Bei der Arbeit klin­gelt plötz­lich das Tele­fon. Eine unbe­kann­te Num­mer auf dem Dis­play kann schon mal Ner­vo­si­tät erzeu­gen. Im fünf­ten Teil sei­ner Kolum­ne zeigt Ste­fan Häse­li, wie schnell sich die­se Situa­ti­on aber in Wohl­ge­fal­len auf­lö­sen kann.


Die Bürokommunikation hat eigene Regeln und Gesetze. Abbildung: Pixabay

Die Büro­kom­mu­ni­ka­ti­on hat eige­ne Regeln und Geset­ze. Abbil­dung: Pixabay

Han­nes brü­tet über einem Kon­zept für die Neu­or­ga­ni­sa­ti­on der Mate­ri­al­lo­gis­tik. Nor­ma­ler Büro­all­tag. Das Tele­fon klin­gelt. Laut der Num­mern­er­ken­nung ist es weder ein Kun­de noch ein Mit­ar­bei­ter. Es könn­te ein Coach sein, der sei­ne Auf­trags­bü­cher noch fül­len muss oder eine Büro­ar­ti­kel­fir­ma, die ver­se­hent­lich durch die Maschen der Sekre­tä­rin gerutscht ist und ihm ganz per­sön­lich zehn Toner für sei­nen loka­len Dru­cker ver­kau­fen will. Oder zumin­dest einen Zent­ner Papier­vor­rat. Ob die­ser Gedan­ken leicht genervt, presst Han­nes sei­nen Namen mit einem unter­kühl­ten „Was-kann-ich-für-Sie-tun?“ in den Tele­fon­hö­rer.

Aber nein, das ist ja Sebas­ti­an, sein alter Schul­kol­le­ge. Er arbei­tet neu als Dis­tri­bu­ti­on-Mana­ger bei einem Lie­fe­ran­ten und woll­te sich nach der letz­ten Lie­fe­rung erkun­di­gen, weil dort nicht alles so gut geklappt hat. Der Anruf ist eine freu­di­ge Über­ra­schung.

Sebas­ti­an: „Hal­lo Han­nes, bist es wirk­lich du?“
Han­nes: „Sebas­ti­an – du alter Räu­ber. Das gibt’s doch nicht!“
S: „Doch, doch, scheint eini­ges gegan­gen zu sein bei dir.“
H: „Ach ja, ich sit­ze hier in der Geschäfts­füh­rung, es macht Spaß. Und was machst du?“
S: „Habe auch eine tol­le Arbeit, ich lei­te die Qua­li­täts­si­che­rungs­ab­tei­lung beim Maschi­nen­kon­zern, der euch die bes­te Ware lie­fert, wenn sie dann end­lich kommt …“

Bei­de prus­ten ver­gnügt in den Tele­fon­hö­rer.
H: „Haben uns schon lan­ge nicht mehr gese­hen.“
S: „Ja, wir könn­ten wie­der mal ein Bier trin­ken.“
H: „Sol­len wir gleich einen Ter­min aus­ma­chen?“
S: „Sicher, ich hol kurz mein Smart­pho­ne.“

Auch Han­nes öff­net den Ter­min­pla­ner in sei­nem Com­pu­ter.
„Febru­ar und März sind nicht gera­de güns­tig, ich bin in einem Rie­sen­pro­jekt. April wäre bes­ser“, schlägt Sebas­ti­an vor.
H: „Ui, April ist ungüns­tig, da ist Ostern und anschlie­ßend bin ich bis Juli in Aus­zeit.“
S: „Also danach. Ich bin Juli noch in Pal­ma, aber ab August fin­den wir sicher einen Ter­min.“
H: „August ist gut. Die neue Pro­duk­ti­on geht erst am 20. los. Vor­her ist eine inten­si­ve Pla­nungs­pha­se, aber am 18. oder 19. wür­de es mir gut pas­sen.“
S: „Och nein, vom 16. bis 19. bin ich in Stock­holm.“
H: „Stock­holm ist schön, ich bin Mit­te Okto­ber dort. Wie sieht es denn im Sep­tem­ber aus?“
S: „Lass mal schau­en – ach nein, Sep­tem­ber geht lei­der gar nicht. Ich hei­ra­te dann und man weiß nie, was es vor­her noch zu tun gibt.“
H: „Das ver­ste­he ich, das blo­ckiert natür­lich die Ter­mi­ne.“
S: „Aber hör mal Han­nes, ich habe eine Idee: Wir könn­ten uns bei mei­ner Hoch­zeit etwas frü­her tref­fen. Du bist ja sicher dabei.“
H: „Wann hei­ra­test du?“
S: „Am 10. Sep­tem­ber um zehn Uhr. Wir könn­ten uns um neun Uhr tref­fen.“
H: „Das ist gebucht.“
S: „Tipp­topp, die Ter­min­su­che ging ja fix.“
H: „Dei­ne Ent­schei­dungs­freu­dig­keit und Spon­ta­nei­tät haben mir schon immer gefal­len.“
Sebas­ti­an lacht: „Ist doch klar.“
„Und wenn etwas dazwi­schen­kommt?“ gibt Han­nes noch zu beden­ken.
S: „Wir tau­schen noch unse­re Han­dy­num­mern aus – für alle Fäl­le.“
H: „Klar doch – also, bis bald.“
S: „Freu mich sehr, dass die Ver­ab­re­dung so kurz­fris­tig klappt.“
H: „Die Lie­fer­schwie­rig­kei­ten bei dei­nen Maschi­nen­en­tei­len kön­nen wir dann gleich auch bespre­chen, ich neh­me die Unter­la­gen mit.“
S: „Das machen wir so. Dei­ne Effi­zi­enz ist noch immer uner­reicht. Bis dann.“
H: „Tschüss.“

 

 

Ste­fan Häse­li ist Autor, Trai­ner
und gefrag­ter Key­note-Speaker.
Außer­dem ist er Grün­der
und Inha­ber der
Ate­lier Coa­ching & Trai­ning AG.