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200 Jahre Thonet

Zwei Jahr­hun­der­te gibt es die Fir­ma Tho­net nun schon. Die Hei­mat des berühm­ten Wie­ner Kaf­fee­haus­stuhls gilt als Wie­ge des moder­nen Möbel­de­signs. Anläss­lich des Jubi­lä­ums spra­chen wir mit Nor­bert Ruf, Crea­ti­ve Direc­tor bei Thonet.

Norbert Ruf, Creative Director, Thonet.

Nor­bert Ruf, Crea­ti­ve Direc­tor, Tho­net. thonet.de.

Limitierte Jubiläumsedition des Thonet S 533 F von und mit Eva Marguerre und Marcel Besau.

Limi­tier­te Jubi­lä­ums­edi­ti­on des Tho­net S 533 F von und mit Eva Mar­guer­re und Mar­cel Besau. 

Das von Wolfgang C. R. Mezger designte Programm 1500 sieht nicht nur als Besprechungstisch gut aus, sondern auch als Hochtisch.

Das von Wolf­gang C. R. Mez­ger design­te Pro­gramm 1500 sieht nicht nur als Bespre­chungs­tisch gut aus, son­dern auch als Hochtisch. 

B 9 & B 10.

B 9 & B 10.

S 32, S 33 und S43.

S 32, S 33 und S43.

OFFICE ROXX: In diesem Jahr wird Thonet 200 Jahre alt. Gibt es so etwas wie einen Gründungsmythos?

Nor­bert Ruf: Den Durch­bruch schaff­te Fir­men­grün­der Micha­el Tho­net 1859 mit dem iko­ni­schen Stuhl Nr. 14, dem soge­nann­ten Wie­ner Kaf­fee­haus­stuhl: Durch die neu­ar­ti­ge Tech­no­lo­gie des Bie­gens von mas­si­vem Buchen­holz konn­te erst­mals ein Stuhl indus­tri­ell her­ge­stellt wer­den. Mit die­sem Kaf­fee­haus­stuhl begann die Geschich­te des moder­nen Möbels. Noch bis heu­te gilt der 214 von Tho­net als das gelun­gens­te Indus­trie­pro­dukt der Welt. Er besteht aus ledig­lich sechs Bau­tei­len, zehn Schrau­ben und zwei Mut­tern. Weni­ger Mate­ri­al und Kon­struk­ti­on sind weder tech­nisch noch for­mal mög­lich – und nötig. Hin­zu kam bereits im 19. Jahr­hun­dert eine genia­le Ver­triebs­idee, mit der der Grund­stein für einen welt­wei­ten Export gelegt wur­de. In einer Kis­te von einem Kubik­me­ter wur­den 36 zer­leg­te Stüh­le ver­packt, in die gan­ze Welt geschickt und vor Ort mon­tiert. Auch ästhe­tisch war der Stuhl eine Revo­lu­ti­on. Sei­ne schlich­te Form setz­te Maß­stä­be und der eher üppi­gen For­men­spra­che jener Zeit etwas Neu­es ent­ge­gen. Das drei­di­men­sio­na­le Ver­for­men von mas­si­vem Holz stell­te damals eine Sen­sa­ti­on dar und hat bis heu­te nichts von sei­ner Fas­zi­na­ti­on ver­lo­ren. Es leg­te den Grund­stein für eine mas­sen­haf­te, seri­el­le und arbeits­tei­li­ge Fer­ti­gung, wes­halb Micha­el Tho­net als der Begrün­der des moder­nen Möbel­de­signs gilt.

Was macht das Unternehmen Thonet für Sie aus?

Mit einem Pro­dukt von Tho­net kauft man nicht nur ein Möbel, man erwirbt ein Stück Design­ge­schich­te. Auf Tho­net kommt man zusam­men, seit die Erfolgs­ge­schich­te des Unter­neh­mens im 19. Jahr­hun­dert in den gro­ßen Kaf­fee­häu­sern die­ser Zeit ihren Anfang nahm. Mit 200 Jah­ren Fir­men­ge­schich­te und Pro­duk­ten, die immer zeit­ge­mäß sind, steht Tho­net für moder­ne zeit­lo­se Möbel(-Gestaltung). Möbel von Tho­net gehö­ren heu­te wie ges­tern zum all­täg­li­chen Leben vie­ler Men­schen auf der gan­zen Welt. Eini­ge schät­zen sie als Klas­si­ker mit Geschich­te und Pati­na, ande­re als zeit­lo­se Desi­gni­ko­nen mit Samm­ler­wert, und Men­schen einer jün­ge­ren Genera­ti­on sehen in einem Tho­net-Ori­gi­nal den Stil und die Kul­tur, die es repräsentiert.

Was sind Ihre Lieblingstücke von Thonet?

Bei der Fül­le der groß­ar­ti­gen Ent­wür­fe fällt die Aus­wahl nicht leicht – aber die Stüh­le 209, S 64 und 118 haben für mich eine beson­de­re Qualität.

Thonet arbeitet mit ausgezeichneten Designern zusammen. Wie erfolgt die Auswahl?

Im ste­ti­gen Pro­zess der Neu­erfin­dung wird die Tho­net-Kol­lek­ti­on neben den Bug­holz- und Stahl­rohr­klas­si­kern in unter­schied­li­chen Varia­tio­nen und Edi­tio­nen per­ma­nent durch neue Ent­wür­fe erwei­tert. Im Lau­fe der letz­ten Jahr­zehn­te ent­war­fen inter­na­tio­nal bekann­te Archi­tek­ten und Desi­gner wie Ste­fan Diez, Lord Nor­man Fos­ter, Alfre­do Häberli, James Irvi­ne, Nao­to Fuka­sa­wa, Pie­ro Lis­so­ni, Glen Oli­ver Löw, Chris­to­phe Mar­chand oder Hadi Tehe­ra­ni für Tho­net. Ins­ge­samt ver­fol­gen wir immer das Ziel, dass die Gestal­ter ein Ver­ständ­nis für die Iden­ti­tät von Tho­net ent­wi­ckeln oder bereits haben. Für die Wer­te und Qua­li­tä­ten, wel­che das Unter­neh­men auszeichnen.

Der Wiener Kaffeehausstuhl 214 kostet in Ihrem Shop 714 Euro, der S 33 gar über 1.300 Euro – was macht solche schlichten Möbel so vergleichsweise teuer?

Es ist uns wich­tig, Pro­duk­te zu schaf­fen, die nicht nur in ihrer visu­el­len Qua­li­tät lang­le­big sind, son­dern auch in ihrer phy­si­schen. Um dies zu errei­chen, ach­ten wir auf die beson­de­re Güte aller ein­ge­setz­ten Mate­ria­li­en wie auch auf jeden ein­zel­nen Schritt in der Ver­ar­bei­tung. Möbel von Tho­net sind zeit­los, von höchs­ter Qua­li­tät und wertstabil.

Wie hält es Thonet mit der ökologischen Nachhaltigkeit?

Tho­net strebt nach einer Balan­ce zwi­schen ertrags­ori­en­tier­tem Wachs­tum, Schutz der Umwelt und ver­ant­wor­tungs­vol­lem Han­deln. Dabei han­deln wir ganz­heit­lich, nach­hal­tig und mit sozia­ler Umsicht. Tho­net-Pro­duk­te sind lang­le­big und beein­träch­ti­gen weder bei der Her­stel­lung noch bei der Ent­sor­gung die Umwelt. Neue Pro­dukt­kon­zep­te wer­den erst nach einer sorg­fäl­ti­gen Prü­fung der Recy­cling­fä­hig­keit der ver­wen­de­ten Mate­ria­li­en, des Anteils der Zer­spa­nung sowie der Umwelt­freund­lich­keit und Nach­hal­tig­keit der ver­wen­de­ten Mate­ria­li­en in unser Port­fo­lio auf­ge­nom­men. Der im Fran­ken­ber­ger Werk ver­wen­de­te Strom wird zu ein­hun­dert Pro­zent aus öko­lo­gisch nach­hal­ti­gen Ener­gie­quel­len bezo­gen. Durch Inves­ti­tio­nen in Recy­cling­an­la­gen für Lösungs­mit­tel leis­ten wir noch einen wei­te­ren Bei­trag zur Reduk­ti­on des öko­lo­gi­schen Fußabdrucks.

Welche Strategie verfolgt Thonet für die nächsten Jahre?

Unser Ziel ist es wei­ter­hin, unse­re Kun­den mit Pro­duk­ten zu erfreu­en, die mehr sind als ein Möbel, näm­lich ein Stück Kultur.

200 Jahre Thonet bedeuten auch 100 Jahre Bauhaus. Was verdanken die beiden einander?

Stahl­rohr ist neben Bug­holz das zwei­te wich­ti­ge Mate­ri­al im Tho­net-Pro­gramm. In den 1930er-Jah­ren war das Unter­neh­men der welt­weit größ­te Pro­du­zent der damals neu­ar­ti­gen Stahl­rohr­mö­bel, die von berühm­ten Bau­haus-Archi­tek­ten wie Mart Stam, Lud­wig Mies van der Rohe, Mar­cel Breu­er, Le Cor­bu­si­er, Char­lot­te Pérriand oder A. Guy­ot ent­wor­fen wur­den. Heu­te gel­ten die frü­hen Stahl­rohr­mö­bel wie auch die ers­ten Bug­holz­mö­bel von Tho­net als Mei­lens­tei­le in der Design­ge­schich­te. Ihre kla­re, offe­ne und schlich­te Form war Aus­druck einer neu­en Hal­tung in All­tags­kul­tur und Archi­tek­tur, die unter dem Stich­wort Neue Sach­lich­keit bekannt wur­de. Die bedeu­tends­te „Erfin­dung“ der Zeit war der Frei­schwin­ger, der hin­ter­bein­lo­se, federn­de Krag­stuhl – er wird heu­te als eine der wich­tigs­ten Design-Inno­va­tio­nen des 20. Jahr­hun­derts eingeordnet.

Was sind Ihre persönlichen Bauhausklassiker?

Per­sön­lich gefal­len mir beson­ders der Stuhl S 64 und der Ses­sel S 533. Auch die Satz­ti­sche B 9 gehö­ren zu mei­nen per­sön­li­chen Favoriten.

In China gelten Plagiate als Ausdruck der Anerkennung. Thonet dürfte gerade im Bauhausjahr auch von der Problematik betroffen sein. Wie gehen Sie mit dem Thema Fälschungen um?

Wir bemü­hen uns, die Qua­li­tät des Ori­gi­nals zu kom­mu­ni­zie­ren und her­aus­zu­stel­len. Natür­lich gehen wir auch aktiv – teil­wei­se im Ver­bund mit ande­ren Her­stel­lern – gegen Pla­gia­teu­re vor.

Wie kann man herausfinden, ob man im Besitz eines echten Thonets ist und aus welcher Zeit das Möbelstück stammt?

Ob man ein Tho­net-Ori­gi­nal in den Hän­den hält, erkennt man bei allen Holz­stüh­len auf einen Blick: Auf der Unter­sei­te des Sitz­rah­mens bzw. des Sit­zes jedes Tho­net-Stuhls befin­det sich ein Signet des Unter­neh­mens – bei den his­to­ri­schen Model­len ein soge­nann­ter Fräs­tel­ler, bei den aktu­el­len ein Brandstempel.

Vie­len Dank.

Die Fra­gen stell­te Robert Nehring.

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