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Gesunde Innenraumqualität im Büro

In den Win­ter­mo­na­ten sinkt die Luft­feuch­tig­keit in vie­len Büros oft so weit ab, dass Mit­ar­bei­ten­de über tro­cke­ne Augen und Stimm­pro­ble­me kla­gen. Die Anfäl­lig­keit für Atem­wegs­in­fek­tio­nen steigt. Claus Hän­del und Sabi­ne Rieth­mül­ler vom Fach­ver­band Gebäu­de-Kli­ma e. V. (FGK) erläu­tern Mög­lich­kei­ten, dem vorzubeugen.

Direkt-Raumluftbefeuchter in den Büroräumen der Seele GmbH stellt eine Luftfeuchte von 45 Prozent sicher. Abbildung: Condair Systems

Direkt-Raum­luft­be­feuch­ter in den Büro­räu­men der See­le GmbH stel­len eine Luft­feuch­te von 45 Pro­zent sicher. Abbil­dung: Con­dair Systems

Die Auf­merk­sam­keit für die Raum­luft­qua­li­tät und auch für die ther­mi­sche Behag­lich­keit ist im Lauf der Coro­na­pan­de­mie erheb­lich gestie­gen. Grund war die Erkennt­nis, dass in schlecht gelüf­te­ten Innen­räu­men, in denen sich meh­re­re Per­so­nen gemein­sam auf­hal­ten, das Risi­ko der Viren­über­tra­gung beson­ders hoch ist und dass effi­zi­en­tes Lüf­ten dazu bei­trägt, die­ses Risi­ko zu ver­rin­gern. Effek­ti­ves Lüf­ten war aber schon vor der Pan­de­mie Vor­aus­set­zung für eine hohe Raum­luft­qua­li­tät und wird es immer sein.

Frischluftzufuhr enorm wichtig für Raumluftklima

Wird zu wenig gelüf­tet, steigt in Räu­men, in denen sich Men­schen auf­hal­ten, der CO2-Gehalt in der Luft. Ist er zu hoch, sinkt die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit und das gro­ße Gäh­nen beginnt. Auch Schad­stof­fe wie flüch­ti­ge orga­ni­sche Ver­bin­dun­gen, soge­nann­te VOCs (Vola­ti­le Orga­nic Com­pounds), die aus Möbeln oder Tep­pi­chen aus­düns­ten, kön­nen sich in der Raum­luft anreichern.

Lüf­ten ist also not­wen­dig, um mit CO2, Schad­stof­fen und Kei­men belas­te­te Raum­luft abzu­füh­ren und durch Außen­luft zu erset­zen. Dabei sinkt jedoch bei nied­ri­gen Außen­tem­pe­ra­tu­ren die Raum­luft­feuch­tig­keit, selbst wenn es drau­ßen reg­net oder neb­lig ist. Das liegt dar­an, dass kal­te Luft weni­ger Feuch­tig­keit auf­neh­men kann als war­me. Kommt sie in den Raum und erwärmt sich dort, sinkt die rela­ti­ve Luft­feuch­tig­keit. Dabei spielt es kei­ne Rol­le, ob die Außen­luft durch geöff­ne­te Fens­ter oder mit­hil­fe einer Lüf­tungs­an­la­ge in den Raum gelangt. In Büros hat die­ser Effekt jedoch zur Fol­ge, dass die rela­ti­ve Luft­feuch­tig­keit in der kal­ten Jah­res­zeit oft weit unter der emp­foh­le­nen Min­dest­feuch­te von 40 Pro­zent liegt, teil­wei­se fällt sie auf Wer­te unter 20 Prozent.

Gesundheitliche Probleme durch zu geringe Luftfeuchte

Im Gegen­satz zur Tem­pe­ra­tur oder Luft­be­we­gung (Zug­luft) kön­nen wir die Luft­feuch­tig­keit nicht direkt wahr­neh­men. Indi­rekt macht sich eine zu nied­ri­ge Luft­feuch­te bei­spiels­wei­se durch tro­cke­ne Haut und Augen oder Pro­ble­me mit der Stim­me bemerk­bar. Liegt sie län­ge­re Zeit unter 40 Pro­zent, kön­nen die Schleim­häu­te in Mund, Nase, Rachen und Augen aus­trock­nen. Dadurch sinkt deren Leis­tungs­fä­hig­keit zur Abwehr von Viren und Bak­te­ri­en, sodass das Infek­ti­ons­ri­si­ko etwa für Grip­pe­er­kran­kun­gen steigt. Zudem scheint eine zu nied­ri­ge Luft­feuch­te Influ­en­za­vi­ren direkt zu begüns­ti­gen. Sie zei­gen dann näm­lich höhe­re Über­le­bens- und Anste­ckungs­ra­ten. Bei Men­schen mit bereits vor­han­de­nen Atem­wegs­er­kran­kun­gen wie Asth­ma kann eine zu gerin­ge Raum­luft­feuch­te dazu füh­ren, dass sich die Sym­pto­me ver­stär­ken. Aus gesund­heit­li­cher Sicht emp­feh­len Exper­ten des­halb eine Raum­luft­feuch­te von min­des­tens 40 Prozent.

Das Scofield-Sterling-Diagramm zeigt deutlich, dass die optimale Raumluftfeuchte im Bereich zwischen 40 und 60 Prozent liegt. Abbildung: FGK

Das Sco­fi­eld-Ster­ling-Dia­gramm zeigt deut­lich, dass die opti­ma­le Raum­luft­feuch­te im Bereich zwi­schen 40 und 60 Pro­zent liegt. Abbil­dung: FGK

Aller­dings ist das Mot­to „viel hilft viel“ hier fehl am Platz. Eine zu hohe Luft­feuch­tig­keit hat näm­lich eben­falls Nach­tei­le, sie kann bei­spiels­wei­se Feuch­te­schä­den an der Bau­sub­stanz zur Fol­ge haben. Außer­dem ist die Luft­be­feuch­tung mit einem gewis­sen Ener­gie­ein­satz ver­bun­den, der bei einer Befeuch­tung auf Wer­te über 45 Pro­zent unan­ge­mes­sen hoch wäre. Die obe­re Grenz­feuch­te von 60 Pro­zent wird in Büros und ähn­li­chen Nut­zun­gen mit gerin­gen Feucht­elas­ten ohne­hin im Win­ter nicht erreicht und ist in die­sem Zusam­men­hang als som­mer­li­cher Grenz­wert bei schwül­war­men Bedin­gun­gen zu sehen. Aus gesund­heit­li­cher Sicht wür­de die­se Stei­ge­rung auch kei­nen zusätz­li­chen Vor­teil mit sich bringen.

Sicherstellen einer Mindestfeuchte von 40 Prozent

Tipps für das Erhö­hen der Raum­luft­feuch­te emp­feh­len oft Zim­mer­pflan­zen. Der Effekt ist jedoch bei einer Büro­nut­zung viel zu gering, eben­so wie beim Auf­stel­len von Ver­duns­ter­scha­len, vor dem der Fach­ver­band Gebäu­de-Kli­ma e.V. aus hygie­ni­schen Grün­den aus­drück­lich abrät.

Um eine aus­rei­chen­de Raum­luft­feuch­te sicher­zu­stel­len, bie­tet der Markt tech­ni­sche Lösun­gen, die zuver­läs­sig und hygie­nisch arbei­ten. Sie las­sen sich nach zwei Grund­prin­zi­pi­en unter­tei­len: Von indi­rek­ter Befeuch­tung spricht man, wenn die Luft in einer Raum­luft­tech­ni­schen Anla­ge (Lüf­tungs- oder Kli­ma­an­la­ge) befeuch­tet wird und über Kanä­le und Aus­lass­öff­nun­gen in die Räu­me gelangt. Sol­che Anla­gen wer­den über einen Anschluss an das Trink­was­ser­netz mit Was­ser ver­sorgt. Je nach Sys­tem ist in der Zulei­tung eine Was­ser­auf­be­rei­tung inte­griert, um das Ver­duns­tungs­was­ser so auf­zu­be­rei­ten, dass kei­ne Abla­ge­run­gen in der Anla­ge entstehen.

Ohne Luftbefeuchtung sinkt in der kalten Jahreszeit die relative Luftfeuchtigkeit oft unter Werte von 20 Prozent. Abbildung: FGK

Ohne Luft­be­feuch­tung sinkt in der kal­ten Jah­res­zeit die rela­ti­ve Luft­feuch­tig­keit oft unter Wer­te von 20 Pro­zent. Abbil­dung: FGK

Mit Luftbefeuchtung kann die empfohlene Mindestfeuchte von 40 Prozent sichergestellt werden. Abbildung: FGK

Mit Luft­be­feuch­tung kann die emp­foh­le­ne Min­dest­feuch­te von 40 Pro­zent sicher­ge­stellt wer­den. Abbil­dung: FGK

Wenn im Büro­ge­bäu­de kei­ne Lüf­tungs­an­la­ge instal­liert ist, muss trotz­dem nicht auf die Luft­be­feuch­tung ver­zich­tet wer­den. Der Markt bie­tet dafür die Direkt-Raum­luft­be­feuch­tung, eigen­stän­di­ge Gerä­te, die in den zu befeuch­ten­den Räu­men instal­liert und betrie­ben wer­den. Weil sie nicht immer einen direk­ten Was­ser­an­schluss haben, muss ihr Was­ser­tank von Zeit zu Zeit auf­ge­füllt werden.

Für die Befeuch­tung von klei­ne­ren Büros oder Wohn­räu­men eig­nen sich ins­be­son­de­re Dampf­be­feuch­ter, Ver­duns­ter und Ultra­schall­be­feuch­ter. Die heu­te erhält­li­chen Pro­duk­te las­sen sich kom­for­ta­bel regeln, sodass eine zu nied­ri­ge oder zu hohe Raum­luft­feuch­te ver­mie­den wird. Wich­tig ist die regel­mä­ßi­ge War­tung und Rei­ni­gung, nicht zuletzt aus Grün­den der Hygiene.

Adiabate und isotherme Systeme

Aus phy­si­ka­li­scher Sicht wird grund­sätz­lich zwi­schen iso­ther­mer und adia­ba­ter Befeuch­tung unter­schie­den. Iso­ther­me Sys­te­me erhit­zen Was­ser, bis es ver­dampft. Sol­che Dampf­luft­be­feuch­ter erfül­len sehr hohe hygie­ni­sche Anfor­de­run­gen. Der Was­ser­dampf, den sie erzeu­gen, wird in die Lüf­tungs­an­la­ge oder direkt in den Raum ein­ge­bracht. Dabei ändert sich die Raum­tem­pe­ra­tur kaum, der Pro­zess läuft also iso­therm ab. Zum Erhit­zen des Was­sers wer­den Dampf­luft­be­feuch­ter über­wie­gend mit Strom betrie­ben, grö­ße­re Anla­gen auch mit Gas.

Sys­te­me auf Basis der adia­ba­ten Befeuch­tung ver­sprü­hen in den meis­ten Fäl­len Was­ser unge­fähr bei Raum­tem­pe­ra­tur oder sie benet­zen Ober­flä­chen. Das Was­ser nimmt Wär­me aus dem Raum oder der Zuluft auf und ver­duns­tet. Dabei kühlt sich die Luft ab, sodass in der Heiz­pe­ri­ode nach­ge­heizt wer­den muss – ent­we­der über Luf­t­er­hit­zer oder über die Heiz­kör­per. Die erfor­der­li­che Ener­gie­zu­fuhr ist genau­so hoch wie bei der Dampf­be­feuch­tung. Eine Wär­me­rück­ge­win­nung kann einen Teil die­ser Ener­gie beson­ders ener­gie­ef­fi­zi­ent bereit­stel­len, weil sie die Abwär­me nutzt. Bei allen Sys­te­men kann zusätz­lich aber auch eine Feuch­te­rück­ge­win­nung einen Groß­teil der Feuch­te zurück­ge­win­nen. Die zusätz­li­che Befeuch­tungs­en­er­gie fällt dann nicht mehr beson­ders ins Gewicht.

Das FGK-Fazit

Raum­luft­tech­ni­sche Anla­gen brin­gen kon­ti­nu­ier­lich gefil­ter­te Außen­luft in die Büro­räu­me, füh­ren gleich­zei­tig belas­te­te Raum­luft ab und sor­gen so für eine gleich­blei­bend gute Luft­qua­li­tät im Gebäu­de­in­ne­ren. Zudem redu­ziert eine Wär­me­rück­ge­win­nung die Heiz­kos­ten, indem sie in der kal­ten Jah­res­zeit Wär­me aus der Abluft auf die Zuluft über­trägt und stei­gert den Kom­fort, weil die Zuluft vor­er­wärmt in die Räu­me gelangt. Aller­dings sinkt in der kal­ten Jah­res­zeit durch das Lüf­ten die Raum­luft­feuch­tig­keit. Um die für die Gesund­heit för­der­li­che Raum­luft­feuch­te von min­des­tens 40 Pro­zent zu errei­chen, soll­ten des­halb Luft­be­feuch­tungs­sys­te­me ein­ge­setzt werden.

Claus Händel, Technischer Referent, Fachverband Gebäude-Klima e. V. Abbildung: FGK

Abbil­dung: FGK

Claus Hän­del,

Geschäfts­füh­rer Technik,
Fach­ver­band Gebäu­de-Kli­ma e. V.

fgk.de

 

 


Sabine Riethmüller, Fachverband Gebäude-Klima e. V. (FGK). Abbildung: Privat

Abbil­dung: Privat

Sabi­ne Rieth­mül­ler,

Refe­ren­tin,
Fach­ver­band Gebäu­de-Kli­ma e. V.

fgk.de

 

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