür­dig­keit und damit die Treue ihrer Mit­ar­bei­ter. Klei­nig­kei­ten machen den Unter­schied: Ist das Papier zer­ti­fi­ziert? Ent­hält die Sei­fe Mikro­plas­tik? Gibt es vega­nes Essen in der Kan­ti­ne?

Das nachhaltige Büro

Büros wer­den immer nach­hal­ti­ger: Die GLS Bank betreibt einen Dach­gar­ten, auf dem Honig­bie­nen leben. Sie wer­den von einem Mit­ar­bei­ter und Hob­by-Imker betreut. Die Unter­neh­mens­be­ra­tung Mai­born­Wolff setzt alle Gerich­te bei Fir­men­ver­an­stal­tun­gen per Default auf vege­ta­risch, küm­mert sich um CO2-Neu­tra­li­tät und sorgt dafür, dass die Mit­ar­bei­ter in der umlie­gen­den Gas­tro­no­mie ihre Tup­per­ware zum Take-away mit­brin­gen kön­nen. Den Mit­ar­bei­tern der WBM Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft Ber­lin-Mit­te steht sogar ein Gemein­schafts­gar­ten zur Ver­fü­gung, des­sen Ern­te in gemein­sa­men Mit­tags­pau­sen ver­kocht wird. Das ist nicht nur umwelt­freund­lich, es ist gesund und stärkt den Team­geist.

Bahncard statt Firmenwagen

Pro­gres­si­ve Unter­neh­men bie­ten ihren Mit­ar­bei­tern die Wahl: Fir­men­wa­gen oder E-Bike. Oder set­zen wenigs­tens auf Elek­tro-Flot­ten. Eine Bahn­card ist heu­te für vie­le jun­ge Men­schen attrak­ti­ver als ein Fir­men­wa­gen. Die Mög­lich­kei­ten, im Klei­nen nach­hal­ti­ger zu wer­den, sind zahl­reich: Büros sind gute Orte für Food-Sharing, fai­ren Bio-Kaf­fee und Öko­strom. Es gibt öko­lo­gi­sche Such­ma­schi­nen wie Eco­sia und nach­hal­ti­ge Web­hos­ter wie Mani­tu oder Bio­host. Druck­pa­pier und Ein­mal-Hand­tü­cher sind in recy­cel­ten Ver­sio­nen ver­füg­bar, und Büro­mö­bel kön­nen gebraucht gekauft wer­den.

Wer glaubt, Nach­hal­tig­keit erschöp­fe sich im Umwelt­schutz, hat den Zeit­geist nicht ver­stan­den. Fair­ness und sozia­le Gerech­tig­keit gehö­ren dazu. So wird ein Büro, das zwar öko ist, aber sei­ne Zulie­fe­rer schlecht behan­delt oder Frau­en schlech­ter bezahlt als Män­ner, nicht als nach­hal­tig durch­ge­hen. Die Nach­hal­tig­keit der Zukunft ist ganz­heit­lich.

Lena Papasabbas

Lena Papasabbas,

Kul­tur­anthro­po­lo­gin,  Spea­ke­rin,
Zukunfts­in­sti­tut GmbH.
zukunftsinstitut.de