An einem geord­ne­ten Schreib­tisch sitzt ein wohl­struk­tu­rier­ter Geist. So könn­te das Mot­to für den heu­te began­ge­nen Räum-Dei­nen-Schreib­tisch-auf-Tag lau­ten. Mar­tin A. Völ­ker hat dar­über nach­ge­dacht und ruft zum Aktiv­wer­den auf.

Ist der Untergrund nicht mehr zu erkennen, könnte er zu voll sein: der Schreibtisch. Abbildung: Pexels

Ist der Unter­grund nicht mehr zu erken­nen, könn­te er zu voll sein: der Schreib­tisch. Abbil­dung: Pexels

Zu den belieb­tes­ten Plä­nen am Jah­res­an­fang gehört das Vor­ha­ben, end­lich das Büro und den Schreib­tisch auf­zu­räu­men. Meis­tens bleibt es jedoch beim Gedan­ken­spiel einer bes­se­ren Ord­nung, weil das dyna­mi­sche Tages­ge­schäft nach dem Urlaub schnell klar­macht, dass dafür kei­ne Zeit bleibt. Und trotz­dem lohnt es sich, die­sem Vor­satz Taten fol­gen zu las­sen. Durch das Archi­vie­ren, Able­gen und auch Weg­wer­fen stellt sich räum­li­che wie geis­ti­ge Erleich­te­rung ein, die den Arbeits­ei­fer und die Zufrie­den­heit stei­gert. Das mag der Haupt­grund dafür sein, dass der heu­ti­ge Tag in den USA als „Natio­nal Clean off Your Desk Day“ began­gen wird.

Hinterlasse einen guten Eindruck

Trotz New-Work-Krea­ti­vi­tät blei­ben geord­ne­te Ver­hält­nis­se im Büro über­le­bens­wich­tig. Über­blick­bar­keit ver­schafft Sicher­heit wie psy­chi­sche Sta­bi­li­tät. Die in vie­len Büros und Unter­neh­men ein­ge­führ­te Clean-Desk-Poli­cy weist aber noch ande­re Vor­tei­le auf. Ein auf­ge­räum­ter und nach Arbeits­schluss leer geräum­ter Schreib­tisch stei­gert die Repu­ta­ti­on eines Unter­neh­mens mit Kun­den­kon­takt. Zudem bleibt die heu­te viel dis­ku­tier­te Sicher­heit inter­ner Daten gewahrt, da kei­ne Zet­tel mit sen­si­blen Zugangs- oder Per­so­nen­da­ten offen her­um­lie­gen.

Was Goethe dazu sagen würde

Höhen­ver­stell­ba­re Schreib­ti­sche sind schon für eine rei­bungs­lo­se und varia­ble Benut­zung frei von unnö­ti­gem Bal­last zu hal­ten. Für ande­re Schreib­tischar­ten gilt, genü­gend und geeig­ne­te Stau­raum­mö­bel zu haben: Con­tai­ner, Schub­lä­den und Schrän­ke. Bevor man die­se jedoch wie­der­um ver­rüm­pelt, muss aus­sor­tiert wer­den. Der Dich­ter­fürst Goe­the war ein gro­ßer Freund der Ord­nung am Arbeits­platz: In einem Teil sei­nes Romans „Wil­helm Meis­ters Wan­der­jah­re“ („Die neue Melu­si­ne“) lobt er die in ihrer Zeit fort­schritt­li­chen „künst­li­chen“ Schreib­ti­sche des Möbel­bau­ers David Roent­gen, „wo mit einem Zug vie­le Federn und Res­sorts in Bewe­gung kom­men, Pult und Schreib­zeug, Brief- und Geld­fä­cher“. Tech­ni­sche Fines­se war damals schon ein Hilfs­mit­tel, um jeder Tätig­keit, jedem Arbeits­pro­dukt den geeig­ne­ten Platz zuzu­wei­sen.

Heute schon einen Arbeitsplatz gewählt?

Eines der aktu­el­len Zau­ber­wor­te im Büro­be­reich lau­tet „Desk-Sharing“. Um Arbeits­plät­ze bes­ser aus­las­ten zu kön­nen und agi­le Arbeits­wei­sen zu beför­dern, wird auf fes­te bzw. per­so­na­li­sier­te Schreib­ti­sche ver­zich­tet. An jedem Tag fin­det eine freie Arbeits­platz­wahl statt. Eine sol­che Nut­zung von Büro­land­schaf­ten macht einen lee­ren Schreib­tisch nach ver­rich­te­ter Arbeit unbe­dingt erfor­der­lich und fragt den Nut­zer danach, was er zum Arbei­ten über­haupt benö­tigt und aus­packt. Nicht jeder Stift, jeder Tacker oder jeder Ord­ner muss auf dem Schreib­tisch auf sei­nen Ein­satz war­ten. Wird mit Desk-Sharing der geord­ne­te und lee­re Schreib­tisch zur Nor­ma­li­tät, bleibt nur noch das Auf­räu­men des E-Mail-Faches. Aber das ver­schie­ben wir gern auf das nächs­te Jahr …