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Ein Gespräch über gutes Design mit Studio Besau-Marguerre

Das Ham­bur­ger Desi­gner­duo Mar­cel Besau und Eva Mar­guer­re ver­folgt einen ganz­heit­li­chen, puris­ti­schen und far­ben­fro­hen Gestal­tungs­an­satz, der auch im Office-Bereich schon für Furo­re gesorgt hat. Wir spra­chen mit den Desi­gnern über Coro­na, New Work, Awards, Trends und natür­lich auch über gutes Design.

Das Designerduo Marcel Besau und Eva Marguerre. besau-marguerre.de. Abbildung: Silke Zander

Das Desi­gner­duo Mar­cel Besau und Eva Mar­guer­re. besau-marguerre.de. Abbil­dung: Sil­ke Zander

OFFICE ROXX: Wie kommen Sie bislang durch die Corona-Krise?

Eva Mar­guer­re: Die Pan­de­mie ist auch für uns eine sehr tur­bu­len­te Zeit. Letz­tes Jahr hat es uns sehr direkt getrof­fen. Wir hat­ten zuvor vie­le Mes­se­pro­jek­te mit diver­sen Kun­den ent­wor­fen und rea­li­siert. Das ist von jetzt auf gleich weg­ge­bro­chen. Glück­li­cher­wei­se waren wir auch schon vor Coro­na beim The­ma Digi­ta­li­sie­rung der Arbeits­pro­zes­se aktiv, sodass uns das mobi­le Arbei­ten vor kei­ne all­zu gro­ße Her­aus­for­de­rung gestellt hat. Aber es kris­tal­li­sie­ren sich Schwer­punk­te her­aus, die sehr gut oder eben nicht so gut funk­tio­nie­ren. Alles in allem konn­ten wir 2020 gut meis­tern. Wir haben die Frei­räu­me genutzt, uns, unse­re Arbeit sowie die Pro­zes­se und auch die Aus­rich­tung unse­res Büros zu hin­ter­fra­gen. Wir konn­ten uns mit der neu­en Situa­ti­on arran­gie­ren und uns fokussieren.

Sie gehören beide zur sogenannten Generation Y. Dieser wird eine Affinität zu New Work nachgesagt. Wie stehen Sie zu dieser neuen Arbeitskultur?

Mar­cel Besau: Als Desi­gner haben wir schon immer vie­le Arbeits­wei­sen intui­tiv aus­pro­biert. Denn unser viel­fäl­ti­ger Arbeits­all­tag besteht aus unter­schied­lichs­ten Arbeits­si­tua­tio­nen. In den letz­ten Jah­ren konn­ten wir uns zahl­rei­che Ansät­ze erar­bei­ten. Die­se sind dann auch 2020 bei unse­rer Zusam­men­ar­beit mit der Fir­ma Sigel in eine Offi­ce­tools-Kol­lek­ti­on namens Mocon ein­ge­flos­sen. Bei uns geht es dar­um, Neu­es zu schaf­fen und der Krea­ti­vi­tät geeig­ne­te Werk­zeu­ge an die Sei­te zu stel­len, die es uns erlau­ben, Ideen Rea­li­tät wer­den zulas­sen und gemein­sam an ihnen zu arbei­ten. New Work ist für uns als Krea­ti­ve ein Pro­zess des Hin­ter­fra­gens unse­rer Arbeits­wei­sen und der Zusam­men­ar­beit im Team.

Das modulare Boardsystem Mocon für agiles, kreatives Arbeiten, das Besau und Marguerre für Sigel entworfen haben. Abbildung: Silke Zander

Das modu­la­re Board­sys­tem Mocon für agi­les, krea­ti­ves Arbei­ten, das Besau und Mar­guer­re für Sigel ent­wor­fen haben. Abbil­dung: Sil­ke Zander

Die Digitalisierung schreitet schneller voran denn je. Welche Bedeutung hat da noch die Haptik?

Mar­cel Besau: Die ding­li­che Welt ist und bleibt der wesent­li­che Bezug für uns Men­schen. Die hap­ti­schen Erleb­nis­se prä­gen sich beson­ders gut in unser Gedächt­nis ein. Der Begriff „Sen­se Memo­ry“ beschreibt die­ses Phä­no­men und unter­streicht des­sen Bedeu­tung. Jeder von uns kennt zum Bei­spiel das Gefühl von der Berüh­rung eines war­men Hol­zes, das von der Son­ne ange­strahlt wird und bei des­sen geschlif­fe­ner Ober­flä­che eine fei­ne Mase­rung spür­bar bleibt.

2019 wurden nicht nur 100 Jahre Bauhaus, sondern auch 200 Jahre Thonet gefeiert. Für den Traditionshersteller haben Sie im Jubiläumsjahr den Freischwinger S 533 von Ludwig Mies van der Rohe neu interpretiert. Was war Ihnen dabei besonders wichtig?

Eva Mar­guer­re: Als wir für das Pro­jekt ange­fragt wur­den, haben wir uns rie­sig gefreut. Es war uns wich­tig, den Ent­wurf nicht grund­le­gend zu ver­än­dern, son­dern ihn mit Fein­ge­fühl zu behan­deln. In unse­rer Arbeit spie­len zwei Aspek­te immer eine wesent­li­che Rol­le – Far­be und Mate­ri­al. Des­halb durf­ten die­se auch hier nicht feh­len. Durch eine sen­si­ble Kom­bi­na­ti­on von Ober­flä­chen und Far­big­kei­ten haben wir dem Frei­schwin­ger eine wei­che­re Note ver­lie­hen und so einen ande­ren Cha­rak­ter gegeben.

Was macht gutes Design generell für Sie aus?

Mar­cel Besau: Gutes Design ist sehr viel­schich­tig. Grund­sätz­lich soll es Ant­wor­ten und Lösun­gen auf Anfor­de­run­gen lie­fern, die an uns gestellt wer­den. Dazu zäh­len funk­tio­na­le wie ästhe­ti­sche Anfor­de­run­gen, pro­duk­ti­ons­tech­ni­sche wie öko­lo­gi­sche und vie­le mehr. Aber gutes Design soll vor allem berüh­ren und Emo­tio­nen wecken – eine Iden­ti­fi­ka­ti­on des Benut­zers mit dem Pro­dukt ent­ste­hen las­sen. Unser Ziel ist es immer, Din­ge zu erschaf­fen, die lang­jäh­ri­ge Weg­be­glei­ter der Men­schen wer­den. Die Qua­li­tät muss die Grund­la­ge sein und Bin­dung oder Iden­ti­fi­ka­ti­on füh­ren dann dazu, dass wir die Objek­te in unse­rer schnell­le­bi­gen und von Moden gepräg­ten Zeit auch lan­ge bei uns behal­ten bzw. wertschätzen.

Für Thonet interpretierte das Designduo den S 533 F von Ludwig Mies van der Rohe aus dem Jahre 1927 neu. Abbildung: Konstantin Mayer

Für Tho­net inter­pre­tier­te das Design­duo den S 533 F von Lud­wig Mies van der Rohe aus dem Jah­re 1927 neu. Abbil­dung: Kon­stan­tin Mayer

Welche Designtrends zeichnen sich für Sie gerade vor allem ab?

Eva Mar­guer­re: Der größ­te Trend der letz­ten Jah­re ist die Viel­schich­tig­keit, die sti­lis­ti­sche Diver­si­fi­ka­ti­on und Indi­vi­dua­li­sie­rung. Für jeden soll etwas dabei sein. Jeder soll sich abge­holt füh­len und erreicht wer­den. Wenn wir einen Blick in die Zukunft wer­fen, wird das The­ma Digi­ta­li­sie­rung immer wei­ter vor­an­schrei­ten. Es wird uns in allen Lebens­be­rei­chen beglei­ten. Gleich­zei­tig wer­den wir mit die­ser Ent­wick­lung ein zuneh­men­des Bedürf­nis in der ana­lo­gen Welt gene­rie­ren. Es ent­steht bei vie­len Men­schen der Wunsch, geer­det zu blei­ben und einen Anker zu haben, einen Ruhe­pol und ver­läss­li­che Kon­stan­ten. Ein wich­ti­ger, wenn nicht der wich­tigs­te Trend wird aus unse­rer Per­spek­ti­ve die mate­ri­el­le Authen­ti­zi­tät und Qua­li­tät von Pro­duk­ten bleiben.

Denken Sie, die Corona-Krise wird sich im Design der nächsten Jahre niederschlagen?

Eva Mar­guer­re: Kri­sen sind Beschleu­ni­ger, sie ver­än­dern Men­schen und Gesell­schaf­ten. Von daher: bestimmt.

Es gibt mittlerweile viele Designpreise – zu viele?

Mar­cel Besau: Design­prei­se kön­nen ein sinn­vol­les Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­um sein. Sie bie­ten eine gute Platt­form für das Netz­wer­ken und die Aus­ein­an­der­set­zung mit der Bran­che. Wel­che Teil­nah­me sinn­voll ist, muss immer im Ein­zel­fall ent­schie­den wer­den. Gera­de für jun­ge Desi­gner sind sol­che Awards auch eine gute Chan­ce, auf die eige­ne Arbeit auf­merk­sam zu machen und das Netz­werk zu erweitern.

Für den New-Work-Spezialisten und Gründer der Agentur Thjnk Michael Trautmann wurde jüngst ein neuer „WorkLifeSpace“ im Apartimentum in Hamburg realisiert. Abbildung: Silke Zander

Für den New-Work-Spe­zia­lis­ten und Grün­der der Agen­tur Thjnk Micha­el Traut­mann wur­de jüngst ein neu­er „WorkLi­feSpace“ im Apar­ti­men­tum in Ham­burg rea­li­siert. Abbil­dung: Sil­ke Zander

Welche Awards bedeuten Ihnen am meisten?

Mar­cel Besau: Uns freut es vor allem, wenn Pro­jek­te prä­miert wer­den, die uns am Her­zen lie­gen. Dabei ist es weni­ger wich­tig, von wem der Preis stammt. Die Wert­schät­zung der Arbeit durch eine Aus­zeich­nung ist ein­fach groß­ar­tig. Wir haben uns zum Bei­spiel sehr gefreut, als wir den Inte­rior Inno­va­ti­on Award für das Inte­rior- Kon­zept für About you bekom­men haben. In das Pro­jekt ist sehr viel Herz­blut geflossen.

Kreativität soll mehr Transpiration als Inspiration sein – wie entstehen die Ideen zu Ihren Entwürfen?

Eva Mar­guer­re: Gern wür­de ich sagen, dass gute Ideen ein­fach so und aus­schließ­lich aus jenen magi­schen, genia­len Momen­ten non­cha­lant beim Lust­wan­deln ent­ste­hen. In Wahr­heit ist die Ent­wick­lung von Ent­wür­fen ein Schaf­fens­pro­zess. Sie ist har­te Arbeit: Orga­ni­sa­ti­on, Recher­che und Kom­mu­ni­ka­ti­on gepaart mit Intui­ti­on und Offen­heit. Es braucht viel Fut­ter für das Gehirn, damit dort neue Ideen ent­ste­hen kön­nen. Die­se wer­den im Dia­log zwi­schen uns ver­fei­nert, wei­ter­ent­wi­ckelt oder auch mal ver­wor­fen. Und den­noch ist es für uns sehr wich­tig, uns Frei­räu­me zu schaf­fen, die dem Geist die Ruhe geben, all das zu ver­ar­bei­ten und die Krea­ti­vi­tät zu beflü­geln. Wir brau­chen also ein Set­ting aus Kon­zen­tra­ti­on, Kon­tem­pla­ti­on und Kommunikation.

Vielen Dank.

Die Fra­gen stell­te Robert Nehring.

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