Digi­ta­li­sie­rung, KI-Anwen­dun­gen und Auto­ma­ti­sie­rung stel­len Unter­neh­men vor gro­ße Auf­ga­ben – mit impli­zi­ten Risi­ken, aber auch gro­ßen Chan­cen. Gabrie­le Som­mer von TÜV Süd erklärt, war­um eine über­legt gestal­te­te Unter­neh­mens­kul­tur dabei beson­ders wich­tig ist.

KI und Automatisierung verändern die Komplexität der Arbeit. Abbildung: Pexels

KI und Auto­ma­ti­sie­rung ver­än­dern die Kom­ple­xi­tät der Arbeit. Abbil­dung: Pexels

KI und Digi­ta­li­sie­rung ver­än­dern die Arbeits­welt grund­le­gend. Der Trend zu inter­dis­zi­pli­nä­ren und immer kom­ple­xe­ren Pro­jek­ten wird sich wei­ter ver­stär­ken. Wer aber denkt, Digi­ta­li­sie­rung sei mit der Bereit­stel­lung der tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen und digi­ta­len Tools erle­digt, liegt falsch. Eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen ist die kul­tu­rel­le Ver­än­de­rung im Unter­neh­men, die damit ein­her­ge­hen muss und ungleich schwie­ri­ger umzu­set­zen ist. Das beginnt mit zeit- und orts­un­ab­hän­gi­gem Arbei­ten. Häu­fig nur Lip­pen­be­kennt­nis und spo­ra­disch genutzt, hat die Coro­na-Kri­se hier einen Schub gege­ben. Unter­neh­men haben in Rekord­zeit tech­nisch auf­ge­rüs­tet. Mit­ar­bei­ter und Füh­rungs­kräf­te haben unter Real­be­din­gun­gen gese­hen, was alles mög­lich ist. Sicher wird die­se Arbeits­form nach­hal­tig mehr Akzep­tanz erfah­ren.

Ein neues Verständnis durch KI und Automatisierung

KI-Anwen­dun­gen und Auto­ma­ti­sie­rung haben aber deut­lich tief­grei­fen­de­re Aus­wir­kun­gen: Die Kom­ple­xi­tät der Arbeit ver­än­dert sich. Wäh­rend eini­ge Berei­che durch Auto­ma­ti­sie­rung mono­to­ner wer­den, wer­den ande­re viel­schich­ti­ger. Mit­tel­fris­tig muss des­we­gen unser Ver­ständ­nis für Arbeit neu geformt wer­den. Der Umfang wird weni­ger wich­tig wer­den, die Qua­li­tät dafür umso mehr. In die­ser Ent­wick­lung müs­sen alle Men­schen mit­ge­nom­men wer­den. Von zen­tra­ler Bedeu­tung dafür sind Wei­ter­bil­dun­gen: zum einen fach­lich, um die neu­en Tech­no­lo­gi­en zumin­dest im Gro­ben zu ver­ste­hen und sich die­sen gewach­sen zu füh­len. Zum ande­ren per­sön­lich, um mit den Ände­run­gen der Arbeits­an­for­de­run­gen umge­hen zu kön­nen sowie um Über- und auch Unter­for­de­rung zu ver­mei­den.

Transparenz und Rückmeldung bei der Zusammenarbeit

Auch die Bezie­hung zwi­schen Team und Füh­rungs­kraft wird sich ändern: Die wach­sen­de Daten­trans­pa­renz bei Tätig­kei­ten ermög­licht eine direk­te­re und detail­lier­te­re Rück­mel­dung zur Leis­tung. Das kann moti­vie­ren oder frus­trie­ren. Hier gilt es, Füh­rungs­kräf­te ent­spre­chend zu schu­len und/oder Wege zu fin­den, die­se Rück­mel­dung mög­lichst neu­tral zu ver­mit­teln. Eine Leis­tungs­be­ur­tei­lung durch eine KI-Anwen­dung könn­te dabei sogar hel­fen, weil die emo­tio­na­le Kom­po­nen­te fehlt. Grund­sätz­lich gilt: Eine kon­struk­ti­ve Feh­ler­kul­tur hilft hier­bei allen.

Werte und Freiräume einer neuen Unternehmenskultur

Eine zukunfts­fä­hi­ge Unter­neh­mens­kul­tur muss ent­spre­chend über­legt gestal­tet sein. Die Wur­zeln, Wer­te und Zie­le eines Unter­neh­mens sol­len sich deut­lich wider­spie­geln. Gleich­zei­tig müs­sen Neu­gier auf Inno­va­tio­nen und Wan­del eben­so geför­dert wer­den, wie kon­ti­nu­ier­li­ches Ler­nen und Wei­ter­den­ken. Nur eine Kul­tur, die dies vor­lebt und ein­for­dert, hilft Mit­ar­bei­ten­den, ein brei­tes Skill-Set zu ent­wi­ckeln und krea­tiv zu sein. Lern­fä­hi­ge und -wil­li­ge Arbeits­kräf­te, die gelei­tet von einer wer­te­ba­sier­ten Unter­neh­mens­kul­tur genü­gend Frei­räu­me zur Ent­fal­tung ihrer Kom­pe­ten­zen haben, sind Inno­va­tions-Enab­ler, bedie­nen Kun­den opti­mal und hel­fen Unter­neh­men, zu wach­sen.

 

GAbriele Sommer

Gabrie­le Som­mer,
Lei­te­rin Kon­zern­be­reich Per­so­nal,
TÜV Süd AG.
tuvsud.com