Der Kugel­schrei­ber gehört zu den nütz­lichs­ten Erfin­dun­gen des 20. Jahr­hun­derts. Er muss weder stän­dig gespitzt wer­den wie der Blei­stift noch birgt er die Gefahr von Tin­ten­fle­cken wie der Füll­fe­der­hal­ter. Damit ist der Kugel­schrei­ber bis heu­te ein unver­zicht­ba­res Büro­u­ten­sil.

Dem Erfinder des Kugelschreibers, László József Bíró, kommt die Idee für seine Erfindung in einer Druckerei. Abbildung: Wikimedia Commons/Albasmalko

Dem Erfin­der des Kugel­schrei­bers, László Józ­sef Bíró, kommt die Idee für sei­ne Erfin­dung in einer Dru­cke­rei. Abbil­dung: Wiki­me­dia Commons/Albasmalko

Die Kugel des gängigen Kugelschreibers hat je nach Strichdicke einen Durchmesser von 0,7 bis 1,4 mm. Abbildung: Daniel Schwen

Die Kugel des gän­gi­gen Kugel­schrei­bers hat je nach Strich­di­cke einen Durch­mes­ser von 0,7 bis 1,4 mm. Abbil­dung: Dani­el Schwen

Ein Beispiel für einen edlen Kugelschreiber: One Piece von Porsche Design. Abbildung: Porsche

Ein Bei­spiel für einen edlen Kugel­schrei­ber: One Pie­ce von Por­sche Design. Abbil­dung: Por­sche

Die Erfin­dung des Kugel­schrei­bers beginnt in den drei­ßi­ger Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts mit einer schil­lern­den Figur namens László Józ­sef Bíró, einem unga­ri­schen Erfin­der, Künst­ler und Jour­na­lis­ten. Er arbei­tet damals als Redak­teur bei einer Zeit­schrift in Buda­pest und zu sei­nen Auf­ga­ben gehört es auch, den Andruck der Zeit­schrift in der Dru­cke­rei zu über­wa­chen. Dort kommt ihm – beim Anblick der Rota­ti­ons­wal­zen, die Druck­far­be aufs Papier brin­gen – die ers­te Idee für den zukünf­ti­gen Kugel­schrei­ber. Wer schnell schrei­ben will, ohne zu schmie­ren, so sein Gedan­ke, muss eine Tin­te benut­zen, die wie Druck­far­be ist und sehr schnell trock­net. In einem gebräuch­li­chen Füll­fe­der­hal­ter lässt sich Druck­far­be jedoch nicht ver­wen­den, denn die­se ist zu zäh­flüs­sig. Gemein­sam mit sei­nem Bru­der Georg ent­wi­ckelt er in einer Rei­he von Expe­ri­men­ten dann ers­te Pro­to­ty­pen des neu­en Schreib­ge­räts. Der Clou dabei ist die Kugel an der Spit­ze, die gleich­zei­tig als Ver­schluss der Tin­ten­kam­mer dient und sich beim Schrei­ben dreht, sodass sie die zäh­flüs­si­ge Tin­te aufs Papier bringt.

Das erste Kugelschreiber-Patent

1938 bekommt Bíró schließ­lich das Patent auf den Kugel­schrei­ber. Am 31. Dezem­ber des­sel­ben Jah­res muss er jedoch vor den Natio­nal­so­zia­lis­ten aus Ungarn flie­hen. Über Paris gelangt Bíró nach Argen­ti­ni­en, wo er 1943 mit der Her­stel­lung der Kugel­schrei­ber beginnt. Dort wird der bri­ti­sche Geschäfts­mann Hen­ry Geor­ge Mar­tin auf sei­ne Erfin­dung auf­merk­sam. Mar­tin hat Bezie­hun­gen zur eng­li­schen Luft­waf­fe und weiß, dass die­se auf der Suche nach einem neu­en Schreib­ge­rät ist, weil Füll­fe­der­hal­ter in gro­ßer Höhe aus­lau­fen und Blei­stift­no­ti­zen weg­ra­diert und ver­än­dert wer­den kön­nen. Kur­zer­hand erwirbt Mar­tin die Rech­te von Bíró und ver­kauft der Roy­al Air Force bereits ein Jahr spä­ter 30.000 Kugel­schrei­ber. Aller­dings schreibt der neue Stift noch immer recht sto­ckend und kleck­send.

Der Weg zum Massenprodukt

Erst 1950 gelingt dem Kugel­schrei­ber dank des fran­zö­si­schen Barons Mar­cel Bich der Durch­bruch als Mas­sen­pro­dukt. Bich schafft es, das Gerät so wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, dass es nicht mehr schmiert und gleich­zei­tig bil­lig ist. Er redu­ziert es auf das Wesent­li­che: innen ein Röhr­chen für die Tin­te, außen ein Röhr­chen als Hül­le und eine bei­des ver­bin­den­de Metall­spit­ze mit der so wich­ti­gen Kugel. Er gibt dem neu­en Stift den Namen BIC als Kurz­form sei­nes Fami­li­en­na­mens. Bis heu­te wird der BIC Cris­tal mas­sen­haft ver­kauft. Und zu Ehren des Erfin­ders László Józ­sef Bíró wur­de der Kugel­schrei­ber in eini­gen Län­dern nach ihm benannt: Biro (in Groß­bri­tan­ni­en und Ita­li­en), Biron (in Frank­reich) und Biro­me (in Argen­ti­ni­en).

Kugelschreiber heute

Der Kugel­schrei­ber ist nicht nur in Büros immer noch all­ge­gen­wär­tig. Knapp 80 Pro­zent der Deut­schen schrei­ben mehr­mals täg­lich mit der Hand: Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den gut 439 Mil­lio­nen Euro für Kugel­schrei­ber aus­ge­ge­ben. Die Schreib­ge­rä­te kön­nen sowohl Wer­be­ge­schen­ke als auch Luxus­ar­ti­kel sein. Ver­schie­de­ne Her­stel­ler wie Vis­con­ti, Mont­blanc, Caran d’Ache und Faber-Cas­tell bie­ten luxu­riö­se Edi­tio­nen, die in digi­ta­len Zei­ten für eine Bestän­dig­keit und Wert­schät­zung von Hand­werk und Hand­schrift ste­hen. Aber auch den Sprung ins digi­ta­le Zeit­al­ter hat der Kugel­schrei­ber gemeis­tert: als Sty­lus Pen zur Bedie­nung von Tablets und Smart­pho­nes. Außer­halb der Büro­welt dient er unter ande­rem Künst­lern und Gra­fi­kern zur Gestal­tung ihrer Wer­ke.