Die Coro­na-Kri­se hat das Arbei­ten im Home-Office schnell eta­blie­ren kön­nen. Das haben die ver­gan­ge­nen Mona­te gezeigt. Doch gleich­zei­tig erge­ben sich dar­aus wich­ti­ge Fra­gen für Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer. Der Indus­trie­ver­band Büro und Arbeits­welt (IBA) gibt Ant­wor­ten.

Sitz-Steh-Arbeitstische eignen sich auch im Home-Office zur ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung. Abbildung: Linak

Sitz-Steh-Arbeits­ti­sche eig­nen sich auch im Home-Office zur ergo­no­mi­schen Arbeits­platz­ge­stal­tung. Abbil­dung: Linak

Zu den wich­tigs­ten Fra­gen, für die in der nächs­ten Zeit Ant­wor­ten gefun­den wer­den müs­sen, zäh­len unter ande­rem: Wel­che neu­en Ansprü­che erge­ben sich an die Aus­stat­tung zu Hau­se? Wie wird die Arbeits­zeit auf Büro und Home-Office auf­ge­teilt? Und wel­che neu­en Ver­ant­wor­tun­gen kom­men auf den Arbeit­ge­ber zu?

Ausschließlich Home-Office auch künftig nicht die Regel

„Das Home-Office in Voll­zeit wird auch zukünf­tig die Aus­nah­me blei­ben. Den­noch wer­den vie­le dort einen grö­ße­ren Teil ihrer Arbeits­zeit ver­brin­gen als vor Coro­na – mit mehr Fle­xi­bi­li­tät und im Wech­sel mit Tagen im Büro“, sagt Hen­drik Hund, Vor­sit­zen­der des Indus­trie­ver­bands Büro und Arbeits­welt (IBA) e. V. Wel­che Vor­tei­le, aber auch wel­chen Opti­mie­rungs­be­darf die Arbeit­neh­mer im Home-Office sehen, zeigt unter ande­rem eine Umfra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tu­tes For­sa im Auf­trag des IBA weni­ge Wochen nach Beginn des Lock­downs. Dabei wur­den ins­ge­samt 1.000 abhän­gig Beschäf­tig­te zwi­schen 18 und 65 Jah­ren in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land befragt. Gefragt wur­de, wie sie die Heim­ar­beit im Ver­gleich zur Büro­ar­beit bewer­ten und wel­che Ver­bes­se­rungs­po­ten­zia­le sie sehen. Zwei Trends wur­den deut­lich: Beson­ders geschätzt wird die Ruhe im Ver­gleich zum Büro, die Aus­stat­tung des hei­mi­schen Arbeits­plat­zes dage­gen wird häu­fig nega­tiv bewer­tet.

Arbeitgeber in der Verantwortung

„Län­ger­fris­tig ist pro­duk­ti­ve Arbeit in den eige­nen vier Wän­den nur mög­lich, wenn aus den wäh­rend der Pan­de­mie für einen län­ge­ren Zeit­raum gedul­de­ten behelfs­mä­ßi­gen Arbeits­plät­zen ech­te Home-Offices wer­den“, so IBA-Vor­sit­zen­der Hen­drik Hund. „Es wird des­halb not­wen­dig sein, über die Aus­stat­tun­gen der hei­mi­schen Arbeits­plät­ze gründ­li­cher nach­zu­den­ken als bis­her. Die Ver­ant­wor­tung dafür liegt bei den Unter­neh­men.“ Die recht­li­chen Grund­la­gen dafür exis­tie­ren bereits. So ver­pflich­tet das Arbeits­schutz­ge­setz (Arb­SchG) die Arbeit­ge­ber zur Durch­füh­rung von Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen für die Arbeits­plät­ze ihrer Mit­ar­bei­ter.

Bei regelmäßiger Arbeit im Home-Office werden an die dortigen Arbeitsplätze die gleichen Anforderungen gestellt, wie an diejenigen im Büro. Abbildung: Assmann

Bei regel­mä­ßi­ger Arbeit im Home-Office wer­den an die dor­ti­gen Arbeits­plät­ze die glei­chen Anfor­de­run­gen gestellt, wie an die­je­ni­gen im Büro. Abbil­dung: Ass­mann

Anforderungen identisch für Heim- und Büroarbeitsplatz

Die­se Ver­pflich­tung besteht auch für mobi­les Arbei­ten im Home-Office. Kon­kre­te Vor­ga­ben für die Ein­rich­tung von Tele­ar­beits­plät­zen benennt die Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung (ArbStättV). Gemeint sind sol­che Heim­ar­beits­plät­ze, die von Arbeit­neh­mern regel­mä­ßig und auf Basis einer Ver­ein­ba­rung, die bei­spiels­wei­se Anga­ben zu Arbeits­zei­ten und -dau­er ent­hält, genutzt wer­den. An die­se wer­den grund­sätz­lich die glei­chen Anfor­de­run­gen gestellt wie an die Arbeits­plät­ze im Büro. So soll­te ein Schreib­tisch eine Flä­che von min­des­tens 160 x 80 cm haben. Wenn wenig Arbeits­ma­te­ri­al benö­tigt wird, ist jedoch auch eine Tisch­brei­te von 120 cm akzep­ta­bel. Dar­über hin­aus muss der Arbeit­ge­ber einen ergo­no­mi­schen Büro­stuhl und die not­wen­di­ge Tech­nik zur Ver­fü­gung stel­len. Beim Ein­satz von Lap­tops umfasst die­se auch die Bereit­stel­lung sepa­ra­ter Ein­ga­be­ge­rä­te (Maus und Tas­ta­tur). In ihrer vor Kur­zem erschie­nen Infor­ma­ti­ons­schrift mit dem Titel Arbei­ten im Home­of­fice emp­fiehlt die Deut­sche Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung (DGUV) dar­über hin­aus, für län­ge­res Arbei­ten im Home-Office zusätz­lich einen sepa­ra­ten Bild­schirm ein­zu­set­zen.

Forsa: Die Realität sieht anders aus

Einem Groß­teil der Befrag­ten (40 Pro­zent) fehlt am hei­mi­schen Arbeits­platz die tech­ni­sche und 36 Pro­zent die ergo­no­mi­sche Aus­stat­tung im Ver­gleich zum Büro. Dass die­se Anfor­de­run­gen unter Coro­na-Bedin­gun­gen nur sel­ten ein­zu­hal­ten waren, unter­strei­chen die Erkennt­nis­se aus der For­sa-Umfra­ge. So gab ein Drit­tel der Beschäf­ti­gen (36 Pro­zent) an, die ergo­no­mi­sche Aus­stat­tung des Büro­ar­beits­plat­zes zu ver­mis­sen. Beson­ders die Posi­ti­on des Com­pu­ter­dis­plays und feh­len­de Mög­lich­kei­ten, im Ste­hen zu arbei­ten, wer­den von 53 Pro­zent der Befrag­ten als Män­gel bewer­tet. Auch die Ergo­no­mie der hei­mi­schen Sitz­mö­bel wird von knapp der Hälf­te (48 Pro­zent) der im Home-Office Arbei­ten­den als weni­ger gut als im Büro ein­ge­stuft.

Einem Großteil der Befragten (40 Prozent) fehlt am heimischen Arbeitsplatz die technische und 36 Prozent die ergonomische Ausstattung im Vergleich zum Büro. Abbildung: IBA

Einem Groß­teil der Befrag­ten (40 Pro­zent) fehlt am hei­mi­schen Arbeits­platz die tech­ni­sche und 36 Pro­zent die ergo­no­mi­sche Aus­stat­tung im Ver­gleich zum Büro. Abbil­dung: IBA

Ein wei­te­res Ergeb­nis der For­sa-Umfra­ge: Ein Drit­tel der Arbeit­neh­mer hat­te wäh­rend des Lock­downs kei­ne Mög­lich­keit, in ihrer Woh­nung einen dau­er­haf­ten Arbeits­platz ein­zu­rich­ten. Spä­tes­tens hier müs­sen die Arbeit­ge­ber im Rah­men ihrer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung genau prü­fen, wel­che Maß­nah­men erfor­der­lich sind, um die Arbeit im Home-Office ver­ste­ti­gen zu kön­nen oder ob sie über­haupt dau­er­haft mög­lich ist. Dort wo die Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­rich­tung eines Arbeits­plat­zes gege­ben sind, emp­fiehlt Hen­drik Hund, die gro­ße Band­brei­te des Ein­rich­tungs­an­ge­bots zu nut­zen. „Die häus­li­chen Arbeits­plät­ze müs­sen nicht genau so aus­se­hen wie die im Unter­neh­men. Es gibt vie­le Pro­duk­te mit wohn­li­chem Cha­rak­ter, die trotz­dem alle Anfor­de­run­gen an einen pro­fes­sio­nel­len Arbeits­platz erfül­len.“

Besser einrichten mit dem IBA Office Planer

Mit dem Online-Tool IBA Office­Pla­ner ermög­licht der Ver­band Arbeit­ge­bern seit kur­zem, auch ohne Fach­kennt­nis­se Arbeits­plät­ze norm- und bedarfs­ge­recht sowie optisch anspre­chend zu pla­nen. Der IBA hat den Office­Pla­ner auf die Gestal­tung von Home-Offices aus­ge­wei­tet und unter­stützt damit auch die Ent­wick­lung hin zu einer fle­xi­ble­ren Arbeits­welt. Der Online­ser­vice wird bei Bedarf durch die Bera­tung qua­li­fi­zier­ter Fach­pla­ner ergänzt.

„Es muss noch eini­ges dafür getan wer­den, dass die not­dürf­tig ein­ge­rich­te­ten Arbeits­plät­ze in den hei­mi­schen vier Wän­den zu dau­er­haft nutz­ba­ren Büros wer­den. Die Büro­ein­rich­tungs­bran­che kann mit Bera­tung und Pro­duk­ten in wohn­li­chem Design unter­stüt­zen“, ergänzt Hen­drik Hund zum Ange­bot des IBA und sei­ner Mit­glie­der.