Reisen und Arbeiten komfortabel miteinander zu verbinden wird immer einfacher. Anlässlich einer großen Übernahme in seiner Branche beschreibt unser Coworking-Experte Björn Budack, woran das liegt.

Björn Budack ist seit über 20 Jahren im Bereich Bürovermietung tätig. Der Gründer der Kette „Kiez Büro Coworking“ agiert auch erfolgreich als Unternehmensberater. Abbildung: Dajana Lothert
Mit der Anfang August bekannt gewordenen Übernahme des Coworking-Betreibers Wojo der Accor-Gruppe betritt der weltweit größte Anbieter von flexiblen Arbeitsorten IWG, früher Regus, ein neues Spielfeld. Mit seinem Netzwerk von 186 Standorten ist Wojo der Betreiber mit den meisten Standorten in Frankreich und damit einerseits ohnehin eine sinnvolle Erweiterung in der Fläche für IWG. Andererseits bietet die Zusammenarbeit mit einer der weltweit größten Hotelketten auch die Möglichkeit einer weiteren schnellen Expansion. Accor betreibt über 5.800 Hotels und es ist sicherlich anzunehmen, dass beide Konzerne dieses Netzwerk für eine schnelle Ausweitung des Coworking-Angebots auch über Frankreich hinaus nutzen werden.
Lange Jahre war das Arbeiten mit Computer in Hotels eine Qual: häufig mit schlechtem Internetzugang, meistens an winzigen Tischen in ohnehin zu kleinen Zimmern, mit Glück in einem hoteleigenen Business Center. Ich erinnere mich an eine Reise in die USA im Jahr 2006, auf der ich in den Genuss zahlreicher fensterloser, nachlässig eingerichteter und meist unaufgeräumter Abstellkammern kam, die durch ein Schild an der Tür als „Business Center“ ausgewiesen wurden. Manchmal gab es sogar einen Drucker, dem es aber regelmäßig an Papier oder Toner mangelte. Um sich mit dem Internet zu verbinden, wäre eine Ausbildung zum Systemadministrator hilfreich gewesen, und nach spätestens 30 Minuten auf durchgesessenen Stühlen verlangte mein Rücken nach dem hauseigenen Wellnessbereich.
Erst Ende der 2000er-Jahre, mit der weiteren Verbreitung von WLAN und Laptops, wurde ortsunabhängige Arbeit zunehmend einfacher. Es entstand mit Cafés, Coworking-Spaces und Hostels eine Infrastruktur, die den Lebensstil der Digitalen Nomaden unterstützte. Zuerst konzentrierte sich diese Entwicklung auf touristisch interessante Ziele mit günstigen Lebenshaltungskosten wie Bali oder Chiang Mai in Thailand. Anfang der 2010er-Jahre begannen dann Hostelketten wie Social Hub mit inzwischen 21 Standorten oder Generator Hostel mit 14 Standorten, in europäische Metropolen zu expandieren.
Dass inzwischen die Verbindung von Übernachtung und Arbeit nicht mehr nur auf Hostels beschränkt bleibt, zeigt die Übernahme von Wojo durch IWG. Ein entsprechendes Projekt im Luxussegment ist die Eröffnung eines Mindspace Coworking-Space im Hilton Berlin am Gendarmenmarkt. Dabei geht es Mindspace allerdings wohl weniger um die Hotelgäste als Kundenkreis, sondern darum, „Produktivität und Wohlbefinden enger zu verknüpfen“, so Dan Zakai, CEO von Mindspace. Ob die Nutzer des Coworking-Space nach getaner Arbeit ausgiebig die Wellnessbereiche und Gastronomieangebote des Luxushotels an Anspruch nehmen werden, bleibt abzuwarten – ich persönlich bin da eher skeptisch.
Einen anderen Weg hat das Investmentunternehmen Aroundtown mit zahlreichen Beteiligungen an Hotelimmobilien eingeschlagen. Ausschlaggebend war für sie die Beobachtung, dass viele Hotellobbys tagsüber nicht genutzt werden. Da wäre es doch gut, für ein wenig Betrieb zu sorgen – und sicherlich auch für ein wenig Umsatz. Diesen Betrieb soll die App ATworld vermitteln, über die nicht nur Hotellobbys, sondern inzwischen auch zahlreiche Coworking-Spaces gebucht werden können. Durch eine Partnerschaft mit Dragonpass haben die Mitglieder Zugang zu 1.400 Airport-Lounges und damit insgesamt 2.500 Standorten, was inzwischen auch One Coworking mit seinen über 1.600 Standorten weltweit überflügelt.
„Mit ATworld machen wir ein Angebot, das heutigen Arbeitsbedürfnissen gerecht wird und somit einen klaren Mehrwert für unsere Mitglieder hat. Zusätzlich helfen wir unseren Partnerlocations, die Auslastung ihrer Flächen und so auch ihre Umsätze zu erhöhen”, sagt Projektleiter Timothy Wright in einer Pressemitteilung.
So wird also die Verbindung von Reisen und Arbeiten immer unkomplizierter.
Ob diese Entgrenzung gut ist? Das sei einmal dahingestellt. Ich jedenfalls schreibe diese Kolumne im Frühstücksraum einer kleinen Pension in Porto, bei einem Café com leite mit Blick in den Garten. Nach vollendetem Tagewerk werde ich dann gleich meinen Laptop zuklappen und mich in das Getümmel und den Lärm der Stadt stürzen. Muitos cumprimentos de Portugal!



























































