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paperworld 29.1.-1.2.2022 FRANKFURT/MAIN, LET'S TALK NEW WORK! The visionary office.

Was macht das DNB? Interview mit David Wiechmann

Wir spra­chen mit David Wiech­mann, dem Vor­sit­zen­den des Deut­schen Netz­werk Büro e. V., über das Netz­werk, was hin­ter und was vor ihm liegt.

David Wiechmann, Vorsitzender Deutsches Netzwerk Büro e. V. Abbildung: Kinnarps/Kirsten Bucher

David Wiech­mann, Vor­sit­zen­der Deut­sches Netz­werk Büro e. V. und Unter­neh­mens­be­ra­ter, dnb-netz.de, wiechmann-consulting.com. Abbil­dung: Kirs­ten Bucher

OFFICE ROXX: David, am 17. November hat die diesjährige Mitgliederversammlung des DNB stattgefunden. Erneut digital. Hast du dich mittlerweile ans Videokonferenz-Format gewöhnt?

David Wiech­mann: Abso­lut! Vor allem, weil ich zu Hau­se gern Jog­ging­ho­sen tra­ge (lacht). Aber der per­sön­li­che Aus­tausch, die Che­mie im Gespräch, das spon­ta­ne Jam­men neu­er Ideen las­sen sich durch die­ses For­mat so gut wie nicht erset­zen. Inso­fern freue ich mich dar­auf, wenn wir hof­fent­lich bald wie­der mit der gebo­te­nen Ver­ant­wor­tung auch ana­lo­ge Tref­fen ver­an­stal­ten können.

Ein Netzwerk ist nur so stark wie seine Mitglieder. Wie hat sich die Krise auf diese und deren Engagement im DNB ausgewirkt?

Unse­re 46 Mit­glie­der haben ganz unter­schied­li­che Hin­ter­grün­de. Alle ver­eint das Ziel, Büro­ar­beit gut und gesund zu machen, wie es in der Sat­zung unse­res gemein­nüt­zi­gen Ver­eins fest­ge­schrie­ben ist. Zu unse­ren Mit­glie­dern gehö­ren staat­li­che Insti­tu­tio­nen wie das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um und die Bun­des­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin BAuA, Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger wie DGUV, VBG und BG ETEM, Ver­bän­de wie der Zen­tra­le Immo­bi­li­en­aus­schuss ZIA, der VDSI – Ver­band für Sicher­heit Gesund­heit und Umwelt­schutz bei der Arbeit e.V. oder der Indus­trie­ver­band Büro und Arbeits­welt IBA. Dar­über hin­aus Fach­me­di­en und Mes­se­ver­an­stal­ter sowie natür­lich Indus­trie­un­ter­neh­men und Con­sul­tants. Jedes Mit­glied hat unter­schied­li­che Her­aus­for­de­run­gen in der Kri­se erlebt und bringt die­se kon­struk­tiv in unse­re Ver­eins­ar­beit ein. Dar­aus ent­steht ein kla­res und ganz­heit­li­ches Bild von den Hand­lungs­be­dar­fen, aber auch von den Chan­cen, die die zukünf­ti­ge Arbeits­welt birgt. Selbst­ver­ständ­lich enga­gie­ren sich eini­ge Mit­glie­der immer mehr als ande­re, aber die Teil­nah­me an Arbeits­krei­sen und Pro­jek­ten im ver­gan­ge­nen Jahr stimmt uns doch recht positiv.

Was hat das DNB 2021 trotz Pandemie und erstmals ohne Zuwendungen durch die Initiative Neue Qualität der Arbeit INQA auf die Straße bekommen und was musste ggf. liegen bleiben?

Tat­säch­lich muss­ten auf­grund der Pan­de­mie ins­be­son­de­re unse­re Mes­se­kon­zep­te weit­ge­hend in der Schub­la­de blei­ben. Dabei sind Mes­sen ein wich­ti­ges For­mat für uns, um den Wis­sens­trans­fer in die Öffent­lich­keit in Form von Son­der­aus­stel­lun­gen oder Kon­gress­teil­nah­men zu gewähr­leis­ten. Wir hof­fen daher auf das Jahr 2022 und berei­ten uns ent­spre­chend vor. Den­noch haben wir eini­ge Pro­jek­te auf die Stra­ße bekom­men, in ers­ter Linie digi­ta­le Ange­bo­te. So haben wir 2021 Online-Semi­na­re zur Bewe­gungs­för­de­rung im Büro ins Leben geru­fen und wer­den die­se auch 2022 fort­füh­ren. Für unse­re Web­site dnb-netz.de haben eini­ge Mit­glie­der Vide­os mit Tipps für gute und gesun­de Büro­ar­beit pro­du­ziert und im kom­men­den Jahr wer­den wir auf­grund des enor­men Bedarfs in den Unter­neh­men an kom­pe­ten­ten Beglei­te­rin­nen und Beglei­tern einen Online-Zer­ti­fi­kats­kurs zum „Füh­rungs­kräf­te-Coach Mobi­le Arbeit“ anbie­ten. Der ers­te Kurs star­tet im März und dau­ert einen Monat. Das gan­ze The­ma „Mobi­le Arbeit“ schlug sich auch im Launch unse­rer Platt­form neuebueroarbeit.de nieder.

Aus welchen Gründen und mit welchen Zielen wurde die Plattform neuebueroarbeit.de gelauncht?

Wir haben erkannt, dass die Coro­na-Pan­de­mie in kür­zes­ter Zeit dafür gesorgt hat, dass Büro­be­schäf­tig­te und Wis­sens­ar­bei­ten­de in gro­ßer Zahl belast­ba­re Erfah­run­gen gesam­melt haben, um das künf­ti­ge Wo, Wann und Wie der Büro­ar­beit neu zu den­ken. Es wur­de viel­fach erprobt, wie es ist, dau­er­haft zu Hau­se zu arbei­ten, den Arbeits­weg ein­zu­spa­ren, Video­mee­tings an die Stel­le von Geschäfts­rei­sen tre­ten zu las­sen und mit weni­ger Aus­dru­cken aus­zu­kom­men. Man­ches mag sich bei eini­gen vom anfäng­li­chen Segen bereits zum Fluch ent­wi­ckelt haben. Im Gan­zen aber zeich­net sich deut­lich ab, dass es kein Zurück zum alten Modell geben wird, geben kann.

Die gemach­ten Erfah­run­gen ber­gen eine beson­de­re Chan­ce auf einen längst not­wen­di­gen Para­dig­men­wech­sel: Die Zukunft der Büro­ar­beit muss digi­ta­ler, indi­vi­du­el­ler, fle­xi­bler, viel­fäl­ti­ger, gesün­der, sinn­haf­ter und vor allem öko­lo­gisch nach­hal­ti­ger wer­den. Wir müs­sen die Chan­ce nut­zen, Büro­ar­beit neu zu den­ken und zu orga­ni­sie­ren. Die aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen hin­sicht­lich Kli­ma­schutz, Ver­ein­bar­keit von Fami­lie, Frei­zeit und Beruf sowie für die Kom­mu­nal­ent­wick­lung ver­lan­gen nach einer schnel­len Umset­zung. Die Platt­form neuebueroarbeit.de bün­delt die wesent­li­chen Infor­ma­tio­nen rund um die mul­ti­lo­ka­le Büro­ar­beit und lie­fert Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für die­sen Para­dig­men­wech­sel beim Ver­ständ­nis von Büro­ar­beit. Gleich­zei­tig möch­ten wir dazu auf­ru­fen, mit Bei­trä­gen und Pro­jek­ten zu einer inhalt­li­chen Aus­wei­tung die­ser Platt­form beizutragen.

Was hältst du vom Koalitionsvertrag unserer nächsten Regierung in Bezug auf die Büroarbeit? Dort heißt es zum Beispiel: „Homeoffice grenzen wir als eine Möglichkeit der Mobilen Arbeit rechtlich von der Telearbeit und dem Geltungsbereich der Arbeitsstättenverordnung ab.“

Im Lau­fe der ver­gan­ge­nen Mona­te habe ich durch die gute Ver­net­zung des DNB in die ent­schei­den­den Gre­mi­en auf Bun­des­ebe­ne zahl­rei­che Ent­wick­lun­gen ver­fol­gen dür­fen. Wie etwa das Gesetz zur Mobi­len Arbeit Anfang 2021 prä­sen­tiert wur­de und dann wie­der in der Schub­la­de ver­schwand. Oder wie um die zukünf­ti­ge ASR 6 Bild­schirm­ar­beit gerun­gen wird. Ich bin wahr­lich kein Ober­re­gu­lie­rer, aber es wäre – sowohl für Arbeit­ge­ber als auch für die Beschäf­tig­ten – wün­schens­wert, in Bezug auf die mobi­le Arbeit etwas bes­se­re Leit­plan­ken zu erhal­ten, als sich ledig­lich auf die im Arbeits­schutz­ge­setz fest­ge­schrie­be­ne Für­sor­ge­pflicht des Arbeit­ge­bers zu beru­fen. Die Chan­ce hät­te bestan­den, zumin­dest Leit­li­ni­en zu for­mu­lie­ren. Das ist zwar getan wor­den, aber auch sie sind mit dem Gesetz in der Schub­la­de verschwunden.

Der Koali­ti­ons­ver­trag besagt nun, dass die­ser Vor­stoß erneut aus­pro­biert wer­den soll: „Beschäf­tig­te in geeig­ne­ten Tätig­kei­ten erhal­ten einen Erör­te­rungs­an­spruch über mobi­les Arbei­ten und Home­of­fice. Arbeit­ge­ber kön­nen dem Wunsch der Beschäf­tig­ten nur dann wider­spre­chen, wenn betrieb­li­che Belan­ge ent­ge­gen­ste­hen.“ Ich hof­fe, dass das Ver­spre­chen „Zur gesun­den Gestal­tung des Home­of­fice erar­bei­ten wir im Dia­log mit allen Betei­lig­ten sach­ge­rech­te und fle­xi­ble Lösun­gen“ tat­säch­lich in etwas Hand­fes­tem mün­det. Das DNB wird sich hier gern bera­tend ein­brin­gen. Die von dir zitier­te For­mu­lie­rung im Koali­ti­ons­ver­trag zur Abgren­zung der mobi­len Arbeit von der Tele­ar­beit ist lei­der undeut­lich. Sie besteht bereits und die mobi­le Arbeit fällt dadurch weit­ge­hend durch das Ras­ter des Arbeits­schut­zes. Ich bin gespannt, ob mit der „recht­li­chen Abgren­zung“ viel­leicht doch etwas ver­bind­li­che­re Aus­sa­gen für die mobi­le Arbeit ein­her­ge­hen wer­den. So schwie­rig das auch ist und so sehr die­ses The­ma ein schö­ner Spiel­ball für wider­strei­ten­de poli­ti­sche und sozi­al­part­ner­schaft­li­che Inter­es­sen sein mag. Reden hilft. Das Reden dar­über zu ver­mei­den – das hilft garan­tiert nicht.

Welche Wünsche hast du an das Bundesarbeitsministerium und die künftige Regierung über die oben genannten hinaus?

Ich bin froh, dass man sich des gesam­ten The­mas „Fle­xi­bi­li­sie­rung der Arbeit“ anneh­men möch­te. Unse­re Offen­si­ve zur mul­ti­lo­ka­len Arbeits­kul­tur sieht hier eine Grund­vor­aus­set­zung für die not­wen­di­gen Ver­än­de­run­gen. Auch die damit eng zusam­men­hän­gen­den The­men wie Kli­ma­schutz, Mobi­li­tät und Digi­ta­li­sie­rung ste­hen auf der Agen­da der Koali­ti­on. Ich hof­fe, es wird nicht wie bei den vie­len Mee­tings sein, die wir wohl alle ken­nen: Die Agen­da ist umfang­reich, die Zeit zu kurz und am Ende fal­len eini­ge wich­ti­ge Din­ge hin­ten run­ter, weil man am Anfang zu viel über sich selbst gespro­chen hat.

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!

Die Fra­gen stell­te Robert Nehring.

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