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Assetklasse Büro #19: Strukturwandel statt Krise

„Wah­re Wer­te“: Für die Real-Estate-Bran­che sind Büro­im­mo­bi­li­en immer wich­ti­ger gewor­den. Längst ist aber auch hier vie­les im Wan­del. Zum The­ma Asset­klas­se Büro äußert sich die­ses Mal Mar­ti­na Wil­liams, Lei­te­rin des Bereichs Arbeits­dy­na­mik in Nord­eu­ro­pa bei der Immo­bi­li­en­be­ra­tung JLL.

Martina Williams, Head of JLL Work Dynamics Northern Europe, Jones Lang LaSalle SE. Abbildung: JLL

Mar­ti­na Wil­liams, Head of JLL Work Dyna­mics Nor­t­hern Euro­pe, Jones Lang LaSalle (JLL) SE. Abbil­dung: JLL

Der deut­sche Büro­markt hat sich seit der Pan­de­mie fun­da­men­tal gewan­delt. Die ver­ein­fach­te For­mel „Büro ist gleich Büro“ greift nicht mehr – gefragt ist heu­te eine dif­fe­ren­zier­te Betrach­tung unter­schied­li­cher Nut­zer­an­for­de­run­gen nach Unter­neh­mens­grö­ße und Branche.

Die Daten spre­chen eine kla­re Spra­che: In den deut­schen Metro­po­len hat sich die Büro­an­we­sen­heit bei knapp unter vier Tagen pro Woche ein­ge­pen­delt – annä­hernd das Niveau von vor der Pan­de­mie. Laut einer welt­wei­ten Befra­gung unter­lie­gen zwei Drit­tel der Büro­an­ge­stell­ten defi­nier­ten Anwe­sen­heits­richt­li­ni­en, wobei 72 Pro­zent die­se posi­tiv bewer­ten. Sie sind über­zeugt, dass Zusam­men­ar­beit im Büro bes­ser funktioniert.

Die Zah­len bele­gen zudem: Deutsch­land ver­zeich­net heu­te mehr als drei Pro­zent mehr Beschäf­tig­te im Dienst­leis­tungs­sek­tor als 2019. Der beleg­te Büro­flä­chen­be­stand in den sie­ben Immo­bi­li­en­hoch­bur­gen stieg zwi­schen 2019 und 2025 um 1,3 Pro­zent, der Gesamt­be­stand um 6,8 Pro­zent. Drei Fak­to­ren erklä­ren, war­um der befürch­te­te Flä­chen­ab­sturz aus­blieb: die fort­schrei­ten­de Ter­ti­är­i­sie­rung, der Wei­ter­bau bereits geneh­mig­ter Pro­jek­te und die struk­tu­rel­le Träg­heit des Immobilienbestands.

„Lage, Lage, Lage“ bedeu­tet heu­te nicht mehr aus­schließ­lich CBD [Cen­tral Busi­ness Dis­trict bzw. zen­tra­les Geschäfts­vier­tel oder Geschäfts­zen­trum; Anm. d. Red.]. Ent­schei­dend ist ein qua­li­täts­vol­les urba­nes Umfeld mit exzel­len­ter Anbin­dung und Mixed-Use-Cha­rak­ter. Der Markt hono­riert die­se Ver­schie­bung ein­deu­tig: 2025 ent­fie­len in den sie­ben Metro­po­len 68 Pro­zent des Flä­chen­um­sat­zes auf A-Qua­li­tät – ein deut­li­cher „Flight to Quality“.

Par­al­lel stie­gen die Spit­zen­mie­ten 2025 in den Big 7 um durch­schnitt­lich fünf Pro­zent, Mün­chen ist der lan­des­weit teu­ers­te Stand­ort mit nun 60 Euro/m2; gleich­zei­tig ist die Leer­stands­quo­te auf 8,1 Pro­zent geklet­tert. Die­se schein­bar para­do­xe Ent­wick­lung ist Aus­druck tief­grei­fen­der Markt­dif­fe­ren­zie­rung: Moder­ne Pre­mi­um­flä­chen blei­ben knapp und ver­teu­ern sich, wäh­rend ver­al­te­te Objek­te in peri­phe­ren Lagen die Leer­stands­sta­tis­tik belasten.

Nach etwa 30 Jah­ren errei­chen vie­le Büro­hoch­häu­ser ihre haus­tech­ni­sche Erschöp­fungs­gren­ze. Dann steht eine kos­ten­in­ten­si­ve Grund­sa­nie­rung an. Eine Top­mie­te lässt sich rea­lis­tisch nur für etwa zehn Jah­re erzie­len, danach beginnt der schlei­chen­de Qua­li­täts­ver­lust. Hoch­häu­ser behal­ten ihre Berech­ti­gung, aber nur bei geziel­ter, hoch­wer­ti­ger Sanierung.

Der Trend zur Flä­chen­kon­so­li­die­rung setzt sich fort. Unter­neh­men mit meh­re­ren Stand­or­ten bün­deln ihre Flä­chen an einem hoch­wer­ti­ge­ren Stand­ort, wobei es hier ver­schie­de­ne Seg­men­te an Sub­märk­ten zu berück­sich­ti­gen gilt, da jedes Unter­neh­men sei­ne Lage nach jewei­li­gem Bud­get ent­schei­det. Das bes­te Objekt im jewei­li­gen Sub­markt wird sich stets durch­set­zen. Ein unter­schätz­tes Poten­zi­al städ­ti­scher Ent­wick­lungs­flä­chen liegt im „Schat­ten­markt“: Deut­sche Cor­po­ra­tes ver­fü­gen über erheb­li­che Eigen­tums­flä­chen in Sekun­där­städ­ten, die lokal nicht mehr als Büro absor­biert wer­den kön­nen und Chan­cen für Neu­ent­wick­lun­gen bieten.

Der lang­fris­ti­ge KI-Ein­fluss auf den Büro­flä­chen­be­darf bleibt die zen­tra­le Unbe­kann­te. Kurz­fris­tig zeigt sich ein „Net Head­wind“ [Net­to-Belas­tung; Anm. d. Red.] mit ungleich­mä­ßi­ger Wir­kung. Gleich­zei­tig beschleu­nigt sich KI-getrie­be­nes Lea­sing: In Man­hat­tan ver­dop­pel­te sich das KI-bezo­ge­ne Lea­sing nahe­zu, in San Fran­cis­co bele­gen KI-Unter­neh­men zwölf Pro­zent der Büro­flä­che. Die Markt­po­la­ri­sie­rung ver­stärkt sich – erst­klas­si­ge Gebäu­de blei­ben nach­ge­fragt, Class-B/C-Objek­te lei­den unter Obsoleszenz.

Der KI-Boom erfor­dert zudem Rechen­zen­tren in Lagen nahe der End­ab­neh­mer – eine neue Flä­chen­kon­kur­renz ent­steht. Ent­schei­dend für die Resi­li­enz einer Stadt, von Stadt­tei­len bzw. Objek­ten ist ein aus­ge­wo­ge­ner Bran­chen­mix. Städ­te mit bezahl­ba­rer Ener­gie und Glas­fa­ser­an­bin­dung wer­den die höchs­ten Ren­di­ten erzielen.

Für 2026 wird in den sie­ben deut­schen Metro­po­len ein Büro­flä­chen­um­satz von rund drei Mil­lio­nen m2 erwar­tet. Die Erfolgs­for­mel lau­tet: Qua­li­tät, Lage und Fle­xi­bi­li­tät. Das Büro lebt – aber längst nicht jedes.

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