OFFICE PIONEERS Prof. Jan Teunen & Dr. Christoph Quarch: Wo das Kostbare geschützt wird. Büros der Zukunft sind Orte für Menschen

Prof. Jan Teu­nen und Dr. Chris­toph Quarch sind Office Pionee­re, wie sie im Buche ste­hen. Mit die­sem Bei­trag sind der Cul­tu­ral Capi­tal Pro­du­cer sowie der Phi­lo­soph und Autor eben­falls in dem jüngst erschie­ne­nen Band »OFFICE PIONEERS: Aus­bli­cke auf das Büro 2030« präsent.

Prof. Jan Teunen (Cultural Capital Producer, Geschäftsführer Teunen Konzepte GmbH, Schloss Johannisberg), Dr. Christoph Quarch (Philosoph, Autor, Denkbegleiter für Unternehmen, Gründer von akademie_3. Die neue Platonische Akademie). Abbildung Dr. Christoph Quarch: Ulrich Mayer

Prof. Jan Teu­nen (Cul­tu­ral Capi­tal Pro­du­cer, Geschäfts­füh­rer Teu­nen Kon­zep­te GmbH, Schloss Johan­nis­berg), Dr. Chris­toph Quarch (Phi­lo­soph, Autor, Denk­be­glei­ter für Unter­neh­men, Grün­der von akademie_3. Die neue Pla­to­ni­sche Aka­de­mie). Abbil­dung Dr. Chris­toph Quarch: Ulrich Mayer

Bücher waren im Mit­tel­al­ter sel­ten. Und so sel­ten sie waren, so kost­bar waren sie auch. Müh­sam wur­den sie in den Skrip­to­ri­en der Klös­ter durch eif­ri­ge Mön­che von Hand kopiert. Uraltes Wis­sen wur­de so vor der Ver­ges­sen­heit bewahrt, Schät­ze des Geis­tes über die Zei­ten geret­tet. Die Mön­che wuss­ten das. Ihnen war wich­tig, mit ihren papier­nen Schät­zen sorg­sam umzu­ge­hen. Des­halb leg­ten sie die oft rie­si­gen Foli­an­ten bei ihren Schreib­ar­bei­ten behut­sam auf ein Filz­tuch, das aus dem­sel­ben Stoff gefer­tigt war wie die Kut­te, die sie tru­gen: ihre bur­ra. So ent­stand vor hun­der­ten von Jah­ren das Büro. Denn tat­säch­lich rührt das Wort, das heu­te für den Arbeits­raum ver­wen­det wird, ursprüng­lich von bur­ra her. Das bureau des 18. Jahr­hun­derts war zunächst ein mit Stoff bespann­ter Tisch, spä­ter dann der Schreib­tisch und zuletzt der Raum, in dem ein Schreib­tisch steht: das Büro. War­um die­se Geschichte?

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Will man das Wesen von etwas ver­ste­hen, tut man gut dar­an, sich sei­nem Ursprung zuzu­wen­den. Am Anfang tritt oft klar her­vor, was der Sinn von etwas ist: war­um es geschaf­fen wur­de, sein Pur­po­se oder sein Why, um dem Busi­ness-Speech der Gegen­wart Tri­but zu zol­len. Das gilt auch für das Büro, über des­sen Wei­ter­ent­wick­lung und Opti­mie­rung der­zeit viel geschrie­ben und gere­det wird, des­sen eigent­li­cher Sinn jedoch oft aus­ge­blen­det bleibt. Dabei scheint ein Nach­den­ken dar­über, was der Sinn des Büros ist, gera­de in einer Zeit beson­ders gebo­ten, die durch einen rasan­ten Wan­del der Arbeits­welt geprägt ist – mehr noch: durch eine rasan­te Trans­for­ma­ti­on der Welt im Gan­zen, die durch die Coro­na-Pan­de­mie zusätz­lich beschleu­nigt wur­de. Die­sen Hori­zont muss sich vor Augen füh­ren, wer sich anschickt, über Sinn und Wesen des Büros zu räsonieren.

Funktionalisierung und Digitalisierung

Zwei gro­ße Trends bestim­men die Arbeits­welt der Gegen­wart: Funk­tio­na­li­sie­rung und Digi­ta­li­sie­rung. Bei­de Trends grei­fen inein­an­der und hin­ter­las­sen in Büros unüber­seh­ba­re Spu­ren. Denn mit der Wei­se des Wirt­schaf­tens ändert sich auch des­sen Mas­ter­tool: Das Büro der Gegen­wart ist nicht mehr das, was es vor fünf­zig Jah­ren war: ein Ort für Schreib­ar­bei­ten und Daten­ab­la­gen, an dem meist weib­li­che Arbeits­kräf­te auf Schreib­ma­schi­nen tipp­ten, in Kar­tei­käs­ten kram­ten und Leitz-Ord­ner füll­ten. Akten­schrän­ke und Kar­tei­kar­ten sind längst aus den Büros ver­schwun­den. Statt der Schreib­ma­schi­nen triff t man dort auf Tablets oder PCs. Es ist luf­ti­ger gewor­den, dyna­mi­scher, viel­leicht auch käl­ter – vor allem aber funk­tio­na­ler und digitaler.
Was bedeu­tet Funk­tio­na­li­tät? Funk­tio­na­li­tät ist streng genom­men ein tech­ni­scher Wert. Eine Maschi­ne muss funk­tio­nie­ren. Nur dann ist sie eine gute Maschi­ne. Funk­tio­niert sie nicht, ist sie wert­los. Doch blo­ßes Funk­tio­nie­ren ist noch nicht genug. Gut ist eine Maschi­ne erst dann, wenn sie effi­zi­ent und effek­tiv funk­tio­niert – und das bedeu­tet in der Welt von Unter­neh­men: pro­duk­tiv und pro­fi­ta­bel. Ange­wandt auf das Büro führt die­se Denk­wei­se dazu, dass bei des­sen Ein­rich­tung und Aus­stat­tung meist Kos­ten­er­wä­gun­gen die zen­tra­le Rol­le spie­len; und die Fra­ge, wie gewähr­leis­tet wer­den kann, dass die in ihm ver­or­te­ten Arbeits­pro­zes­se mög­lichst rei­bungs­los und ziel­ge­rich­tet aus­ge­führt wer­den können.


„Men­schen brau­chen ein Ambi­en­te, das nicht ein funk­tio­na­ler Tot­raum ist, son­dern ein Ort ganz­heit­lich emp­fun­de­ner Leben­dig­keit: ein Gewächs­haus und nicht eine Maschine.“

Prof. Jan Teu­nen & Dr. Chris­toph Quarch


Hier ver­bin­det sich der funk­tio­na­le Impe­ra­tiv mit dem Gebot der Digi­ta­li­sie­rung. Viel ist die Rede von Indus­trie 4.0 und smar­ten Büros. Gemeint ist eine zuneh­men­de Auto­ma­ti­sie­rung und Ratio­na­li­sie­rung auch sol­cher Arbei­ten, die bis­lang von Büro­kräf­ten aus­ge­führt wur­den. Der Ein­satz Künst­li­cher Intel­li­genz und avan­cier­ter Robo­ter­tech­nik wird vom Tele­fo­nis­ten bis zur Buch­hal­te­rin vie­le tra­di­tio­nel­le Büro­tä­tig­kei­ten ver­schwin­den las­sen. Auch Bespre­chun­gen und Mee­tings wer­den zuneh­mend in vir­tu­el­le Räu­me ver­legt – ein Trend, der durch die Coro­na-Pan­de­mie expo­nen­ti­ell beschleu­nigt wur­de. Die Visi­on eines Büros, das aus nicht mehr besteht als einem Smart­pho­ne, einem Tablet und einer Vir­tu­al-Rea­li­ty-Bril­le, ist längst nicht mehr pure Science-Fiction.

Wo bleibt der Mensch?

Führt man sich die­se Visi­on vor Augen, über­kommt den einen oder die ande­re jedoch ein gewis­ses Unbe­ha­gen, das sich zu der Fra­ge ver­dich­tet: Wo bleibt hier eigent­lich … der Mensch? Ist das durch­funk­tio­na­li­sier­te und durch­t­ech­ni­sier­te Büro um des Men­schen wil­len da? Oder ist der Mensch dar­in eben­so Teil einer kom­ple­xen, digi­tal opti­mier­ten und auf Ertrags­ma­xi­mie­rung ange­leg­ten Appa­ra­tur – Bau­teil einer Maschi­ne, deren Impe­ra­ti­ven er unter­wor­fen ist und die ihn dar­auf redu­ziert, funk­tio­nie­ren zu müs­sen? Was, so darf man fra­gen, ist denn eigent­lich das Kost­ba­re, das in einem digi­ta­li­sier­ten, rein funk­tio­na­len Büro geschützt und bewahrt wer­den muss?

Die Ant­wort kann nur sein: der Mensch. Doch gera­de der scheint in den funk­tio­na­len, tech­ni­sier­ten Büros der Gegen­wart oft zu kurz zu kom­men. Die Fol­gen las­sen sich nicht län­ger über­se­hen: Psy­chi­sche Erkran­kun­gen, Unzu­frie­den­heit, Dro­gen – die Zahl der Men­schen, die unter ihrer Arbeit lei­den oder inner­lich gekün­digt haben, hat seit Beginn des Tri­umph­zugs digi­ta­ler Tech­no­lo­gien um das Jahr 2000 kon­stant zuge­nom­men. Die rei­ne Funk­tio­na­li­tät sei­ner Arbeits­um­ge­bung bekommt dem Men­schen nicht. Sie spricht nicht zu ihm, geht ihn nichts an. Auch wer nicht unmit­tel­bar dar­un­ter lei­det, büßt mit­tel­fris­tig Qua­li­tä­ten ein, die eigent­lich von ihm erwar­tet wer­den dür­fen: Leis­tungs­fä­hig­keit, Krea­ti­vi­tät, Begeis­te­rung. Nichts von alle­dem kann sich ent­fal­ten, wo die Arbeits­um­ge­bung zu einem Tot­raum erstarrt ist. Das Kost­bars­te, der Mensch, ver­welkt dar­in wie eine Blu­me ohne Was­ser. Was ist zu tun?

Eine Ant­wort gibt der bri­ti­sche Unter­neh­mer Richard Bran­son: »Behan­deln Sie Men­schen wie Blu­men«, sagt er und erklärt: »Sie gedei­hen nur, wenn sie regel­mä­ßig gegos­sen und pfleg­lich behan­delt wer­den.« Auch dm-Grün­der Götz Wer­ner meint, eine Füh­rungs­kraft müs­se sich als einen Gärt­ner sehen, »der für sein Saat­gut opti­ma­le Bedin­gun­gen schafft«. Das heißt: Büros müs­sen zu Orten der Leben­dig­keit wer­den, zu Orten mensch­li­chen Wachs­tums und mensch­li­cher Poten­zi­a­l­ent­fal­tung. Denn nur wenn sich die Men­schen in ihm ent­fal­ten kön­nen, wird auch ein Unter­neh­men dau­er­haft pro­spe­rie­ren. Funk­tio­na­li­tät allein ist kein Garant für unter­neh­me­ri­schen Erfolg. Nach­hal­tig erfolg­reich ist ein Unter­neh­men nur, wenn es sei­ne kost­bars­ten Res­sour­cen nicht acht­los ver­schleu­dert: die Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit und Begeis­te­rungs­fä­hig­keit der in ihm arbei­ten­den Men­schen. Die­se aber brau­chen Nah­rung. Sie brau­chen ein näh­ren­des Kli­ma, Anspra­che und Zuspruch. Sie brau­chen einen Geist, der sie begeis­tert. Und sie brau­chen Schön­heit, die sie inner­lich erblü­hen lässt. Kurz: Sie brau­chen ein Ambi­en­te, das gera­de nicht ein funk­tio­na­ler Tot­raum ist, son­dern ein Ort ganz­heit­lich emp­fun­de­ner Leben­dig­keit: ein Gewächs­haus und nicht eine Maschine.

Von Ingenieur zum Gärtner

Hier öff­net sich ein neu­ar­ti­ges Arbeits­feld für Füh­rungs­kräf­te. Wenn ihnen um ein nach­hal­ti­ges und ver­läss­li­ches Wachs­tum des Unter­neh­mens zu tun ist, dann muss sich ihre Denk­wei­se grund­le­gend wan­deln. Nicht län­ger soll­ten sie sich als Inge­nieu­re ver­ste­hen, die mit­hil­fe von Plä­nen, Quar­tals­zah­len, KPIs und irgend­wel­chen Tools die Pro­duk­ti­vi­tät und Funk­tio­na­li­tät einer Maschi­ne zu opti­mie­ren haben. Viel­mehr wer­den sie sich als Hüter eines leben­di­gen Orga­nis­mus begrei­fen: als Gärt­ne­rin­nen und Gärt­ner, die sich selbst­re­dend um ein soli­des Wachs­tum bemü­hen und dafür gern auch auf Werk­zeu­ge und Maschi­nen zugrei­fen – durch­aus auch auf KIs oder Robo­ter –, aber bei alle­dem doch nicht ver­ges­sen, dass wich­ti­ger als das mone­tä­re Wachs­tum das mensch­li­che Wachs­tum ist. Weil der Mensch das Kost­ba­re ist, um des­sent­wil­len Unter­neh­men da sind – und nicht umgekehrt.

Die Schreibmaschinen im Büro wurden durch Computer ersetzt. Nun darf der Mensch nicht auf der Strecke bleiben. Abbildung: Florian Klauer, Unsplash

Die Schreib­ma­schi­nen im Büro wur­den durch Com­pu­ter ersetzt. Nun darf der Mensch nicht auf der Stre­cke blei­ben. Abbil­dung: Flo­ri­an Klau­er, Unsplash

Men­schen sind kom­ple­xe Wesen. Sie sind mehr als blo­ße Nut­zen­op­ti­mie­rungs-Algo­rith­men, wie neu­er­dings ein mis­an­thro­pes Men­schen­bild behaup­tet, das nicht mehr anders zu den­ken ver­mag, als in den Kate­go­rien einer funk­tio­na­lis­ti­schen Maschi­nen­ma­trix. Ihr gegen­über ist ältes­tes und zugleich von den zeit­ge­nös­si­schen Lebens­wis­sen­schaf­ten bestä­tig­tes neu­es­tes Mensch­heits­wis­sen in Erin­ne­rung zu rufen: Der Mensch ist nicht nur ein ratio­na­les, wol­len­des, auf Nut­zen­ma­xi­mie­rung bedach­tes Ego mit einem Kör­per, son­dern er ist immer auch eine füh­len­de See­le und ein schöp­fe­ri­scher Geist.

Beschäf­tig­te sind des­halb immer mehr als blo­ße Funk­ti­ons­trä­ger und Human Resour­ces, deren wol­len­des Ego durch Incen­ti­ves, Boni oder ande­re Anrei­ze nutz­bar gemacht wer­den kann. Sie sind auch leib­li­che Wesen, deren Gesund­heit für ihre Leis­tungs­fä­hig­keit und ihr Wohl­erge­hen von größ­ter Bedeu­tung ist. Des­halb spie­len Ergo­no­mie, Licht und Luft­zu­fuhr sowie ande­re phy­si­sche Fak­to­ren bei der Ein­rich­tung von Büros eine zen­tra­le Rol­le. Doch hie­ße es den Men­schen in sei­ner Ganz­heit­lich­keit unter­bie­ten, woll­te man es dabei belas­sen. Als see­li­sche und geis­ti­ge Wesen brau­chen Men­schen dar­über hin­aus emo­tio­na­le Anspra­che. Sie sind von Sinn­fra­gen bewegt und wol­len begeis­tert wer­den. »Der Wil­le zum Sinn bestimmt unser Leben!«, sagt der gro­ße Psy­cho­lo­ge und Psych­ia­ter Vik­tor Frankl und stellt fest: »Wer Men­schen moti­vie­ren will und Leis­tung for­dert, muss Sinn­mög­lich­kei­ten bie­ten.« Sinn­mög­lich­kei­ten aber öff­nen sich dem Men­schen nur in einem kul­tu­rel­len Umfeld, das Funk­tio­na­li­tät durch Schön­heit über­wölbt. Das Mas­ter­tool dafür ist Kunst.

Über die Fra­ge, was Kunst ihrem Wesen nach ist, lässt sich treff­lich strei­ten. Wie sie auf Men­schen wirkt, kann man hin­ge­gen deut­li­cher bestim­men: »Jedes ech­te Kunst­werk«, sag­te der Phi­lo­soph Georg Wil­helm Fried­rich Hegel, »ist eine Fra­ge, eine Anre­de an die wider­klin­gen­de Brust«. Das heißt: Kunst spricht Men­schen an, sie lädt sie ein zu einer Kon­ver­sa­ti­on, stellt Fra­gen, pro­vo­ziert, lässt ver­wei­len. Sie ist nicht nur an den Ver­stand des Men­schen adres­siert, son­dern viel­mehr an sein Gefühl und sein Emp­fin­den. Ihre Anspra­che ist ganz­heit­lich – des­halb ist sie imstan­de, Men­schen in der Tie­fe zu begeis­tern oder zu besee­len. Wer begeis­tert und beseelt ist, sucht nach Aus­drucks­for­men, etwas von dem mit­zu­tei­len, was ihm wider­fah­ren ist. Krea­ti­vi­tät und Lei­den­schaft wer­den von Kunst ent­facht. Men­schen füh­len sich ener­ge­ti­siert und moti­viert, wo sie in einem kunst­durch­wirk­ten Umfeld arbeiten.


„Der Mensch ist nicht nur ein ratio­na­les, wol­len­des, auf Nut­zen­ma­xi­mie­rung bedach­tes Ego mit einem Kör­per, son­dern immer auch eine füh­len­de See­le und ein schöp­fe­ri­scher Geist.“

Prof. Jan Teu­nen & Dr. Chris­toph Quarch


Krea­ti­vi­tät und Unver­wech­sel­bar­keit aber wer­den im digi­ta­len Zeit­al­ter zu den wich­tigs­ten Allein­stel­lungs­merk­ma­len und ent­schei­den­den Wett­be­werbs­vor­tei­len von Unter­neh­men. Des­halb tun sie gut dar­an, schon heu­te ihre Büros mit Kunst anzu­rei­chern und dadurch ein Gegen­wicht zur Funk­tio­na­li­sie­rung und Digi­ta­li­sie­rung zu schaf­fen. Weit­bli­cken­de Unter­neh­mer und Füh­rungs­kräf­te wis­sen das. Mar­li Hop­pe-Rit­ter zum Bei­spiel, die als Mit­ei­gen­tü­me­rin eines bekann­ten Scho­ko­la­den­pro­du­zen­ten dar­auf ver­weist, dass Men­schen in Unter­neh­men »in einer Zah­len­welt« leben: »Man denkt immer nur stra­te­gisch und auf Effi­zi­enz aus­ge­rich­tet. Die Kunst dient als Gegenpol.«

Allein damit aber ist es nicht getan. Kunst kann ihre ener­ge­ti­sie­ren­de und näh­ren­de Wir­kung nur ent­fal­ten, wenn sie in eine Unter­neh­mens­kul­tur ein­ge­bet­tet ist, in der die Füh­rungs­kräf­te die Begeg­nung mit der Kunst unter­stüt­zen und för­dern. Der Umgang mit Kunst muss erklärt, das Gespräch mit ihr gepflegt wer­den. Dazu braucht es eine krea­tiv­künst­le­ri­sche Kom­pe­tenz, die in Unter­neh­men oft fehlt und dort­hin ver­mit­telt wer­den soll­te. Was das bedeu­tet, haben wir in unse­rem Buch »Wo die See­le singt« dargestellt.

Gera­de jetzt, da die Welt sich lang­sam von den Fol­gen einer ver­hee­ren­den Pan­de­mie erholt, kommt es ent­schei­dend dar­auf an, dass Unter­neh­men umden­ken, sich von der Maschi­nen­ma­trix ver­ab­schie­den und einer Matrix leben­di­ger Orga­nis­men zuwen­den. Es ist an der Zeit, sich klar zu machen, dass der Erfolg eines Unter­neh­mens nicht allein am mone­tä­ren und mate­ri­el­len, son­dern eben­so am mensch­li­chen Wachs­tum bemes­sen wer­den muss. Des­halb ist die Ent­wick­lung des Unter­neh­mens zu einem Kul­tur­raum das Gebot der Stun­de. Für deren Gelin­gen braucht es vor allem dia­lo­gi­sche Kom­pe­tenz: die Fähig­keit, Begeg­nun­gen zu ermög­li­chen zwi­schen Mensch und Mensch, aber auch zwi­schen Mensch und Raum, wie sie ver­mit­telt durch Kunst und avan­cier­te Raum­kon­zep­te mög­lich wer­den. Das Büro rückt damit in den Fokus avan­cier­ter Füh­rungs­kunst. Durch sei­ne Auf­la­dung mit Kunst, sei­ne kul­tu­rel­le und poe­ti­sche Ener­ge­ti­sie­rung wird es mög­lich, Funk­tio­na­li­tät und digi­ta­le Tech­nik durch einen Kul­tur­raum zu über­wöl­ben, sodass ein inno­va­ti­ver, moti­vie­ren­der, ja begeis­tern­der Geist in Unter­neh­men ein­zie­hen kann.

Wo das geschieht, wer­den Büros wie­der zu dem, was sie ihrem Wesen nach sind: Orte, an denen das Kost­ba­re, ja das Kost­bars­te geschützt wird: der Mensch, die mensch­li­che Leben­dig­keit. Büros in Kul­tur­räu­me zu trans­for­mie­ren, in denen Leben erblü­hen und Poten­zia­le sich ent­fal­ten kön­nen, ist viel mehr als ein Luxus, den man sich zu guten Zei­ten leis­ten kann: Es ist die Grund­la­ge, ohne die man nicht auf gute Zei­ten hof­fen sollte.

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OFFICE PIONEERS: Ausblicke auf das Büro 2030. Visionen. Chancen. Herausforderungen.

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„OFFICE PIONEERS: Aus­bli­cke auf das Büro 2030. Visio­nen. Chan­cen. Her­aus­for­de­run­gen.“, Robert Nehring (Hg.), PRIMA VIER Nehring Ver­lag, Ber­lin 2020, 208 S., DIN A4, 49,90 € (E-Book 39,90 €).

Erhält­lich unter: OFFICE-PIONEERS.de

 

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