Einst unver­zicht­ba­res Werk­zeug auf jedem Schreib­tisch, wur­den Taschen­rech­ner zunächst von den PCs an den Rand und dann durch Smart­pho­nes end­gül­tig von der Tisch­kan­te gedrängt. In den meis­ten Büros fris­ten sie nur noch ein Nischen­da­sein.

Angefangen hat alles mit dem Rechenhilfsmittel Abakus. Foto: Pixabay

Ange­fan­gen hat alles mit dem Rechen­hilfs­mit­tel Aba­kus. Foto: Pixabay

Ein elektronischer Tischrechner von Canon (Canola 130) aus dem Jahre 1964.

Ein elek­tro­ni­scher Tisch­rech­ner von Canon (Cano­la 130) aus dem Jah­re 1964.

moderner Taschenrechner Class Pad II von Casio.

Moder­ner Gra­fik­ta­schen­rech­ner mit Alge­bra-Sys­tem: das Class Pad II von Casio.

Ange­fan­gen hat alles mit dem Aba­kus: Das ältes­te bekann­te Rechen­hilfs­mit­tel exis­tiert seit mehr als 3.000 Jah­ren in vie­len Kul­tu­ren und wird teil­wei­se auch heu­te noch ver­wen­det. Mit sei­ner Hil­fe las­sen sich die vier Grund­re­chen­ar­ten sowie das Zie­hen von Qua­drat- und Kubik­wur­zeln durch­füh­ren.

Rechenmaschinen

Ab Mit­te des 17. Jahr­hun­derts ver­brei­te­te sich die mecha­ni­sche Rechen­ma­schi­ne in Euro­pa. Ihre ers­te urkund­li­che Erwäh­nung fin­det sich 1623 in einem Brief von Wil­helm Schi­ckard an Johan­nes Kep­ler. Nach­dem ab 1830 die Gesetz­mä­ßig­kei­ten der Elek­tri­zi­tät bekannt waren und ihre brei­te Anwen­dung begann, kamen elek­tro­me­cha­ni­sche Rechen­ma­schi­nen auf. Bei die­sen wur­den die Kur­beln und Hebel durch einen Elek­tro­mo­tor ersetzt, was mit einer deut­li­chen Zeit­er­spar­nis bei der Bedie­nung ein­her­ging.

Elektronische Anfänge

Als ech­te Vor­läu­fer der Taschen­rech­ner gel­ten elek­tro­ni­sche Tisch­rech­ner. Die nie­der­län­di­sche Fir­ma Phil­ips in Eind­ho­ven ent­wi­ckel­te und bau­te Anfang der 1960er Jah­re drei elek­tro­ni­sche Tisch­rech­ner, die aller­dings nie in Serie gin­gen. 1962 kam mit der ANITA von Nor­man Kitz die ers­te elek­tro­ni­sche Tisch­re­chen­ma­schi­ne auf den Markt. Sie beherrsch­te die vier Grund­re­chen­ar­ten und kos­te­te so viel wie ein VW Käfer. Bei­na­he zeit­gleich wur­den 1970 von den japa­ni­schen Fir­men Sharp, San­yo und Canon erst­mals elek­tro­ni­sche Rech­ner mit Bat­te­rie­be­trieb ver­kauft. Als ers­ter Taschen­rech­ner wird dabei das Modell von Sharp (Sharp EL-8) ange­se­hen, das zwar schon als kom­pakt galt, aber 6,7 cm dick war. Die Wei­ter­ent­wick­lung ver­lief so schnell, dass schon ein Jahr spä­ter Gerä­te zu kau­fen waren, die tat­säch­lich als „Taschen“-Rechner bezeich­net wer­den konn­ten.

Evolution der Taschenrechner

1971 ent­wi­ckel­te Intel mit dem Intel 4004 den ers­ten in Seri­en­fer­ti­gung her­ge­stell­ten Mikro­pro­zes­sor für den Ein­satz im Taschen­rech­ner der japa­ni­schen Fir­ma Busi­com (Busi­com 141-PF). 1972 erschien mit dem HP-35 von Hew­lett-Packard ein wis­sen­schaft­li­cher Taschen­rech­ner mit tri­go­no­me­tri­schen, loga­rith­mi­schen und Expo­nen­ti­al­rech­nungs­funk­tio­nen. Pro­gram­mier­ba­re Taschen­rech­ner wur­den ab 1974 vor allem von Hew­lett Packard und Texas Instru­ments ent­wi­ckelt. In die­ser Zeit began­nen die Prei­se für Mikro­elek­tro­nik und damit auch für Taschen­rech­ner rapi­de zu fal­len. Ab Mit­te der 1980er Jah­re war ihre Ent­wick­lung so weit fort­ge­schrit­ten, dass sie sich jeder leis­ten konn­te. Ende jenes Jahr­zehnts waren dann auch gra­fik­fä­hi­ge Taschen­rech­ner erhält­lich.

Bald wur­den Taschen­rech­ner im täg­li­chen Leben zu häu­fig gebrauch­ten Hilfs­mit­teln. Bis ihre Funk­tio­nen erst von den PCs, dann von Web­an­wen­dun­gen und den Smart­pho­nes – meist gra­tis – bereit­ge­stellt wur­den. Ins­be­son­de­re auf­grund der Mobi­li­tät und stän­di­gen Ver­füg­bar­keit letz­te­rer ist der Taschen­rech­ner heu­te zumin­dest in den Büros wei­test­ge­hend ver­drängt wor­den.