Office-History: „Web, Web, hurra!“ – Das Internet wird 50

  • Office-History: „Web, Web, hurra!“ – Das Internet wird 50

    Heu­te vor 50 Jah­ren wur­de der Grund­stein für das Netz der Net­ze gelegt: das World Wide Web, ohne das die post­mo­der­ne Büro­ar­beit nicht mehr funk­tio­nie­ren wür­de. Zeit für einen Rück­blick.

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    Der ers­te Kno­ten­punkt des­sen, was wir heu­te als Inter­net bezeich­nen, nahm am 30. August 1969 an der Uni­ver­si­tät von Los Ange­les sei­nen Betrieb auf. Er bil­de­te die Keim­zel­le einer tech­ni­schen Ent­wick­lung, die trotz ihres heu­te 50-jäh­ri­gen Jubi­lä­ums gera­de erst begon­nen hat, und in der jedes Note­book, Smart­pho­ne oder Tablet eine wei­te­re Zel­le bil­det. Inner­halb des letz­ten Jahr­zehnts ist das Inter­net über­all zu einer Selbst­ver­ständ­lich­keit gewor­den, die sowohl das pri­va­te als auch das beruf­li­che Leben bestimmt und aus bei­den Berei­chen nicht mehr weg­zu­den­ken ist. Die bloß vir­tu­el­le und die ding­li­che Welt gehen dabei zuneh­mend inein­an­der über.

    Kleiner Anfang einer großen Sache

    Ursprüng­lich war alles jedoch etwas klei­ner geplant. Gera­de ein­mal vier Uni­ver­si­tä­ten in den USA soll­te das soge­nann­te Arpa­net, der Vor­läu­fer des Inter­nets, mit­ein­an­der ver­bin­den, als die Plä­ne für eine Ver­net­zung von Com­pu­tern Ende der 1960er-Jah­re Gestalt annah­men. „Die Köp­fe hin­ter dem Arpa­net hat­ten die Visi­on, Com­pu­ter mit­ein­an­der zu ver­net­zen, um den wis­sen­schaft­li­chen Aus­tausch vor­an­zu­brin­gen. Sie stell­ten dabei die bis dato gül­ti­gen Regeln der Punkt-zu-Punkt-Kom­mu­ni­ka­ti­on auf den Kopf“, fin­det Bit­kom-Prä­si­dent Achim Berg.

    Am 1. Okto­ber 1969 wur­de der zwei­te Kno­ten­punkt in Stan­ford instal­liert. Es dau­er­te bis Dezem­ber, bis auch San­ta Bar­ba­ra und die Uni­ver­si­tät von Utah ange­schlos­sen wur­den. Die Mit­tel für die­se Keim­zel­len des Net­zes kamen aus der staat­li­chen Advan­ced Rese­arch Pro­jec­ts Agen­cy (ARPA), wel­che die tech­no­lo­gi­sche Über­le­gen­heit der USA gegen­über der Sowjet­uni­on för­dern soll­te. Obwohl nach dem Start des Arpa­net 1969 schritt­wei­se zusätz­li­che Kno­ten­punk­te hin­zu­ka­men, dau­er­te es noch drei Jah­re, bis sich das Wachs­tum wesent­lich beschleu­nig­te.

    Der Brief wird digital im Internet

    1971 prä­sen­tier­te der Infor­ma­ti­ker Ray­mond „Ray“ Tom­lin­son ein Pro­gramm, mit wel­chem sich Nach­rich­ten über das Netz über­tra­gen lie­ßen. Zur Unter­schei­dung von Adres­sa­ten und Com­pu­ter wähl­te er ein Trenn­zei­chen, das in der Schrift­spra­che nicht ver­wen­det wur­de, ein klei­nes „a“ mit einem umlau­fen­den Bogen: @. Die E-Mail war gebo­ren. Der Inhalt der ers­ten E-Mail ist übri­gens unbe­kannt. Selbst Tom­lin­son, der 2016 ver­starb, konn­te sich nicht mehr dar­an erin­nern. Mit der E-Mail wur­de 1972 eine ers­te für jeder­mann nach­voll­zieh­ba­re Anwen­dung des damals noch jun­gen Net­zes vor­ge­stellt. Der Grund­stein für die Ver­bin­dung von Men­schen war gelegt.

    Vom Arpanet zum World Wide Web

    1989 ent­stand schließ­lich das World Wide Web an der For­schungs­ein­rich­tung CERN in der Schweiz – auf Basis der bereits vor­han­de­nen Ver­net­zung der Com­pu­ter. Frus­triert über die Schwie­rig­kei­ten beim Auf­fin­den und Aus­tau­schen von For­schungs­er­geb­nis­sen, bau­te der bri­ti­sche Phy­si­ker und Infor­ma­ti­ker Tim Ber­ners-Lee ein digi­ta­les Hyper­text­sys­tem auf, das er Word Wide Web nann­te. Er erstell­te ein Geflecht aus digi­ta­len Sei­ten, die er durch „Links“ mit­ein­an­der ver­knüpf­te. Mit einem Maus­klick konn­te man nun zu immer neu­en Infor­ma­tio­nen gelan­gen: ein wei­te­rer Mei­len­stein. Obwohl sei­ne Kol­le­gen durch die im Eng­li­schen zun­gen­bre­che­ri­sche Abkür­zung WWW den Erfolg des Pro­jekts gefähr­det sahen, wuchs das Sys­tem rasend schnell, nach­dem es 1991 von der CERN offi­zi­ell frei­ge­ben wor­den war. Heu­te ist das World Wide Web so selbst­ver­ständ­lich mit dem Inter­net ver­bun­den, dass es von den meis­ten Men­schen mit die­sem gleich­ge­setzt wird. Die ers­te Web­site lässt sich übri­gens heu­te noch auf­ru­fen.

    Internet-Meilenstein: Daten in der Cloud

    Ab dem Ende der 1990-Jah­re war es per Soft­ware-as-a-Ser­vice (SaaS) mög­lich gewor­den, Soft­ware und Daten zu nut­zen, ohne dass die­se auf dem eige­nen Com­pu­ter vor­ge­hal­ten wer­den muss­ten. Zum eige­nen Netz­werk gehö­ren­de Sys­te­me, die man jedoch extern betrieb, wur­den durch den Umriss einer Wol­ke sym­bo­li­siert. Heu­te ist es selbst­ver­ständ­lich, dass Daten auf Ser­vern welt­weit gespei­chert wer­den. Hier­zu stel­len Dienst­leis­ter Ser­ver als vir­tu­el­le Rechen­zen­tren zur Ver­fü­gung. Das durch die­se Ser­ver gebil­de­te Netz wird Cloud genannt. Die Vor­tei­le der Cloud sind erheb­lich: Ein exter­ner Daten­spei­cher­ort garan­tiert bei inter­nen Sys­tem­ab­stür­zen eine kom­plet­te Wie­der­her­stel­lung aller digi­ta­ler Daten. Außer­dem kann zu jeder Zeit von jedem Ort aus auf die Daten zuge­grif­fen wer­den. Durch die Aus­la­ge­rung von Daten kann der Strom­ver­brauch gesenkt und der phy­si­sche Platz im eige­nen Büro erhöht wer­den. Nach­tei­le lie­gen im Daten­schutz (bei Ser­vern in Län­dern außer­halb der EU) sowie in der nicht immer garan­tier­ten Netz­werk­sta­bi­li­tät.

    Von 4 auf 4 Milliarden

    Es begann als Ver­bin­dung zwi­schen vier Uni­ver­si­tä­ten und wur­de zu einem Welt­phä­no­men: Im ver­gan­ge­nen Jahr war nach Zah­len der Inter­na­tio­nal Telecom­mu­ni­ca­ti­ons Uni­on (ITU) erst­mals mehr als die Hälf­te der Welt­be­völ­ke­rung online. Dem­nach nutz­ten 2018 rund 3,9 Mil­li­ar­den Men­schen das Inter­net. 2001, als die­se Zah­len erst­mals erho­ben wur­den, waren es gera­de ein­mal 495 Mil­lio­nen oder acht Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung. In Deutsch­land nut­zen nach Zah­len der EU-Sta­tis­tik­be­hör­de Euro­stat 92 Pro­zent der Men­schen in der Alters­grup­pe zwi­schen 16 und 74 Jah­ren das Inter­net – das ent­spricht 57 Mil­lio­nen Nut­zern. „Nie­mand konn­te vor 50 Jah­ren ahnen, wie sehr die­ses Vor­ha­ben die Welt ver­än­dern wür­de“, sagt Bit­kom-Prä­si­dent Berg. Mit dem nun auf­kom­men­den Inter­net der Din­ge (Iot) wird das Netz immer unab­hän­gi­ger vom Nut­zer. Die Geschich­te des Inter­nets schreibt sich von selbst wei­ter. Wie die nächs­ten Kapi­tel aus­se­hen, kön­nen selbst Zukunfts­for­scher nur erah­nen.