Was im Job über die sozia­len Medi­en kom­mu­ni­ziert wird, will gut über­legt sein. Im zwei­ten Teil sei­ner Kolum­ne stellt Ste­fan Häse­li die Tücken und Fett­näpf­chen beim Umgang mit Face­book, XING und Co. am Arbeits­platz vor.

Die Bürokommunikation hat eigene Regeln und Gesetze. Abbildung: Pixabay

Die Büro­kom­mu­ni­ka­ti­on hat eige­ne Regeln und Geset­ze. Abbil­dung: Pixabay

End­lich hat sich auch das Unter­neh­men von Han­nes zur Per­so­nal­be­ur­tei­lung auf das 360-Grad-Feed­back ein­ge­schwo­ren. Das Ver­hal­ten gegen­über Mit­ar­bei­tern, Kol­le­gen und Kun­den erhält mehr Gewicht. Han­nes ist über­zeugt, dort zu punk­ten. Doch schon beim ers­ten Ver­gleich muss er hin­ten­an­ste­hen. Eine per­sön­li­che, inof­fi­zi­el­le Vor-Markt­ana­ly­se zeigt, dass er noch Poten­zi­al hat. Von den fünf Kol­le­gen auf der glei­chen Füh­rungs­stu­fe belegt er Rang fünf. Er bespricht sich mit sei­nem Coach. Die Blitz­ana­ly­se ergibt: Han­nes hat zu weni­ge „Freun­de“. Eine klaf­fen­de Lücke öff­net sich, als ihn der Coach auf „Sozia­le Medi­en“ anspricht: „Wie vie­le Freun­de haben Sie auf Face­book? Wie vie­le Kon­tak­te zwei­ten Gra­des haben Sie auf XING gelis­tet?“ Han­nes ver­steht nichts.

Fest steht: Han­nes braucht eine Fort­bil­dung zum The­ma Soci­al Media. Im Unter­neh­mens­fo­rum in der Stadt fin­det ein Vor­trag dazu statt. Han­nes hört zu, schreibt mit. Als pflicht­be­wuss­ter Mana­ger eröff­net Han­nes Accounts bei XING, Twit­ter und Face­book. Doch selbst als PC-affi­ner Mensch kriegt sein Elan schnell einen Knick: Pro­fil ver­wal­ten, Infor­ma­tio­nen bear­bei­ten, Bezie­hungs­sta­tus aktua­li­sie­ren, Zugriffs­be­rech­ti­gun­gen in Kate­go­ri­en fest­le­gen, poli­ti­sche und reli­giö­se Ansich­ten nur engen Freun­den sicht­bar machen, ehe­ma­li­ge Wohn­or­te kom­plet­tie­ren … Nach vier Stun­den ist alles soli­de und kor­rekt hin­ter­legt.

Am nächs­ten Mor­gen gestal­tet Han­nes sein Start-to-work-Ritu­al neu. Erst ein­mal öff­net er gespannt alle Platt­for­men. „Ach – Kol­le­ge Hubert ist auch auf XING.“ Der war letz­tes Jahr drei Mona­te auf Suche und ist jetzt Chief Dis­tri­bu­ti­on of the Divi­si­on Out­go­ings. Wie frü­her, er hat auch damals die Post gemacht. „Den kli­cke ich an“, meint Han­nes und freut sich, einen neu­en Kon­takt zu haben. Auf Face­book erfährt er, wer der Typ ist, der stän­dig bei sei­ner Nach­ba­rin sitzt. „Dan­ke für die schö­ne Nacht“, hat die­ser auf die Pinn­wand geschrie­ben. „Ja Schatz, war super“, beschreibt sie die nächt­li­che Akti­vi­tät. Ein Vor­teil, dass gleich alle Freun­de Bescheid wis­sen …

Als wie­der ein­mal die Vor­be­rei­tung für ein Mee­ting zäh ist, kann er das mit­tei­len. Auf der Pinn­wand von Face­book teilt er sei­nen unter­des­sen 237 Freun­den mit: „Sch…-Meeting. Ich komm‘ nicht wei­ter. Die wol­len hier immer alles ganz genau haben, um es dann doch zu zer­re­den. Da fällt einem ja nichts dazu ein. Lang­wei­lig!“ Kurz dar­auf sieht er das Resul­tat: 16 sei­ner 237 „fri­ends“ fin­den es gut, dass ihm nichts ein­fällt. Dazu der Kom­men­tar sei­nes Chefs: „Ich wer­de mir was über­le­gen, damit Ihnen nie mehr lang­wei­lig ist!“ Hopp­la! Der Chef ist einer sei­ner 237 Freun­de. Kurz bevor er der Face­book-Grup­pe „Kann-mir-jemand-sagen-war­um-alle-Chefs-doof-sind“ bei­tritt, durch­zuckt ihn ein Gedan­ke: „Was, wenn auch mei­ne Mit­ar­bei­ter in die­ser Grup­pe sind?“

Han­nes begreift, dass sozia­le Medi­en begrif­fen wer­den müs­sen. Das fei­ert er für sich ganz per­sön­lich in der Betriebs­kan­ti­ne bei einer Tas­se Kaf­fee. Bis er merkt, dass ein Mit­ar­bei­ter davon einen 40-Sekun­den-Film macht und die­sen bereits auf You­Tube gestellt hat, als er wie­der im Büro ist. Nobo­dy is per­fect …

 

Ste­fan Häse­li ist Autor, Trai­ner
und gefrag­ter Key­note-Speaker.
Außer­dem ist er Grün­der
und Inha­ber der
Ate­lier Coa­ching & Trai­ning AG.