Cowor­king-Spaces üben der­zeit eine beson­de­re Fas­zi­na­ti­on aus: Büros sol­len heu­te aus­se­hen wie sie, Unter­neh­men wol­len so arbei­ten wie dort. Sebas­ti­an Klöß und Robert Nehring schau­ten sich zehn Ber­li­ner Spaces näher an, arbei­te­ten Pro­be und spra­chen mit Com­mu­ni­ty-Mana­gern.

Blick ins Betahaus. Vintage-Style mit alter Telefonzelle. Foto: Danique van Kesteren

Blick ins Beta­haus. Vin­ta­ge-Style mit alter Tele­fon­zel­le. Foto: Dani­que van Kes­te­ren

Coworking mit Kultstatus: das St. Oberholz. Foto: Andreas Louca

Cowor­king mit Kult­sta­tus: das St. Ober­holz. Foto: Andre­as Lou­ca

Unterwegs bei Tuesday Coworking. Betreiber John Neilan (rechts) und Robert Nehring.

Unter­wegs bei Tues­day Cowor­king. Betrei­ber John Neilan (rechts) und Robert Nehring.

Heimelige Atmosphäre im Kiez Büro.

Hei­me­li­ge Atmo­sphä­re im Kiez Büro.

Björn Budack vom Kiez Büro Kreuzberg.

Björn Budack vom Kiez Büro Kreuz­berg.

Gemütliche Wohnzimmeratmosphäre im the earlybird BERLIN.

Gemüt­li­che Wohn­zim­mer­at­mo­sphä­re im the ear­ly­bird BERLIN.

Eingangsbereich im Mindspace mit künstlerischer Wandgestaltung. Foto: Mindspace

Arbeits­be­reich im Mind­space mit künst­le­ri­scher Wand­ge­stal­tung. Foto: Mind­space

WeWork im Sony Center bietet einen beeindruckenden Blick über den Tiergarten.

WeWork im Sony Cen­ter bie­tet einen beein­dru­cken­den Blick über den Tier­gar­ten.

Isabel Borst, Community Associate bei WeWork am Potsdamer Platz, und Sebastian Klöß.

Isa­bel Borst, Com­mu­ni­ty Asso­cia­te bei WeWork am Pots­da­mer Platz, und Sebas­ti­an Klöß.

Der kommunikative Küchenbereich im Offx.

Der kom­mu­ni­ka­ti­ve Küchen­be­reich im OffX.

Kreativ und urban: einer der Arbeitsbereiche im co.up.

Krea­tiv und urban: einer der Arbeits­be­rei­che im co.up.

Aleks Peksena, Community-Manager vom co.up.

Aleks Pek­se­na, Com­mu­ni­ty-Mana­ger vom co.up.

Die Sta­tio­nen der Cowor­king-Safa­ri.

Der Ber­li­ner Groß­stadt­dschun­gel ist ein idea­les Ter­rain für eine Cowor­king-Safa­ri. Von den rund 400 Cowor­king-Spaces, die es in Deutsch­land gibt, befin­den sich dort etwa 150. Mit der Sexy­ness, die Ber­lin noch immer hat, und der Inter­na­tio­na­li­tät, die Ber­lin inzwi­schen hat, lockt die Haupt­stadt jun­ge Krea­ti­ve aus aller Welt und zuneh­mend auch Ange­stell­te glo­ba­ler Kon­zer­ne.

Coworking boomt

Lan­ge galt die deut­sche Haupt­stadt als Cowor­king-Haupt­stadt Euro­pas. Inzwi­schen wird Ber­lin die­ser Titel von Bar­ce­lo­na strei­tig gemacht. Cowor­king erlebt gera­de einen glo­ba­len Boom. Laut dem Sta­tis­tik­por­tal Sta­tis­ta exis­tier­ten im ver­gan­ge­nen Jahr welt­weit bereits 11.091 Cowor­king-Spaces, Ten­denz stark stei­gend.

Cowor­king-Spaces mögen noch ein Nischen­da­sein füh­ren: Am Ber­li­ner Büro­flä­chen­markt zum Bei­spiel hat­ten sie laut Immo­bi­li­en Zei­tung 2016 mit einer Flä­che von rund 45.000 m2 gera­de mal einen Anteil von 0,23 Pro­zent. Auf­grund der rasant stei­gen­den Ber­li­ner Büro­mie­ten und der Schwie­rig­keit, noch Flä­chen für weni­ger als zehn Per­so­nen zu fin­den, könn­te sich das aber bald ändern.

Coworking-Spaces – wie alles begann

Das Phä­no­men Cowor­king-Space ist noch recht jung. Cowor­king-Spaces ent­stan­den erst Mit­te der Nuller­jah­re, als die krea­ti­ve Arbeit von den Fes­seln der Kabel befreit wur­de, also Lap­tops erschwing­lich und vor allem WLAN-fähig wur­den. Neben den neu­en tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten trug zu ihrem Ent­ste­hen die neue Lust dar­an bei, selbst­stän­dig und fle­xi­bel zu arbei­ten. Bei man­chem war es auch öko­no­mi­sche Not­wen­dig­keit.

In Ber­lin eröff­ne­te im Som­mer 2005 das legen­dä­re St. Ober­holz – als Café, das sei­nen Gäs­ten kos­ten­lo­ses WLAN anbot. 2009 star­te­te das Beta­haus. Es gilt als ers­ter Cowor­king-Space in Deutsch­land, der sich auch expli­zit so nann­te. Seit­dem ist eine Viel­zahl an Spaces ent­stan­den.

Laut dem Glo­bal Cowor­king Sur­vey von Deskmag sind Cowor­king-Spaces in Deutsch­land durch­schnitt­lich nur 27 Mona­te alt. 29 Pro­zent haben erst im letz­ten Jahr eröff­net. Auch das zeugt von der gro­ßen Dyna­mik, die in die­sem Trend liegt und die in Ber­lin beson­ders spür­bar ist.

Aktuelle Coworking-Trends

Cowor­king-Spaces haben ursprüng­lich klein begon­nen. Sie waren lokal ver­wur­zelt und wur­den häu­fig im Do-it-yours­elf-Modus auf­ge­baut.

Ein gro­ßer Trend in der Bran­che ist jedoch aktu­ell, dass Ket­ten wie WeWork (2010 in New York gegrün­det) und Mind­space (zuerst 2014 in Tel Aviv) welt­weit Stand­or­te in Top­la­gen mit meh­re­ren 1.000 m2 Flä­che eröff­nen. So auch in Ber­lin, wo bei­de bald auf jeweils drei Spaces kom­men. In der deut­schen Haupt­stadt wird der­zeit zwar nur etwa jeder zehn­te Cowor­king-Space von einem gro­ßen Anbie­ter betrie­ben. Die­se bespie­len aber bereits cir­ca 80 Pro­zent der vor­han­de­nen Cowor­king-Flä­che.

Ein zwei­ter, ver­gleichs­wei­se klei­ner Trend geht hin zur inte­grier­ten Kin­der­be­treu­ung. Die­ses Ange­bot wis­sen vor allem Eltern von Klein­kin­dern zu schät­zen, wel­che es zu Hau­se nicht schaf­fen, par­al­lel für ihr Kind da zu sein und zu arbei­ten. Ten­den­zi­ell also alle Eltern von Klein­kin­dern.

Verschiedene Spielarten

Auf unse­rer Safa­ri wur­den wir in allen Spaces sehr freund­lich auf­ge­nom­men. Als Ers­tes lern­ten wir, dass man sich hier duzt. Die Atmo­sphä­re in den Spaces war locker, ent­spannt, teil­wei­se herz­lich.

Über­rascht waren wir von der gro­ßen Viel­falt an Kon­zep­ten. Ange­fan­gen von gemüt­lich-fami­li­är im Alt­bau und alter­na­tiv-krea­tiv im Vin­ta­ge-Look über Spaces im her­kömm­li­chen Büro­de­sign bis hin zu mehr­ge­schos­si­gen Land­schaf­ten und desi­gnori­en­tier­ten Sha­red-Office-Kon­zep­ten. „All die unter­schied­li­chen Orte und Kon­zep­te haben ihre Berech­ti­gung“, fin­det Tobi­as (Krem­kau), Cowor­king-Mana­ger des St. Ober­holz. So kann jeder den Cowor­king-Arbeits­platz fin­den, der zu ihm passt. Ähn­lich sieht es auch Aleks (Pek­se­na), Com­mu­ni­ty-Mana­ger des co.up, wenn er sagt: „Jeder soll sei­nen Ort fin­den.“

Die eigentliche Idee hinter dem Coworking

Wel­che Kri­te­ri­en einen Cowor­king-Space aus­ma­chen, dar­über wird in der Sze­ne der­zeit heiß dis­ku­tiert. „Cowor­king ist zu einem kras­sen Buz­zword gewor­den“, meint bei­spiels­wei­se Tobi­as vom St. Ober­holz. Für ein­ge­fleisch­te Cowor­ker bedeu­tet der Begriff deut­lich mehr, als nur wie in einem Busi­ness-Cen­ter zusam­men mit ande­ren zu arbei­ten. Offen­heit, Gemein­schaft, Kol­la­bo­ra­ti­on, Nach­hal­tig­keit und Zugäng­lich­keit sind für sie Grund­wer­te. Beim Cowor­king geht es für sie um den Kon­takt zwi­schen Men­schen, dar­um, dass aus die­sem Kon­takt neue Ide­en und Pro­jek­te ent­ste­hen, dass man sich gegen­sei­tig aus­tauscht, hilft und wei­ter­bringt. Aber auch dar­um, dass sich bei einem selbst ein Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl ent­wi­ckelt. Kurz: Beim Cowor­king im eigent­li­chen Sin­ne geht es um eine Com­mu­ni­ty – und nicht um Ein­zel­kämp­fer, die neben­ein­an­der­sit­zen.

Mehr als Arbeitsplätze

Ent­spre­chend ist der Betrei­ber eines Cowor­king-Spaces mehr als ein Ver­mie­ter von Arbeits­plät­zen. „Es gehört dazu, dass du Leu­te ver­netzt, ihnen zuhörst und Tipps gibt“, erklärt Katy (Zühl­ke), Head of Cowor­king & Com­mu­ni­ty vom Beta­haus. „Gute Com­mu­ni­ty-Mana­ger ken­nen alle Cowor­ker mit Namen, bis hin zu ihrem Geburts­tag“, fin­det Björn (Budack). Und Phil­ipp (Michalek) von the ear­ly­bird BERLIN betont: „Wenn ich sehe, dass es jeman­dem bei der Arbeit mal schlecht geht, spre­che ich ihn an und brin­ge ihn kurz auf ande­re Gedan­ken.“ Ob ein Cowor­king-Space funk­tio­niert oder nicht, hängt dem­nach wesent­lich von sei­nem Per­so­nal, sei­ner guten See­le, ab.

Flex, Fixed, Private

Die ursprüng­li­che Arbeits­platz­form im Cowor­king-Space ist ein Schreib­tisch oder Bench-Platz in einem Open Space. Je nach Vor­lie­be kann ent­we­der ein bestimm­ter Platz fest gebucht wer­den (Fixed Desk genannt) oder ledig­lich irgend­ein Platz (Flex Desk). Letz­te­res, als Hot-Des­king bezeich­net, ist in der Regel güns­ti­ger, funk­tio­niert aber nach dem Prin­zip Biblio­thek oder Fit­ness­stu­dio: Es gibt mehr Per­so­nen mit einem Anspruch auf einen Platz als Plät­ze. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst – und wer zu spät kommt, geht even­tu­ell leer aus.

Für Puris­ten sind nur Arbeits­plät­ze in der offe­nen Flä­che, Fixed oder Flex, ech­tes Cowor­king, weil man dort mit­ten in der Com­mu­ni­ty sitzt, mit ande­ren in Kon­takt kommt und inter­agiert. Um sei­ne Tisch­nach­barn nicht zu stö­ren, soll sich zum län­ge­ren Tele­fo­nie­ren in abge­trenn­te Berei­che zurück­ge­zo­gen wer­den. Aktu­ell machen sol­che Open Spaces in Deutsch­land noch gut die Hälf­te der Gesamt­flä­che eines Cowor­king-Spaces aus, hat der Cowor­king-Sur­vey von Deskmag erho­ben.

Stark im Kom­men sind aber abge­schlos­se­ne Grup­pen­bü­ros inner­halb der Cowor­king-Spaces. In die­se „Pri­va­te Offices“ kön­nen sich Teams oder gan­ze Unter­neh­mens­ab­tei­lun­gen ein­mie­ten. Aktu­ell bele­gen die­se Büros zwölf Pro­zent der Flä­che in deut­schen Cowor­king-Spaces. Da sie bere­chen­ba­re und lang­fris­ti­ge Ein­nah­men brin­gen, redu­zie­ren eini­ge Cowor­king-Space-Betrei­ber die Anzahl der Flex Desks zuguns­ten sol­cher Büros, die oft als Raum-in-Raum-Glas­käs­ten kon­stru­iert sind.

Zur Grund­aus­stat­tung der Spaces gehö­ren eben­falls Mee­ting- und Even­träu­me, in die sich oft auch Nicht­mit­glie­der ein­mie­ten kön­nen. Man­che Spaces bie­ten außer­dem Ein­zel­bü­ros.

Heart of Space: die Kaffeeküche

Essen­zi­ell für Cowor­king-Spaces sind Cafe­te­ri­as mit ange­schlos­se­nen Loun­ges oder Küchen mit Kaf­fee­ma­schi­ne, Kühl­schrank, Mikro­wel­le, oft Geschirr­spü­ler. Hier wird geges­sen, gechillt, vor allem aber ein­an­der begeg­net. Die­se Berei­che sind über­aus wich­tig für das, was uns immer wie­der als das Wesent­li­che eines Cowor­king-Spaces beschrie­ben wur­de: das „fee­ling at home“, wie es Isa­bel (Borst), Com­mu­ni­ty Asso­cia­te von WeWork sag­te, oder „den Vibe, dass man sich wohl­fühlt“, wie es John (Neilan), Betrei­ber von Tues­day Cowor­king, for­mu­lier­te. Kaf­fee und Was­ser gibt es dort meist gra­tis weil inklu­si­ve, bei WeWork sogar Bier. Für Snacks gilt in der Regel das Fair-Use-Prin­zip, also Bezah­lung auf Ver­trau­ens­ba­sis.

DIY oder Ergonomie?

Wor­an erkennt man einen Cowor­king-Space? An Kabeln, die von offe­nen Decken hän­gen, an Kal­lax und Mar­kus aus Schwe­den, an Tischen Mar­ke Eigen­bau, an Euro­palet­ten-Sta­peln, „Tele­fon­zel­len“ und Kicker­ti­schen sowie an jeder Men­ge Sofas und Ses­seln. So dach­ten wir vor unse­rer Safa­ri. Tat­säch­lich wei­sen klei­ne und mit­tel­gro­ße Spaces vie­le die­ser Merk­ma­le auf. Bei grö­ße­ren Anbie­tern aller­dings hängt nichts von der Decke, und Ikea sucht man hier auch ver­geb­lich. Gene­rell sind wir übri­gens weni­ger als gedacht auf Pho­ne­booths und Spiel­ecken mit Kicker, Bil­lard­tisch oder Tisch­ten­nis­plat­te gesto­ßen. Rela­tiv häu­fig jedoch auf Schwar­ze Bret­ter bzw. Job-Boards.

In Sachen Ergo­no­mie wür­den Exper­ten in vie­len Spaces die Hän­de über dem Kopf zusam­men­schla­gen, sowohl bei vie­len klei­nen Anbie­tern als auch bei den gro­ßen Ket­ten. Nicht höhen­ver­stell­ba­re Schreib­ti­sche mit Maßen von 100 x 50 cm, Soft-Sea­ting-Möbel oder Cafe­te­ria­stüh­le als dau­er­haf­te Sitz­lö­sun­gen und Men­schen, die stun­den­lang auf klei­ne Lap­tops star­ren, wel­che sie auf ihren Ober­schen­keln balan­cie­ren. Das ist so ziem­lich das Gegen­teil des­sen, was als gesun­de Büro­ar­beit defi­niert ist.

Die Aus­nah­me davon bil­de­ten Spaces, die eher ein Busi­ness-Publi­kum anspre­chen: das OffX (mit dem Büro­mö­bel­her­stel­ler Haworth im Rücken), das ear­ly­bird (über­prüft vom Arbeits­schutz von Axel Sprin­ger) und Design Offices. Hier fan­den wir Büro­stüh­le mit Syn­chron­me­cha­nik, aus­rei­chend gro­ße Schreib­ti­sche (sogar mal eine Sitz-Steh-Lösung) sowie eine norm­ge­rech­te Aus­leuch­tung vor.

Ergo­no­mie und Qua­li­tät sind natür­lich auch eine Kos­ten­fra­ge. Man muss außer­dem beden­ken, dass der Ansatz der meis­ten Cowor­king-Betrei­ber ein ande­rer ist als in der klas­si­schen Büro­welt: „Das Cowor­king kommt aus der Kaf­fee­haus-, nicht aus der Büro­kul­tur. Schö­ne Möbel sind zwar nett, aber ohne die rich­ti­ge Kul­tur klappt es nicht. Es muss authen­tisch sein“, erklärt Tobi­as vom St. Ober­holz. Und Katy vom Beta­haus fragt: „Ist es wirk­lich eine Ver­bes­se­rung, wenn du teu­re Möbel hast?“

Der Service: alles da

Zu jedem Cowor­king-Space gehö­ren diver­se Dienst­leis­tun­gen. Das beginnt beim inbe­grif­fe­nen WLAN, geht oft mit Dru­cken auf Fair-Use-Basis wei­ter, schließt häu­fig die Nut­zung eines Schred­ders und von Schließ­fä­chern ein und hört bei der Hil­fe im Fal­le eines ver­ges­se­nen Netz­teils oder Adap­ters noch nicht auf. „Ein Cowor­king-Space ist ein Hotel der Arbeit“, fasst es Phil­ipp vom ear­ly­bird zusam­men. „Man bekommt dort vie­les, um das man sich selbst nicht mehr küm­mern muss, ange­fan­gen von den Möbeln über den Strom bis zur Rei­ni­gung.“ Sei­nen Lap­top muss hin­ge­gen jeder selbst mit­brin­gen. Cowor­ker an Fixed Desks oder in Pri­vat Offices stel­len dort meist auch einen eige­nen Bild­schirm auf, teils ergänzt um Maus und Tas­ta­tur.

Ähn­lich wie in einem Hotel funk­tio­nie­ren auch die Öff­nungs­zei­ten. Offi­zi­ell haben Cowor­king-Spaces in der Regel wochen­tags von 9 bis 19 Uhr geöff­net. Das ist aber nur ein Teil der Wahr­heit. Einer­seits kann man sich in klei­ne­ren Spaces zum Bei­spiel nur an weni­gen Stun­den am Tag oder sogar in der Woche anmel­den. Ande­rer­seits bekommt, wer ein­mal Mit­glied eines Spaces ist, oft einen 24/7-Zugang mit Schlüs­sel oder ggf. Chip­kar­te und App.

Bei unse­rer Safa­ri haben wir teil­wei­se die Erfah­rung gemacht, dass die Emp­fangs­be­rei­che nur spär­lich besetzt waren. Gera­de grö­ße­re Spaces schie­nen uns unter­be­setzt. Schon eine Ver­ab­re­dung war manch­mal gar nicht so ein­fach. Es dau­er­te hier und da Tage bis zu einer Ant­wort. Bei einem Gro­ßen der Bran­che bestand die­se auch nur aus Text­bau­stei­nen von der über­see­ischen Zen­tra­le, die inhalt­lich kaum auf unse­re Anfra­ge ein­gin­gen.

Da sich die ange­bo­te­nen Arbeits­for­men (Flex und Fixed Desks, Kon­fe­renz­raum etc.) und der Basis­ser­vice (WLAN, Dru­cker, Kaf­fee, Schließ­fä­cher etc.) bei den von uns besuch­ten Cowor­king-Spaces kaum wesent­lich unter­schie­den, haben wir sie aus unse­rer Über­sicht her­aus­ge­las­sen.

Wer arbeitet in Coworking-Spaces?

Wir rech­ne­ten auf unse­rer klei­nen Rund­rei­se vor allem mit krea­ti­ven, selbst­stän­di­gen Cowor­kern in ihren 20ern und 30ern. Die Über­ra­schung war groß, als wir in man­chen Spaces auf bei­na­he genau­so vie­le Ange­stell­te in den 40er und 50er Jah­ren tra­fen.

Laut Cowor­king-Sur­vey machen Free­lan­cer der­zeit noch 58 Pro­zent der Cowor­ker in Deutsch­land aus. Fast die Hälf­te stel­len aber bereits Unter­neh­mer und Ange­stell­te dar, die in den Spaces allein – etwa auf Geschäfts­rei­se – oder in Fir­men­teams arbei­ten.

Dass gan­ze Abtei­lun­gen ein­mal Cowor­king aus­pro­bie­ren, um zu schau­en, ob sie in einer ande­ren Umge­bung auf bes­se­re Ide­en kom­men, ist der­zeit ein gro­ßer Trend. Bei unse­rer Safa­ri sind wir bei­spiels­wei­se auf Teams von Audi, Sam­sung, Viess­mann und DB Schen­ker gesto­ßen. Unter­neh­men schät­zen auch die Fle­xi­bi­li­tät: Cowor­king-Plät­ze las­sen sich schnell anmie­ten und wie­der kün­di­gen. Kein lan­ges Suchen, kein Umzug, kein Ein­rich­ten und Aus­stat­ten.

Erwar­tungs­ge­mäß kamen vie­le Cowor­ker in den besuch­ten Spaces aus dem Aus­land. Nach Aus­kunft der Betrei­ber machen sie im Schnitt 30 bis 60 Pro­zent aus. Das dürf­te übri­gens auch der Grund dafür sein, dass die Web­sei­ten vie­ler Cowor­king-Spaces nur auf Eng­lisch sind.

Trägt sich das?

Die meis­ten klei­ne­ren und mit­tel­gro­ßen Spaces müs­sen um eine schwar­ze Null kämp­fen. Laut Deskmag-Umfra­ge ist nur etwa ein Vier­tel aller Cowor­king-Spaces in Deutsch­land pro­fi­ta­bel. Bei 59 Pro­zent hal­ten sich Ein­nah­men und Aus­ga­ben die Waa­ge, was aber oft auch bedeu­tet, dass sich die Betrei­ber noch kein Gehalt zah­len kön­nen. Ist ein Space erst ein­mal ein­ge­rich­tet, mögen die Unter­halts­kos­ten über­schau­bar sein. Mit Tages­päs­sen für zehn Euro las­sen sie sich den­noch kaum erwirt­schaf­ten.

Als kri­ti­sche Mini­mal­grö­ße, um pro­fi­ta­bel zu sein, gel­ten 200 bis 250 m2 gut gebuch­te Cowor­king-Flä­che. Eine not­wen­di­ge zusätz­li­che Ein­nah­me­quel­le stel­len Mee­tings und Events von Exter­nen dar. Oft gene­rie­ren Spaces dar­aus etwa die Hälf­te ihrer Ein­nah­men. Je attrak­ti­ver der Stand­ort, des­to grö­ßer die Chan­ce, sol­che Events anzu­zie­hen. Das ist auch einer der Grün­de dafür, dass Cowor­king-Spaces in ange­sag­ten Städ­ten wie Ber­lin bes­se­re Chan­cen haben als anders­wo.

Bei den gro­ßen Ket­ten dürf­te die Rech­nung dage­gen bereits auf­ge­hen. Top­la­gen kos­ten viel, aber bei ca. 1.000 Mit­glied­schaf­ten und Grund­ge­büh­ren von je 370 bis 530 Euro/Monat wie bei WeWork am Pots­da­mer Platz müss­te durch­aus etwas übrig­blei­ben. Hin­zu kom­men die vie­len Mil­lio­nen, die die Gro­ßen der­zeit bei Inves­to­ren ein­sam­meln. Das Kon­zept ist sim­pel: bil­lig mie­ten, teu­rer ver­mie­ten. Am Times Squa­re in New York mie­tet WeWork zum Bei­spiel laut Gruenderszene.de für 58 US-Dol­lar pro Qua­drat­me­ter und ver­mie­tet für 160 Dol­lar. Die Gewinn­mar­ge soll stets zwi­schen 30 und 60 Pro­zent lie­gen.

Unser Safarifazit

Cowor­king-Spaces bil­den real noch eine Nische, sind aber stark im Kom­men. Viel­leicht wird der Hype in ein paar Jah­ren etwas abklin­gen, wenn die meis­ten Unter­neh­men die­ses Kon­zept ein­mal aus­pro­biert und ihre Fir­men­sit­ze dann selbst in Spaces umge­wan­delt haben. Cowor­king ist ein sehr span­nen­des und viel­fäl­ti­ges Phä­no­men. Es kann die Büro­ar­beit berei­chern und inspi­riert die Pla­ner von her­kömm­lich bewirt­schaf­te­ten Büro­flä­chen. Für Free­lan­cer und Dau­er­ge­schäfts­rei­sen­de kön­nen Cowor­king-Spaces ide­al sein. Für Ver­wal­tungs­an­stell­te, Sekre­tä­rin­nen, Lohn­buch­hal­ter auf Dau­er eher nicht. Wir emp­feh­len es aber allen Office-Workern ein­mal.

Für eine erfolg­rei­che Zukunft wäre aus unse­rer Sicht noch das Pro­blem der Ergo­no­mie zu lösen. Eine wei­te­re Her­aus­for­de­rung für die Bran­che stellt die Wirt­schaft­lich­keit dar. Fast alle befrag­ten Betrei­ber wol­len expan­die­ren. Da es in Städ­ten wie Ber­lin immer schwie­ri­ger wird, güns­ti­ge Räum­lich­kei­ten für Cowor­king-Spaces zu fin­den, könn­ten am Ende aber viel­leicht nur die Big Play­er das not­wen­di­ge Wachs­tum schaf­fen.

Die zehn Stationen der Coworking-Safari

Betahaus – der Inbegriff

Fing 2009 mit vier Stüh­len und einem Tisch an, erstreckt sich heu­te auf vier Eta­gen und 5.000 m2. +++ Sieht sich immer noch als Beta­ver­si­on, also in der Ent­wick­lung. +++ Indus­tri­el­ler Rough-Chic mit vie­len selbst­ge­bau­ten Möbeln, inzwi­schen ergänzt um Vit­ras Büro­stuhl All­star. +++ Holz­werk­statt und eige­nes, öffent­lich zugäng­li­ches Café im Haus. +++ Sehr inter­na­tio­na­le Com­mu­ni­ty im Alter von 30 bis 35. +++ Wei­te­re Beta­häu­ser in Ham­burg, Bar­ce­lo­na, Sofia; Part­ner­lo­ca­ti­ons welt­weit.

co.up – mit Hinterhaus-Charme

Seit 2009, damit einer der ältes­ten Cowor­king-Spaces in Ber­lin. +++ Die Grün­der haben das erfolg­rei­che Online­tool Cobot ent­wi­ckelt, mit dem sich vor allem klei­ne­re Spaces kom­for­ta­bel ver­wal­ten las­sen. +++ Ange­nehm ruhi­ge Hin­ter­haus­at­mo­sphä­re. +++ Nahe­zu täg­lich kos­ten­lo­se Meet-ups, Vor­trä­ge, Semi­na­re auch von und für Nicht-Mit­glie­der/n. +++ Laut eige­ner Aus­sa­ge nicht gewinn­ori­en­tiert.

Design Offices – der Business-Space

„Unter den Lin­den“ – die Top­adres­se. +++ Der Name ist Pro­gramm: aus­ge­stat­tet mit hoch­wer­ti­gen Desi­gner­mö­beln. +++ Vie­le Cor­po­ra­te-Kun­den, die kom­plet­te Büros oder Eta­gen­be­rei­che anmie­ten, und weni­ger aus­ge­präg­te Com­mu­ni­ty. Daher kein Cowor­king-Space im enge­ren Sin­ne. +++ Prak­tisch für Viel­rei­sen­de und Fans von klang­vol­len Fir­men­adres­sen, auch in Düs­sel­dorf, Frank­furt, Ham­burg, Köln, Mün­chen, Nürn­berg und Stutt­gart.

the earlybird BERLIN – das Wohnzimmer

Sehr lie­be­voll geführ­ter Cowor­king-Space. +++ Der Name zieht sich als roter Faden durch den Space: Mee­tin­g­räu­me sind nach Vögeln benannt, die Mikro­wel­le heißt Brut­kas­ten, Stamm­kun­den bekom­men ein gefal­te­tes Vögel­chen auf ihren Platz. +++ Gemüt­li­cher Office-Look mit ergo­no­mi­scher Büro­ein­rich­tung. +++ Lang­zeit­gäs­te erhal­ten einen Haus­aus­weis für die Axel-Sprin­ger-Pas­sa­ge und kön­nen damit auf die Dach­ter­ras­se.

Kiez Büro – für die Nachbarn

Fami­liä­re Atmo­sphä­re mit Pri­vat­bi­blio­thek. +++ Kei­ne Tages­päs­se, nur monat­li­che Mit­glied­schaft. Dafür dann 24/7-Zugang. +++ Bie­tet auch gemein­sa­mes Früh­stück, korea­ni­sche Tee­ze­re­mo­nie und Par­tys. +++ Betrei­ber Björn (Budack) kommt ursprüng­lich aus der Busi­ness-Cen­ter-Bran­che und berät heu­te auch ande­re Cowor­king-Spaces. +++ Seit 2016 in Kreuz­berg, nun auch am Gen­dar­men­markt in Ber­lin-Mit­te.

Mindspace (Friedrichstraße) – die Riesenlounge

Seit 2016. +++ 5.000 m2 mit vie­len gemüt­li­chen Loun­ge­be­rei­chen. +++ Sehr sty­lish. +++ Freund­lich-pro­fes­sio­nel­le Betreu­ung. +++ Sehr inter­na­tio­na­le Com­mu­ni­ty, vie­le Cor­po­ra­te-Kun­den. +++ Zur Ket­te gehö­ren bald drei Stand­or­te in Ber­lin und wei­te­re in Ham­burg, Mün­chen, Tel Aviv, Lon­don und War­schau.

OffX – der kleine Feine

Exis­tiert seit 2015 im ehe­ma­li­gen Show­room des Büro­mö­bel­her­stel­lers Haworth. +++ Ent­spre­chend hoch­wer­tig und ergo­no­misch ist die Ein­rich­tung, teil­wei­se sogar mit Sitz-Steh-Tischen. +++ Rich­tet sich pri­mär an Cor­po­ra­te-Kun­den und Geschäfts­rei­sen­de, die für kur­ze Zeit (auch mal nur für eine Stun­de) einen Arbeits­ort in Ber­lin benö­ti­gen. +++ Ruhi­ge Atmo­sphä­re auf klei­ner Flä­che.

St. Oberholz – der Kultige

Eine der Keim­zel­len des Cowor­kings in Ber­lin. +++ Star­ke inter­na­tio­na­le Com­mu­ni­ty und inter­na­tio­na­le Bekannt­heit. +++ Enga­gier­tes Com­mu­ni­ty-Manage­ment. +++ Krea­tiv-alter­na­tiv ein­ge­rich­tet mit aus­ge­such­ten Vin­ta­ge-Ele­men­ten. +++ Öffent­lich zugäng­li­ches Café in den unte­ren Eta­gen des Stamm­hau­ses, das gele­gent­lich mit dem Cowor­king-Space ver­wech­selt wird. +++ Neben dem Stamm­sitz im wun­der­ba­ren Alt­bau inzwi­schen ein fuß­läu­fig erreich­ba­rer zwei­ter Space. +++ Welt­weit Part­ner­lo­ca­ti­ons.

Tuesday Coworking – der Familiäre

Gemüt­lich-char­man­ter Cowor­king-Space mit WG-Cha­rak­ter im Alt­bau. +++ Fami­li­är und freund­lich geführt. +++ Krea­tiv ein­ge­rich­tet mit selbst­ent­wor­fe­nen Ele­men­ten und viel Holz. +++ Von der Free­lan­cer-Platt­form Twa­go 2016 als belieb­tes­ter Cowor­king-Space Ber­lins aus­ge­zeich­net. +++ Heißt Tues­day, weil der Diens­tag immer der pro­duk­tivs­te Arbeits­tag des Grün­ders und Betrei­bers war.

WeWork – der Riese

Seit 2016 im Sony-Cen­ter am Pots­da­mer Platz, sieb­te bis zehn­te Eta­ge – direkt über Face­book. Mit fan­tas­ti­schem Blick über Tier­gar­ten und Kul­tur­fo­rum. +++ Sehr inter­na­tio­na­le Com­mu­ni­ty. +++ Leich­te Busi­ness-Club-Atmo­sphä­re. +++ Sehr sty­lish. Quir­li­ger Loun­ge­be­reich mit Flex Desks und Hin­ter­grund­mu­sik. +++ Macht das eige­ne Zuhau­se eigent­lich über­flüs­sig: Bier gra­tis, Duschen vor­han­den. +++ Bald drei Stand­or­te in Ber­lin, wei­te­re in Frank­furt und Ham­burg, in 25 Städ­ten der USA, in Isra­el, Bra­si­li­en, Chi­na, Indi­en, Mexi­ko und vie­len mehr.