Der Brief­um­schlag hat es nicht leicht. Doch der nega­ti­ve Trend scheint sich nun umzu­keh­ren. Zusätz­li­che Unter­stüt­zung könn­te die Kam­pa­gne „Keep me Pos­ted – Ich ent­schei­de“ lie­fern.

Briefumschlag: In den letzten zehn Jahren verringerte sich der jährliche Briefumschlagverbrauch in Deutschland um circa zehn Milliarden Stück.

In den letz­ten zehn Jah­ren ver­rin­ger­te sich der jähr­li­che Brief­um­schlag­ver­brauch in Deutsch­land um cir­ca zehn Mil­li­ar­den Stück. Quel­le: VDBF

Achtung: Bei bunten Kuverts können zusätzliche Portokosten anfallen.

Ach­tung: Bei bun­ten Kuverts kön­nen zusätz­li­che Por­to­kos­ten anfal­len. Foto: Pixabay

Die euro­päi­sche Brief­um­schlag­indus­trie lei­det seit rund zehn Jah­ren unter rück­läu­fi­gen Absatz­men­gen. Ver­ur­sacht wur­de die­se Ent­wick­lung durch den ver­stärk­ten digi­ta­len Infor­ma­ti­ons­aus­tausch im B2B-Bereich. Der Rech­nungs­ver­sand zwi­schen Unter­neh­men wur­de in zuneh­men­dem Maße elek­tro­nisch abge­wi­ckelt. Auch die Wer­be­wirt­schaft bevor­zug­te in den zurück­lie­gen­den Jah­ren immer öfter elek­tro­ni­sche Medi­en. Ins­ge­samt führ­te die­se Ent­wick­lung sowohl in Euro­pa als auch in Deutsch­land zu einem Rück­gang der Absät­ze von cir­ca 40 Pro­zent im Ver­gleich zu 2005.

Licht am Horizont

Der VDBF (Ver­band der Deut­schen Brief­um­schlag­her­stel­ler e. V.) berich­tet, dass inzwi­schen aber eine leich­te Trend­um­kehr zu erken­nen sei. Das klas­si­sche Mai­ling per Post konn­te zuletzt sei­ne Posi­ti­on behaup­ten und zeigt in bestimm­ten Seg­men­ten sogar ein leich­tes Wachs­tum: Zuwäch­se gab es bei groß­for­ma­ti­gen Brief­um­schlä­gen und Ver­sand­ta­schen. 2016 hat sich in Deutsch­land zum ers­ten Mal seit Jah­ren der rück­läu­fi­ge Trend spür­bar ver­lang­samt. Mit rund 2,9 Pro­zent war der Men­gen­rück­gang wesent­lich gerin­ger als in den Jah­ren zuvor. Trotz aller Rück­gän­ge wur­den in Deutsch­land 2016 immer noch 14 Mil­li­ar­den Brief­um­schlä­ge ver­braucht. Für 2017 wird sei­tens des VDBF nur noch mit einem Volu­men­ver­lust von cir­ca zwei Pro­zent gerech­net.

Neue Probleme für den Briefumschlag

Mit Arg­wohn beob­ach­tet der Ver­band die Anstren­gun­gen von Unter­neh­men, nun auch den B2C-Bereich flä­chen­de­ckend auf elek­tro­ni­sche Rech­nun­gen umzu­stel­len. Der VDBF lehnt dies jedoch ab, denn die erzwun­ge­ne Umstel­lung auf den digi­ta­len Rech­nungs­ver­sand benach­tei­ligt Men­schen, die kei­nen oder nur ein­ge­schränk­ten Zugang zum Inter­net haben.

Keep me Posted

In ver­schie­de­nen Län­dern Euro­pas wer­den des­halb inzwi­schen Kam­pa­gnen zur Erhal­tung der Wahl­frei­heit der Ver­brau­cher durch­ge­führt. In Anleh­nung an die in Euro­pa lau­fen­den Aktio­nen befin­det sich auch in Deutsch­land eine Kam­pa­gne „Keep me Pos­ted – Ich ent­schei­de“ in Vor­be­rei­tung. Getra­gen wird sie vor­aus­sicht­lich von meh­re­ren Ver­bän­den der Druck- und Papier­in­dus­trie sowie Post­dienst­leis­tern. Ab Mit­te die­ses Jah­res sol­len die Ver­brau­cher so ver­stärkt über ihr Recht auf Wahl­frei­heit auf­ge­klärt wer­den: Sie sol­len selbst ent­schei­den kön­nen, ob sie ihre Rech­nun­gen elek­tro­nisch oder aber ohne Mehr­kos­ten auf dem klas­si­schen Post­weg erhal­ten wol­len.

Bunte Kuverts

Anstatt mit 70 Cent müs­sen Stan­dard­brie­fe in far­bi­gem Brief­um­schlag bei bestimm­ten Far­ben mit 85 Cent fran­kiert wer­den. Die Post möch­te hier aber nicht mehr ver­die­nen, Schuld dar­an ist die Tech­nik: Bei ungüns­ti­ger Papier­far­be oder Gra­fi­ken im Bereich der Codier­zo­ne der Umschlä­ge kön­nen die Sor­tier­ma­schi­nen nicht zwi­schen Strich­code und Umschlag­far­be unter­schei­den. Dann muss ein Mit­ar­bei­ter per Hand nach­sor­tie­ren. Lei­der gibt es aber kei­ne ein­heit­li­che Regel für die­sen Fall, manch­mal drü­cken die Mit­ar­bei­ter ein Auge zu, manch­mal nicht. Auch der Begriff „ungüns­ti­ge Papier­far­be“ ist nicht näher defi­niert.