Viel­leicht hat sie ihren Zenit bereits über­schrit­ten. Aber die Erfin­dung der soge­nann­ten Maus bedeu­te­te vor 34 Jah­ren einen gro­ßen Schritt in Rich­tung Benut­zer­freund­lich­keit von Com­pu­tern. Seit­dem hat sich eini­ges getan.

Der erste Macintosh aus dem Jahr 1984. Die Bedienung war für die Maus optimiert. Foto: Apple

Der ers­te Mac­in­tosh aus dem Jahr 1984. Die Bedie­nung war für die Maus opti­miert. Foto: Apple

Der Erfinder der Maus, Doug Engelbart, hält in der linken Hand seine erste Maus von 1963 und in der rechten eine aus dem Jahr 1984. Foto: Kelson

Der Erfin­der der Maus, Doug Engel­bart, hält in der lin­ken Hand sei­ne ers­te Maus von 1963 und in der rech­ten eine aus dem Jahr 1984. Foto: Kel­son

Keine Maus mehr nötig. Laptops und mobile Geräte können problemlos ohne den

Kei­ne Maus mehr nötig. Lap­tops und mobi­le Gerä­te kön­nen pro­blem­los ohne den "X-Y-Posi­ti­ons­an­zei­ger für Bild­schirm­sys­te­me" bedient wer­den. Foto: Pixabay

Bei der Maus Logitech Master liegt die ganze Hand auf  der Maus auf. Das schont die Gelenke und ermöglicht ergonomisches Arbeiten. Foto: Logitech

Bei der Maus Logi­tech Mas­ter liegt die gan­ze Hand auf der Maus auf. Das schont die Gelen­ke und ermög­licht ergo­no­mi­sches Arbei­ten. Foto: Logi­tech

Zusam­men mit Moni­tor und Tas­ta­tur ist die Maus nach wie vor eine sehr weit ver­brei­te­te Mensch-Maschi­ne-Schnitt­stel­le. Ihre Geschich­te beginnt in den Jah­ren 1963/64 am Stan­ford Rese­arch Insti­tu­te mit einem Team um die bei­den Ent­wick­ler Doug Engel­bart und Wil­liam English. Sie gaben ihrem ers­ten Anzei­ge­ge­rät damals den recht sper­ri­gen Namen „X-Y-Posi­ti­ons-Anzei­ger für ein Bild­schirm­sys­tem”. Etwas spä­ter ent­stand im Insti­tut auf­grund des grau­en, oval-run­den Gehäu­ses samt grau­em Kabel asso­zia­tiv der Begriff „Maus“. Auch bei Tele­fun­ken in Deutsch­land wur­de – in etwa zur sel­ben Zeit – an der Maus geforscht. Die Tele­fun­ken-Maus funk­tio­nier­te bereits mit dem Roll­ku­gel­prin­zip und wur­de 1968 fast gleich­zei­tig mit dem X-Y-Posi­ti­ons­an­zei­ger der Öffent­lich­keit prä­sen­tiert.

Aller Anfang ist schwer

Da es aber noch kei­ne gra­fi­schen Benut­zer­ober­flä­chen gab und die Inter­ak­ti­on mit Com­pu­tern haupt­säch­lich über Text­ein­ga­be funk­tio­nier­te, fand die Erfin­dung zunächst wenig prak­ti­sche Anwen­dung. Ver­schie­de­ne Com­pu­ter­sys­te­me von Xerox, Tele­fun­ken und Apple, die mit Mäu­sen arbei­te­ten, hat­ten aus unter­schied­li­chen Grün­den alle­samt kei­nen wirt­schaft­li­chen Erfolg. Trotz­dem wur­de die Maus wei­ter­ent­wi­ckelt. Wie­der war es Wil­liam English, der 1971 die ers­te moder­ne Kugel­maus ent­wi­ckel­te. Sie wur­de in den 1980er und 1990er Jah­ren zum vor­herr­schen­den Funk­ti­ons­prin­zip für Mäu­se. Bereits Anfang der 80er Jah­re hat­te man schon die ers­ten opti­schen Mäu­se ent­wi­ckelt, die sich aber erst Ende der 90er Jah­re durch­set­zen konn­ten.

Durchbruch dank Mac

Der Sie­ges­zug der Maus, auch „poin­ting device“ genannt, begann im Jahr 1984 mit der Ein­füh­rung des ers­ten Mac­in­tosh von Apple. Mit sei­ner gra­fi­schen Benut­zer­ober­flä­che war er ganz grund­sätz­lich auf die Bedie­nung mit der Maus aus­ge­legt. Ent­schei­dend war das revo­lu­tio­nä­re Kon­zept der Navi­ga­ti­on mit Hil­fe von Sym­bo­len (Icons) wie dem Papier­korb sowie dem Drag & Drop und der ein­heit­li­chen Bedie­nung ver­schie­de­ner Anwen­dungs­pro­gram­me. Benannt ist der Mac­in­tosh nach der Apfel­sor­te „Mc Intosh“, der Lieb­lings­sor­te von Jef Ras­kin, der damals Mit­glied des Desi­gner­teams war. Hät­te sich Apple-Mit­be­grün­der Ste­ve Jobs mit sei­nem Vor­schlag durch­ge­setzt, hie­ße der Mac heu­te „Bicy­cle“, denn er sah den Rech­ner als „Bicy­cle for your mind“.

So revo­lu­tio­när das neue Steue­rungs­prin­zip des Mac­in­tosh auch war, der hohe Preis und die über­schau­ba­ren Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten waren noch weit ent­fernt von dem, was damals unter einem pro­fes­sio­nel­len Com­pu­ter ver­stan­den wur­de. So stell­te sich der wirt­schaft­li­che Erfolg erst mit Nach­fol­ge­mo­del­len ein. Das Prin­zip Maus und die gra­fi­sche Benut­zer­ober­flä­che waren von nun an aus der Com­pu­ter­welt nicht mehr weg­zu­den­ken.

Ergonomische Mäuse

Ergo­no­misch geform­te Mäu­se sind im Gegen­satz zu her­kömm­li­chen nicht hori­zon­tal, son­dern ver­ti­kal auf­ge­baut. Das unter­stützt die natür­li­che Hal­tung der Hand. Schmer­zen in der Hand sowie im Hand­ge­lenk, Ober­arm, Schul­ter und Nacken kön­nen ver­mie­den und vor­ge­beugt wer­den. Eine Über­sicht zu Krank­heits­sym­pto­men, die durch nicht-ergo­no­mi­sche Mäu­se ver­ur­sacht wer­den kön­nen, fin­det sich hier.

Aktuelle Entwicklungen

Dis­plays, Ein­ga­be­ge­rä­te und -ober­flä­chen wer­den zuneh­mend berüh­rungs­emp­find­lich und las­sen sich per Fin­ger­steue­rung bedie­nen. Spä­tes­tens seit der Ein­füh­rung von Touch­pads und -screens ist die Maus also nicht mehr unver­zicht­bar bei der Bedie­nung von Com­pu­tern. Mit der Ein­füh­rung der Sprach­steue­rung wird die Maus noch zusätz­lich an Rele­vanz ein­bü­ßen. Falls sich die­se Metho­de durch­setzt, könn­ten ihre Tage sogar ganz gezählt sein. Die­se Ent­wick­lung wird zu gro­ßen Tei­len von jenem Unter­neh­men mit vor­an­ge­trie­ben, das ihr vor 34 Jah­ren zum Durch­bruch ver­half.  Das Aus­ster­ben der Mäu­se wur­de aller­dings schon vor gut zehn Jah­ren pro­phe­zeit, wirk­lich ein­ge­tre­ten ist es bis heu­te nicht. Tot­ge­sag­te leben bekannt­lich län­ger.