Out now: Die neue Ausgabe des OFFICE ROXX Mag ist da! Das Special widmet sich diesmal dem Thema „Office Break”. Chefredakteur Robert Nehring stimmt auf die 220. Ausgabe ein.
Allein, allein
Home alone. Unter diesem Titel ist Anfang Juni ein Artikel über den Zusammenhang von Remote Work und mentaler Gesundheit im Fachjournal Science erschienen. Seit der Coronapandemie habe sich die Forschung vorrangig auf die Auswirkungen des Homeoffice auf Produktivität und Arbeitszufriedenheit konzentriert, Folgen für die psychische Gesundheit seien dagegen vernachlässigt worden. Drei amerikanische Forscherinnen haben nun herausgefunden, dass Beschäftigte in ortsunabhängigen Arbeitsverhältnissen auch nach der Pandemie mehr Zeit allein mit der Arbeit verbrachten und soziale Kontakte zu Freunden mieden. Sie waren sowohl während als auch nach der Arbeit stärker isoliert. Dieses Muster war bei allein lebenden Homeoffice-Beschäftigten am deutlichsten ausgeprägt: Sie verbrachten ganze Tage ohne menschlichen Kontakt, und ihre psychische Belastung, die Inanspruchnahme psychologischer Hilfe sowie der Verbrauch von Antidepressiva nahmen rapide zu.
Eine Studie des Fraunhofer IAO von Februar dieses Jahres arbeitete die Vorteile von Homeoffice heraus, definierte aber auch einen Kipppunkt: Die Produktivität im Homeoffice sinke, wenn dessen Anteil 60 Prozent der Arbeitszeit überschreite.
Dax-Umfrage. In unserer sechsten Umfrage seit 2021 unter den bedeutendsten deutschen Unternehmen des Aktienmarktes zeichnen sich 40 Prozent Homeoffice als neuer Standard ab. Dieser Anteil der Arbeitszeit darf mobil gearbeitet werden.
Andere Umfragen unter großen Unternehmen in Deutschland wie die kürzlich erschienene von „Welt am Sonntag“ und „Business Insider“ bestätigen den Trend: Weiterhin ist Homeoffice bei diesen Unternehmen möglich. Aber der Anteil der erbetenen Anwesenheit im Büro ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
Auch die diesjährige Global-Workplace-Studie des Immobiliendienstleisters CBRE untermauert diese Entwicklung. Bei seinen weltweiten Kunden gelte am häufigsten die Regelung, dass Mitarbeitende mindestens drei Tage pro Woche überwiegend im Büro sein müssen (66 Prozent, 2024: 53 Prozent, 2023: 49 Prozent). Die Daten zeigen jedoch auch eine Diskrepanz zwischen der erwarteten und der tatsächlichen Anwesenheit: Viele Mitarbeitende sind weniger im Büro als von der Führungsebene gefordert wird.
Das liegt mitunter am sogenannten Coffee-Badging: Man kommt auf einen Kaffee ins Büro, trägt sich einen Bürotag ein und verschwindet wieder nach Hause. 41 Prozent der Hybrid-Arbeitnehmer sollen dieses Verhalten inzwischen regelmäßig zeigen, behauptet eine Studie von Owl Labs.
Schwerer Start. In der Homeoffice-Diskussion darf auch nicht vergessen werden, dass Remote-Working es der jungen Generation erschwert, im Beruf anzukommen. Studien zeigen, dass Berufseinsteiger viel lieber ins Büro kommen als ihre älteren Kollegen. Wenn dann dort aber niemand ist, der einen an die Hand nimmt, Hintergründe erläutert und bei dem man auch zufällig mal etwas aufschnappen kann, dann dauert es einfach länger, bis man dazugehört.
Hinzu kommt der Vormarsch der KI. Er erübrigt traditionelle Einarbeitungstätigkeiten. Etwas recherchieren, eine Präsentation vorbereiten oder das Meetingprotokoll übernehmen – all das gelingt heute per Knopfdruck, wenn auch mal besser und mal schlechter.
Ökonomen der London School of Economics und der Universität Oxford haben die Ursachen dafür untersucht, dass derzeit weniger Berufsanfänger eingestellt werden. In den USA, Australien, Kanada und Großbritannien liege es mehr an Homeoffice als an KI, in Deutschland sei es umgekehrt.
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